Chemische Fabrik Kalk

CFK

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Die Chemische Fabrik Kalk (CFK) kann als Initiator für die industrielle Entwicklung in Kalk angesehen werden. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung als Arbeitgeber für die Region unterstütze die CFK den Bau und den Erhalt einer Vielzahl an Versorgungseinrichtungen, wie das Krankenhaus Kalk oder die Volksbibliothek Kalk. Zudem unterstütze die CFK die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs durch die finanzielle Förderung der Pferdebahn zwischen Deutz und Kalk, aus denen im 20. Jahrhundert die Stadtbahnlinien Köln-Brück und Köln-Rath der Kölnischen Straßenbahngesellschaft entstanden.

Geschichte der Chemischen Fabrik Kalk
20. Jahrhundert
Nachkriegsjahre und Niedergang
Bedeutung der Chemischen Fabrik Kalk für die Region
Internet

Geschichte der Chemischen Fabrik Kalk
Die Geschichte der Industrie in Kalk beginnt mit der Gründung der „Vorster & Grüneberg Cöln Gesellschaft“ am 1. November 1858 durch den Kaufmann Julius Vorster und den Apotheker und Chemiker Hermann Grüneberg. Grüneberg, der aus Stettin stammte, hatte sein Fachwissen in England und Frankreich erworben, von wo er die Arbeitsmethoden und die Technik der bereits fortgeschrittenen industriellen Revolution mitbrachte. Vorster, der aus Westfalen stammte, brachte das nötige Kapital von rund 15.000 Talern in die Geschäftsverbindung mit ein. Als Standort für die neue Chemiefabrik entschieden sich die beiden Herren für das ländlich geprägte Dorf Kalk direkt vor dem Rayonring von Deutz. Hier gab es keine Baubeschränkungen und der Grundstückspreis war deutlich preiswerter als auf der linksrheinischen Seite. Direkt an der Straße von Deutz nach Brück, der heutigen Olpener Straße, siedelte sich der Betrieb an. Der Standort war für viele weitere Betriebe und Fabriken nahe der Kalker Hauptstraße mit direkter Anbindung nach Deutz und den Hafen ideal. Nach Osten bot die Lage schnelle Anbindung an das Bergische Land zum Bezug von Rohstoffen.

Bereits drei Monate nach der Gründung der Firma im Februar 1859 begann die Produktion mit 10 Arbeitern (Denis 2007 / Pohl & Mölich 1994 / Bilz 2008). Die Produktion von Kalisalpeter fand reißenden Absatz, so dass bis in die frühen 1860er Jahre Grundstücke von erheblicher Größe neu erworben wurden, um die Produktion auszuweiten. Grüneberg, der ein Studium in Leipzig 1862 mit Promotion abgeschlossen hatte, widmete sich in der Folgezeit der Entwicklung von Agrikulturchemieprodukten. Die Kaliindustrie hatte in den 1860er Jahren starke Konkurrenz bekommen, weshalb neue zusätzliche Standbeine gefunden werden mussten. Um den stetig wachsenden Bedarf an Lebensmitteln decken zu können, bedurfte es neuer Düngemethoden, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. „Vorster und Grüneberg“ war die erste Fabrik im Westen Deutschlands, die Stickstoff, Phosphor und Kalium chemisch für die Landwirtschaft gewannen (Denis 2007). Mit dem Tod von Julius Vorster 1876 wurde die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt und seine Söhne Julius und Fritz wurden Gesellschafter im Unternehmen und modernisierten es stetig. Die Produktion profitierte stark durch den Bau der Eisenbahnstrecken der Köln-Mindener Bahn und der Köln-Gießener Bahn. Diese Verbesserung der Infrastruktur ermöglichte es, am Standort Kalk noch effizienter Güter ab- und anzutransportieren, was aufgrund der logistischen Unzulänglichkeiten der anderen Bewerber einen großen Vorteil bedeutete. Jedoch wurde erst 1879 durch die Verstaatlichung der privaten Eisenbahngesellschaften das bis dahin bestehende Problem der konkurrierenden und sich behindernden Eisenbahngesellschaften behoben, was der Industrie einen weiteren Vorteil einbrachte. Obwohl viele, vor allem kleinere Betriebe durch die Gründerkrise in den 1870er Jahren ihren Betrieb einstellen mussten, schaffte es die CFK, die Krise zu überstehen. Kurz nach dem Inkrafttreten des GmbH-Gesetzes am 20. April 1892 erfolgte die Umwandlung der Personalgesellschaft Vorster & Grüneberg in die „Chemische Fabrik Kalk GmbH“ kurz CFK. Mit dem Tod des zweiten Gründers Hermann Grüneberg 1894 ging die Entwicklung und Produktion an seinen bereits einige Jahre zuvor im Unternehmen eingegliederten Sohn Richard über (Bützler 2001). Die Söhne von Vorster teilten sich weiterhin die politisch-repräsentativen Aufgaben und die betriebswirtschaftliche Leitung. Durch den stetigen Ausbau und Erweiterung erfuhren Kalk und das direkte Umland einen immensen Zuwachs an Bevölkerung und Bebauung (vgl. Bilz 2008 / 2011).

Kalk, das 1881 zur Stadt erhoben und bereits 1910 von der Stadt Köln eingemeindet wurde, begann eine immer größere Bedeutung für die Region zu spielen und lief dem bis ins 19. Jahrhundert bedeutenderen Deutz den Rang ab. Dafür verantwortlich ist nicht zuletzt die industrielle Entwicklung, die durch die CFK gestartet wurde.
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20. Jahrhundert
Neben den Düngemitteln begann die CFK um die Jahrhundertwende mit der Produktion von Soda, das eine erhöhte Nachfrage für die Herstellung von Glas, Waschmitteln und Kunstseide erfuhr. Da zu Beginn des Ersten Weltkrieges keine kriegswichtigen Güter produziert wurden, sank die Arbeiterzahl auf nur noch 70 Männer und Teile des Betriebes mussten stillgelegt werden. Die Entwicklung von neuen Sprengstoffen und die Produktion von Salpeter rückten in den Mittelpunkt der CFK, die somit die Zeit des Ersten Weltkriegs wirtschaftlich prosperierend überstand. Als zusätzliches Standbein wurde die Tierfutterherstellung zugewonnen. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 konnte die Produktion von Düngerprodukten durch die stetig steigende Nachfrage von Kunstdünger jährlich starken Zuwachs erzielen. Ab 1937 wurden Frauen erst freiwillig, dann verpflichtend, zur stetig zunehmenden Rüstungstätigkeit herangezogen (Denis 2007). Die Produktionsschwerpunkte wandelten sich erneut von der Düngermittelherstellung zur Waffenzulieferung.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden russische und polnische Zwangsarbeiter in der CFK beschäftigt, die in Lagerbaracken auf dem Fabrikgelände einquartiert wurden. Durch die Luftangriffe auf Köln wurden besonders in den Jahren 1942 und 1943 große Teile der Fabrikanlagen zerstört. 1944 musste die Produktion gänzlich stillgelegt werden, da rund 80% aller Gebäude völlig zerstört waren. Insgesamt trafen die CFK bis zum Ende des Krieges 227 Sprengbomben sowie rund 3.000 Brand- und Phosphorbomben. Am 6. März 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, verkündigte Fritz Vorster jr., der Enkel des Firmenmitbegründers Julius Vorsters, die endgültige Schließung der CFK (Greiling 1958 / Denis 2007).
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Nachkriegsjahre und Niedergang
Im besetzen Köln konnte in der CFK bereits im August 1945 wieder im geringen Umfang produziert werden. Bei den Produkten handelte es sich hauptsächlich um Brandkalke für Tauschzwecke. Bis 1947 waren große Teile der Bauten und Produktionsstätten neu errichtet worden und 1949 – zur Gründung der Bundesrepublik – hatte die CFK ihre ursprüngliche Größe wiedererlangt. In den 1950er Jahren boomte der Absatz von Soda für die CFK, so dass eine Erweiterung bzw. Umsiedlung nach Godorf in Betracht gezogen wurde, die jedoch nach kurzer Zeit aus wirtschaftlichen Gründen zu Gunsten einer Erweiterung und Umnutzung in Kalk verworfen wurde. Obwohl die Stadt Köln und auch viele Anwohner es gerne gesehen hätten, die „hässliche“ Fabrik aus ihrer Nachbarschaft an den Stadtrand zu verbannen, blieb die CFK in Kalk. 1957 arbeiteten 1.820 Arbeiter und 549 Angestellte für das Unternehmen, das zwar geringer als erwartet, aber stetig, seine Gewinne steigern konnte. Das Unternehmen war somit weiterhin von hoher Bedeutung und Nutzen für die Region, auch wenn das Image der „dreckigen Industrie“ an ihr haftete (Denis 2007).

1950 bereits hatte die Salzdetfurth AG, ein Montanbetrieb im heutigen Bad Salzdetfurth (Vorläufer der späteren K+S AG in Kassel), sich mit 25% am Unternehmen beteiligt. Im Jahre 1960 übernahm dieses die CFK zu 100%. Obwohl in den 1960er Jahren einige Modernisierungen durchgeführt wurden, waren doch Großteile der Produktion veraltet und entsprachen nicht mehr dem technischen Standard. Mit der Fusionierung der „Salzdetfurth AG“ mit der BASF-Tochter „Wintershall AG“ und der „Burbach-Kaliwerk AG“ im Jahre 1971 zur „Kali und Salz AG“ wurde der Niedergang zusätzlich beschleunigt (Pohl & Mölich 1994). Trotz der zusätzlichen Produktion für Gartendüngemittel blieben große, neue Innovationen und Absatzmärkte unerschlossen. Die Produktion geriet weiter ins Abseits, da die BASF keinerlei Investitionen in das Gelände der CFK tätigte, da es aus wirtschaftlicher Sicht veraltet, unrentabel und inmitten von Wohngebieten ungünstig gelegen war. Auch die Stadt Köln wollte die ungeliebte Fabrik mit ihrer ungünstigen Lage am liebsten umsiedeln. In den 1980er Jahren versuchte man die Produktion auf feinchemische Produkte umzustellen und produzierte Brom. 1985 wurde bei einem Großbrand jedoch die Bromproduktionshalle gänzlich zerstört, woraufhin die Produktion eingestellt wurde. Es folgte 1988 das Ende der Düngemittelproduktion und schließlich am 23.12. 1993 das Ende der Soda- und Kaliumchloridherstellung (Denis 2007). In den folgenden Jahren wurden die Gebäude der CFK schrittweise abgerissen. Nur der einen Fabrikschornstein umschließende ehemalige Wasserturm von 1905 (Köln-Lexikon 2008), der heute im Kalker Einkaufszentrum „Köln Arcaden“ baulich integriert ist, zeugt noch von der ehemaligen Industriestätte der Chemischen Fabrik Kalk.
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Bedeutung der Chemischen Fabrik Kalk für die Region
Die CFK wie auch die Maschinenbauanstalt Sievers (die spätere Klöckner-Humboldt-Deutz AG) sind Musterbeispiele für die Entwicklung der Industrie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie kein anderes Unternehmen ist die Entwicklung des Betriebes mit dem Wachstum von Kalk in Verbindung zu bringen. Durch die verfügbaren Arbeitsplätze wuchs der Ort Kalk massiv an und veränderte sein Erscheinungsbild vom ländlichen, agrarwirtschaftlich geprägten Dorf hin zur industriellen Stadt.
Durch die Förderung der Infrastruktur (Verkehrswesen und öffentliche Einrichtungen) in Kalk durch die großen Betriebe, wie eben auch der CFK, entwickelte sich der Industriestandort in nur 50 Jahren zu einer kleinen Stadt von ehemals etwa 152 Einwohnern (1851) zu einer Stadt mit über 13.000 Einwohnern zum Ende des Jahrhunderts. Mit mehr als 1.000 Beschäftigten zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Betrieb von solch einer regionalen Größe und Bedeutung, dass bis in die heutige Zeit die Auswirkungen dieses chemischen Großbetriebes im Stadtbild auszumachen sind. Neubauten der Wohn-, Industrie- und Gewerbegebiete im Kalker Norden und Westen wären ohne die Umnutzung der ehemaligen Industriefläche nicht denkbar gewesen. Leider ist bis auf den Wasserturm keine bauliche Substanz mehr erhalten, so dass die ehemalige Größe und Bedeutung der CFK nicht auf den ersten Blick auszumachen sind.

(Fabian Lagodny, Universität Bonn, 2013)

Internet
www.cfk-gmbh.com: Chemische Fabrik Kalk GmbH (abgerufen 28.09.2017)
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Literatur

Bilz, Fritz (2008)
Zwischen Kapelle und Fabrik. Die Sozialgeschichte Kalks von 1850 bis 1910. Köln.
Bilz, Fritz / Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln e.V. (Hrsg.) (2011)
Bürgerliche Proteste gegen die Chemische Fabrik Kalk im 19. Jahrhundert. In: Rechtsrheinisches Köln, Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 36, S. 65-81. Köln.
Bützler, Heinrich (2000)
Geschichte von Kalk und Umgebung – Bilder aus alter und neuer Zeit (Nachdruck der Ausgabe Kalk 1910). Köln.
Denis, Nicklas C. / Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln e.V. (Hrsg.) (2007)
Die chemische Fabrik Kalk. In: Rechtsrheinisches Köln, Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 32, S. 30-44. Köln.
Greiling, Walter (1958)
100 Jahre Chemische Fabrik Kalk. Köln.
Mölich, Georg; Pohl, Stefan (1994)
Das rechtsrheinische Köln - Seine Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Köln.
Roeseling, Gereon (2003)
Zwischen Rhein und Berg. Die Geschichte von Kalk, Vingst, Humboldt/Gremberg, Höhenberg. Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 465-466, Köln.

Chemische Fabrik Kalk

Schlagwörter
Ort
51103 Köln - Kalk
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1858, Ende 1993
Koordinate WGS84
50° 56′ 25,89″ N, 6° 59′ 45,59″ O / 50.94053°, 6.996°
Koordinate UTM
32U 359206.14 5645123.34
Koordinate Gauss/Krüger
2570048.81 5645502.84

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„Chemische Fabrik Kalk”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-80276-20131127-5 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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