Ziegelei Anker und Schokoladenfabrik Imhoff

Teddy Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bullay
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Ziegelei Anker
Die 1906 gegründete Ziegelei Anker war eine der ersten Ziegeleien im Gebiet um Bullay, begründet von einem Vorfahren der heutigen Winzerfamilie Anker. In dieser Ziegelei wurden Ton und Lehm zur Herstellung von Backstein verarbeitet. Die Anker’sche Ziegelei befand sich neben dem damaligen Gasthof „Zum König“ an der Ecke Bergstraße/ Brautrockstraße. 1908 wurde in der Ziegelei ein erster Ringofen mit 8 Kammern zum Brennen von 60.000 Ziegelsteinen in einem Arbeitsgang errichtet. Das Heranschaffen und Aufbereiten der Tonerde war jedoch eine sehr mühevolle Arbeit.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Ziegelei Anker wegen Kohlemangel stillgelegt und durch einen späteren Brand zerstört und nicht wiederaufgebaut. Während das Ortsbild von Bullay zuvor von Fachwerkhäusern geprägt war, gab es bedingt durch die Ziegelei Anker einen Wandel hin zum Ziegelmauerwerk, womit auch ein Wandel des Ortsbildes verbunden ist. Gebäude in der heutigen Bahnhofstraße in Bullay sind Zeugnis dafür. 1927 war auf dem Gelände der ehemaligen Anker’schen Ziegelei der Hagenback-Althoff Zirkus zu Besuch. Ab 1948 wurde auf dem Gelände dann die Schokoladenfabrik errichtet.

Schokoladenfabrik
Der Kölner Unternehmer Hans Imhoff (1922-2007) erhielt 1945 von den französischen Besatzungsmacht die Genehmigung, in Alf einen Lebensmittelgroßhandel zu eröffnen. Damit wurde er zum größten Lebensmittelversorger der Region. Einige Jahre später, 1948, eröffnete er auf der anderen Moselseite in Bullay in der Provinzialstraße - später Brautrockstraße - auf dem Gelände der Anker'schen Ziegelei eine große Lagerhalle, in der er Bedarfsartikel jeglicher Art verkaufte.
Da die Halle sehr groß geraten war, gründete er die Schokoladen- und Pralinenfabrik „Teddy Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik“. Durch neue Ideen entwickelte sich das Unternehmen sehr schnell, verfügte bereits einige Jahre später über 400 Mitarbeiter und zählte zu den erfolgreichsten Unternehmen der Region. Hans Imhoff entwickelte die erste Pralinenherstellung, für deren Schokoladenüberzug amerikanische Deputatschokolade verwendet wurde.

Durch den Erfolg des Unternehmens siedelten sich weitere Unternehmen in Bullay an, etwa die Druckerei Lohmann und die Textilfabrik Schewe. Der Standort war für die Unternehmen sehr vorteilhaft, da sich in ihrer unmittelbaren Nähe zwei Bahnhöfe befanden (Bahnhof Bullay und ab 1943 der Kleinbahnhof Bullay Süd). So konnten die Waren und die Rohstoffe sehr einfach transportiert werden. Die gute Verkehrsanbindung war zudem ein Vorteil für die Arbeiter.
1964 zählten die Schokoladenfabrik, die Firma Schewe und Lohmann zu den mittelständigen Unternehmen. 1966 expandierte die inzwischen auf die Schokoladentafel-Fertigung spezialisierte Imhoff'sche Fabrik. Hans Imhoff, auf den u.a. auch das Schokoladenmuseum im Kölner Rheinauhafen zurückgeht, produzierte jährlich 7.000 Tonnen Schokolade und erzielte einen Jahresumsatz von über 30 Millionen DM.

1982 war dann ein tragisches Jahr für Bullay: Die Unternehmen Imhoff und Schewe mussten schließen. Am 31. Dezember 1982 wurde die Arbeit eingestellt, allerdings blieben Restarbeiten für das darauffolgende Jahr. Ende 1983 waren diese beendet und die Fabrik wurde endgültig geschlossen. Die Arbeiter bekamen entsprechende Abfindungen, ca. 200 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Fabrik wurde schließlich abgerissen.
Seit dem Abriss 1983 wurde das Gelände nicht genutzt und ist zugewuchert. Erst seit knapp zwei Jahren steht das alte Imhoff Gelände als Baugrundstück für verschiedene Bauprojekte zur Wahl. Vor etwa fünf Jahren war ein betreutes Wohnheim für Senioren geplant, was allerdings nicht zu Stande kam. Der Bau eines Edeka-Marktes ist in Planung. Das mit Schotter belegte Gelände ist zur Zeit allerdings noch stark zugewuchert sowie teilweise mit Metallsperren umzäunt.

(Jennifer Abels und Cali Burton, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quellen
Interviews mit Herrn Dr. Schulschenk (27.08.2015) und mit Frau Metzen, Reisebüro Ulfratours (25.09.2015).

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Hans Imhoff (1922-2007), Unternehmer (abgerufen 04.07.2016)

Literatur

Schulschenk, Fritz (2004)
Bullay an der Mosel zwischen 1150 und 2000 - 850 Jahre eines Gemeindelebens. Eine chronologische Aufzeichnung. o. O.

Ziegelei Anker und Schokoladenfabrik Imhoff

Schlagwörter
Ort
56859 Bullay
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1906, Ende 1983
Koordinate WGS84
50° 03′ 12,24″ N, 7° 08′ 15,54″ O / 50.0534°, 7.13765°
Koordinate UTM
32U 366682.76 5546229.38
Koordinate Gauss/Krüger
2581517.32 5546968.74

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„Ziegelei Anker und Schokoladenfabrik Imhoff”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244630 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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