Steinbruch Ofenkaul

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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    Stolleneingang (Zustand 1983)

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    Stollensystem (Zustand 1983)

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  • Reliefs in der Ofenkaul

    Reliefs in der Ofenkaul

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Objektstandort
Zwei Kilometer ost-nordöstlich der Kirche in Königswinter liegt südlich der Straße zur Margarethenhöhe ein ausgedehntes, größtenteils untertägiges Steinbruchgebiet, die sogenannte Ofenkaul.

Kurzbeschreibung
Hier wurde der für den Ofenbau besonders gut geeignete Trachyttuff abgebaut. Das Gestein speichert die Wärme des Feuers und gibt sie langsam und gleichmäßig wieder ab. Da es überdies leicht zu bearbeiten ist, wurde es auch für Kellergewölbe und vereinzelt zur Herstellung von Futtertrögen verwendet. Zunächst wurden rechtwinklige Blöcke von 120 bis 150 Zentnern aus dem Fels gebrochen. Auf Pferdekarren brachte man sie ans Tageslicht. Am Rheinufer befand sich ein Lagerplatz, an dem die Blöcke weiter nachgearbeitet wurden. Erst beim eigentlichen Ofenbau erhielten die Steine ihre endgültige Feinbearbeitung. Die Königswinterer Steinhauerzunft wird am Ende des 17. Jahrhunderts zum ersten Mal urkundlich erwähnt, allerdings muss das Gestein aber schon seit wesentlich längerer Zeit abgebaut worden sein. Unsere heute übliche Arbeitsteilung kannte man zu jener Zeit noch nicht. Die Königswinterer Ofenbauer arbeiteten in Familienbetrieben und waren Bergmann, Steinhauer und Maurer in einer Person.

Im Gelände ist die Anlage an der Oberfläche durch zahlreiche Stolleneingänge, Gruben und Einbrüche eingestürzter Stollen kenntlich. Unter Tage findet man ein weitläufiges, verästeltes System aus Gängen, Hallen und Durchschlupflöchern in mehreren miteinander verbundenen Horizonten vor. An einzelnen Stellen dringt von oben her Tageslicht ein. An der tiefsten Stelle sammelt sich Wasser. Zur Zeit des Dritten Reichs war im Bereich des Bergwerks Ofenkaule die Firma Aerostahl (Zwangsarbeitslager Ofenkaul, Bodendenkmal SU 225) ansässig. Hier wurden große Produktionsanlagen im Innern des Berges unter Ausnutzung der bereits bestehenden Gänge errichtet, deren Reste (Treppen, Einbauten, usw.) noch heute erhalten sind. Die Firma Aerostahl fertigte hier Einspritzpumpen des Bautyps „Deckel“ für den BMW-Motor 801 (Flugmotor) an. In diesem Zusammenhang entstand hier auch ein Lager für vermutlich etwa 400 Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten. Nach 1945 wurde der Abbau letztmalig für die Gewinnung von Reparaturmaterial wieder aufgenommen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges suchte die Königswinterer Bevölkerung Schutz in den leeren Stollen.
Innerhalb des Grubensystems befinden sich an einer senkrechten Wand vier in den Stein geschlagene Reliefs. Es sind eine 2,20 Meter hohe Frauengestalt, zwei menschliche Köpfe von 70 und 130 Zentimetern Höhe und ein 75 Zentimeter hohes Gebilde pflanzenartigen Charakters dargestellt. Aus stilkritischen Erwägungen werden die Reliefs etwa in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gestellt. Als Urheber käme dann der Lehrer, Maler und Bildhauer Krings in Betracht. Dies ist jedoch nicht sicher belegt. Mehrere Berichte erwähnen einen ehemaligen italienischen Militärinternierten / Zwangsarbeiter als Urheber der Figuren. Eine weitere figürliche Darstellung „Madonna mit dem Kinde“ ist vermutlich eine Laienarbeit einer unbekannten Person.

500 Meter südlich des beschriebenen Stollensystems und 200 Meter südwestlich des Gertrudenhofs liegt eine bedeutend kleinere Nebenanlage mit zwei Eingängen.

(Thomas Krüger, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 1983; sowie freundliche Hinweise von Herrn Joern Kling, Siebengebirgsmuseum Königswinter, 2015)

Zustand/Erscheinungsbild
Die Stolleneingänge sind aus Sicherheitsgründen mit starken Betonwänden – mit schmalen Flugschlitzen für Fledermäuse darüber – verschlossen.

(Christine Wohlfarth, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013)

Das Bodendenkmal „Steinbrüche/ Ofenkaulen“ besteht aus zwei voneinander getrennten Bereichen: ein größeres Areal südlich der Landstraße L 331 und ein kleineres südlich des „Milchhäuschens“ (LVR-ABR SU 99).
Die Erfassung und Bearbeitung erfolgten im Rahmen des von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) geförderten Projektes „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“.

Internet
www.bodendenkmalpflege.lvr.de: Projekt „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“ (abgerufen 30.08.2017)
de.wikipedia.org: Ofenkaulen (abgerufen 06.11.2013)
www.ofenkaulen.de (abgerufen 06.11.2013)

Literatur

Döring, Alois / Scheuren, Elmar (1986)
Altes Handwerk und Hauswerk (Ausstellungskatalog Königswinter / Frechen 1986). Königswinter.
Kling, Joern (2000)
Die Ofenkaulen. Unterirdische Tuffsteinbrüche im Siebengebirge. In: SOK Mededelingen Nr. 33 (hrsg. Studiegroep Onderaardse Kalksteengroeven, Natuurhistorisch Genootschap in Limburg, Niederlande), S. 15-35. o. O.
Menden, Herbert / Behr, Hilger / Biesing, Winfried (Bearbeiter) (1976)
Königswinter und das Siebengebirge (Festschrift). S. 137–153, Königswinter.
Scheuren, Elmar (2001)
Backofenbau und „Ofenkaulen“ im Siebengebirge. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, S. 136–139. o. O.
Scheuren, Elmar (1995)
Backofenbau und Ofenkaulen im Siebengebirge. In: Rheinische Heimatpflege 30, Neue Folge 3, S. 221-224. o. O.
Scheuren, Elmar / Notarius, Christina (1992)
Der Königswinterer Backofenbau. In: Denkmalpflege im Rheinland 3, S. 107-113. o. O.
Seydel, Jürgen (1995)
Die verlassenen Schächte. Bad Godesberg.

Steinbruch Ofenkaul

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1660 bis 1700, Ende 1950
Koordinate WGS84
50° 40′ 38,43″ N, 7° 13′ 14,57″ O / 50.67734°, 7.22071°
Koordinate UTM
32U 374288.14 5615455.22
Koordinate Gauss/Krüger
2586326.48 5616463.96

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Steinbruch Ofenkaul”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-78590-20131104-3 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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