Geschichte
1822 plant der Schankwirt Henrich Hermanns „… zum Vortheil der von der Steinhauergewerkschaft ausgeschlossenen, brodlosen Steinhauer in seinem Büsche an der Rosenau … einen neuen Steinbruch aufzudecken.“ Hintergrund ist, dass die 1816 gegründete Königswinterer Steinhauergewerkschaft mit den von ihr gepachteten Steinbrüchen an Drachenfels, Wolkenburg, Stenzelberg und im Umland eine monopolartige Stellung erreicht hat. Immer wieder gibt es Klagen unliebsam gewordener Steinhauer, die von der Arbeit in den Brüchen ausgeschlossen wurden oder es vorziehen, sich angesichts der Arbeitsbedingungen woanders zu verdingen. Selbst Schmiede, Fuhrleute und Schiffer sind betroffen. Ein neuer Bruch, der nicht dem Zugriff der Steinhauergewerkschaft unterliegt, könnte den arbeitslosen Hauern Arbeit und auch bessere Bedingungen anbieten.
Doch sofort beginnen die Probleme. Hermanns wird von dem Berggeschworenen Behner, der für das zuständige Oberbergamt Bonn die Abbautätigkeiten im Siebengebirge überwacht, benachrichtigt, dass im Siebengebirge keine neuen Brüche mehr angelegt werden dürften. Hermanns sucht daraufhin Hilfe beim Landrat in Siegburg. Dem ist ein solches Verbot unbekannt und wendet ein, dass falls solch ein Verbot bestehen sollte, sich dies ohnehin nur auf domaniale Flächen beziehen könnte, und nicht auf Land in Privateigentum. Der Landrat wiederum wendet sich an die Preußische Regierung, die feststellt, dass Steinbrüche nach der Bergischen Bergwerksverordnung schon immer frei von Regalien gewesen seien und dies wohl noch immer so sei, man letztendlich aber nicht weiterhelfen könne.
Zwischenzeitlich mischt sich die Steinhauergewerkschaft als Pächterin der Brüche am benachbarten Stenzelberg ein und klagt gegen Hermanns. Sie behauptet auch auf der Parzelle Hermanns das Bruchrecht zu besitzen. In erster Linie wird es der Gewerkschaft jedoch darum gegangen sein, einen potentiellen Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen.
1823 entscheidet das Königliche Landgericht zugunsten der Steinhauergewerkschaft. Hermanns legt dagegen Einspruch ein. Er hätte die Parzelle von einem gewissen Johann Pertz erstanden, dem das Land seit Jahrzehnten gehört hat. Die nächste Instanz entscheidet 1825 zugunsten Hermanns und bestätigt sein Recht dort Steine brechen zu können. Außerdem verurteilt es die Steinhauergewerkschaft zu Kosten- und Schadensersatz für die seit dem 3. August 1822 gebrochenen Steine.
Hermanns, der eigentlich als Gastwirt tätig war, wird kaum selber im Steinbruch gearbeitet haben. Es ist zu vermuten, dass er einen oder mehrere der „brodlos“ gewordenen Steinhauer an seiner Seite hatte, die für Ihn im Bruch tätig waren. Dass er trotz des Prozessrisikos und der anfallenden Kosten einen jahrelangen Rechtsstreit nicht gescheut hat, belegt nach Leven (1986), das Anfang des 19. Jahrhunderts im boomenden Steinabbau viel Geld zu verdienen war. Hermanns handelte also in erster Linie nicht aus sozialem Engagement für „brodlose“ Steinhauer sondern hatte vor allem ein gutes Geschäft im Sinn.
Über den weiteren Verlauf des Steinabbaus an der Rosenau ist leider wenig bekannt. 1857 verkaufen die Erben der Eheleute Peter Joseph Genger verschiedene Steinbruchanteile im Siebengebirge. Darunter ist auch ein Bruch am Kottsiefen (Kölnische Zeitung 29.3.1857). Die Flurbezeichnung Kottsiefen liegt an dem Bergrücken mit den Rosenauer Brüchen unweit des Einkehrhauses. Genger, ein bekannter Steinbruchunternehmer hatte dort also zumindest zeitweise einen Abbau betrieben. Der Geologe Dechen (1861) beschreibt den Bruch als „verlassen“.
1874 finden sich dann Verkaufsanzeigen über „gute lagerhafte Mauersteine, sowie Trittstufen, Fensterbänke u.s.w. aus den Trachit-Steinbrüchen im Kottsiefen am Stenzelberg“. (Echo 21.3.1874) Diese würden kostengünstig abgegeben und ein neuer Fahrweg würde von der Königswinter-Ittenbacher Straße direkt in die Steinbrüche führen. Ein Perz aus Heisterbach wird als Aufseher genannt.
Die Übersichtskarte des Oberbergamts-Markscheiders Adolf Schneiders (1881) stellt beiderseits des heutigen Weges zwei Brüche mit Gebäuden dar, was einen laufenden Betrieb vermuten lässt. Der Geologe Laspeyres hingegen beschreibt 1901 zwar noch geologische Aufschlüsse an der Rosenau erwähnt jedoch keinerlei Abbauaktivitäten. Die Brüche liegen wohl schon seit einer Weile still.
Heutige Situation
Insgesamt entstanden drei Steinbrüche an der Rosenau von denen noch zwei vorhanden sind. Ersterer befindet sich für jedermann gut sichtbar 80 Meter nach dem Einkehrhaus linkerhand des Fahrwegs zur Margarethenhöhe. Der durchaus beeindruckende ovale Abbaukessel besitzt eine Größe von 20 × 30 Meter, die Abbauwand erreicht immerhin bis zu 10 Metern Höhe und ist durch den Abbau stellenweise unterhöhlt worden. Der zweite Bruch schließt sich nordöstlich an und ist von Ersterem nur durch einen schmalen Felsriegel getrennt. Der Abbau besitzt eine vergleichbare Größe, ist jedoch nur circa 5-6 Meter tief. Den dort anfallenden Schutt verbrachte man über eine schmale Bresche im Bruchkessel auf eine Halde nördlich des Bergrückens. Ein dritter Bruchkessel lag unterhalb des ersten Bruchs, direkt südlich des Fahrwegs zur Margarethenhöhe. Der ehemals rund 10 Meter tiefe Abbau reichte bis an den Weg. Ein eisernes Geländer schützte die Spaziergänger gegen Absturz. Von 1953 bis 1956 verfüllte man den Abbau mit dem Schutt des abgerissenen Hotels Rosenau und dem beim Bau des neuen Erholungsheims der IG Bergbau anfallenden Aushub. Von dem Steinbruch ist daher nichts mehr zu sehen. Unterhalb des ehemaligen Abbaus erstrecken sich noch die zugehörigen Halden, die man nur im Winter unter dem dichten Baumbewuchs erkennen kann.
Zugang
Der erste Steinbruch liegt in einem Naturschutzgebiet, kann jedoch ohne Verlassen des Weges gut eingesehen werden.
Hinweis
Das Objekt „Steinbrüche an der Rosenau“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Akten im Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter, zitiert nach Leven (1986).
- Hermanns gegen Bachem Archiv für das Zivil- und Kriminalrecht der Königlich-Preußischen Rheinprovinzen, Neue Folge, Bd. 8, (1826): Steinbrüche - Regalien, Hermanns gegen Bachem. Köln, S. 63-71.
- Echo des Siebengebirges; teils abrufbar unter zeitpunkt.nrw, Historische Zeitungen in den entsprechenden Jahrgängen (abgerufen 26.05.2026).
- Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materials, Bonn.
Internet
www.heinrich-imbusch.igbce.de: Erholungswerk Heinrich Imbusch e.V., Heinrich-Imbusch-Haus (abgerufen 22.04.2026)
de.wikipedia.org: Burgruine Rosenau (abgerufen 22.04.2026)
www.virtuelles-heimatmuseum.de: Rosenau (abgerufen 22.04.2026)