Schießplatz Wahn

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln, Troisdorf
Kreis(e): Köln, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ausschnitt aus der Preußischen Kartenaufnahme 1:25.000 (1891-1912 Neuaufnahme), Blätter 5108 - Köln-Porz (Wahn) und 5109 - Lohmar (Wahlscheid) mit dem Areal des Schießplatz in der Wahner Heide.

    Ausschnitt aus der Preußischen Kartenaufnahme 1:25.000 (1891-1912 Neuaufnahme), Blätter 5108 - Köln-Porz (Wahn) und 5109 - Lohmar (Wahlscheid) mit dem Areal des Schießplatz in der Wahner Heide.

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Die Geschichte der Kasernen in der Wahner Heide beginnt im 19. Jahrhundert. Nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon (1813-1815) legte Preußen besonderen Wert auf eine möglichst gefechtsnahe Ausbildung der Artillerie. Die Truppen sollten möglichst jederzeit einsatzbereit sein. In der Nähe von Garnisonsstädten wurden daher Übungsplätze errichtet. In der Wahner Heide wurde ein dem Kataster nach zu Bürgermeisterei Heumar, Wahn und Spich gehörender Flurteil an den preußischen Staat abgetreten, so dass dieser ab 1817 auf dem Gelände einen Schießplatz für die 1816 aufgestellte 7. königlich preußische Artilleriebrigade unterhalten konnte. Das Gelände wurde noch im gleichen Jahr Ausbildungsstätte für Landwehrmänner aus der Kölner Umgebung.
An jedem Sonntag ab 15 Uhr gab es auf dem in der Größe an die Schießweite der Geschütze und der Sprengwirkung angepassten „Revue-Platz“ eine Sonntagsübung. Aufgrund der Weiterentwicklung von Artilleriewaffen und der damit einhergehenden größeren Reichweite musste das Gelände ständig erweitert werden. Dies geschah zum Teil durch Ankauf von Gelände, zum Teil aber auch durch Enteignung. In den ersten Jahren waren die übenden Truppen bei Privatleuten in den umliegenden Gemeinden Heumar, Rath und Wahn untergebracht. Trotz finanzieller Unterstützung vom Staat war die Unterbringung der Truppen bei der Zivilbevölkerung schnell nicht mehr möglich. 1865 wurden daher etwa ein Viertel der Truppen in Zelten auf der Wahner Heide untergerbacht. Durch das ständige Wachstum der Truppen und das Hinzukommen weitere Truppengattungen, wurden ab 1870 Fachwerk Gebäude errichtet, die den Ansprüchen entgegen kommen sollten. 1870 waren ebenfalls westlich des Mauspfades Baracken für französische Kriegsgefangene des deutsch-französischen Krieges (1870-1871) gebaut worden. 1871 ging das Gelände in den Besitz des deutschen Reichs über.

20. Jahrhundert
Um 1900 wurde das Gelände um eine Reihe von Steingebäuden erweitert, die bis heute erhalten geblieben sind. 1913 landete das erste Flugzeug, welches zur Artilleriebeobachtung eingesetzt worden war, auf der „Artilleriefliegerstation Wahn“. Ein Fliegerschuppen und eine nur 150 Meter lange Startbahn dienten während des ersten Weltkrieges als Übungsplatz für Luftschiffe und Flugzeuge. Dieser Militärflughafen gilt als Grundstein für den heutigen Köln Bonner Flughafen Konrad Adenauer. Nach Ende des Ersten Weltkrieges rückten erste kanadische und britische Verbände in der Wahner Heide ein, bevor von 1920-1926 französische Besatzungstruppen hier stationiert waren.
Auf dem Schießlatz wurden ehemalige Arbeiter der stillgelegten Munitionsfabrik sowie Bedürftige untergebracht und die Wahner Heide wieder landwirtschaftlich genutzt. 1926 kamen Pläne für die Errichtung eines Zivilflugplatzes auf, die jedoch aufgrund der Zeitgeschehnisse nicht weiter umgesetzt wurden. 1932 wurde in der Wahner Heide das Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Mit der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 wird der Geländeausbau des Übungsplatzes stark durch die Landespolizei vorangetrieben. Nach dem Versailler Vertrag (1919) war das Rheinland entmilitarisiert worden, dennoch marschierte 1936 die Wehrmacht in die Zone ein. Hierfür wurde das Gelände noch einmal deutlich erweitert.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegsentwicklung
Während der Kriegshandlungen diente das Gelände vor allem als Übungs- und Aufstellungsplatz. Vom Flugplatz aus wurden Angriffe auf Frankreich und England geflogen. Am 11. April 1945 besetzen amerikanische Truppen das Gelände und errichteten ein Durchgangslager für 15.000 osteuropäische Zwangsarbeiter. Die britischen Truppen lösten die Amerikaner am 15. Juni 1945 ab. Unverzüglich begann die Royal Airforce mit dem Ausbau des Feldflugplatzes zu einem Militärflughafen mit einer 1830 Meter langen Startbahn aus Beton, fünf Hangerhallen sowie verschiedenen anderen Gebäuden. Am 18. Juli 1957 wurde die Liegenschaft von Großbritannien an die Bundeswehr übergeben. Der Flugplatz wurde für die zivile Nutzung freigegeben und im Hinblick auf die Entwicklung Bonns als Bundeshauptstadt ausgebaut. Die deutsche Luftwaffe richtete die Dienstelle der zentralen Luftwaffenaufgaben (DZL) und die Stammdienststelle der Luftwaffe (SDL) auf dem Gelände ein. Die SDL zieht 1962 bereits wieder vom Gelände in die Kölner Innenstadt um. Dafür kam 1957 das Materialkommando von Erding nach Wahn und wurde dort dem Materialamt der Luftwaffe (MatALw) untergegliedert. Heute wird das Gelände auch als Übungsgelände der Bundeswehr genutzt.

(Fabian Lagodny, LVR-Fachbereich Umwelt, 2013)

Internet
www.luftwaffe.de: Die Geschichte des Militärs in der Wahner Heide (abgerufen am 17.05.2013)

Literatur

Aders, Gebhard (2002)
Die Aussenstelle Porz des historischen Archivs der Stadt Köln und ihre Bestände. (Rechtsrheinisches Köln, Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 28.) S. 91-162, Köln.

Schießplatz Wahn

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1817, Ende 1957
Koordinate WGS84
50° 51′ 35,21″ N, 7° 06′ 54,92″ O / 50.85978°, 7.11526°
Koordinate UTM
32U 367354.9 5635924.62
Koordinate Gauss/Krüger
2578566.61 5636640.82

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„Schießplatz Wahn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-65489-20130516-2 (Abgerufen: 19. November 2018)
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