Die Objektgruppe Tagebau Frechen ist hier beschrieben als Kulturlandschaftselementeverbund ‚Braunkohle im Rheinland' (KLV-BK Rheinland) zugehörig zum bundesweiten Erfassungsprojekt Industriekultur (BKM). Die funktional zugehörigen Objekte der historischen Kulturlandschaft werden für die Maßstabsebene der Flächennutzungsplanung kurz zusammengefasst und charakterisiert.
Der Tagebau Frechen ist der jüngste Tagebau im Gebiet und das prägende Element des KLV-BK. Er ist der erste Tieftagebau im Rheinischen Revier und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeschlossen. Allerdings gab es mehrere Vorgängergruben, die bis dahin Kohle für die nahe gelegenen Brikettfabriken förderten. Diese waren jedoch bis zum Zweiten Weltkrieg weitgehend erschöpft und erst durch den Aufschluss eines Großtagebaues konnten die tief liegenden Kohlenflöze wirtschaftlich abgebaut werden. So sind im Norden des KLV-BK auf historischen Karten bereits 1913 die Gruben Grefrath und die Grube Carl zwischen Horrem und Frechen zu erkennen. Ebenfalls bereits 1913 sind die Grube Sybilla, Wachtberg, Klarenberg und die Grube Graf Fürstenberg zu erkennen. Die historischen Karten zeigen, dass sich die Gruben immer weiter ausdehnten und zusammenschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten mehrere Orte ganz oder teilweise abgebaggert werden. Dies waren Bottenroich (1949) mit Kloster Bottenbroich, Kerpen-Boisdorf (1975), Kerpen-Mödrath (1956), Frechen-Habbelrath (1960-1970) und Frechen-Grefrath (1952-1965). Die Umsiedlungen von Frechen-Habbelrath und Frechen-Grefrath liegen angrenzend bzw. fast angrenzend an das Abbaugebiet im Norden bzw. Nordosten des KLV-BK. Mödrath wurde einige Kilometer westlich des Tagebaus nach Kerpen umgesiedelt. Bottenbroich wurde ebenfalls nördlich des KLV-BK direkt zwischen Horrem und der Röttgenhöhe angesiedelt. Die Röttgenhöhe ist die Aufschüttung im Gebiet der Grube Röttgen. Sie ist bereits auf historischen Karten von 1845 eingezeichnet. Sie wurde 1876 von Graf Berghe von Trips an die Bergisch-Rheinische Braunkohlenbrikettgesellschaft verpachtet. Ab 1954 wurde hier eine Außenkippe angelegt. Durch das immer größer werdende Verhältnis von Abraum zu Kohle stieg der Bedarf an Kippen ständig an. Bereits 1960 war die Außenkippe Röttgen verfüllt. Die Rekultivierung erfolgte im so genannten Löss-Trockenverfahren.
Der Tagebau Frechen versorgte die östlich gelegene Brikettfabrik Wachtberg, die bis heute existiert und den KLV-BK prägt. Ab 2022 wird hier jedoch nur noch Industriebraunkohlenstaub und keine Briketts mehr produziert. Nördlich davon liegt der Frechener Stadtteil Grube Carl. Hier sind noch die Siedlung Grube Carl, zu Wohnungen umgebaute Teile der Brikettfabrik Grube Carl sowie eine Außenkippe im Bereich des heutigen Rosmarparks erhalten.
Zentrales Element des KLV-BK ist jedoch die Rekultivierung der Abbauflächen. 1986 wurde die Kohleförderung eingestellt. Das Restloch wurde mit Abraum aus den Tagebauen Garzweiler und Bergheim verfüllt und bis 2004 rekultiviert. Im Zuge dieser Arbeiten entstand eine abwechslungsreiche Landschaft aus bördetypischen Acker-, Wald- und Wasserflächen. Dabei dominiert die landwirtschaftliche Nutzbarmachung der Flächen. Lediglich im südöstlichen und nordwestlichen Teil des Rekultivierungsgebietes dominieren Wasser- und Waldflächen. Im Zentrum, angrenzend an die nordwestliche forstliche Rekultivierung, befindet sich der so genannte Papsthügel, der für den Weltjugendtag 2005 aufgeschüttet wurde. Er dient sowohl als Landmarke mit einem Kreuz als auch als Gedenkstätte. Südlich des Hügels liegt die größte zusammenhängende landwirtschaftliche Rekultivierungsfläche, das sogenannte Marienfeld. Der Name stammt von einer Wallfahrtsstätte, die sich hier vor dem Tagebau befand. Hier wurde eine Marienstatue verehrt. Ein Gedenkstein erinnert noch heute an diesen Ort. Die großen Ackerschläge werden durch ökologisch wertvolle Gehölz- und Baumstreifen aufgelockert und gegliedert.
Südlich an das Marienfeld grenzt das Gewerbegebiet Türnich, das auf rekultivierten Flächen angelegt wurde.
Internet de.wikipedia.org: Kohleveredelungsbetrieb Frechen (abgerufen am 24.11.2023) de.wikipedia.org: Grube Carl (abgerufen am 24.11.2023) de.wikipedia.org: Tagebau Frechen (abgerufen am 24.11.2023) de.wikipedia.org: Grefrath (abgerufen am 24.11.2023) www.kuladig.de: Rekultivierter Tagebau Frechen (abgerufen am 24.11.2023)
Literatur
Buschmann, Walter; Gilson, Norbert; Rinn, Barbara / Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2008)
Braunkohlenbergbau im Rheinland. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen 1, Rheinland.) Worms.
Rekultivierung im Rheinischen Braunkohlenrevier. Exkursionsführer Teil II. Die Tagebaubereiche: Historie und Rekultivierung. Jüchen. Online verfügbar: forschungsstellerekultivierung.de, Exkursionsführer, abgerufen am 22.07.2020
Rekultivierung im Rheinischen Braunkohlenrevier Exkursionsführer Teil I. (Geologie, Geographie, Bodenkunde, forst- und landwirtschaftliche Rekultivierung, Bergbau- und Rekultivierungsgeschichte, Archäologie und Paläontologie). Jüchen.
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