Der Bau des Hauses geht zurück auf Emma Bachem, verheiratet mit Anselm Bachem aus der Königswinterer Steinbruchdynastie Bachem, die auch die Brüche am Stenzelberg betrieb. Anselm Bachem wird 1892 von seinem Vater Peter Joseph Bachem bei der Übergabe des Unternehmens an zwei weitere Söhne ausbezahlt. Zu der Auszahlung gehören offenbar auch die Ländereien an der Rosenau. Auf dem Berg selbst beginnt er ab 1896 ein großes Hotel zu errichten, welches 1898 eröffnet wird.
Seine Frau Emma Bachem, die von 1922 bis 1929 als eine der ersten weiblichen Abgeordneten für die Zentrumspartei im preußischen Landtag sitzt, beginnt 1924 mit den Planungen, um auf dem Sattel nördlich der Rosenau eine große Kriegergedächtniskapelle mit dem Namen „Maria am Rhein“ zu errichten. In den 1920er Jahren entstehen zahlreiche Denkmäler zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Von dem geplanten Bau existieren einige Entwurfsskizzen, die im Eingangsflur des heutigen Einkehrhauses zu betrachten sind. Auch der Königswinterer Künstler Jean Bachem hat eine Zeichnung des Gebäudes angefertigt (Biesing 1988). Das Bild zeigt einen kompakten quadratischen Bau im barocken Stil mit gestaffelten Walmdächern. Dem Eingangsbereich ist eine schmale überdachte Terrasse vorgelagert. Die Kapelle wird aus unbekannten Gründen nicht verwirklicht.
Gleich neben der Kapelle soll außerdem ein Einkehrhaus entstehen. Über ein von Emma Bachem gegründetes Spendenkomitee beginnt man 1926 mit der Sammlung der benötigten finanziellen Mittel. Kurzzeitig gibt es für das Einkehrhaus auch andere Überlegungen. So tagt im März 1927 der „Vaterländische Frauen-Verein der Rheinprovinz“ unter dem Vorsitz der Fürstin zu Wied auf dem Petersberg. Anschließend besichtigt der 1937 im Deutschen Roten Kreuz aufgehende Verein im Beisein von Emma Bachem eingehend das Gebäude. Der Verein beabsichtigt in Königswinter ein Heim für Säuglingspflege zu gründen (Echo 10.3.1927). Doch offenbar wird das Haus für ungeeignet befunden und so wird das Einkehrhaus 1927 als Ausflugslokal und Pension eröffnet.
Die Zufahrt zum Lokal erfolgt über die 1899 von Anselm Bachem für sein Hotel auf der Rosenau wiederhergestellten Weg nach Königswinter. Der nun Rosenauer Weg genannte Weg folgt dem Verlauf des ehemaligen Marktwegs, eine alte Handelsverbindung von Heisterbacherrott nach Königswinter, die für den Warentransport zwischen Berg und Tal eine wichtige Rolle gespielt haben muss. Von 1821 bis 1859 wurde der Weg außerdem von den Stenzelberger Steinhauern genutzt, bis es mit dem Bau der neuen Dollendorfer Landstraße eine bessere Alternative gab.
Nach dem Tode von Anselm Bachem 1927 und Emma Bachem 1929 wird das Einkehrhaus im Jahr 1930 von dem ehemaligen Pächter Phillip Krebs übernommen, der zuvor als Wirtschafter bei der Familie Bachem angestellt war. Den Zweiten Weltkrieg überdauert die Familie Krebs auf ihrem Gasthof, der nach dem Krieg von dem Sohn Erich Krebs übernommen wird. Das Gebäude ist zum Glück nur unwesentlich durch Granatsplitter beschädigt worden. 1958 wird das Haus modernisiert. So wird unter anderem eines der Gästezimmer im 1. Stock zu einem Badezimmer umgebaut und eine neue Toilettenanlage entsteht (StAKW-2277). Die Zimmervermietung endet in den 1980er Jahren.
Erich Krebs macht sich als überzeugter Karnevalist überregional einen Namen. Nach dem Tode Erich Krebs 1980 führt seine Frau Barbara das Gasthaus weiter und wird 1988 von der Tochter Ursula Grewe, geb. Krebs in der dritten Generation, übernommen. Heute führt ihr Sohn Dieter Grewe den Familienbetrieb in vierter Generation. Auch Dieter Grewe ist aktiver, überregional wirkender Karnevalist, und 2025 wird das „Einkehrhaus Waidmannsruh“ als erste und bislang auch einzige offizielle „Botschaft des Kölner Karnevals“ beurkundet!
Erbaut wurde das Einkehrhaus in Anlehnung an den damals populären Heimatschutzstil durch den Architekten Theodor Wildemann. Der mittig angelegte Eingangsbereich wird durch ein Giebelhaus überragt, welches von vier Holzsäulen getragen wird und eine kleine Eingangsterrasse überdacht. Ein paar Treppenstufen führen von der Gartenterrasse in die höher gelegenen Gast- und Küchenräume. Die in Holz ausgeführten Gasträume besitzen eine umlaufende Reihe an Sprossenfenstern, die für ausreichend Helligkeit sorgen. Das Dach des Gebäudes ist mit Schiefer eingedeckt. Nach Schyma (1992) hat der Architekt bewusst an die Tradition des Laubenhausmotivs im Rheinland angeknüpft. Vor dem Gebäude an der Südseite erstreckt sich eine ausgedehnte, mit Zierbäumen bestandene Terrasse, die mit einer Bruchsteinmauer von dem etwas tiefer liegenden Fahrweg abgegrenzt wird.
An den Wochenenden ist der Gasthof, der mit traditioneller Küche und selbstgebackenen Kuchen punktet, immer sehr gut besucht. Selbst an heißen Tagen ist es hier unter den Bäumen erträglich und dank der Lage auf der Passhöhe geht immer ein wenig Wind.
Hinweis
Das Objekt „Einkehrhaus Waidmannsruh an der Rosenau“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Stadtarchiv Königswinter, StAKW-2277, Konzessionen.
- zeitpunkt.nrw: Historische Zeitungen, „Echo des Siebengebirges“ in den genannten Jahrgängen (abgerufen 02.04.2026).
Internet
einkehrhaus-waidmannsruh.com: Einkehrhaus Waidmannsruh (abgerufen 12.01.2026)
de.wikipedia.org: Einkehrhaus Waidmannsruh (abgerufen 12.01.2026)
www.ga.de: Das Einkehrhaus Waidmannsruh feiert 90. Geburtstag (Artikel im General-Anzeiger vom 15.07.2017, Text: Hansjürgen Melzer, abgerufen 12.01.2026)
www.ga.de: Was das Einkehrhaus Waidmannsruh in Königswinter zu bieten hat (Artikel im General-Anzeiger vom 12.08.2023, abgerufen 12.01.2026)
www.ga.de: Wie eine Gaststätte in Königswinter zur Botschaft des Kölner Karnevals wurde (Artikel im General-Anzeiger vom 19.02.2026, abgerufen 12.01.2026)