Das Phänomen der Großsteinanlagen Um 5000 v. Chr. tauchen die ersten Großsteinanlagen, auch Megalithen genannt, in Europa erstmals in der Bretagne und auf der Iberischen Halbinsel auf. Die im nördlichen Mitteleuropa verbreiteten Megalithen stammen aus der Jungsteinzeit zwischen ca. 4800 und 2500 v. Chr. Sie stellen damit die ältesten bis heute erhaltenen baulichen Reste Mitteleuropas dar.
In Schleswig-Holstein kommen insbesondere Großsteingräber vor. Dabei werden verschiedene Typen unterschieden, die in ihrer Bauweise variieren können. Die älteste Form scheint der sogenannte Dolmen zu sein. Ein jüngerer Typ ist das Ganggrab. Diese Formen der Megalithanlagen in Schleswig-Holstein wurden von Bauern der sogenannten Trichterbechergesellschaft errichtet. Die ursprüngliche Anzahl der Gräber wird um ein vielfaches höher geschätzt, als die bis heute erhaltenen um die 400 Anlagen in Schleswig-Holstein.
Verbreitung in Dithmarschen und Albersdorf In Dithmarschen bildet Albersdorf mit seinen Rechteck- und Polygonaldolmen aufgrund ihrer Anzahl und Erhaltung bzw. Rekonstruktion ein eindrucksvolles Zentrum von Großsteingräbern. Überregional bekannte Überbleibsel der megalithischen Kulturlandschaft im Landesteil Dithmarschen sind der „Brutkamp“ und der Schalenstein von Bunsoh.
Der Brutkamp besitzt den größten Deckstein eines Großsteingrabs in Schleswig-Holstein und hat eine überregionale kulturgeschichtliche Bedeutung. Die außergewöhnlichen Schalenmotive auf dem Großsteingrab in der Gemeinde Bunsoh sind ein eindrucksvolles Zeugnis einer vergangenen Kultur, die noch ohne Schriftzeugnisse auskam.
Bauweise und Nutzung In der Jungsteinzeit (auch mittleres Neolithikum) wurden in Schleswig-Holstein große Feldsteine für den Bau von steinernen Kammern und steinernen Umgrenzungen dieser verwendet. Diese steinernen Kammern waren an einer Seite je nach Bauart durch eine Öffnung zugänglich. Zuerst tauchten Bauwerke mit einzelner Kammer auf, später wurde ein Gang an diese Kammer gesetzt – Ganggräber entstanden – oder mehrere Kammern gebaut. Danach wurde das Bauwerk vollständig mit Erde bedeckt. Die Form dieser Überhügelung konnte ein Rundhügel oder ein Langbett, also ein langgezogener Hügel mit einer Ausdehnung bis zu über 150 m Länge sein.
Nach der Fertigstellung der Anlagen, die mit einem Alter von über 5.000 Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden sind, wurde durch die vorgesehene Öffnung der Kammern die Überreste von Verstorbenen bestattet. Dabei ist die Kammer nicht für einen einzelnen Menschen gedacht, sondern eine teilweise sehr hohe Anzahl von Individuen, die nicht alle zeitgleich bestattet wurden.
Megalithen und „Hünengräber“ Mit der Entdeckung des imposanten steinernen Baumaterials und der Erkenntnis, dass es sich um Bestattungsplätze handelte, wurde in Moderner Zeit der Begriff Großsteingrab (auch Megalithen von mégas [dt. ‚groß‘] und líthos [dt. ‚Stein‘]) für dieses steinzeitliche Phänomen gebräuchlich. Im Volksmund gebräuchlich ist auch die Bezeichnung „Hünengräber“. In der veralteten Vorstellung vergangener Zeiten wurde davon ausgegangen, dass diese zum Teil tonnenschweren Findlinge nur von „Hünen“, also „Riesen“ errichtet worden sein könnten.
Lage und Anfahrt Bei Anfahrt mit dem Auto ist ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung der Großsteingräber von Albersdorf der Steinzeitpark Dithmarschen. Hier gibt es einen kostenpflichtigen Eintrittsbereich (Steinzeitdorf) mit Parkplatz (Süderstraße 47, 25767 Albersdorf) und ein frei zugängliches Park- bzw. Waldareal, mit Wanderwegen erschlossen, südlich davon.
Der Schalenstein von Bunsoh liegt etwas abseits in der Gemeinde Bunsoh und kann am einfachsten mit Auto (ca. 10 Minuten Fahrt) erreicht werden. Zu Fuß sind es ca. 50 Minuten.
Wenn man mit dem Zug am Bahnhof Albersdorf ankommt, eignet sich als erste Anlaufstelle das Großsteingrab im Kurpark, dann der Brutkamp mitten im Ort und anschließend der Steinzeitpark.
(Annika Müller und Christian Weltecke, Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein, erstellt im Zuge des Projektes „Megalithic Routes in Schleswig-Holstein“, gefördert von der Bundesbeauftragen für Kultur und Medien im Zuge des Europäischen Kulturerbejahres 2018+1 „Sharing Heritage“, 2019)
Das trichterbecherzeitliche Westholstein. Eine Studie zur neolithischen Entwicklung von Landschaft und Gesellschaft. (Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung, Band 8.) Bonn.
Sprockhoff, Ernst / Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (Hrsg.) (1966)
Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 1: Schleswig-Holstein. Bonn.
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