Motorsport-Team Kremer Racing

Auto Kremer Racing Team, Samson Kremer Racing, heute E & M Kremer GmbH

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 12,42″ N: 6° 55′ 54,07″ O / 50,92012°N: 6,93169°O
Koordinate UTM 32.354.624,68 m: 5.642.978,82 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.565.557,42 m: 5.643.173,37 m
  • Rennsportwagen des Typs Porsche 935 K2 von 1977/78 des seit 1962 in Köln ansässigen Motorsport-Teams "Kremer Racing" auf der Essen Motor Show (2015).

    Rennsportwagen des Typs Porsche 935 K2 von 1977/78 des seit 1962 in Köln ansässigen Motorsport-Teams "Kremer Racing" auf der Essen Motor Show (2015).

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    Knöchel, Franz-Josef
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    Franz-Josef Knöchel
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  • Rennsportwagen des Typs Porsche 935 K3 des Kölner Motorsport-Teams "Kremer Racing" bei einer Ausstellung 2008. Der 935 K3 mit der Startnummer 41 war das Siegfahrzeug beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1979.

    Rennsportwagen des Typs Porsche 935 K3 des Kölner Motorsport-Teams "Kremer Racing" bei einer Ausstellung 2008. Der 935 K3 mit der Startnummer 41 war das Siegfahrzeug beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1979.

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Die Brüder Kremer gründeten 1962 in ihrer Werkstatt in der Luxemburger Straße das Motorsport-Unternehmen Kremer Racing (zeitweise auch Auto Kremer Racing Team bzw. Samson Kremer Racing), das seitdem mit modifizierten Porsche-Sportwagen erfolgreich bei internationalen Rennen antritt. Als größter Kremer-Erfolg gilt bis heute der Gesamtsieg beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1979.
Seit der Übernahme der Firma 2010 als KFZ-Meisterwerkstatt E & M Kremer GmbH firmierend, möchte man dennoch dem historischen Motorsport verbunden bleiben.

Die Kölner Kremer-Standorte
Geschichte, Erfolge und Tragödien des Teams
Konkurrenz in Köln: GELO Racing
Die jüngere Kremer-Entwicklung bis heute
Internet, Literatur

Die Kölner Kremer-Standorte
In ihrer kleinen Werkstatt in der Luxemburger Straße Nr. 154 gründeten die beiden rennsportbegeisterten Brüder Erwin (1937-2006) und Manfred Kremer (*1939) im Jahr 1962 ihr eigenes Rennteam Kremer Racing (auch Auto Kremer Racing Team).
Das von Nikolaus Kremer – dem Vater der beiden Brüder – organisierte Team spezialisierte sich schnell auf die Verbesserung von Sportwagen des Herstellers Porsche, mit denen man selbst zunehmend erfolgreich bei internationalen Rennen antrat. Die vornehmlich auf Basis des 1963 erschienenen Porsche 911 entwickelten Kremer-Fahrzeuge wurden natürlich auch an andere Rennsport-Teams verkauft. Bereits seit den 1970er Jahren wird die Firma Kremer beim Kraftfahrtbundesamt als Fahrzeughersteller gelistet (www.kba.de, S. 72).

Schon nach wenigen Jahren am ursprünglichen Standort bezog das florierende Team um 1973 eine neue Werkstatt in der Friedrichstraße 40 in Altstadt-Süd und schließlich einen modernen Betriebsneubau in Köln-Bilderstöckchen (Robert-Perthel-Straße 31). 2010 erfolgte nach der Übernahme von Kremer Racing der erneute Umzug nach Köln-Ossendorf.
Mit dem Werbeslogan „Racing legends remastered“ vertreibt Gründer Manfred Kremer heute in der Luxemburger Straße Nr. 7 mit Kremer Porsche Fronthoods Frontmasken (d.h. Karosserieverkleidungen im vorderen Fahrzeugbereich) im Design der klassischen Kremer-Rennwagen (www.kremer-fronthoods.com).
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Geschichte, Erfolge und Tragödien des Teams
Das Team spezialisierte sich früh vornehmlich auf Langstreckenrennen und konnte seitdem zahlreiche Renn- und Klassensiege (u.a. mehrfach bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring) sowie nationale und internationale Meisterschaften erringen (vgl. etwa die Auflistung unter www.kremer-racing.eu).
Ein erster großer Erfolg des Teams war 1968 der Gewinn der Tourenwagen-Europameisterschaft mit einem Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps (Belgien). Erwin Kremer, der seine Rennwagen anfangs noch selbst steuerte, gewann auf einem verbesserten „911er“ nach 284 Runden über insgesamt 4.004,827 Kilometer zusammen mit Helmut Kelleners (*1939) und Willi Kauhsen (*1939).

Mitte der 1970er Jahre trat das Team nach einem Sponsor aus der Tabakbranche benannt zeitweise als Samson Kremer Racing an. Weitere wichtige Sponsoren waren der Spirituosenhersteller Jägermeister und Vaillant (Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik), deren Werbeflächen in diesen Jahren maßgeblich die Optik der Kremer-Rennwagen prägten.

Hervorzuheben ist vor allem der Gesamtsieg 1979 beim legendären 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans, bei dem das Kremer-Privatteam mit seinem Eigenbau 935 K3 die 47. Austragung des wohl traditionsreichsten Langstrecken-Klassikers im Motorsport gegen die scheinbar übermächtigen Werksmannschaften gewann. Bei anhaltendem Regen siegte der gebürtige Bonner Klaus Ludwig (*1949) zusammen mit den US-amerikanischen Brüdern Reginald Donald „Don“ Whittington (*1946) und Bill Whittington (*1949) nach 307 Runden über 4.173,930 Kilometer am Steuer des 935 K3 mit der Startnummer 41 beim Grand Prix d’Endurance les 24 Heures du Mans.
Alleine für das revolutionäre „Kremer-Wunderauto“ 935 K3 mit seiner speziellen Rahmenstruktur und einer Luft-Luft-Ladeluftkühlung der zwei Turbolader (anstatt eines Luft-Wasser-Systems) gingen nach dem Le-Mans-Sieg gleich 14 Bestellungen bei Kremer Racing ein.

Tragisch überschattet wurden die zahlreichen Erfolge in den Erfolgsjahren aber auch durch tödliche Unfälle.
Der populäre Formel-1-Pilot Manfred Winkelhock (1951-1985) starb infolge eines Unfalls bei einem Sportwagenrennen am 11. August 1985 im kanadischen Mosport Park. Das Unglück soll auf einen technischen Defekt an der Aufhängung seines Kremer-Porsche 962C zurückgehen, was aber nie abschließend geklärt werden konnte (Behrndt / Födisch 2012, S. 146-148).
Nur wenige Monate später verunglückte der österreichische Rennfahrer Josef „Jo“ Gartner (1954-1986) in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1986 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans tödlich. Auch hier konnte der Grund für den Unfall nie eindeutig geklärt werden – als wahrscheinliche Ursache wird jedoch eine gebrochene Hinterradaufhängung an dem Kremer-Porsche 962C angenommen (ebd., S. 157-159).

Ebenfalls mit einer Kremer-Eigenkonstruktion, dem K8 Spyder auf Basis des Porsche 962, wurde Kremer Racing im Jahr 1995 Gesamtsieger beim 24-Stunden-Rennen von Daytona (USA). Mit 3.953,192 gefahrenen Kilometern siegten die Piloten Jürgen Lässig (*1943), Marco Werner (*1966), Christophe Bouchut (*1966) und Giovanni Lavaggi (*1958).
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Konkurrenz in Köln: GELO Racing
In den 1970er Jahren standen „die Kremers“ mit dem teil- und zeitweise in der Domstadt ansässigen GELO Racing Team des Unternehmers und Rennfahrers Georg Loos (1943-2016) in scharfer Konkurrenz. Beide Teams rivalisierten nicht nur um begehrte Titel auf den Rennstrecken, sondern auch um prominente Spitzenfahrer wie Klaus Ludwig, Bob Wollek (1943-2001) oder den Kölner Formel 1-Piloten Rolf Stommelen (1943-1983).
Kölner Boulevardblätter titelten zeitweise „Krieg der Kölner Porsche Teams voll entbrannt“, da das zwischen 1968 und 1981 aktive GELO-Team ebenfalls vornehmlich Porsche-Fahrzeuge einsetzte. Auf den Rennstrecken gab es harte Duelle beider Teams vor allem im Rahmen der Deutschen Rennsport-Meisterschaft DRM und die verfeindeten Fans sollen sich wiederholt wilde Schlägereien in den Kölner Kneipen geliefert haben (www.zwischengas.com).
Der neben anderen Wohnsitzen auch im vornehmen Köln-Marienburg residierende GELO-Chef Georg Loos galt als schillernder Partylöwe und „Kölner Porsche König“. Loos geriet nach dem Rückzug seines Teams aus dem Motorsport wohl noch in den 1980ern in wirtschaftliche Schwierigkeiten, später wurde wegen Kreditbetrugs gegen ihn ermittelt.
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Die jüngere Kremer-Entwicklung bis heute
Im Jahr 1990 stand Kremer Racing vor der Entscheidung, den Motorsport aufzugeben und ein neues Porsche-Zentrum im rechtsrheinischen Köln zu errichten – jedoch: „Die Kremer-Brüder entschlossen sich, dem Sport verpflichtet zu bleiben – das Porsche-Zentrum wurde nicht gebaut.“ (www.kremer-racing.eu)
Im Jahr 1999 trennten sich die Brüder geschäftlich und nach dem Tod Erwin Kremers stand 2006 eine Neuausrichtung an. Das nach inzwischen über 30 Jahren als „Traditionsrennstall“ geltende Team engagierte sich seitdem unter Führung des bereits von 1974-1992 für Kremer tätigen Uwe-Michael Sauer (*1952) vornehmlich im historischen Rennsport und konzentrierte sich nun „mehr auf den Aufbau, die Restaurierung und die Betreuung an der Rennstrecke von historischen Renn- und Sportwagen, natürlich mit dem Schwerpunkt Porsche.“ (ebd.)

Zum 10. August 2010 informierte Kremer Racing schließlich darüber, dass der Rennstall von dem Amateur-Rennfahrer und Besitzer der Kölner Ebi Racing GmbH & Co. KG, Eberhard A. Baunach (*1964), übernommen wurde, womit aus einem bisherigen Kremer-Kunden der neue Inhaber wurde.
Mit neuer Führung, aber unter Beibehaltung des seit 1962 geführten Markennamens, ist die E & M Kremer GmbH heute als auf Porsche spezialisierte KFZ-Meisterwerkstatt mit 11 festen Mitarbeitern in der Ossendorfer Von-Hünefeld-Straße 13 ansässig. Getreu Baunachs Motto „Historische Rennwagen gehören auf die Rennstrecke, nicht ins Museum.“ bleibt Kremer dennoch dem historischen Motorsport verbunden (ksta.de, 2013).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019 / freundliche Hinweise der Herren Eberhard A. Baunach und Jan C. Hennen, E & M Kremer GmbH, 2019)
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Internet
www.kremer-racing.eu: E & M Kremer GmbH Köln (abgerufen 04.06.2019)
www.kremer-racing.eu: Le Mans 1979, der ganz große Triumph mit dem 935 K3 (abgerufen 04.06.2019)
porsche-scene.de: Erwin Kremer – Grand Seigneur des Porsche-Sports (Nachruf vom 27.09.2006, abgerufen 03.06.2019)
www.kremer-fronthoods.com: Kremer Porsche Fronthoods, Köln (abgerufen 03.06.2019)
www.kba.de: Kraftfahrtbundesamt (KBA), Verzeichnis der Hersteller von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern (PDF-Dokument, Stand 15.01.2019, abgerufen 24.06.2019)
www.zwischengas.com: Krawall in Köln - Über den Dauerkrach der Porsche-Rennställe Kremer und Loos (Text von Rainer Braun, 2007/2015, abgerufen 03.05.2019)
www.motorsport-xl.de: Uwe-Michael Sauer lässt es 2014 ruhiger angehen (Motorsport-XL vom 19.10.2013, abgerufen 05.05.2019)
www.ksta.de: Alte Liebe rostet nicht: Kremer Porsche geht noch nicht in Rente (Kölner Stadt-Anzeiger vom 30.10.2013, abgerufen 05.05.2019)
www.loosfahren.de: Georg Loos Racing / GELO Racing Team (betrieben von einem Namensvetter Georg Loos', abgerufen 03.05.2019)
de.wikipedia.org: Georg Loos (abgerufen 28.06.2019)
de.wikipedia.org: Kremer Racing (abgerufen 03.06.2019)
de.wikipedia.org: Erwin Kremer (abgerufen 03.06.2019)
de.wikipedia.org: Kremer K8 Spyder (abgerufen 03.06.2019)
de.wikipedia.org: Wirtschaft Kölns, Fahrzeugbau (abgerufen 05.06.2019)
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Literatur

Behrndt, Michael; Födisch, Jörg-Thomas (2012)
Rennfahrertod - 50 tragische Helden im Porträt. Königswinter.
Mikloweit, Immo (2002)
125 Jahre Automobiles aus Köln. Autos, Motorräder & Flugzeuge (1. Auflage). Köln.

Motorsport-Team Kremer Racing

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Luxemburger Straße 154
Ort
50674 Köln - Neustadt-Süd
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1962

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Motorsport-Team Kremer Racing”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-292753 (Abgerufen: 16. Oktober 2019)
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