Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 41′ 24,93″ N: 7° 13′ 34,3″ O 50,69026°N: 7,2262°O
Koordinate UTM 32.374.709,92 m: 5.616.882,32 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.586.690,21 m: 5.617.907,40 m
  • Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge (2010)

    Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge (2010)

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  • Ein frei stehender "Campanile" im Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge (2010).

    Ein frei stehender "Campanile" im Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge (2010).

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    Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge (2010)

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  • Informationstafel zum Vulkanismus und zur Steinbruchtätigkeit im Siebengebirge am Steinbruch Weilberg (2011)

    Informationstafel zum Vulkanismus und zur Steinbruchtätigkeit im Siebengebirge am Steinbruch Weilberg (2011)

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  • Historisches Foto: Arbeiten im Steinbruch Stenzelberg (undatiert).

    Historisches Foto: Arbeiten im Steinbruch Stenzelberg (undatiert).

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Der ursprünglich auch „Steintelberg“ bezeichnete 287 Meter hohe Stenzelberg liegt im Siebengebirge südwestlich von Heisterbacherrott nur wenige hundert Meter entfernt von der ehemaligen Zisterzienserabtei Heisterbach, die am Stenzelberg einen Steinbruch betrieb.

Geologie und Beschreibung
Mittelalter
Frühe Neuzeit
19.-20. Jahrhundert
Biotop
Hinweis
Quellen, Internet, Literatur

Geologie und Beschreibung
Beim Stenzelberg handelt es sich geologisch um eine Quellkuppe aus dem Vulkangestein Latit. Das aufsteigende Magma erreichte hier die Erdoberfläche nicht, sondern blieb im umgebenden Deckgestein aus Tuff stecken. Der weichere Tuff wurde später durch Erosion abgetragen und damit das härtere Latit freigelegt.
Die Latit Steinbrüche am Stenzelberg gehören nach denen Trachyt-Steinbrüchen des Drachenfels mit zu den ältesten des Siebengebirges. Der grauschwarze Latit ist dem der Wolkenburg sehr ähnlich, soll jedoch etwas dunkler und härter sein und wurde ab dem Mittelalter ausgebeutet.

Mittelalter
Nach einer Urkunde von 1143 ist der Berg zu der Zeit im Besitz des Petersberger Augustinerkonvents, das u.a. auf dem Stenzelberg einen Hof betrieb. 1184 übernehmen die Heisterbacher Zisterziensermönche den Besitz, und nach ihrem Umzug vom Petersberg in das Heisterbacher Tal beginnen sie ab 1202 mit dem Bau der Abteikirche, die 1237 fertiggestellt wird. Der dafür benötigte Baustein kommt günstigerweise aus den nahegelegenen klostereigenen Steinbrüchen am Stenzelberg. Der dort anstehende Latit ist als Baustein hervorragend geeignet und lässt sich auch für anspruchsvolle Steinmetzarbeiten nutzen. Auch für die weiteren Klostergebäude nutzt man den Stenzelberger Stein. Die gesamte Klosteranlage Heisterbachs ist 1327 fertiggestellt. Die Steinbrüche müssen jedoch schon zuvor bestanden haben. So nutzte man den Stenzelberger Latit bereits für das Bonner Münster (12. Jahrhundert), die Oberpleiser Benediktinerprobstei (1110-1160) und die Nikolauskapelle in Heisterbacherrott (um 1150) . An vielen Kirchen im Umland lässt sich der Stenzelberger Latit ebenfalls nachweisen.

Bislang ist leider nur wenig über die Pacht- und Abbaubedingungen der Brüche bekannt. Ein Nachweis im Heisterbacher Urkundenbuch illustriert die Facetten damaliger Nutzungsvereinbarungen, die wenig mit heutigen notariellen Verträgen zu tun haben. Darin wird Coynraid von Zegehoeve als Nutzer genannt, der 1371 dem Kloster Heisterbach zum Zwecke der Ablöse erbliche Jahreszinsen im Betrag von vier Hühnern, einem Käse und 13 Mark Pfenninge zahlte – der Käse war der Zinsertrag des Steinbruches am Stenzelberg (UBH 1908, Nr. 415).
Die Stenzelberger Brüche konnten allerdings nur schlecht mit denen des Drachenfels konkurrieren. Zu schwierig und teuer war der Transport von dem relativ weit abgelegenen Stenzelberg mittels Ochsenkarren über ausgefahrene, schlammige Wege bis zu den Verladestellen am Rhein.
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Frühe Neuzeit
Im 15. Jahrhundert erleben die Brüche einen Aufschwung. Das Kölner Steinmetzamt, welches die für den Ausbau der Stadt Köln benötigten Steine bisher vom Drachenfels bezogen hatte, überwirft sich mit den Herren von Drachenfels aufgrund steigender Preise. Nachdem eine Anfrage an den Kölner Erzbischof zur Nutzung Wolkenburger Steins negativ beschieden worden war, wenden sich die Kölner an das Kloster Heisterbach, welches eine Genehmigung zum Abbau des Stenzelberg-Steins gibt. Die Steine nutzte man für Tür- und Fenstergewandungen, Bodenplatten, Treppen und vieles mehr, sowohl in Kirchen- und Festungsbauten als auch in bürgerlichen Herrenhäusern. Wann die Berechtigungen des Steinmetzamtes enden ist nicht überliefert. Bis weit in das 18. Jahrhundert nutzt man weiterhin den beliebten Stenzelberger Stein, wie zahlreiche Grabkreuze und Gebäude im Umland belegen, wie die zusätzlichen Wirtschaftsgebäude des Kloster Heisterbachs und die 1764 geweihte Petersberger Kapelle.

Spätestens mit der Eröffnung der neuen, großen Steinbrüche an der Wolkenburg ab ca. 1640 ist der Stenzelberger Stein kaum noch konkurrenzfähig. So beschreibt der Geologe Nose 1789 die Brüche am Stenzelberg als dementsprechend unbedeutend: „Die Steinmetzarbeit, die daselbst gefertigt wird, geht den Rhein herab, doch scheint der Betrieb nicht sehr stark zu sein.“
Die bis zu diesem Zeitpunkt am Stenzelberg abgebauten Mengen an Stein müssen angesichts der Heisterbacher Klosterbauten sowie den zahlreichen weiteren Gebäuden dennoch erheblich gewesen sein. Nach einer Übersichtskarte von Daniel Behner (1867), basierend auf einem Original von 1836, befanden sich die alten Heisterbacher Brüche an der Nordseite des Berges. Demnach bestand dort eine ungefähr 300 Fuß breite, unregelmäßige Abbaufront die ca. 100 Fuß weit gegen den Berg aufgefahren war. Ein preußischer Fuß entsprach ca. 31 cm. Damit hätte der Bruch zuletzt also eine ungefähre Größe von ca. 93 x 31 Meter besessen.
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19.-20. Jahrhundert
Doch erst im 19. Jahrhundert setzt der intensive Abbau ein, der dem Berg die heutige Form geben wird. Nach der Säkularisierung des Kloster Heisterbachs ab 1803 werden aus dem Klosterbesitz Staatsdomänen, die 1815 an den preußischen Staat fallen. Dieser veräußert seine Besitzgüter meist schnell weiter. Nach einer Anzeige des Bergamts werden vier Brüche am Stenzelberg 1817 vorerst verpachtet. Den Zuschlag bekommt die 1816 neu gegründete Königswinterer Steinhauergewerkschaft. Schon bald danach müssen die Brüche in den Besitz der Gewerkschaft gekommen sein, die auch die Brüche an Wolkenburg und Drachenfels betreibt.
Zur Verbesserung der schwierigen Transportbedingungen legt die Gewerkschaft 1821 den sogenannten „Stenzelberger-Karrenweg“ neu an, der vom Stenzelberg aus über den Sattel zwischen Rosenau und Nonnenstromberg – dort steht heute das Einkehrhaus – hinunter nach Königswinter führt. 1859, nach Ausbau der Dollendorfer Landstraße die über Heisterbach an den Rhein führt, gibt man diesen Weg wieder auf.

1823 wird der weitere Steinabbau am Drachenfels untersagt, und in der Folge intensiviert sich der Abbau in den verbleibenden Brüchen von Wolkenburg und Stenzelberg. Nach Hundeshagen (1832) hätten die Brüche zuvor fast still gelegen, wären aufgrund der in großen Mengen benötigten Steine für Festungsbauten durch die Steinhauergewerkschaft aber wieder in Angriff genommen worden, so dass dort nun rund 100 Arbeiter dort beschäftigt seien.
Ab 1824 wird der Stenzelberger Stein auch für den Kölner Dombau verwendet.
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Bei der Auflösung der Gewerkschaft 1835 kommen die Bruchanteile in die Hände der verschiedenen Familien, die nun auf eigene Rechnung weiterarbeiten. Nach der Karte von Behner (1867) teilte man den Berg dafür in über 20 schmale Parzellen auf, die wie ein Fischgrätmuster die West- und Ostseite aufteilten. Allein der als „Hauptbruch“ bezeichnete Abbau der Westseite wird in acht Streifen zerlegt.
Bekannt sind u.a. die Firmen Theodor Spindler & Franz Markwalter, Spindler & Dell, Gottfried Spindler & Söhne, Eschenbrenner & Bonn sowie die Gewerkschaft Bachem & Comp. Wie auch an der Wolkenburg werden nach und nach Anteile verkauft oder zusammengelegt und so gelangen immer mehr Flächen in die Hände des 1837 gegründeten Steinbruchunternehmens Bachem & Co., welches sich zu einem der größten Unternehmen am Siebengebirge entwickelt. Nur wenige kleine Brüche verbleiben auf Dauer in anderen Händen. Bekannt sind Hermann Lichtenberg, der Anfang des 20. Jahrhundert das sogenannte „Klutekülchen“ betrieb, sowie die Familie H. Siepen, beide aus Heisterbacherrott.

Mit dem Bauboom Preußens setzt ab ca. 1860 eine enorme Nachfrage an Stein ein. Jetzt liefert man vom Stenzelberg nicht nur hochwertige Produkte, sondern z.B. auch Pflastersteine, die in großen Mengen gesucht sind. So gehen zum Beispiel 30.000 Stück flache Pflastersteine für den Hafendamm nach Eulenborg in Holland (Kölnische Zeitung vom 10. Februar 1876). Die Firma Bachem & Co schaltet entsprechende Anzeigen über Pflastersteine im holländischen oder kölnischen Format für 60 Mark/1.000 Stück bzw. 78 Mark/1.000 Stück (Kölnische Zeitung vom 4. August 1880). Vor allem die großen Städte rheinabwärts wie Köln und Düsseldorf sind Abnehmer. In den Angebotsausschreibungen werden in der Regel widerstandsfähige Steine aus Niedermendiger Basaltlava, Hannebacher Trachyt, Wolkenburger Stein oder eben Stenzelberger Stein gesucht.

Im Laufe der Zeit mehren sich die Probleme im Abbau, da zur Mitte des Berges hin immer häufiger sogenannte „Umläufer“ auftreten. Dies sind nicht nutzbare Gesteinspartien, die wie runde Säulen im Gesteinsverband stecken. Geologisch sind sie beim Abkühlen der heißen Magmen entlang von sogenannten Entgasungskanälen entstanden. Schon Noeggerath (1844) benennt dieses Ärgernis. Er beklagt, dass das Auftreten dieser unbrauchbaren Gesteinspartien nicht vorhersehbar sei, was es den Steinbruchunternehmern erschweren würde, Liefertermine einhalten zu können. Noeggerath stellt außerdem fest, dass es besser gewesen wäre, die Brüche tiefer am Hang anzulegen. Die Probleme sind denen der Wolkenburg vergleichbar. Zu viele Eigentümer, zu kleine Parzellen, zu viel Schutt. Noeggerath schreibt: „Es ist die Masse des vorliegenden Schutts ganz enorm welche erst weggeräumt werden müßte, wenn man den Steinbrüchen eine tiefere Sohle geben wollte. Die gegenwärtigen Besitzer der Steinbrüche dürften aber zur Aufwendung der zu diesem Zwecke erforderlichen Mittel keine Neigung haben, auch würd das sehr zerteilte Oberflächen-Eigenthum der Steinbrüche eine solche Verrichtungsarbeit sehr erschweren.“
Laspeyres (1901) schildert die Umläufer wie folgt: „Die als unbrauchbar stehen gelassenen Umläufer ragen, in den längst verlassenen Brüchen, namentlich an der N-Seite des Berges, wie Turmruinen empor und bezeichnen die ursprüngliche Höhe des arg zerstörten Berges; z. T. liegen sie auch umgestürzt auf der Sohle der Brüche.“ Ihm zufolge ist seit Jahren nur noch ein Steinbruch am Südostrand in Betrieb. Die übrigen seien nur schwer zugänglich.
1885 liegt der Lohn für geübte Steinhauer bei nur 80 Pfennige bis 1,20 Mark am Tag, so wenig, dass 40 Arbeiter am Stenzelberg, die zugleich Mitglieder des Königswinterer Steinmetz-Vereins sind, in den Streik treten (Bonner Volkszeitung vom 5. März 1885).
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Der Bau der Heisterbacher Talbahn ab 1891 löst endlich das leidige Transportproblem. Nun kann der Stein wesentlich kostengünstiger an den Rhein bzw. an den Niederdollendorfer Bahnhof zur Verladung gebracht werden. Die teuren Transporte mit schweren Fuhrwerken bis an den Rhein sind ab sofort Geschichte. Ungezählt sind die Beschwerden über die kaputt gefahrenen Wege, die regelmäßig ausgebessert werden müssen. 1893 wird zunächst der benachbarte Steinbruch am Weilberg an die Talbahn angeschlossen, 1894 sind die Gleisanlagen für die Fa. Bachem &Co. am Stenzelberg fertiggestellt (Echo vom 20. Oktober 1894).
Nun lohnt es sich auch den in Unmengen lagernden Schutt zu verwerten. Ein Brechwerk fehlt und daher geschieht das weitere Zerkleinern des Steins von Hand. In entsprechenden Anzeigen werden daher Pflastersteinarbeiter und Schrottschläger gesucht (Echo vom 13. April 1898). Als Schrott bezeichnete man den groben Schutt, der nun zu Schotter und Split klein geschlagen werden musste. Dieses Kapitel kann nur von kurzer Dauer gewesen sein, denn gegen das neue Brechwerk am Weilberg, welches tonnenweise hochwertigen Basaltschotter herstellen konnte, wird man auf Dauer kaum konkurrenzfähig gewesen sein können. 1899 sind bei der Fa. Bachem & Co. immer noch 50 Arbeiter am Stenzelberg beschäftigt (Echo vom 22. Ferbuar 1899).

Im Gegensatz zum Basaltsteinbruch am Weilberg stellt der Stenzelberg jedoch noch immer einen typischen Hausteinbruch dar, der in erster Linie hochwertiges Material für Werksteine liefert. Im Weilberg gewinnt man dagegen in erster Linie Massengüter in Form von Schotter, Pflastersteinen und Stangenbasalt.
Doch dem Verschönerungsverein des Siebengebirges (VVS), der das Siebengebirge vor dem Steinabbau retten möchte, sind auch die Brüche am Stenzelberg ein Dorn im Auge. Da die Anschlussgleise des Bruchs auch über Parzellen des VVS verlaufen, lässt der Verein die Gleise kurzerhand entfernen. Dadurch verteuern sich die Transportkosten für die Firma derart, dass sich der Betrieb kaum noch rechnet. Die Fa. Bachem versucht sich mit Eingaben bis an den König zu wehren, doch ohne Erfolg. Nur vereinzelt liefert man in den kommenden Jahrzehnten noch Material, wie z.B. im Jahr 1927 Pflastersteine für den Bau der neuen Ittenbacher Landstraße. 1931 gibt Bachem auf und veräußert seine Ländereien am Stenzelberg an den Staat (Echo vom 19. März 1931). Der letzte Bau aus Stenzelberger Stein ist 1938 der Weinbrunnen auf dem Königswinterer Rathausplatz nach einem Entwurf des örtlichen Bildhauers Franz Josef Krings: Der heute unter Denkmalschutz stehende Brunnen spielt traditionell jedes Jahr zum Weinfest eine zentrale Rolle.
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Nachnutzungen
Nach Einstellung des Betriebs wird der Stenzelberg in das Wanderwegenetz des Siebengebirges integriert. Die lokale Jugend erobert sich die wildromantische Kulisse des Geländes als Abenteuerspielplatz und improvisierte Konzerte wie z.B. der „Strücher Bergvagabunden“. Selbst von weit außerhalb kommen Wandervögel und Pfadfindergruppen, um sich hier zu treffen und Zeltlager abzuhalten.
1948 ebnet der TuS-Heisterbacherrott die Halden am Ostrand des Stenzelberges ein, um dort einen Sportplatz für den damals beliebten Feldhandball einen Sportplatz anzulegen. Doch schon bald verlagern sich die sportlichen Aktivitäten in eine Halle und 1975 finden dort die letzten offiziellen Spiele statt, der Platz wird nur noch sporadisch genutzt. Die Forstbehörde kündigt den Nutzungsvertrag 1986, entfernt die Umkleidekabinen und wandelt den Platz in eine Wildwiese um.
Am Südrand des Berges bestand in den 1960er- und 1970er-Jahren ein großer Grillplatz mit Schutzhütte, der über die Forstbehörde zu mieten war.

Für lange Zeit ist der Stenzelberg in den 1980er- und 1990er-Jahren überregional bekannt als beliebtes Klettergebiet des Deutschen Alpenvereins (DAV). Insbesondere die steilen Felswände und die freistehenden Umläufer luden zum Sportklettern ein – zu nennen sind der Campanile Alto und der Campanile Basso (das von italienisch campana = Glocke abgeleitete Wort Campanile bezeichnet eigentlich einen freistehenden Glockenturm, hier sind steil aufragende Felsspitzen gemeint).
Das Klettern wurde zunächst geduldet aber dann im Jahr 2005 durch den Rhein-Sieg-Kreis mit Verweis auf die Naturschutzverordnung im Zuge der Anerkennung des Siebengebirges als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) der Europäischen Union ausdrücklich verboten. Trotz des Verbots wurde auch weiterhin illegal geklettert, so dass der Pfad zu den Felsen deshalb vom Forstamt gesperrt wurde.

Zur Beruhigung des Geländes wird das Steinbruchgelände 2021 mit einer hölzernen Wegelenkung versehen, um Trittschäden in dem ökologisch wertvollen Terrain zu vermeiden.
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Biotop
Die südwest-exponierten, trocken-warmen Standortbedingungen auf den Schutthalden haben eine entsprechend hochangepasste Flora und Fauna eines typischen Offenlandbiotops hervorgebracht. Darunter sind zahlreiche stark gefährdete Arten der „Rote-Liste“.
Die Pflanzengesellschaften der Felsbiotope am Stenzelberg gehören daher zu den geschützten FFH-Lebensräumen. Diese hochspezialisierten Pflanzengesellschaften sind im Siebengebirge ausschließlich an ehemalige Steinbrüche gebunden. Auch felsbrütende Vogelarten wie der Turm- und Wanderfalke finden hier einen Lebensraum, ebenso wie die seltene Mauereidechse. Im Rahmen des Naturschutzprojektes Chance7 werden seit 2018 regelmäßig Freistellungsmaßnahmen zum Erhalt der trockenwarmen Lebensräume durchgeführt und die weitere Pflege koordiniert. Der Stenzelberg ist Teil eines Offenlandkorridors, der von der Rabenley am Ennert bis hin zum Menzenberg bei Bad Honnef reicht, um so Teilpopulationen, wie z.B. der Mauereidechsen, zu vernetzten und eine genetische Vielfalt zu sichern.

Für den Niederdollendorfer Maler Wolfgang Hunecke sind die alten Steinbrüche eine Quelle der Inspiration. Über 200 Zeichnungen, Ölbilder und Lithografien hat er vom Stenzelberg im Laufe der Jahre angefertigt, die u.a. im Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter und der deutschen Botschaft in London ausgestellt wurden.
Ein Spaziergang durch die beeindruckenden Felskulissen ist nach wie vor ein Erlebnis und wird an den Wochenenden auch entsprechend genutzt.
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Datierung: 12. Jahrhundert – 1931
Zugang: Offizielle Wege queren und umrunden den Stenzelberg. Die Brüche können ohne Verlassen der Wege sehr gut eingesehen werden.

Hinweis
Das Objekt „Steinbruch Stenzelberg“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2025 / kleinere Vorarbeiten von Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2010/2023)

Quellen
  • Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Verlag von Simon Schropp. Verlag Henry, Bonn.
  • Charte der Steinbrüche am Buschgrunde am Stenzelberg der Steinhauer-Gewerkschaften zu Königswinter. Nach einer Kopie des Originals vom 5.2.1836, beglaubigt durch den Obergeschworenen Daniel Behner in Oberkassel am 31.7.1867. SGM
  • zeitpunkt.nrw: Historische Zeitungen, Echo des Siebengebirges und Kölnische Zeitung in den entsprechenden Jahrgängen (abgerufen 02.04.2026)

Internet
bonn.rheinische-industriekultur.com: Steinbruch am Stenzelberg (abgerufen 10.04.2026)
de.wikipedia.org: Stenzelberg (abgerufen 14.12.2010, 14.02.2023 und 10.04.2026)
www.virtuelles-heimatmuseum.de: Vitrine Stenzelberg (36 Bilder) (abgerufen 10.04.2026)
www.chance7.org: chance7 errichtet neues Besucherlenkungssystem am Stenzelberg (Meldung vom 08. April 2021, abgerufen 10.04.2026)
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Literatur

Berres, Frieder / Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.) (1996)
Gesteine des Siebengebirges. Entstehung - Gewinnung - Verwendung. Siegburg.
Biesing, Winfried (1988)
Die Rosenau im Siebengebirge. Eine vergessene Burg. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, S. 128-133. Siegburg.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter (2012)
Reliefveränderungen durch Menschenhand im Siebengebirge. In: Geographische Rundschau 1/2012, S. 32-39. o. O.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter (2002)
Modellhafte Konzeptentwicklung Kulturlandschaft Heisterbacher Tal. In: Koordinationsstelle für den Fortbildungsverbund Berufsfeld Natur und Landschaft (Hrsg.): Klosterlandschaft Heisterbacher Tal. Ein integratives Konzept zum Umgang mit einer historischen Kulturlandschaft. Eine FNBL-Exkursion am 12. Juni 2002, S. 53-73. S. 53-73, Wetzlar.
Dechen, Heinrich Von; Rath, Gerhard Vom (1861)
Geognostischer Führer in das Siebengebirge am Rhein. Bonn.
Hundeshagen, Bernhard (1978)
Die Stadt und Universität Bonn am Rhein, mit ihren Umgebungen und 12 Ansichten dargestellt. Neudruck der Ausgabe von 1832. Bad Honnef.
Köster, Peter; Layer, Anne / Rhein-Sieg-Kreis (Hrsg.) (2007)
Gesamtperspektive Klosterlandschaft Heisterbach als Teil der Landschaftsausstellung Siebengebirge. Freiraumplanerisches-städtebauliches Memorandum. S. 20ff., Siegburg.
Laspeyres, Hugo (1901)
Das Siebengebirge am Rhein. In: Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlandes, Westfalens und des Regierungsbezirks Osnabrück, 57. 1900, Bonn.
Leven, Heinrich (1986)
Beiträge zur Geschichte der Steinbruch- und Steinmetzbetriebe im Siebengebirge. In: Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.): Streiflichter aus dem Siebengebirge, S. 113-146. Königswinter.
Noeggerath, Johann Jacob (1844)
Zur architektonischen Mineralogie der preussischen Rheinprovinz. In: Carl Johann Bernhard Karsten / Heinrich von Dechen (Hrsg.): Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Bd. 18, S. 455-490. Berlin.
Schmitz, Ferdinand (Hrsg.) (1908)
Urkundenbuch der Abtei Heisterbach (UBH). (Urkundenbücher der geistlichen Stiftungen des Niederrheins 2.) Bonn.

Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mantelweg / Oberförster-Ringkloff-Weg
Ort
53639 Königswinter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1100 bis 1200, Ende 1931

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Jörn Kling: „Steinbruch Stenzelberg im Siebengebirge”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-FJK-20100630-0032 (Abgerufen: 14. April 2026)
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