Obergermanisch–Raetischer Limes im Rheingau-Taunus-Kreis (UNESCO Welterbestätte)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bad Schwalbach, Glashütten (Hessen), Heidenrod, Hohenstein (Hessen), Holzhausen an der Haide, Hünstetten, Idstein, Niedernhausen, Rettert, Taunusstein
Kreis(e): Hochtaunuskreis, Rheingau-Taunus-Kreis, Rhein-Lahn-Kreis
Bundesland: Hessen, Rheinland-Pfalz
  • Rekonstruierter Wachturm bei Taunusstein-Orlen (2000)

    Rekonstruierter Wachturm bei Taunusstein-Orlen (2000)

    Copyright-Hinweis:
    Büttner, Thomas
    Fotograf/Urheber:
    Büttner, Dr. Thomas
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Rekonstruierter Limesverlauf am Zugmantel bei Taunusstein-Orlen (2008).

    Rekonstruierter Limesverlauf am Zugmantel bei Taunusstein-Orlen (2008).

    Copyright-Hinweis:
    Söder, Dagmar
    Fotograf/Urheber:
    Söder, Dagmar
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der Obergermanisch-Raetische Limes (ORL) bildet den Schlusspunkt der römischen Expansion in Deutschland und verläuft vom Rhein nördlich von Koblenz durch den Westerwald, den Taunus, die Wetterau, entlang des Mains, durch den Odenwald und den Schwäbisch-Fränkischen Wald, das Albvorland, schließt das Nördlinger Ries ein und trifft bei Kelheim auf die Donau.

Ausgehend von einer einfachen Wegschneise wurde der ORL, insbesondere unter den Kaisern Hadrian (um 120 n. Chr.), Antoninus Pius (um 160 n. Chr.) und Septimius Severus zu einem System kontinuierlicher Barrieren ausgebaut (Palisade, Graben und Wall in Obergermanien, Palisade und Steinmauer in Raetien).

Die Limeslinie war eine überwachte Grenze, an der die Ein- bzw. Ausreise kontrolliert und Waren gehandelt oder verzollt wurden. Bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. funktionierte dieser geregelte Grenzverkehr. Sein Ende kam mit einer zunehmenden Bedrohung durch die Germanen, aber auch im Zuge innerrömischer Auseinandersetzungen.
Mit Ausnahme eines 52 km langen Teilbereichs entlang des Mains handelt es sich mit dem ORL um eine gezielt angelegte Landgrenze, deren Überreste vielerorts bis heute im Gelände einprägsam zu verfolgen sind. Insbesondere der kontinuierliche Verlauf der oftmals schnurgeraden Grenzmarkierung macht die Besonderheit des ORL aus und stellt häufig ein bedeutendes und bestimmendes Element der Kulturlandschaft dar.

So verläuft der ORL auf einer Länge von 550 km als größtes Bodendenkmal Deutschlands durch vier Bundesländer und viele unterschiedliche Kulturlandschaften. Neben der eigentlichen Strecke mit ihren linearen Elementen Palisade, Wall und Graben bzw. Mauer umfasst er mehr als 900 Wachtürme und etwa 120 Kastelle bzw. größere und kleinere Truppenlager verschiedener Größe.
Der Limes hat bis heute Einfluss auf das Leben der Menschen in seiner Umgebung. Er leistet über Orts- und Flurnamen oder über seine archäologischen Denkmäler einen wichtigen Beitrag zur Identifikation. Seine erhaltenen Reste sind Wirtschaftsfaktoren. Sie können zudem Naturdenkmäler sein und erfordern einen erhöhten Aufwand bei Erhalt und Nutzung. Der Limes wurde schließlich 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gekürt.

Der Obergermanisch-Raetische Limes (ORL) im Rheingau-Taunus-Kreis
Das bedeutendste Kulturerbe im Altkreis Untertaunus ist der „Obergermanisch–Raetischer Limes (ORL)“. Er durchquert den Untertaunus von Westen nach Osten über eine Länge von 34,5 km. An diesem Abschnitt der antiken Grenze befanden sich einst 6 Kastelle und 51 Wachtürme. Dem Limes ging teilweise eine ältere Grenzlinie voraus, die bis zu 750 m weiter südlich verlief und noch weitgehend unerforscht ist.
Noch heute sind die Spuren des Limes auf dem Gebiet der Kommunen Heidenrod, Bad Schwalbach, Hohenstein, Taunusstein, Hünstetten, Idstein und Niedernhausen ablesbar. Kastellstandorte finden sich bei Kemel, Orlen, Alteburg bei Heftrich. Weitere Kleinkastelle sind bei Laufenselden, Adolfseck, Dasbach und Wehen bekannt. Die Orte Kemel und Heftrich sind wohl aus römischen Lagersiedlungen hervorgegangen. In den landwirtschaftlich genutzten Offenlandflächen ist der Verlauf des ORL nicht mehr sichtbar und erlebbar, obwohl die Trasse bekannt ist. Im Wald – außer dem Bereich zwischen Kemel und Landesgrenze, wo der Limes aus Palisaden bestand - ist er noch gut erhalten.

Das museale Vermittlungszentrum für das Welterbe »Obergermanisch-Raetischer Limes« im Rheingau-Taunus-Kreis befindet sich im Hofgut Georgenthal in Hohenstein. Die Rekonstruktionen bei Taunusstein-Orlen und Idstein-Dasbach vermitteln eine gute Vorstellung vom Aussehen antiker Grenzbauten. Lokale Rundwege, der Limeswanderweg, die Deutsche Limes-Straße und der Deutsche Limes-Radweg erschließen das Bodendenkmal mit zahlreichen Informationstafeln. Weitere Visualisierungs- und Schutzmaßnahmen sind in Kooperation mit der Landschaftspflege in den ausgeräumten Feldfluren z. B. bei Steckenroth im Idsteiner Land mit Markierungsmaßnahmen angedacht.

Seit 2005 gehören die Grenzanlagen des Römischen Reichs, der Obergermanisch-Raetische Limes, als Kulturerbe zur Liste der UNESCO-Welterbe-Stätten in Deutschland.

(Hessisches Landesamt für Denkmalpflege 2011)

Internet
www.unesco-welterbe.de: Welterbestätten (abgerufen: 28.07.2013)

Literatur

Bender, Stephan (o.J.)
"UNESCO-Welterbe": Der Limes im Rheingau-Taunus-Kreis (Faltblatt, Text: Dr. Bender, Aalen, V.i.S.d.P. Heinz Juhnke). Rheingau-Taunus-Kreis.
Deutsche Limeskommission (Hrsg.) (2010)
Obergermanisch-Raetischer Limes. Management-Plan 2010-2015. (Beiträge zum Welterbe Limes, Sonderband 1.) Bad Homburg.

Obergermanisch–Raetischer Limes im Rheingau-Taunus-Kreis (UNESCO Welterbestätte)

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 9 DSchG Hessen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, Archäologische Grabung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn 100 bis 180
Koordinate WGS84
50° 11′ 35,97″ N, 8° 11′ 39,48″ O / 50.19333°, 8.1943°
Koordinate UTM
32U 442490.14 5560436.55
Koordinate Gauss/Krüger
3442542.07 5562221.36

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Obergermanisch–Raetischer Limes im Rheingau-Taunus-Kreis (UNESCO Welterbestätte)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-TB-20110317-0001 (Abgerufen: 13. Dezember 2017)
Seitenanfang