Die kleine Fabrik zur Herstellung von Sprengmaterial entstand 1858 im damaligen Kalk nahe des heutigen Humboldtparks. Das Werk explodierte 1870 und wurde unweit des ursprünglichen Standorts neu erbaut. Um 1890 existierte die Fabrik dann nicht mehr. Die Entdeckung des revolutionären Explosivstoffs Dynamit durch Alfred Nobel (1833-1896) im Jahr 1866 hatte einen regelrechten Sprengstoff-Boom ausgelöst, der weltweit ganze Industrie- und Wirtschaftsbereiche maßgeblich veränderte. In den Folgejahren gründeten sich zahlreiche neue Sprengstofffabriken, die an den immensen Gewinnen teilhaben wollten. Auch im Rheinland entstanden in der Zeit der Industrialisierung zahlreiche Unternehmen, die die vielfältigen Bedarfe an Dynamit und anderen Sprengmitteln bedienten.
Die (Schwarz-?) Pulver- und Sprengmittelfabrik Engels In den umfassenden Recherchen des Leichlinger Sprengstoffexperten Friedrich Trimborn (2002) zu Explosivstofffabriken in Deutschland findet sich der Hinweis auf die 1858 begründete kleine Fabrik zur Herstellung von Sprengmaterial im damaligen Kalk (heute Köln-Humboldt/Gremberg) im Bereich des heutigen Humboldtparks. Die Fabrik geht demnach vermutlich auf einen Josef Engels aus Bensberg zurück, in dessen Besitz sich zwei weitere Pulvermühlen in Quabach (heute Ortsteil von Lindlar) befanden. Der Zeitpunkt der Entstehung des Werks einige Jahre „vor dem Dynamit“ wie auch die lokale Bezeichnung als „alte Pulvermühle“ lassen darauf schließen, dass hier - zumindest zunächst noch - Explosivstoffe auf der Basis des seit Jahrhunderten gebräuchlichen, aber nur wenige Jahre später überkommenen Schwarzpulvers produziert wurden (vgl. hier). Wie viele andere Sprengstofffabriken auch, explodierte das Werk 1870 und Engels baute noch im gleichen Jahr nicht weit entfernt eine neue Fabrik. Die Angaben zu dem neuen Standort bei Trimborn widersprechen sich mit zum einen „1 Kilometer östlich auf Gremberger Gebiet“ und zum anderen „an der Kalker Hauptstraße unmittelbar neben der CFK, wo früher die Tafelsalzfabrik G. Neumann ansässig war“. Produziert wurde laut Trimborns Recherchen „ein cahücit-ähnlicher Sprengstoff und/oder Sprengsalpeter“. Das nicht recherchierbare Wort „Cahücit“ könnte auf eine Fehlschreibung oder -lesung von „Calcit / Calzit“ für Calciumcarbonat zurückgehen (Verf.).
Um 1890 existierte die Fabrik nicht mehr. Im Jahr 1892 versuchte Engels offenbar die Gründung einer neuen Fabrik in Hilden, zum Ausgang ist jedoch nichts bekannt (Trimborn 2002).
Parallelen der „alten Pulvermühlen“ Krebs und Engels - das gleiche Werk? Auffallend sind für die Pulvermühle Engels zahlreiche Gemeinsamkeiten mit einer nicht weit entfernten Pulvermühle der Gebrüder Krebs & Comp. (vgl. dort). Auch diese Fabrik wurde 1858 erstmals genannt und als „alte Pulvermühle“ bezeichnet, ferner explodierte auch dieses Werk im Jahr 1870 und wurde noch im gleichen Jahr nicht weit entfernt von seinem ursprünglichen Standort neu erbaut. Bereits in den ersten Jahren des Dynamit-Siegeszugs hatte um 1870 in der deutschen Sprengstoffindustrie eine Konzentrationswelle eingesetzt, in deren Zug zahlreiche Fusionen von Unternehmen erfolgten. Hierbei wechselten gerne auch die Firmennamen und -standorte, so dass die Verhältnisse der Firmen untereinander häufig unübersichtlich werden. Ob es sich bei den zwei Sprengstoffabriken Krebs und Engels möglicherweise um lediglich einen Werksstandort handelte und/oder die Firmen miteinander verbunden waren, lässt sich daher nicht mit letzter Sicherheit sagen.
Lage, historische Karten, Objektgeometrie Von der Pulver- und Sprengmittelfabrik Engels finden sich heute keine obertägigen Spuren mehr. Östlich des heutigen Humboldtparks - dieser entstand allerdings erst 1913/14 - begann die damalige Maschinenbau AG Humboldt schon ab 1874/75 das Gelände als Wohngebiet zu erschließen. Das Unternehmen erbaute hier Wohnhäuser für seine Arbeiterschaft im Bereich des späteren Viertels der Humboldt-Kolonie. An die Pulvermühle bzw. Sprengstofffabrik Engels erinnert heute noch der Name der unmittelbar an den Humboldtpark angrenzenden Straße An der Pulvermühle. Im historischen Kartenwerk der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme zeigt sich das hier angenommene Areal des Werks noch völlig unbebaut. Die etwas jüngere Preußische Neuaufnahme (1891-1912) weist dann keinen der vorab genannten Standorte eindeutig als Pulver- oder Sprengmittelfabrik aus, so dass die hier einzeichnete Objektgeometrie diese lediglich symbolisch am Humboldtpark darstellt. Die wiederum zeitlich nachfolgenden topographischen Karten TK 1936-1945 zeigen dann bereits die Humboldt-Kolonie.
Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg, mit Beiträgen von Sabine Czymmek. (Stadtspuren - Denkmäler in Köln, Bd. 7.) S. 23 u. 563, Köln.
Trimborn, Friedrich (2002)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 137, Köln.
Pulver- und Sprengmittelfabrik Josef Engels in Kalk
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