Steinbrüche an der Perlenhardt bei Ittenbach

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Honnef, Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 40′ 30,85″ N: 7° 15′ 49,77″ O 50,67524°N: 7,26383°O
Koordinate UTM 32.377.328,55 m: 5.615.148,80 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.589.377,72 m: 5.616.280,90 m
Die Perlenhardt ist ein unauffälliger bewaldeter Höhenrücken am verlängerten Ostabfall des Lohrbergs, oberhalb des Orts Ittenbach. Der dort anstehende vulkanische Trachyt soll eine höhere Qualität als der Trachyt des Drachenfels besitzen, war jedoch auch schwieriger zu bearbeiten. Aufgrund der verkehrstechnisch ungünstigen Lage gewinnt er erst mit der endgültigen Schließung der Drachenfelser Brüche nach dem Ankauf durch den preußischen Staat im Jahr 1836 an Bedeutung (Steinbruch Drachenfels).

Gleich zwei Gewinnungsstellen lassen sich im Gelände voneinander unterscheiden. Die erste liegt an der Nordseite der Kuppe und stand als Gemeindebruch im Besitz der Stadt Honnef. Die zweite, private Gewinungsstelle am unteren Westrand der Kuppe befand sich im Besitz der am Ort ansässigen Familie Leven.

Gemeindebruch
Steinbruch der Familie Leven

Gemeindebruch
Wahrscheinlich wurde der hochwertige Trachyt der Perlenhardt bereits schon länger für Bauwerke rund um Ittenbach genutzt. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts belegen schriftliche Quellen eine Nutzung. 1840 schaltet die „Steinhauergewerkschaft Spindler et Comp.“ eine Anzeige in der Kölnischen Zeitung und verspricht die schnellste Lieferung von Hausteinen aus den Wolkenburger und Stenzelberger Brüchen sowie aus dem „Perlenkopf“ (Düsseldorfer Zeitung, 11.3.1840). Bei der Gewerkschaft handelt es sich um einen Zusammenschluss der Bruchbetreiber Gottfried Spindler, Franz Markwalter, Joseph Dell, Joseph Genger und der Witwe Urban Eschenbrenner - alles Namen, die im Zusammenhang mit der Steinhauerei im Siebengebirge bekannt sind. Die Gewerkschaft betreibt den Bruch bis mindestens 1843. Danach wird er von der Stadt Honnef neu verpachtet.

Aus der entsprechenden Anzeige des Honnefer Bürgermeisters Mirbachs vom 18. Mai 1843 in der Kölnischen Zeitung geht hervor, dass der Hausteinbruch im Honnefer Gemeindewald an der Perlenhardt seit sechs Jahren in Betrieb und nun für weitere neun Jahre zu pachten sei. Die bisherige Pachtsumme betrug 28 Taler. Demnach muss der Bruch 1837 eröffnet worden sein, also direkt nach der Schließung der Drachenfelser Trachytsteinbrüche.
Die Pacht wird nun alle sechs Jahre neu ausgeschrieben, ab 1910 alle 12 Jahre. Die Pachtsumme beträgt 1891 100 Mark (HVZ 21.3.1891).

1862 taucht erstmals der Name von Peter Kneiseler aus Ittenbach auf. Er ist zu dem Zeitpunkt offenbar der Pächter des Bruchs und bietet in einer Anzeige neben Hausteinen auch fertige Kuh- und Pferdekrippen an (Siegburger Anzeiger 4.11.1862). Fast 50 Jahre lang wird der Steinabbau im Gemeindebruch durch die Familie Kneiseler geführt.

Der Bruch wurde durch das damals zuständige Bergamt Brühl/Unkel überwacht, welches regelmäßig Nachweise über die Produktionszahlen anforderte. Demnach wurden 1887 von 12 Arbeitern 55 Kubikmeter Gestein im Wert von 5.500 Mark gewonnen. Der Tageslohn der Arbeiter lag bei 2,50 Mark. 38 Angehörige lebten insgesamt von der Arbeit im Bruch. Eine Aufstellung von 1895 unterscheidet zwischen Mauer- und Hausteinen. Für die Ersteren lag der Preis bei 1 Mark den Kubikmeter, für die deutlich aufwendiger herzustellenden Hausteine forderte man 80 Mark den Kubikmeter (StABH, Akte 80-3-2 Steinbrüche).

Zumindest für kurze Zeit muss auch die Firma Bachem und Co. den Bruch betrieben haben, denn in einem zeitgenössischen Firmenprospekt um 1880/90 findet sich eine Zeichnung des Abbaus. Leider lässt sich der Vorgang nicht rekonstruieren.
Ein historisches Foto von 1894 zeigt die Werkplätze der Steinhauer am Bruchausgang, eine typische Szene. Mehrere fast fertiggestellte Werkstücke bekommen mit Knüppel und Scharriereisen den letzten Schliff. Es scheint einen Grund zum Feiern zu geben, denn ein Fässchen Bier ist frisch angeschlagen, und im Hintergrund ist an der guten Kleidung und der Taschenuhr der Chef Peter Kneiseler zu erkennen. Bei dem einfachen pfannengedeckten Gebäude aus Bruchstein handelt es sich um die Schmiede mit Aufenthaltsraum. Eine Schmiede war ehemals unabdingbar im Steinabbau. Täglich mussten die Werkzeuge nachgeschärft werden.

1896 wird die Pacht an den Sohn Johann Kneiseler übertragen (HVZ 11.1.1896). Zugleich äußert der große Steinbruchunternehmer Spindler gegenüber den Honnefer Stadtverordneten sein Interesse an dem Bruch. Da sein Gesuch jedoch nicht fristgerecht eingereicht wurde, bleibt ihm der Wunsch versagt (HVZ 13.8.1896).

Angesichts des boomenden Tourismus im Siebengebirge entscheidet sich Johann Kneiseler das Metier zu wechseln und errichtet 1902 unweit der Margarethenhöhe das Hotel Marienhof. Der Steinabbau im Siebengebirge steht aufgrund der erfolgreichen Aktivitäten des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS) ohnehin unter keinem guten Stern. Mit den Erlösen aus einer Lotterie zur Rettung des Siebengebirges erwirbt der Verein ab 1899 einen Steinbruch nach dem anderen, um sie danach zu schließen. Auch wenn die vom Rhein aus nicht sichtbaren Brüche der „zweiten Reihe“ vorerst nicht bedroht sind, könnte dies Kneiselers Motivation mit erklären.

Ab 1903 wird der Gemeindebruch an die Witwe Leven vom Haus Perlenhardt verpachtet. Frau Leven war die letzten Jahre bereits inoffizielle Unterpächterin des Gemeindebruchs (HVZ 30.3.1903). Die Levens betreiben bereits seit langem einen eigenen Bruch an der Westseite der Perlenhardt. Die Übernahme des Betriebs von Kneiseler geschieht wohlüberlegt. Man befürchtet die Konkurrenz an der Perlenhardt und beschließt, in die Übernahme zu investieren. Für den Kauf des Bruchs einschließlich des Werkzeugs und 15 bis 20 Arbeitern wird eine Ablöse von 1.600 Mark gezahlt.

1909 soll der Bruch an den Sohn Heinrich Leven für 150 Mark im Jahr weiterverpachtet werden. Eigentlich ist man sich mit der Stadt Honnef auch schon einig, doch der umtriebige Steinbruchunternehmer Bachem aus Königswinter ist ebenfalls an dem Bruch interessiert und bietet an, mit 300 Mark das Doppelte an Pacht zu zahlen. Später erhöht er das Angebot sogar auf 350 Mark. Tatsächlich ist es nun so, dass die Familie Leven den Gemeindebruch gar nicht betreibt und sich durch die Pacht nur unliebsame Konkurrenz zu Gunsten des eigenen Bruchs an der Perlenhardt vom Leibe halten möchte (HVZ 22.12.1909). Die Stadtverordneten zögern angesichts des guten Angebots, doch nach längeren Diskussionen fühlen sie sich der Familie verpflichtet Wort zu halten und geben den Pachtvertrag Heinrich Leven (12.3. 1910 HVZ).

Offenbar geht der Abbau nun doch wieder in Betrieb. Heinrich Leven investiert und schafft zum Heben der schweren Steine einen Kappständer (Kranausleger) mit Winde an. Ein Modell, welches auch im nahe gelegenen untertägigen Steinabbau der Ofenkaulen vielfach zum Einsatz kommt. Anfänglich läuft der Betrieb sehr gut, doch nach einer geschäftlichen Auseinandersetzung mit dem Unternehmer Ferdinand Mülhens (Wintermühlenhof) lässt Heinrich Leven den familieneigenen Bruch 1914 schließen und anschließend veräußern. Den Gemeindebruch betreibt Leven vorerst weiter. 1919 wird der Bruch erneut auf weitere 12 Jahre an Leven verpachtet. Die Pachtsumme liegt bei 600 Mark und steigt nach 2 Jahren auf 750 Mark. Darüber hinaus müssen für neu ausgebeutetes Land 300 Mark pro Ar gezahlt werden (30.12.1919 HVZ).

Der weitere Verlauf des Steinabbaus ist schlecht nachzuvollziehen. Ohnehin sind Hausteine mittlerweile fast vollständig durch Bims- und Kunststeine sowie Beton vom Markt verdrängt worden. 1921 und 1922 wird Material aus der Perlenhardt zum Bau von Kriegerdenkmälern in Rhöndorf und Ittenbach genutzt. Auch das Dechen-Denkmal am Drachenfels erstellt man mit Trachyt von der Perlenhardt.

1930 wird im Rahmen von Notstandsarbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit ein Teil des lagernden Schutts für den Bau eines benachbarten Holzabfuhrwegs genutzt (HVZ 25.8.1930). Veranlasst durch die zahlreichen Baumaßnahmen des NS-Regimes geht der Bruch in den 1930er Jahren wieder in Betrieb. 1938 nutzt man den Schutt der vor dem Bruch liegenden Halden für den Bau der neuen Autobahn nach Frankfurt (HVZ 12.7.1938).

Anton Leven ist der letzte Pächter des Gemeindebruchs. Sein Vertrag endet am 26.11.1955 und wird nicht erneuert. Die Gemeinde möchte bei Bedarf selber auf Schutt und Gestein zurückgreifen können.

1956 verpachtet die Stadt den Bruch für eine symbolische Gebühr von 10 Mark an die Kirchengemeinde Ittenbach, die mit der Spielschar Ittenbach im Bruch eine Freilichtbühne betreiben möchte. Über den weiteren Fortgang dieses Projekts ist bislang nichts bekannt. (HVZ 6.9.56).

Schon parallel zum Steinabbau nutzt seit 1911 der Ittenbacher Kriegerverein einen Teil des Bruchs als Schießplatz. Eine typische, weitverbreitete Zweitnutzung von Steinbrüchen. Alljährlich wird dort das Stiftungsfest mit einem Preis- und Scheibenschießen veranstaltet. Anschließend gibt es einen Festball im Ort. Die Schützen positionierten sich etwas erhöht links der Brucheinfahrt, die Zielscheiben befanden sich circa 50 Meter weiter im Bruchkessel. Die örtliche Jugend musste die Schießergebnisse geschützt hinter einem Erdwall auswerten, die mit Anzeigetafeln und auf Zuruf übermittelt wurden (Echo 19.8.1911). Wohl mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endet der Schießbetrieb.

Der von Nord nach Süd gegen den Hang angelegte Steinbruch besitzt eine Länge von 100 Metern und eine Breite von bis zu 50 Metern. Die Abbauwände erreichen bis zu 10 Meter Höhe. Am Nordrand des Bruchs befinden sich Reste der Schutthalden, ein Teil wurde für den Wege- und Autobahnbau abgefahren. Dort befindet sich heute ein Parkplatz. Rechts des Brucheingangs stand die Schmiede mit Aufenthaltsraum, von den Arbeitern „Kaffeebud“ genannt. Weder von der Schmiede noch von der Schießanlage haben sich Relikte erhalten. Der ehemalige Steinbruch ist heute von einem dichten Hochwald bestanden und liegt im Naturschutzgebiet Siebengebirge.

Steinbruch der Familie Leven
1788 heiratet der aus Aegidienberg stammende Anton Leven Anna Sybilla Funk, eine der beiden Töchter von Philipp Funk, dem begüterten Besitzer der Perlenhardt. Die Schwester wird ausbezahlt, und Anton Leven übernimmt das Anwesen. Seitdem ist die Familie Leven, die vor wenigen Jahren zu einem Familientreffen 250 Angehörige mobilisieren konnte, mit der Perlenhardt verbunden.
Wann der zum Besitz gehörende Steinbruch an der Westseite der Perlenhardt eröffnet wurde ist unklar. Der Zeitpunkt fällt wahrscheinlich mit der endgültigen Schließung der Brüche am Drachenfels im Jahr 1836 zusammenfallen, ebenso wie bei dem Gemeindebruch an der Perlenhardt.

Ab 1903 übernehmen die Levens auch den zuletzt von Johann Kneiseler gepachteten Gemeindebruch der Perlenhardt. Zugunsten des eigenen Bruchs wird dieser jedoch nicht betrieben, man möchte sich so nur unliebsame Konkurrenz vom Leibe halten.
Ein historisches Foto von 1906 zeigt die Situation im Bruch. Mit schweren Hämmern, Keilen und Brecheisen werden die Steine aus der Wand gelöst. Über kleine Holzleitern erreicht man höher gelegene Arbeitsplätze. Ein großer Kappständer (Auslegerkran) dient zum Heben der schweren Steine. Die Belegschaft besteht an dem Tag aus sechs Mann, wovon einer ganz offensichtlich noch minderjährig ist. Rechts im Bild sind Heinrich Leven und Anton Leven im Anzug zu erkennen.

Nachdem bereits 1883 der Hof Perlenhardt mit Steinen aus dem eigenen Bruch errichtet wurde, lässt Carl Leven 1911 ein neues großes Anwesen errichten. Zum Bau von Keller und Erdgeschoss des Hauses Perlenhardt nutzt man natürlich Steine aus dem eigenen Steinbruch. Die oberen Etagen werden in Fachwerk ausgeführt. Auch an der Drachenburg soll Perlenhardter Trachyt verarbeitet worden sein. Der Abtransport der Steine muss mangels Alternativen mit Fuhrwerken erfolgt sein. Ab 1893 besteht im Prinzip auch die Möglichkeit der Verladung auf die Bröltalbahn bei Oberpleis.

Fast hätte die Perlenhardt einen eigenen Bahnanschluss bekommen. 1896 erfolgen Planungen Heisterbacher Talbahn ab dem Weilberg mit einem 7 Kilometer langen Abzweig entlang von Stenzelberg, Ölberg, Margarethenhöhe und Perlenhardt bis an den Löwenburger Hof zu verlängern. Die aufwendige Strecke sollte die dortigen Gesteinsvorkommen erschließen. Mit treibende Kraft war Merkens, dem die Brüche am Ölberg gehörten. Aufgrund der immensen Kosten wird das Projekt jedoch verworfen.

Neben dem Steinbruch betreibt die Familie Leven erfolgreich eine große Baumschule. Große Flächen des Nordhangs der Perlenhardt oberhalb von Ittenbach werden von den Kulturen eingenommen.

Nach einer geschäftlichen Auseinandersetzung mit dem Unternehmer Ferdinand Mülhens (Wintermühlenhof) schließt Heinrich Leven den Steinbruch 1914. Mülhens hatte größere Mengen an Hausteinen für den Neubau des Petersberger Hotels geordert, die er letztlich jedoch nicht abnimmt und auch nicht bezahlt.

Wahrscheinlich um den wirtschaftlichen Schaden zu kompensieren, bieten die Gebrüder Leven am 14.5.1914 in der Kölner Zeitung das Bruchgelände als „Villenterrain - Trachytsteinbruch - Quarzitfeld“ an. Offensichtlich hoffen sie eher auf einen zahlungskräftigen Käufer aus dem Bürgertum, der dort einen ruhig gelegenen Landsitz gründen möchte, als auf einen interessierten Steinhauer. Der Plan geht auf: 1915 erwirbt der Rentier Franz Josef Collin aus Dortmund den Steinbruch mit den angrenzenden Ländereien.

Der ursprünglich von der Maas in Belgien stammende Collin ist in der Stahlverhüttung zu Wohlstand gekommen und lässt auf dem Grundstück das Landhaus „Sonnenwinkel“ errichten. Später kommt ein Wirtschaftsgebäude für seinen Gärtner dazu, der die ausgedehnten Parkanlagen des Anwesens unterhält. Das Anwesen wird mit einer aufwendigen langen Mauer aus Perlenhardter Bruchstein eingefriedet. Zum Park gehören neben einem Gewächshaus auch eine große Voliere mit Hühnern, Gänsen und Pfauen sowie ein kleiner Pavillon oberhalb des mittlerweile mit Wasser vollgelaufenem Steinbruchs.

Der aus dem Ittenbacher Ortsteil Lahr stammende Manfred Wilhelmy schildert in seinen Jugenderinnerungen den sogenannten Collin´s Weiher als Märchenwelt: „Von hohen, schroffen Felswänden umschlossen lag tief unten der Weiher, von dessen unheimlich dunkelgrünem Wasser ich nur so weit etwas sehen konnte, wie ein wenige Meter breiter Zugang es zuließ, der in einem Felseinschnitt steil nach unten bis zur Wasserfläche abfiel. Oben, am Rande des höchsten Felsens, stand ein von Bäumen überragter, achteckiger Pavillon mit einem hohen Spitzdach. Von diesem Pavillon aus konnte der Herr Collin sein Anwesen mit dem Weiher betrachten, und er hatte darüber hinaus einen herrlichen Überblick über die weitere Umgebung, wie etwa dem Ölberg. Ein Märchenprinz könne es nicht schöner haben, dachte ich bei mir…. Auf dem Wasser döste ein Holzkahn vor sich hin, den ich liebend gerne einmal bestiegen hätte.“

Collin verstirbt 1940 im Alter von 90 Jahren. Danach wird das Anwesen eine Zeitlang von seinen Erben bewohnt. Wilhelmy bekommt in den Nachkriegsjahren nun doch Zugang zu dem geheimnisvollen Weiher: „Immer mehr größere und auch kleinere Kinder aus der Nachbarschaft nutzten nun den Weiher ganz selbstverständlich als Schwimmanstalt. Selbst der erwachsene Sohn des Herrn Collin gesellte sich dazu. Als Schwimmhilfe dienten Treibstoffkanister, welche die Amerikaner in ihrem Überfluss überall hatten liegen gelassen, wo immer sie diese entleert hatten. Zunächst war ich noch befangen und es ängstigte mich etwas, das dunkelgrüne, unheimliche Wasser zu betreten. Aber mit der Zeit wich die Angst Schritt für Schritt. Hinzu kommt dann noch, dass man sich anderen gerne als `tollen Kerl´ zeigen möchte. Vom Kahn aus konnte man sich gefahrlos in das Wasser hinab gleiten lassen, das sich mangels Sonneneinstrahlung als empfindlich kalt erwies. Die Nichtschwimmer planschten zunächst vorsichtig in unmittelbarer Ufernähe, denn bereits wenige Meter vom Ufer entfernt fiel der Grund jäh ab“ (Erinnerungen Manfred Wihelmys im Virtuellen Heimatmuseum Ittenbach).

1952 erfolgt aus unbekannten Gründen die Zwangsversteigerung. Als Eigentümer zu dem Zeitpunkt wird ein Kurt Slyvanus genannt.

Das ehemalige Parkgelände wird später in mehrere Einzelgrundstücke aufgeteilt und in den 1970er Jahren mit Einfamilienhäusern bebaut. Inwieweit sich in den jetzigen Gärten noch Reste der Parkanlage erhalten haben, ist nicht erkennbar.

Der nahezu kreisrunde Steinbruch besitzt einen Durchmesser von gut 45 Metern mit senkrecht abfallenden Felswänden. Von Nordosten führte eine etwa 20 Meter lange Rampe in den nun wassergefüllten ehemaligen Abbau. Kleinere Halden lagen unterhalb des vorbeilaufenden Wegs (heute Kantering) und sind nun überbaut.

Datierung
1837 - circa 1940

Zugang
Der ehemalige Gemeindebruch liegt im Naturschutzgebiet und ist nicht zugänglich. Der Parkplatz Kantering liegt direkt unterhalb der verbliebenen Schutthalden des Bruchs. Der ehemalige Steinbruch der Familie Leven liegt in einem Privatgelände und ist ebenfalls nicht zugänglich. Entlang des Kanterings ist die historische Parkmauer aus Perlenhardter Trachyt erhalten.

Hinweis
Das Objekt „Steinbrüche an der Perlenhardt bei Ittenbach“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2025)

Quellen
  • Schneider, A. (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Verlag von Simon Schropp. Verlag Henry, Bonn.
  • StABH, Akte 80-3-2 Steinbrüche

Internet
www.siebengebirgsmuseum.de: Ein Foto erzählt: Werkhütte eines Steinbruchs im Siebengebirge, Aufnahme vom 20. September 1894 (abgerufen 22.04.2026)
https://virtuelles-heimatmuseum.de: Stammbaum Leven (abgerufen 22.04.2026)
https://virtuelles-heimatmuseum.de: Erinnerungen von Manfred Wilhelmy (abgerufen 22.04.2026)
https://virtuelles-heimatmuseum.de: Haus Perlenhardt (abgerufen 22.04.2026)
www.rundschau-online.de: Rund 250 Nachkommen der Familie Leven trafen sich in Königswinter (Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 27.08.2023, Text: Madeleine Majunke, abgerufen 22.04.2026)

Literatur

Berres, Frieder / Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.) (1996)
Gesteine des Siebengebirges. Entstehung - Gewinnung - Verwendung. Siegburg.
Collin, Franz Joseph (1934)
Vom Meiler zum Großraumkoksofen. Erinnerungen. 32 Seiten. o. O.
Gussmann, Carsten; Clössner, Wolfgang (2006)
Die Heisterbacher Talbahn und Industriebahnen im Siebengebirge. (Eisenbahn Kurier-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Band 39.) Freiburg.
Leven, Heinrich (1954)
Beiträge zur Geschichte der Steinbruch- und Steinmetzbetriebe des Siebengebirges. In: Bonner Geschichtsblätter 8 (1954), S. 135-165. Bonn.

Steinbrüche an der Perlenhardt bei Ittenbach

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Ort
53639 Königswinter - Ittenbach / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
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i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1837, Ende 1940

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Jörn Kling: „Steinbrüche an der Perlenhardt bei Ittenbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356805 (Abgerufen: 4. Mai 2026)
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