Synagoge Ehrenfeld

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 2,92″ N: 6° 55′ 26,36″ O / 50,95081°N: 6,92399°O
Koordinate UTM 32.354.179,81 m: 5.646.407,07 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.564.973,44 m: 5.646.581,33 m
  • Historische Aufnahme von 1927 mit Blick auf den Toraschrein, die Bima (Kanzel) und das Ner Tamid (Ewige Licht) im Inneren der Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße.

    Historische Aufnahme von 1927 mit Blick auf den Toraschrein, die Bima (Kanzel) und das Ner Tamid (Ewige Licht) im Inneren der Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße.

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  • Gedenktafel zur Erinnerung an die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße (2007).

    Gedenktafel zur Erinnerung an die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße (2007).

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    Horsch, Willy / CC BY 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Willy Horsch
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Die jüdische Gemeinde Ehrenfeld seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Um 1860 bildete sich eine eigenständige Gemeinde in dem expandierenden Kölner Vorort Ehrenfeld. Von 1898 bis 1913 war sie selbständig, dann wurde sie Teil der Kölner Synagogengemeinde.
Gemeindegröße um 1815: –, um 1880: 100 (1871), 1932: 1167 (1933) zu Köln, 2006: –.
Bethaus / Synagoge: Seit den 1880er Jahren bestand ein Betraum, 1927 konnte ein Synagogenneubau eingeweiht werden. 1938 wurde das Gebäude komplett zerstört (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007).
Das Köln-Lexikon nennt unter Ehrenfeld „eine Synagoge (um 1875)“, die aber im Synagogen-Eintrag keine Erwähnung findet (Wilhelm 2008, S. 125 u. 438-439).

Baugeschichte und Architekt
Als Baugrund für ihr Gotteshaus konnte die jüdische Gemeinde Ehrenfeld im Jahr 1926 den südwestlichen Teil einer bis 1919 produzierenden Koenemann'schen Goldleistenfabrik im Bereich zwischen der Körnerstraße und der Wißmannstraße erwerben. Die Parzelle bildete das neue Grundstück Körnerstraße 93.
Das hier bestehende zweigeschossige Haus wurde im Zuge des Synagogenneubaus als Haus für den Kantor und für weitere Gemeindezwecke umgebaut. Neben einer Religionsschule befand sich hier auch ein jüdisches Ritualbad, eine Mikwe, deren Fundamente bei Bauarbeiten 1998/99 freigelegt wurden.
Die Ausführung der neuen Bauten oblag der von dem Regierungsbaumeister Ernst Lincke und dem jüdischen Bauingenieur Adolf Fruchtländer geführten Bauunternehmung Lincke & Cie. Die Grundsteinlegung datiert auf den 18. Oktober 1926 und die feierliche Einweihung der Synagoge fand am 18. September 1927 statt. Die Baukosten betrugen insgesamt 110.000 Reichsmark.

Die Entwürfe des achteckigen Gebetsraums mit einer darüber gelegenen Zeltkuppel gehen auf Robert Stern (1885-1964) zurück, einen der bedeutendsten jüdischen Architekten Kölns, der auch die Bauleitung übernahm.
Für die Jahre zwischen 1909 und 1935 gehen auf Stern nicht nur zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser in der Domstadt zurück, er schuf auch viele Grabdenkmäler und Grabstätten auf den Kölner jüdischen Friedhöfen. 1925 war er führend an Sanierungsarbeiten an der Synagoge in der Glockengasse beteiligt.
Im Jahr 1936 emigrierte Stern zunächst nach London und wanderte von dort 1938 in die USA aus, wo er zwar 1944 die Staatsbürgerschaft erhielt, aber nicht mehr als Architekt arbeiten konnte – seinen Lebensunterhalt musste Robert Stern nun als Vertreter für Bürsten und Reinigungsmittel verdienen.

Das Ende in der Reichspogromnacht 1938
Bereits im Sommer 1938 hatte sich die Kölner Synagogengemeinde um einen Verkauf der Gebäude an die katholische Kirche bemüht, wozu es jedoch nicht kam. Als Gründe für die beabsichtigte Aufgabe der Synagoge werden die verstärkte Abwanderung von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und deren rapide Verarmung infolge der rassistischen NS-Politik angenommen (de.wikipedia.org).

„Die Synagoge bestand erst elf Jahre, als am Morgen des 9. November 1938 die willentliche Zerstörung des Gotteshauses begann. Zunächst traktierten zwei halb in Zivil gekleidete Männer die Inneneinrichtung des Betsaals mit Äxten, bevor eine weitere Gruppe das Mobiliar in dem Nachbarhaus demolierte und in Brand steckte. Schließlich wurden durch Brandschatzung auch die Gebäude bis auf die Außenmauern zerstört. Eine rasch zusammengeströmte Menschenmenge sah dabei tatenlos zu.“ (ebd.)

Gedenktafel
An der Ecke des Hauses Körnerstraße 91 befindet sich heute eine metallene Gedenktafel, die unter einem stilisierten Grundriss der früheren Gebäude in der Körnerstraße die folgende Inschrift trägt:

An dieser Stelle stand die Ehrenfelder
Synagoge, verbunden mit einer Religions-
schule für Mädchen und Jungen, erbaut
1927 nach dem Entwurf des Architekten
Robert Stern, zerstört am Tag nach der
Reichspogromnacht am 9. November 1938

Die vorstehend zitierten Datumsangaben zur Zerstörung des Gotteshauses erscheinen etwas irreführend, da üblicherweise die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 als Reichspogromnacht gilt (museenkoeln.de hingegen datiert vermutlich korrekt „am Morgen des 10. November 1938“).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
de.wikipedia.org: Synagoge Ehrenfeld (abgerufen 21.11.2019)
de.wikipedia.org: Robert Stern (abgerufen 21.11.2019)
museenkoeln.de: „Ein dauerndes Denkmal moderner Baukunst“. Die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße (Bild der 38. Woche - 18. September bis 24. September 2017, abgerufen 21.11.2019)

Literatur

Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) S. 260-261 u. 289-290, Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 37, Bonn.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). Köln.

Synagoge Ehrenfeld

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Körnerstraße 93
Ort
50823 Köln - Ehrenfeld
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1926 bis 1927, Ende 1938

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Ehrenfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-301154 (Abgerufen: 28. Januar 2020)
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