Pulvermühle der Gebrüder Krebs & Comp. in Gremberg

„alte Pulvermühle“ am Wimmersgrund

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 40,9″ N: 7° 00′ 16,59″ O 50,92803°N: 7,00461°O
Koordinate UTM 32.359.773,39 m: 5.643.717,51 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.570.672,87 m: 5.644.120,94 m
  • Ausschnitt aus der historischen Karte des deutschen Reiches im Maßstab 1:100.000 aus dem Jahr 1900 u.a. mit den Orten Deutz, Kalk und Vingst.

    Ausschnitt aus der historischen Karte des deutschen Reiches im Maßstab 1:100.000 aus dem Jahr 1900 u.a. mit den Orten Deutz, Kalk und Vingst.

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Zu der 1858 errichteten alten Pulvermühle der Gebrüder Krebs finden sich nur wenige und zudem meist unsicher einzuordnende Informationen. Im Jahr 1870 explodierte die kleine Fabrik zur Herstellung von Sprengmaterial.

Die Pulvermühle Gebrüder Krebs & Comp. in Gremberg
Parallelen der „alten Pulvermühlen“ Krebs und Engels - das gleiche Werk?
Lage, historische Karten und Objektgeometrie
Internet, Literatur

Die Pulvermühle Gebrüder Krebs & Comp. in Gremberg
Zur Geschichte des heutigen Stadtteils Humboldt/Gremberg wird über hieisige Aktivitäten einer in Deutz ansässigen Firma Krebs berichtet (humboldt-gremberg.sozialraumkoordination.koeln):
„Schon 1858 hatten die Gebrüder Krebs aus Deutz auf einem sandigen, unfruchtbaren Gelände, westlich vom Wimmersgrund, eine kleine Fabrik zur Herstellung von Sprengmaterial errichtet. Diese Fabrik hieß allgemein 'die alte Pulvermühle'. Um 1870 baute man etwa einen Kilometer [entfernt, Verf.] auf den Gremberg zu die neue Pulvermühle. ... Im Mai 1870 explodierte die alte Pulvermühle, glücklicherweise ohne Verlust an Menschenleben zu fordern. Die verbliebenen Mauerreste wurden wieder hergestellt und zu Wohnungen — Notwohnungen würde man heute sagen — eingerichtet.“
Der Zeitpunkt der Entstehung des Werks einige Jahre „vor dem Dynamit“ — dieses wurde erst 1866 von Alfred Nobel entdeckt — wie auch die lokale Bezeichnung als „alte Pulvermühle“ lassen darauf schließen, dass hier zumindest zunächst noch Explosivstoffe auf der Basis des seit Jahrhunderten gebräuchlichen, aber nur wenige Jahre später überkommenen Schwarzpulvers produziert wurden (vgl. hier).

Die Kölnische Zeitung vom 20. September 1870 berichtet dann zu Änderungen im Handelsregister vom 19. September, dass unter Nr. 492 „die Commandit-Gesellschaft unter der Firma: 'Gebrüder Krebs & Comp.' zu Deutz … aufgelöst worden ist, und der Kaufmann Friedrich Krebs in Deutz das Handelsgeschäft unter unveränderter Firma fortsetzt. Sodann ist unter Nr. 1980 des Firmen-Registers der Kaufmann Friedrich Krebs in Deutz als Inhaber der Firma 'Gebrüder Krebs & Comp.' heute eingetragen worden.“
Es darf wohl angenommen werden, dass diese Umfirmierung noch mit der Explosion vom Frühjahr des Jahres in einem Zusammenhang steht.
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Parallelen der „alten Pulvermühlen“ Krebs und Engels - das gleiche Werk?
Auffallend sind für die Pulvermühle der Gebrüder Krebs zahlreiche Gemeinsamkeiten, die sich in der Literatur zu der Kalker Pulver- und Sprengmittelfabrik Josef Engels finden. Auch diese Fabrik wurde 1858 erstmals genannt und als „alte Pulvermühle“ bezeichnet, ferner explodierte auch dieses Werk im Jahr 1870 und wurde noch im gleichen Jahr nicht weit entfernt von seinem ursprünglichen Standort neu erbaut.
Im Gegensatz zur Pulvermühle der Gebrüder Krebs & Comp. geht diese Anlage jedoch „vermutlich“ auf einen Josef Engels aus Bensberg zurück und befand sich mit ihren Standorten „im Bereich des heutigen Humboldtparks“ bzw. der heutigen Humboldt-Kolonie rund einen Kilometer westlich entfernt (Trimborn 2002). Bereits in den ersten Jahren des Dynamit-Siegeszugs hatte um 1870 in der deutschen Sprengstoffindustrie eine Konzentrationswelle eingesetzt, in deren Zug zahlreiche Fusionen von Unternehmen erfolgten. Hierbei wechselten gerne auch die Firmennamen und -standorte, so dass die Verhältnisse der Firmen untereinander häufig unübersichtlich werden. Ob es sich bei den zwei Sprengstoffabriken Krebs und Engels möglicherweise um lediglich einen Werksstandort handelte und/oder die beiden Firmen miteinander verbunden waren, lässt sich daher nicht ganz ausschließen.

Den umfassenden Recherchen des Leichlinger Sprengstoffexperten Friedrich Trimborn zufolge (2002), gründete dann jedenfalls — und nun offenbar eindeutig — die Gebrüder Krebs & Comp. im Jahr 1872 ein Sprengstoffwerk in Porz-Eil unter dem Namen Kölner Dynamitfabrik Gebr. Krebs & Cie. (vgl. dort). Dieses stand wenig später als Kölner Dynamitfabrik Küppersteg unter Leitung der Rheinischen Dynamitfabrik Opladen und produzierte bis 1901 Sprengstoff.
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Lage, historische Karten, Objektgeometrie
Das gesamte Areal rund um das Gremberger Wäldchen zeigt sich auf den Kartenblättern der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme noch vollständig unbebaut.
Auf der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912, das Blatt hier datiert auf 1893) findet sich dann rund 500 Meter südlich der Kalker Humboldt AG das Areal einer „Dynamit-Fbr.“ mit einer rund 1,3 Hektar Fläche umfassenden Betriebsfläche zwischen Humboldt und Gremberg eingezeichnet. Ebenso findet sich diese Fabrik in der Karte des deutschen Reiches im Maßstab 1:100.000 aus dem Jahr 1900 (vgl. Abb. und Kartenansichten).
Die hier eingezeichnete Objektgeometrie orientiert sich am Kartenbild der Preußischen Neuaufnahme — aber auch, ob diese „Dynamit-Fbr.“ überhaupt der vormaligen Pulvermühle oder einem Nachfolgewerk entspricht, kann nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden. Ergänzende Hinweise dazu sind willkommen!

Die deutlich späteren topographischen Karten der TK 1936-1945 lassen die hier als Werk der Gebrüder Krebs & Comp. angenommene Betriebsfläche — nun allerdings ohne Benennung — noch erahnen. Auf aktuellen Karten deckt sich das hier für die einstige Fabrik angenommene Areal noch teils mit dem Zuschnitt heutiger Parzellen und Grundstücke zwischen der Gremberger Straße und der Lohmarer Straße.
Die eingangs angeführte Lage „westlich vom Wimmersgrund“ lässt sich heute noch mit abweichender Schreibung über eine Abfallentsorgungsanlage „Deponie Wiemersgrund“ nordwestlich des Gremberger Wäldchens ausmachen (Gremberger Straße 271a). Diese ehemalige Kiesgrube wurde ab den 1940/50er-Jahren ausgekiest und nachfolgend mit mineralischen Abfällen der Chemischen Fabrik Kalk verfüllt (dep-wiemersgrund.de).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Internet
koeln-muelheim.de: Eine Historie mit viel Zündstoff (Text Matthias Bauschen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.01.2002, abgerufen 04.02.2026)
humboldt-gremberg.sozialraumkoordination.koeln: Sozialraumgebiet Humboldt-Gremberg (abgerufen 23.03.2026)
zeitpunkt.nrw: Historische Zeitungen, hier: Kölnische Zeitung vom 20.09.1870 (abgerufen 23.03.2026)
dep-wiemersgrund.de: Deponiegesellschaft Wiemersgrund mbH & Co. KG, Deponie „Am Wiemersgrund“ (abgerufen 23.03.2026)
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Literatur

Trimborn, Friedrich (2002)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 181-182, Köln.

Pulvermühle der Gebrüder Krebs & Comp. in Gremberg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Frankfurter Straße / Maarhäuser Weg
Ort
51105 Köln - Humboldt/Gremberg / Deutschland
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1858, Ende nach 1870

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Pulvermühle der Gebrüder Krebs & Comp. in Gremberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360027 (Abgerufen: 4. April 2026)
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