Das Gut Wintermühlenhof liegt im heutigen Stadtgebiet von Königswinter im westlichen Siebengebirge an der Südseite des Petersbergs. Das Gelände wird vom Mirbesbach durchflossen, der hier in Teichen gestaut wird. Ein erste urkundliche Erwähnung des Wintermühlenhofs existiert aus dem Jahre 1402. Er diente ursprünglich als landwirtschaftlicher Versorgungshof des Klosters Heisterbach, welches ca. 3,5 km nördlich des Wintermühlenhofs liegt. Zunächst wurde Ackerbau betrieben, später auch Waldwirtschaft und Mühlenbetrieb. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts ist der Weinanbau hier urkundlich belegt. Hinzu kam im 18. Jahrhundert die Aufnahme eines nahen Steinbruchbetriebes, in dem Quarzit abgebaut wurde.
Die Familie Mülhens und der Wintermühlenhof
Nach einem kurzen Zeitraum der Verstaatlichung des Wintermühlenhofs nach 1802 ging das Anwesen 1843 in den Besitz der Familien Mülhens über. Peter Josef Mülhens, der Kölner Unternehmer und Sohn des Begründers des Hauses 4711, Wilhelm Mülhens, war Erbpächter des Gutes. Es folgte eine Ausweitung des Gutes sowie der Bau der Landstraße Königswinter-Ittenbach. 1886 wurde Ferdinand Mülhens Alleininhaber. In der Folge entwickelte er das weitere Umfeld im Siebengebirge zum Erholungsort. Er erbaute das Hotel am Petersberg und war Alleinaktionär der Bergbahnen im Siebengebirge AG. Der Wintermühlenhof diente ihm um 1900 als Alterssitz.
Zwangsarbeitslager
Für die „Streve'sche Gutsverwaltung Wintermühlenhof“ ist für den Zeitraum von September 1939 bis zum Kriegsende im Mai 1945 ein so genanntes „Ausländerlager“ bzw. „Kriegsgefangenen-Arbeitslager“ (Zwangsarbeitslager) belegt (Arolsen Archives). Im Lager lebten zunächst etwa 30-35 polnische, danach französische Kriegsgefangene; ab Mai 1942 verzeichnet die Stadtverwaltung Königswinter zudem ukrainische Frauen auf dem Wintermühlenhof (rheinische-geschichte.lvr.de). Der Einsatz von Zwangsarbeitskräften ist ebenfalls in einer Verwaltungsakte der Nachkriegszeit dokumentiert, wobei „Ferdinand Mühlens [sic] auf dem Wintermühlenhof“ und weitere Betriebe im Zusammenhang mit der „Bezahlung rückständiger Löhne von deutschen Arbeitgebern im Siegkreis an russische und andere Fremdarbeiter (Zwangsarbeiter)“ aufgeführt sind (ARSK).
Im nationalsozialistischen Deutschland wurden während des Zweiten Weltkriegs Kriegsgefangene und ausländische Zivilarbeitende systematisch zur Arbeit herangezogen. Dieses rassistisch-bürokratische System war staatlich organisiert und beruhte auf Zwang. In der Landwirtschaft, in der Industrie und bei Infrastrukturprojekten gehörte der Zwangseinsatz zum grundlegenden Funktionsprinzip der (Kriegs-)Wirtschaft (vgl. bpb.de).
Der Wintermühlenhof heute
Seit 1989 steht die Hofanlage mit Gebäuden des 19. und 20. Jahrhunderts unter Denkmalschutz. Sie liegt inmitten eines großzügigen Landschaftsparks, umgeben vom Naturschutzgebiet Siebengebirge. Die vierflügelige, geschlossene Hofanlage mit Herrenhaus im Süden wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts fand eine Erweiterung der Anlage mit dem Bau einer Terasse, einer Pergola, Erker und Ausbau des Dachgeschosses nach Süden statt. Im Südosten des Hofes findet sich eine freistehende Großraumscheune, die 1940 errichtet wurde. Das Anwesen wurde durch umfassende Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen modernisiert, so dass heute innerhalb der drei Gebäudeflügel Wohn-, Büro- und Ausstellungsflächen vermietet werden.
Landschaftsgarten und Landschaftskunst
Deie große Parkanlage verkörpert eines der späten Beispiele in der Tradition der Romantik. Im Park verstreut finden sich eine Reihe historisierender Architekturen wie „Siesta“ (Tempelarchitektur, 1905), „unterirdische Grotte“ (1905), „Brunnenanlage“ (1906), „Quelleneinfassung“ (1906), „Weiher-Halle“ (1909), „Pergola“ (1909), „Spielplatz“ (1911), „Brücke aus Grottenwerk“ (1911) sowie eine Reihe verschieden gestalteter Böschungsmauern. Das gesamte Gelände wird zur Straße hin eingefaßt von Mauern und Zäunen aus der Zeit von 1906 und 1921. Geplant und gebaut wurde der Landschaftspark zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom deutschen Baumeister und Architekten Ottomar Stein, der unter Einbeziehung der vormaligen Mühlenteiche den Park nochmals vergrößerte.
Baudenkmal / Hinweis
Das Objekt „Gut Wintermühlenhof“ ist seit 1989 ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalverzeichnis der Stadt Königswinter 2015, Nr. A 90) und Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).
(Marius Röhr, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2019; ergänzt durch Nico Wagner, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Quellen
- Arolsen Archives: „Informationen über verschiedene Haftstätten, Arbeitslager […]“. DocID: 82426885. Abgerufen unter www.arolsen-archives.org am 11.02.2026.
- ARSK, Kreisarchiv Rhein-Sieg-Kreis: Akte „Bezahlung rückständiger Löhne von deutschen Arbeitgebern im Siegkreis an russische und andere Fremdarbeiter (Zwangsarbeiter)“, Aktenzeichen 143-03. Archiv-Signatur: 0091.
Internet
bpb.de (Bundeszentrale für politische Bildung): Überblick: Die nationalsozialistische Zwangsarbeit (abgerufen am 11.02.2026)
rheinische-geschichte.lvr.de: Familie Mülhens, Unternehmerfamilie (Text abriele Oepen-Domschky, abgerufen am 26.11.2019)
rheinische-geschichte.lvr.de: Das Siebengebirge in der NS-Zeit (Text Ansgar S. Klein, abgerufen am 11.02.2026)
wintermühlenhof.de: Königswinter, Ferdinand-Mülhens-Straße (abgerufen am 26.11.2019)