Wetterkreuze am Haardtrand

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
  • Wetterkreuz auf dem Wetterkreuzberg (2017)

    Wetterkreuz auf dem Wetterkreuzberg (2017)

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    Holderle, Anne-Sophie / Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd
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  • Wetterkreuz mit Kreuzweg auf dem Ottilienberg in St. Martin (2017)

    Wetterkreuz mit Kreuzweg auf dem Ottilienberg in St. Martin (2017)

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Am Ostrand des Haardtrandes im Pfälzerwald stehen acht Wetterkreuze. Die Mehrzahl der Kreuze zeigt ihre Vorderseite zur Ebene hin. Es ist die Hauptwetterrichtung. Von Südwesten kommen die meisten Unwetter. Die Wetterkreuze sind Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit dem katholischen Glauben und dem Vertrauen auf die göttliche Beeinflussung des Lebens. Sie sollen vor den Unbilden des Wetters schützen.

Der Ursprung einer Kreuzkultur und dem Schutz vor Wettereinflüssen lässt sich schon in einer frühen Zeit nachweisen. Bereits um 399 n.Ch. wurde vom Heiligen Johannes Chrysostomos wegen anhaltenden Regens ein Bittgang veranstaltet. Bittprozessionen an den 3 Bitttagen vor Christi Himmelfahrt wurden 470 vor Christus von Bischof Vienne Mannorkus, einem der sogenannten Eisheiligen, eingeführt und verbreitet. Auch unter Papst Leo III. (705 – 816) wurden diese Prozessionen befürwortet. Viel später, nämlich in der Zeit des Barock, verbreiteten sich die Wetterprozessionen, auch Hagel- oder Schauerprozessionen genannt (Kiefer 2016).

Wetterkreuze wurden als Schutzschilde gegen aufziehende Unwetter aufgestellt. Zunächst waren es einfache Holzkreuze, später wurden sie aus Stein gefertigt. Sie dienten dem Schutz gegen verheerende Unwetter und Hagelgewitter, die ganze Ernten vernichten konnten. Hungersnöte und Teuerungen waren die Folgen dieser Wetterunbilden. Zudem kamen Krankheiten und Seuchen auf, so dass Zuflucht im Gebet gesucht wurde. Damit sollte Gott, der Allmächtige, gnädig gestimmt werden. Am östlichen Haardtrand wurden die Felder und Weinberge der Bauern und Winzer immer wieder von Unwettern heimgesucht. Eine vernichtete Ernte konnte zum Totalausfall der Einnahmen eines Jahres führen. Rebstöcke sind gegenüber Wetterschäden besonders anfällig. Die Blüte ebenso wie die Trauben können von Hagel zerschlagen werden. Der Rebstock ist frostempfindlich. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass gerade in Weinbaugebieten derartige Wetterkreuze aufgestellt und die Bittprozessionen als fromme Übungen gepflegt wurden (Kiefer 2016).

Die Wetterkreuze sollen den Vorbeigehenden zur Andacht, zur Fürbitte oder zur Erinnerung anregen. Zudem können Wetterkreuze auch Wegmarken und Grenzzeichen sein. Nicht zuletzt dienten sie als Stationen bei Prozessionen, Flurumgängen oder markieren den Ort eines Unglücks.

Alle Informationen zu den Wetterkreuzen am Haardtrand wurden im Jahre 2016 von dem St. Martiner Bürger Armin Kiefer in einem Manuskript zusammengetragen. Viele Angaben der hier eingestellten Objekte beruhen auf seinen Forschungsergebnissen. Kiefer wiederum hatte sich zahlreicher ungedruckter Quellen und Archivalien bedient. Ergänzend dazu liegen Erfassungen von Fred Weinmann vor, die im Rahmen der Erstellung des Pfalzatlanten erhoben worden waren (1964 und 1973).

(Matthias C.S. Dreyer, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2017)

Literatur

Kiefer, Armin (2016)
Die Wetterkreuze am Haardtgebirge. (unveröffentlichtes Manuskript). Sankt Martin.
Weinmann, Fred (1973)
Steinkreuze und Bildstöcke in der Pfalz. Nürnberg.

Wetterkreuze am Haardtrand

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„Wetterkreuze am Haardtrand”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-274570 (Abgerufen: 16. August 2018)
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