Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Rosenthal bei Kerzenheim

Kloster St. Maria im Rosenthal, Rosenthalerhof, Abbatissa et conventus monasterii Vallis Rosarum

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege, Museen, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Kerzenheim
Kreis(e): Donnersbergkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Blick in das ehemalige Kirchenschiff des Klosters Rosenthal in Richtung Turm (2018).

    Blick in das ehemalige Kirchenschiff des Klosters Rosenthal in Richtung Turm (2018).

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    Sonja Kasprick
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  • Das Langhaus der ehemaligen, einschiffigen Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters Rosenthal mit Blick auf das Westwerk (2018).

    Das Langhaus der ehemaligen, einschiffigen Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters Rosenthal mit Blick auf das Westwerk (2018).

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  • Spätgotisches Türmchen am Westwerk des Klosters in Rosenthal (2018).

    Spätgotisches Türmchen am Westwerk des Klosters in Rosenthal (2018).

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  • Blick von Südosten auf das ehemalige Gelände des Klosters Rosenthal. Rechts im Bild die Ruine der Klosterkirche (2018).

    Blick von Südosten auf das ehemalige Gelände des Klosters Rosenthal. Rechts im Bild die Ruine der Klosterkirche (2018).

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Das ehemalige Kloster Rosenthal liegt am Ende des Rodenbachtals wenige Kilometer westlich der Gemeinde Kerzenheim. Die baulichen Überreste des Zisterzienserinnenklosters gehören heute zum Rosenthalerhof. Die Gesamtanlage des Klosters ist in ihren Ausmaßen an den in Privatbesitz befindlichen Gebäuden gut erkennbar.

Geschichte
Sage
Baubeschreibung
Renovierung und Erhaltung
Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Geschichte
Die Initiative zur Gründung des Klosters ging von Eberhard IV. Graf von Eberstein (bei Baden-Baden), Burgherr zu Stauf (bei Kirchheimbolanden) und seiner Ehefrau Adelheid von Sayn aus, die bereits zuvor die Konvente in Herrenalb und Frauenalb im Schwarzwald gegründet hatten.
Es war bei spätmittelalterlichen Klostergründungen durchaus üblich, sich hierfür abgelegene Orte zu suchen. Eine ähnlich abgeschiedene Gründung war das Kloster Eußerthal.
Eberhard und Adelheid baten den Wormser Bischof Landolph von Hohenecken (unbekannt-1247) um Genehmigung, auf ihrem Eigengut bei Kerzenheim ein Kloster errichten zu dürfen. Diese wurde im Jahre 1242 erteilt. Offensichtlich hatte der Eigentümer aber bereits vor der „Genehmigung“ im Jahre 1241mit dem Bau begonnen (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.665).

Rosenthal übte, wie viele andere Klöster der Region, eine hohe Anziehungskraft auf den Ritterstand, den örtlichen niederen Adel, aber auch den Hochadel aus. Deren Töchter brachten Stiftungen in das Kloster ein. Die Zahl der Nonnen und der Grundbesitz des Klosters nahmen nach dessen Gründung stetig zu. Im Jahre 1263 bestätigte Papst Urban IV. alle bisher von Päpsten, Königen und Fürsten verliehenen Rechte (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.665). Das Burgenlexikon verweist auf neun Papsturkunden, die das Kloster in den ersten 20 Jahren erhalten hat. Zumeist sind davon noch die Originale erhalten. Das Klosterlexikon bestätigt „Rosenthals kometenhafte(n) Aufstieg seit der Mitte des 13. Jahrhunderts.“ (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.665). Zu den Stifterfamilien gehörten die Grafen von Leinigen-Landeck, Graf Heinrich von Zweibrücken, Graf Simon von Sponheim. Übertragen wurden Güter in Biedesheim, das Patronatsrecht in Kerzenheim sowie Zehntrechte in Rosenthal, Korbsweiler, Stauf, Schwanden und weiteren Orten.
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Im 14. Jahrhundert folgte eine Zeit des wirtschaftlichen Auf und Ab. Gegen Ende des Jahrhunderts konnte der Wirtschaftsbetrieb stabilisiert werden. Darauf verweisen umfangreiche Zukäufe in Lautersheim, Gundheim, Biedesheim und Hillesheim. Der Aufschwung ist mit dem Namen Walram von Zweibrücken verbunden, der als Vogt wirkte. Seine Politik der weitgehenden Freistellung des Klosters bzw. seiner Wirtschaftshöfe in Kerzenheim und Schwanden setzte sein Sohn Eberhard von Zweibrücken fort. Im Verbund mit den Äbtissinnen Hildegard Zoller und Jutta wurde das Kloster zu hoher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit geführt. So konnte unter Anna von Lustadt und der Priorin Katharina von Breidenborn ein Gut der Herrn von Wartenberg erworben werden. Die Zahlung von 2219 Gulden erfolgte in bar (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.669).

Auch die Besetzung und Plünderung des Klosters durch Herzog Ludwig, den Schwarzen im Jahre 1460 konnte den zielstrebigen Aufstieg des Klosters nur kurz unterbrechen.
Die Nonnen genossen Privilegien wie die freie Wahl des Vorstehers und die Befreiung von Besteuerung. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts zählte das Kloster etwa 70 Personen. Offensichtlich widmeten sich die Klosterfrauen zu sehr weltlichen Angelegenheiten und beachteten einige Klausurvorschriften nicht. Dies führte zu einer Reformbewegung, die durch den Wormser Bischof Reinhard von Sickingen und die Landesherrin Gräfin Elisabeth von Nassau-Saarbrücken angestoßen wurde. „Die Reform war nicht nur wirtschaftlich, sondern auch innerklösterlich“ erfolgreich (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.669). Zahlreiche Neueintritte, verbunden mit hohen Aussteuern oder Leibrenten, führten zu hohen Erträgen. So zahlte Johannn Ludwig von Nassau-Zweibrücken für den Eintritt der Töchter Anna und Johannetta 600 Gulden. In der Regel waren zwischen 60 und 100 Gulden pro Tochter zu zahlen. Auf dieser Grundlage gelangen weitere Zukäufe Anfang des 16. Jahrhunderts unter der Äbtissin Barbara Goler von Ravensburg.
Mit dem Aufkommen des Bauernkrieges begann der Niedergang des Klosters. Es soll der „Vereinigte Neustadter Haufen“ gewesen sein, der es zerstörte und verwüstete (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.670). Die Zahl der Schwestern nahm auf 19 ab, zugleich sank die Moral im Kloster. Endreß Walter, Keller in Stauf, soll „eine Leyenschwester im Closter Rosendal geschwängert haben“ (Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.670).

Die Reformationsbewegung führte zu einem tiefgreifenden Umbruch in der Geschichte des Klosters: 1572 übertrug die damalige Äbtissin Elisabeth von Geispitzheim alle Rechte, Freiheiten, Dörfer usw. an den Grafen Phillip IV. von Nassau-Saarbrücken. Das Kloster wurde daraufhin aufgelöst und in den nächsten Jahrzehnten weltlich verwaltet. Unter den wenigen am Standort verbliebenen Nonnen zählte die Chorfrau Anna von Naussau-Saarbrücken, die 1582 in Rosenthal verstarb.
Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) bestimmte der Westfälische Frieden die Rückführung der Güter auf den Stand von 1618/24. Somit kam Nassau-Zweibrücken wieder in den Besitz des Klosters. Es entstand erneut eine Schaffnerei Rosenthal, die bis 1793 in den Händen der Familie Nassau-Zweibrücken verblieb. Im Jahre 1803 wurde anlässlich der Versteigerung der Nationalgüter das gesamte Areal veräußert. Daraus entstanden der Rosenthalerhof und ein Weiler, der noch heute existiert. Im 19. Jahrhundert wurden einige Bauern, ein Förster und ein Schnapsbrenner ansässig.
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Den bereits begonnen Abbruch konnte im Jahre 1851 der damalige Landrat des Kantons Göllheim verhindern. Er erwarb die Ruine zugunsten des „Historischen Vereins der Pfalz“ und der bayerischen Bezirksregierung mit Sitz in Speyer. Im Jahre 1863 trat dann der neugegründete „Rosenthaler Verein“ in die Erhaltung ein (alle Angaben: Pfälzisches Klosterlexikon III 2015, S.672). Der Großteil der Gebäude ist auch heute noch in privatem Besitz. Teile des Klostergeländes dienten bis in die 1990er Jahre hinein als landwirtschaftliche Nutzfläche. Im Klosterhof befindet sich seit 1881 ein Landgasthof mit Hotel.

Sage
Eine pfälzische Sage liefert Hinweise auf die Namensgebung des Klosters:

„Auf der Landstraße von Grünstadt nach Göllheim gelangt man bei Kerzenheim auf schmalem Waldwege in ein enges Thälchen, in welchem etwa dreiviertel Stunden waldeinwärts das graue, gothische Thürmlein des ehemaligen Klosters Rosenthal aus dem Schatten der Bäume trauernd hervorragt. Eberhard II., Graf von Eberstein und seine Gattin Adelinde waren die Stifter desselben. Der Name soll aus dem Wappenschilde der Grafen von Eberstein, welche eine Rose in weißem Felde führten, entlehnt worden sein. Dagegen hielten die Nonnen zu Rosenthal an der Sage fest, es seien, als man mit dem Baue des Klosters mitten im Winter beschäftigt war, blühende Rosen in den Gesträuchen gefunden und daher dem Kloster der Name beigelegt worden.“ (Schöppner 2014, S. 276).

Baubeschreibung
Die Klosteranlage erstreckt sich am Talgrund des Rodenbachs. Oberhalb der Anlage wurde ein Gewässer angestaut. Die heute umgenutzten Gebäude des ehemaligen Wirtschaftshofs liegen oberhalb der Kirche. An den Kirchturm schließt sich das Klausur-Westgebäude an. Das kleine daraus hervortretende Gebäude ist das Brunnenhaus.
Von der Saalkirche sind nur noch einige bauliche Reste erhalten. Zu sehen sind der spätgotische Westturm und die Seitenwände des Langhauses. Der Chor ist vollständig abgetragen.
Die ursprüngliche einschiffige Klosterkirche wurde im frühgotischen Stil errichtet (Baubeginn 1241). Grabungen haben gezeigt, dass die Kirche einen 5/8 Chorschluss (polygonaler Chorschluss aus fünf Segmentteilen) hatte. Eine vom Bautypus ähnliche einschiffige, lang gestreckte Saalkirche ist Sankt Maria Himmelskron (1299) in Hochheim (Worms).
Das Mauerwerk zeigt teilweise Originalbestand, ist aber in wesentlichen Teilen dem Umbau der Spätgotik zuzuordnen (Baumaßnahmen Ende des 15. Jahrhunderts). Innerhalb des ehemaligen Kirchenschiffes stehen an der Nordwand mehrere Grabsteine. Darunter befindet sich auch ein Epitaph des Klostergründers Eberhard II. von Eberstein.
Während der Amtszeit der Äbtissin Margarethe von Venningen im 15. Jahrhundert wurden die Kirchenwände erhöht und größere Fenster im spätgotischen Stil eingebaut. Des Weiteren wurde eine Empore errichtet, die sich über die gesamte Länge bis zum Chor erstreckte.
In diesem Zuge entstand auch der heute noch bestehende Turm. Auf einem quadratischen Grundriss sitzt eine achteckige Laterne. Sie besteht vollständig aus Sandstein, zeigt filigrane Maßwerkarkaden und wird von einer Kreuzblume gekrönt.
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Renovierung und Erhaltung
Im Jahre 1863 gründete sich der „Rosenthaler Verein“, der die Kirchenruine erwarb und restaurierte. Doch die damaligen Restaurationsmöglichkeiten konnten den Verfall nicht verhindern. Im 20. Jahrhundert wurden immer wieder neue Restaurationsarbeiten unternommen. In den 1980er Jahren kam es zu einer sehr umfassenden Sanierung, bei welcher der Dachreiter, die Kirchenmauern und die Grabsteine erneuert wurden. Heute kümmert sich der Nachfolgeverein, der „Historische Verein Rosenthal und Umgebung e. V.“ um die Erhaltung der Klosteranlage, die ein eingetragenes Kulturdenkmal ist.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Das Kloster Rosenthal befindet sich am südlichen Ende des Rosenthalerhofes der Gemeinde Kerzenheim im Donnersbergkreis. Zwischen Göllheim und Eisenberg gelegen, ist der Ort über die Bundesstraße 47 mit dem Auto erreichbar.
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(Raphaela Maertens, Zukunftsregion Westpfalz, 2018)

Internet
www.hist-verein-rosenthal.de: Klostergeschichte (abgerufen 13.09.2017)
www.hist-verein-rosenthal.de: Klosterkirche (abgerufen 13.09.2017)

Literatur

Ammerich, Hans; Heberer, Pia; Keddigkeit, Jürgen; Lagemann, Charlotte; Untermann, Matthias (2014)
Pfälzisches Klosterlexikon. 5 Bände. S. 664ff., Kaiserslautern.
Conrad, Karl-Heinrich (1992)
Kloster Rosenthal. Ein Beitrag zur Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklostern und seiner Besitzungen. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Hamm.
Generaldirektion Kulturelles Erbe (Hrsg.) (2017)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Donnersbergkreis (Stand 15. August 2017). Rheinland-Pfalz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Donnersbergkreis (PDF, 5,30 MB), abgerufen am 08.01.2018
Schöppner, Alexander (2014)
Sagenbuch der Bayerischen Lande. Berlin.

Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Rosenthal bei Kerzenheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rosenthalerhof
Ort
67304 Kerzenheim - Rosenthal
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Museen, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1241
Koordinate WGS84
49° 33′ 37,02″ N, 8° 00′ 44,96″ O / 49.56028°, 8.01249°
Koordinate UTM
32U 428585.22 5490211.22
Koordinate Gauss/Krüger
3428631.95 5491968.16

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„Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Rosenthal bei Kerzenheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-271239 (Abgerufen: 16. August 2018)
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