Bull-Hochhaus am Wiener Platz in Mülheim

Zentrale der Bull Deutschland Lochkarten GmbH

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 37,68″ N: 7° 00′ 14,46″ O 50,96047°N: 7,00402°O
Koordinate UTM 32.359.829,49 m: 5.647.325,24 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.570.582,22 m: 5.647.728,73 m
  • Abendliche Ansicht des 1959/60 erbauten, 57 Meter hohen Bull-Hochhauses am Wiener Platz in Köln-Mülheim aus südöstlicher Richtung (2025).

    Abendliche Ansicht des 1959/60 erbauten, 57 Meter hohen Bull-Hochhauses am Wiener Platz in Köln-Mülheim aus südöstlicher Richtung (2025).

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  • Das 1959/60 erbaute, 57 Meter hohe Bull-Hochhaus am Wiener Platz in Köln-Mülheim (2009), Ansicht von Westen.

    Das 1959/60 erbaute, 57 Meter hohe Bull-Hochhaus am Wiener Platz in Köln-Mülheim (2009), Ansicht von Westen.

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Das markante Bull-Hochhaus prägt das Mülheimer Zentrum am Wiener Platz. Das 57 Meter hohe Wohn- und Geschäftshochhaus mit drei Sockel- und darüber 16 Wohnetagen entstand zwischen 1959 und 1960 als Deutschland-Zentrale der Computerfirma Bull Deutschland Lochkarten GmbH.

Bauauftrag und -geschichte
Der Name des Bull-Hochhauses geht nicht - wie teils schon kolportiert wurde - auf ein erst in den 1980er-Jahren entstandenes und angeblich „Flügel verleihendes“ österreichisches Energydrink- und Sportunternehmen zurück. Vielmehr war die Auftraggeberin des Baus die im Jahre 1931 in Paris als H. W. Egli Bull gegründete französische Elektronikfirma Bull (ab 1933 Compagnie des Machines Bull, kurz CMB, nach Umfirmierungen und Fusionen heute Bull atos technologies S.A.). Bull war zur Vermarktung der Patente des norwegischen Ingenieurs Fredrik Rosing Bull (1882-1925) begründet worden, der mit seinen Entwicklungen von Lochkartenmaschinen als der norwegische Vater der Informationstechnik gilt. Lochkarten sind aus Karton gefertigte Datenträger, deren Inhalte über einen eingestanzten Lochcode gespeichert sind. Die Daten werden über elektro-mechanischen Geräte erzeugt und ausgelesen. Mit der Entwicklung von zunächst magnetischen (Bänder, Disketten) und dann digitalen Formen zur Speicherung von Daten verlor die Lochkartentechnik bereits ab den 1960ern zunehmend an Bedeutung.

Für die 1960 in Köln gegründete deutsche Niederlassung der Bull Deutschland Lochkarten GmbH wurde der Mülheimer Hochhausbau als Deutschlandzentrale in Auftrag gegeben. Der Baubeginn erfolgte bereits 1959 und am 21. September 1960 konnte das Richtfest gefeiert werden.
Das Hochhaus entstand nach Plänen des Architekten Karl Hell (1908-1999). Auf den vor allem in und um Köln herum tätigen Hell gehen u.a. auch das Gebäude der Industrie- und Handelskammer in der Altstadt (1950/52) und das Feierabendhaus in Hürth-Knapsack (1957) zurück.
Im Sommer 1961 konnte die Computerfirma in die beiden Sockelgeschosse einziehen, der Bull-Schriftzug prangte noch lange an der Fassade. Die übrigen Geschosse wurden vermietet und gehörten zu den ersten Hochhauswohnungen in der Domstadt.
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Baubeschreibung
Der Grundriss des Bull-Hochhauses ist wie ein gezacktes „V“ geformt. Der für den Baustil früher Hochhäuser typische, hier 1.200 Quadratmeter Fläche einnehmende zweigeschossige Sockel wird als „Breitfuß“ bezeichnet und befindet sich so auch ähnlich an dem 1973 mit 133 Metern Höhe erbauten Kölner Uni-Center.
Über dem Sockel des Gebäudes erhebt sich eine Art Dreieck mit zentralem Versorgungstrakt, verspiegelten Aufzügen und Treppenhäusern, über dem sich ein Bereich mit Großraumbüros und Gastronomie befindet, bevor darüber schließlich die Wohntürme emporragen. In diesen nehmen die jeweils fünf Etagenwohnungen viermal je 90 und einmal 125 Quadratmeter Fläche ein. Das insgesamt 52.000 Kubikmeter Raum umfassende Hochhaus kostete seinerzeit 8 Millionen DM (was laut Internet-KI auf heutige Kaufkraft umgerechnet etwa 25 bis 30 Millionen Euro entspricht).
Gestalterisch dominant sind Glas und polierter Stein. Über die weitestmögliche Vermeidung rechter Winkel in den Wohnungen entsprechen die Zimmer keinen gängigen Normen. Durch innerhalb der Appartements scheinbar willkürlich versetzte Wände gleicht hier keine Wohneinheit einer anderen.
Dies gilt auch für das Äußere des Hochhauses: „Jede von diesen drei Seiten sieht anders aus“, so der ehemalige Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings (zitiert nach ksta.de 2020). Als „Schokoladenseite“ gilt die süd-östliche Front mit ihren großen und mit Loggia-Elementen gestalteten Balkons, während sich die gegen den Verkehrslärm des Wiener Platzes und der Mülheimer Brücke abgeschottete nördliche Seite eher verschlossen zeigt.

Das neue Mülheimer Bezirksrathaus verdeckt seit seinem Bau in den 1990ern vom Wiener Platz aus die imposante Sockel-Architektur komplett. Ulrich Krings, für den der Koloss des Bull-Hochhauses „eins der spannendsten Gebäude in ganz Köln“ darstellt, bedauert dies: „Das Bezirksrathaus ist dem Bull-Hochhaus so richtig vor die Nase gesetzt worden, was städtebaulich eigentlich schade ist.“ (ebd.)
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Bedeutung, Baudenkmal
Obgleich sich mit dem 1924/25 erbauten Hansahochhaus bereits ein frühes (und für seine Zeit durchaus bedeutendes!) Hochhaus in Köln befand, dauerte es - nicht zuletzt auch durch die allgemeine Abneigung der Nationalsozialisten gegenüber hoch aufragenden Bauten bedingt - bis in die Nachkriegszeit, als auch in der Domstadt 1953 mit dem 56 Meter hoch erbauten Gerling-Bürohochhaus am Gereonshof das Zeitalter der Hochhäuser anbrach. Nun wurden die himmelwärts strebenden Architekturen der Hochhäuser„als Symbole eines aufstrebenden Zeitalters überall modern, wenngleich sie genügend Abstand zu den historischen Stadtkernen zu halten hatten. Aber als Akzentuierungen von wichtigen Kreuzungen und Verkehrsachsen waren sie gern gesehen. Und endlich war auch genügend Geld vorhanden.“ (ksta.de 2020)
Das Bull-Hochhaus am Wiener Platz gilt zusammen mit dem vorab genannten Gerling-Hochhaus als Urahn der Kölner Hochhaus-Familie der 1960er-Jahre mit u.a. dem Mülheimer KHD-Hochhaus (1964, 61 Meter), dem Fernmelde-Hochhaus an der Nord-Süd-Fahrt (1965, 55 Meter), dem WDR-Archivhaus (1965/68, 56 Meter), dem Deutzer Ford- bzw. später LVR-Hochhaus (1966, 54 Meter) und dem Deutzer Lufthansa-Hochhaus (1969, 95 Meter). In seiner architektonischen Form nahm Karl Hells Gebäude laut dem Artikel zum 50-jährigen Jubiläum des Baus „Gestaltungsmerkmale vorweg, die erst Mitte der 70er Jahre im Hochhaus-Bau zum Einsatz kommen sollten.“

Mit seinen 57 Metern Höhe (der Zeitungsbericht zum 50. Jubiläum nennt offenbar irrtümlich 64 Meter) auf die sich die drei Sockel- und darüber die 16 Wohnetagen verteilen, nimmt das Bull-Hochhaus von den aktuell 55 Hochhäusern Kölns, die eine Höhe von mindestens 50 Metern erreichen, Rang 51 ein (Stand 2026). Üblicherweise gilt ein Gebäude dann als Hochhaus, wenn der Fußboden von mindestens einem Aufenthaltsraum mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt (wnk-viewer.lvr.de).
Das Gebäude wird seit 1998 mit insgesamt 88 Wohn- und Gewerbeinheiten von dem in Köln ansässigen Immobilienunternehmen Vauhage GmbH & Co. KG verwaltet. Ansässig ist hier heute neben Gesundheitspraxen, einer Musik- und einer BIldungsakademie auch das Gemeindezentrum des deutsch-türkischen Kulturvereins AKEV Bediüzzaman e.V. in dem von Migranten vor allem türkischer Herkunft geprägten Stadtteil.
Auch mit seinen inzwischen über 65 Jahren gilt das Bull-Hochhaus nach wie vor als durchaus gehobene Adresse in Mülheim. Die meisten Appartements sind heute Eigentumswohnungen.

Bereits seit den 1990ern soll das Bull-Hochhaus als Baudenkmal unter Denkmalschutz stehen (so u.a. ksta.de 2020), es wird jedoch in der Kölner Denkmalkarte nicht entsprechend ausgewiesen.
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(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Internet
www.ardmediathek.de: Miteinander anonym. Das Bull-Hochhaus in Köln-Mülheim, WDR Hier und heute vom 26.03.1963 (abgerufen 17.02.2026)
bull-haus.webnode.page: Geschichte des 'Bull Hauses' (ursprünglich unter koelnarchitektur.de, dort nicht mehr verfügbar; erschienen in einer Sonderbeilage „Wohnen & Leben“ der Kölner Zeitungsgruppe Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, 25./26.07.2009 (abgerufen 26.02.2026)
deu.archinform.net: Karl Hell in der Internationalen Architektur-Datenbank archinform (abgerufen 26.02.2026)
www.vauhage-koeln.de: Vauhage GmbH & Co. KG, Referenzobjekte (abgerufen 27.02.2026)
www.vauhage-koeln.de: „Kaum eine Wohnung gleicht der anderen. Heute vor 50 Jahren wurde am Bull-Hochhaus Richtfest gefeiert“ (Text Tobias Wolff, ohne weitere Angaben, vermutlich Kölner Stadt-Anzeiger 2010, PDF 1,3 Mb, abgerufen 27.02.2026)
ksta.de: „Vergessener Koloss. Warum das Bull-Hochhaus eines der spannendsten Gebäude Kölns ist“ (Text Tobias Christ, Kölner Stadt-Anzeiger vom 16.04.2020, abgerufen 17.02.2026)
wnk-viewer.lvr.de: „Hochhaus“ in Wortnetz Kultur, polyhierarchischer Sachthesaurus des LVR (abgerufen 27.02.2026)
www.stadt-koeln.de: Interaktive Denkmalkarte Köln (abgerufen 27.02.2025)
de.wikipedia.org: Bull (Computerhersteller) (abgerufen 27.02.2026)
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler im Kölner Stadtteil Mülheim (abgerufen 27.02.2026)
de.wikipedia.org: Liste der Hochhäuser in Köln (abgerufen 27.02.2026)
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Literatur

Hassenpflug, Gustav; Peters, Pauline (1966)
Neue Wohnhochhäuser. Scheibe Punkt und Hügel. S. 182 ff., München.

Bull-Hochhaus am Wiener Platz in Mülheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Wiener Platz 2
Ort
51065 Köln - Mülheim
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1959 bis 1960

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Bull-Hochhaus am Wiener Platz in Mülheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356926 (Abgerufen: 14. März 2026)
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