Café-Restaurant „Strandschlösschen“ an der „Rodenkirchener Riviera“

zeitweise „Appenzeller Milchkuranstalt“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 53′ 26,17″ N: 7° 01′ 20,54″ O 50,8906°N: 7,02237°O
Koordinate UTM 32.360.910,19 m: 5.639.522,60 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.571.979,50 m: 5.639.974,80 m
  • Das Gebäude des einstigen Café-Restaurants "Strandschlösschen" an der "Rodenkirchener Riviera" in Köln-Rodenkirchen (Screenshot Google Maps, April 2022).

    Das Gebäude des einstigen Café-Restaurants "Strandschlösschen" an der "Rodenkirchener Riviera" in Köln-Rodenkirchen (Screenshot Google Maps, April 2022).

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  • Postkarte (Luftaufnahme 1960er): Vorne im Bild der Rodenkirchener Campingplatz und unten links das Café-Restaurant Strandschlösschen, auf der anderen Rheinseite die Westhovener Aue mit der Kaserne Adjutant Brasseur (vormals Wehrmachtskaserne Unverzagt).

    Postkarte (Luftaufnahme 1960er): Vorne im Bild der Rodenkirchener Campingplatz und unten links das Café-Restaurant Strandschlösschen, auf der anderen Rheinseite die Westhovener Aue mit der Kaserne Adjutant Brasseur (vormals Wehrmachtskaserne Unverzagt).

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  • Rheinansicht von 1829: Am rechten Rheinufer sind von Norden nach Süden die Orte Westhoven, Ensen, Porz, Niederzündorf, Oberzündorf und Langel zu erkennen sowie gegenüber auf der linken Rheinseite Rodenkirchen, Weiß, Sürth und Godorf. Zeichnung: Friedrich Wilhelm Delkeskamp, Stich: C.A. Helmsauer.

    Rheinansicht von 1829: Am rechten Rheinufer sind von Norden nach Süden die Orte Westhoven, Ensen, Porz, Niederzündorf, Oberzündorf und Langel zu erkennen sowie gegenüber auf der linken Rheinseite Rodenkirchen, Weiß, Sürth und Godorf. Zeichnung: Friedrich Wilhelm Delkeskamp, Stich: C.A. Helmsauer.

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    C.A. Helmsauer.; Friedrich Wilhelm Delkeskamp
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Das im Jahr 1904 erbaute Café-Restaurant „Strandschlösschen“ befindet sich bei Rheinkilometer 681 südlich von Köln an dem bis heute gerne „Rodenkirchener Riviera“ genannten Uferabschnitt. Ein nahezu baugleiches Haus gleich nebenan folgte um 1914. Laut dem Kulturhistoriker Cornelius Steckner passen beide Häuser ihrer Architektur nach eher in den belgischen Raum als ins Rheinland (www.ksta.de, 2026).
Das Strandschlösschen wurde in dem noch lange Zeit sumpfigen Terrain eines totgefallenen Rheinarms errichtet (im örtlichen Regiolekt „Düvelskall“ = „Teufelsrinne“ genannt; vgl. Honnen 2003), gleich gegenüber dem 1931 eingerichteten Campingplatz Berger.

„Pack' die Badehose ein...“
Im Jahr 1912 hatte die Stadt Köln hier am Rodenkirchener Rheinufer ein bademeisterlich betreutes Strandbad in Betrieb genommen. In diesem waren die Männer- und Frauenbereiche zunächst noch streng voneinander durch einen 400 Meter breiten Zaun getrennt. Die „Rodenkirchener Riviera“ lockte damals die große und kleine Bevölkerung der Großstadt hinaus in die Natur. Seinerzeit war es durchaus noch üblich und weit verbreitet, im damals noch sauberen Wasser des Rheins zu Baden und zu Schwimmen (vgl. dazu auch die Badeanstalten in Köln-Riehl, das Strandbad „Lido“ in Köln-Langel oder entsprechende Bäder in Bonn).
Für einen gelungenen Sommertag mit Badevergnügen gelangte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Kölner Innenstadt aus über eine direkte Bootsverbindung ins Rodenkirchener Strandbad. Oder man nahm die Pferdebahn (kölsch „Päädsbahn“) bzw. die dieser ab 1907 nachfolgende Straßenbahn zur Ortsmitte Rodenkirchen, um von dort aus zu Fuß oder mit der Droschke zum Rheinufer zu gelangen. Um 1929 zeigt die touristische Karte Relief-Panorama des Rheines zwischen Rodenkirchen mit dem Strandbad und Sürth außerdem gleich fünf, teilweise nur im Sommer betriebene Fähren, die Badegäste anlieferten.
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Café, Restaurant, MIlchbar, Hotel, Eventlocation
„Für das Café-Restaurant Strandschlösschen bedeutete das viel Kundschaft. … Sicher ist, dass das Strandschlösschen nicht nur ein beliebtes Ausflugsrestaurant war, sondern auch eine frühe Milchbar.“, so Tobias Christ im Kölner Stadt-Anzeiger 2026.
Ebendort wird berichtet, dass sich in der knappen Überlieferung zu den frühen Jahren der beiden auffälligen Häuser eine Postkarte mit badenden Strandbad-Gästen findet, auf der der Besitzer J.B. Signer aus dem Ostschweizer Appenzell Werbung für seine „Appenzeller Milchkuranstalt“ machte: „Während das Strandbad die Bevölkerung aus der ‚geistigen und räumlichen Enge der Stadt' hinaus in die Natur führen sollte, lieferte das Strandschlösschen gute Schweizer Kuhmilch.“ 1919 erschienen in Zeitungen Werbeanzeigen für das „idyllisch am Rhein gelegene“ Kaffee- und Gartenrestaurant: „Cornelius Steckner geht davon aus, dass hinter dem Strandschlösschen sogar Schweizer Kühe weideten. Auch ein Melker aus Appenzell habe in Rodenkirchen gelebt und gearbeitet. 1939 sei er zurück in die Schweiz gegangen.“

Das Strandbad am Rodenkirchener Rheinufer wurde nur bis kurz vor den Zweiten Weltkrieg betrieben. Im Jahr 1939 ging der Abschnitt an die Kölner Universität zur „Wehrertüchtigung“ der Studenten. Aus dem Strandschlösschen wurde später ein Hotel und dann eine Eventlocation mit Veranstaltungsraum unter demselben Namen.
In den 1960ern wurde das Haus von den Schwiegereltern der heutigen Betreiber als Hotel-Restaurant fortgeführt. In dieser Zeit wurde auch ein Anbau mit Veranstaltungssaal ergänzt, der allerdings das alte Haus größtenteils verdeckte. Erst durch eine „Befreiungsaktion“ im Jahr 2000 wurde der alte frontale Anbau durch einen neuen seitlichen ersetzt. Seitdem ähnelt das Strandschlösschen wieder seinem ursprünglichen Zustand.
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Objektgeometrie, historische Karten
Während die historischen Karten der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme das gesamte Uferareal noch vollständig ungenutzt zeigen, lässt die etwas jüngere Preußische Neuaufnahme (1891-1912) dann erkennen, dass der Flussabschnitt zwischen Rodenkirchen und dem Weißer Rheinbogen mittlerweile über gut 2,5 Kilometer mit zahlreichen rechtwinklig zum Uferverlauf ins Wasser ragenden Buhnen versehen wurde. Diese dienten der Befestigung des Ufers gegen die Strömung wie auch zum Schutz von Badenden des Strandbads.
Das Areal des Ausfluglokals ist dann ohne eigene Benennung neben einem Schuppen („Schp.“) in den topographischen Karten der TK 1936-1945 auszumachen. Hier ist der Uferbereich mit „Badeanst.“ verzeichnet, ebenso wie auf dem Meßtischblatt in den 1950ern (vgl. Kartenansicht und www.landkartenarchiv.de).

Baudenkmal, Landschaftsschutzgebiet
Das einstige Café-Restaurant Strandschlösschen ist laut der Karte der Kölner Denkmäler nicht als Baudenkmal geschützt. Es liegt innerhalb des Landschaftsschutzgebiets LSG Rhein, Rheinauen und Uferbereiche von Rodenkirchen bis Langel rechtsrheinisch (LSG-5107-0030), das seit 1991 mit einer ausgewiesenen Fläche von insgesamt 1.229,78 Hektar inkraft ist.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Internet
www.ksta.de: „Köln früher und heute - Als das Rodenkirchener Strandschlösschen Schweizer Kuhmilch verkaufte“ (Text Tobias Christ, Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.01.2026, abgerufen 21.01.2026)
www.landkartenarchiv.de: Relief-Panorama des Rheines, Kleine farbige Taschen-Ausgabe, um 1929 (abgerufen 21.01.2026)
www.landkartenarchiv.de: Wahn im Rheinland, Topographische Karte 1:25.000 (5108), 1951 (abgerufen 21.01.2026)
www.stadt-koeln.de: Rodenkirchen (abgerufen 21.01.2026)
www.stadt-koeln.de: Interaktive Karte der Kölner Denkmäler (abgerufen 21.01.2026)
www.protectedplanet.net: LSG-Rhein, Rheinauen und Uferbereiche von Rodenkirchen bis Langel rechtsrheinisch (WPDPA ID 555558584) (abgerufen 21.01.2026)
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Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. (3. völlig neu bearbeitete Auflage). (HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273.) S. 612-614, Stuttgart.
Honnen, Peter / Landschaftsverband Rheinland, Amt für Rheinische Landeskunde Bonn (Hrsg.) (2003)
Kappes, Knies und Klüngel, Regionalwörterbuch des Rheinlands. S. 94, Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon. S. 379, Köln (2. Auflage).

Café-Restaurant „Strandschlösschen“ an der „Rodenkirchener Riviera“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Uferstraße 52
Ort
50996 Köln - Rodenkirchen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1904

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„Café-Restaurant „Strandschlösschen“ an der „Rodenkirchener Riviera“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356842 (Abgerufen: 25. Februar 2026)
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