Schloss Drachenburg

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ostseite des Schlosses Drachenburg bei Königswinter (2013)

    Ostseite des Schlosses Drachenburg bei Königswinter (2013)

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  • Venusterrasse des Schlosses Drachenburg im Siebengebirge bei Königswinter (2013)

    Venusterrasse des Schlosses Drachenburg im Siebengebirge bei Königswinter (2013)

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  • Teilansicht von Schloss Drachenburg in Königswinter (2014)

    Teilansicht von Schloss Drachenburg in Königswinter (2014)

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  • Vorburg des Schlosses Drachenburg bei Königswinter (2013)

    Vorburg des Schlosses Drachenburg bei Königswinter (2013)

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  • Eingangsportal des Schlosses Drachenburg (2013)

    Eingangsportal des Schlosses Drachenburg (2013)

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  • Kunsthalle im Schloss Drachenburg bei Königswinter (2013)

    Kunsthalle im Schloss Drachenburg bei Königswinter (2013)

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  • Historisches Foto von 1936: Ausblick vom Rheinufer in Richtung Siebengebirge mit dem Drachenfels.

    Historisches Foto von 1936: Ausblick vom Rheinufer in Richtung Siebengebirge mit dem Drachenfels.

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Schloss Drachenburg ist ein unter Denkmalschutz stehendes schlossartiges Anwesen auf dem Drachenfels in Königswinter. Es wurde 1882-1884 im Auftrag von Stephan von Sarter (1833-1902), dem Sohn eines Bonner Gastwirts, im historistischen Stil erbaut. Ursprünglich als repräsentativer Wohnsitz geplant, ist Schloss Drachenburg seitdem mehreren Nutzungswandlungen unterzogen worden und hatte insgesamt elf Besitzer. So war es unter anderem Sitz eines christlichen Jugendinternats, einer Adolf-Hitler-Schule und eines Schulungszentrums für Eisenbahner.
1989 kaufte das Land Nordrhein-Westfalen die in die Jahre gekommene Drachenburg und leitete eine aufwendige Sanierung ein, bei der das Anwesen wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden sollte. Da die innere und äußere Ausstattung von Schloss Drachenburg sich durch Kriegszerstörung und die variierenden Nutzungsansprüche ihrer Besitzer stark gewandelt hatte, nahm man jedoch auch Rücksicht auf den zeithistorischen Dokumentationswert einiger baulicher Veränderungen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ist das Schloss seit 2010 wieder für Besucher geöffnet.

Das Ensemble von Schloss Drachenburg
Schloss Drachenburg
Der Bau von Schloss Drachenburg
Nutzungswandel 1902-1970
Die Ära Spinat 1971-1986/89
Sanierung und Schäden
Heutige Nutzung
Hinweise
Internet / Literatur

Das Ensemble von Schloss Drachenburg
Das Ensemble von Schloss Drachenburg setzt sich aus Vorburg, Landschaftspark und der eigentlichen Drachenburg zusammen. Die Vorburg ist 1883 erbaut worden und sollte dem Schloss als repräsentative Zufahrt dienen. Sie befindet sich auf der Nordostseite des Schlosses und ist seit August 2000 Sitz der Stiftung Naturschutzgeschichte. In dem symmetrischen zweigeschossigen Bau befinden sich zudem der Museumsshop und ein Museum zur Geschichte des Naturschutzes.
Der Schlosspark wurde als zonierter Landschaftsgarten angelegt und setzt sich aus Terrassen, Parkwald, Hangwiese und geschmückten Pleasureground zusammen. Der 10 Hektar große Park entspricht dem romantischen Schönheitsideal des späten 19. Jahrhunderts, ist jedoch im Vergleich zum vielseitig gestalteten Schloss eher schlicht angelegt. Optische Höhepunkte des Parks sind die Venusterrasse mit goldenen Hirschskulpturen und Löwenbrunnen und mehrere farbenfrohe Tortenbeete. Ebenso wie Schloss Drachenburg wurde der Landschaftspark jüngst saniert und ist seit 2011 vollständig fertiggestellt.
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Schloss Drachenburg
Schloss Drachenburg wurde im historistischen Stil erbaut und ist eine Mischung aus Schloss, Burg und Gründerzeitvilla. Es liegt auf einem hügeligen Gelände am Drachenfels und ist an der Westseite dem Rhein und der Stadt Königswinter zugewandt. Die Südost-Seite zeigt zur Drachenfelsruine hin. Schloss Drachenburg lässt sich in drei wesentliche Bauelemente gliedern. Der zweigeschossige Kernbau mit Hauptturm, die langgestreckte eingeschossige Kunsthalle und abschließend der 30 m hohe Nordturm. Der Kernbau beinhaltet auf dem ersten Geschoss die Repräsentationsräume der Burg und auf dem zweiten Geschoss die Privaträume und das Musikzimmer.
Der Baukörper von Schloss Drachenburg wirkt auf den ersten Blick asymmetrisch. Der Grundriss der Drachenburg ist langgestreckt, jedoch hat das Gebäude keine Spiegelachse und keine klassische Schauseite. Die unterschiedliche Geschosszahl von Kernbau und Kunsthalle, die verschiedene Höhe der Dachfirste, die vielen Türme, Erker und Gauben machen die Vielseitigkeit des Bauwerks aus. Die Fassade von Schloss Drachenburg ist geprägt durch roten und beigen Sandstein, mit dem die Gesimse, Erker und Kanten farblich abgesetzt werden. Die farbliche Absetzung wiederum erweist sich als ordnender Gliederungsfaktor. Das Schloss thront auf einem Sockel, der als Terrasse gestaltet ist. Begrenzt wird dieser Sockel von zinnenbekrönten Quadern, die diesen von der Hangwiese aus als Mauer erscheinen lassen.
An der Ostseite des Kernbaus und dem Schlosspark zugewandt befindet sich die Eingangspforte zur Drachenburg. Über eine breite Treppe und ein Eingangsportal, über dem sich ein großes Rosenfenster befindet, gelangt man in das Haupttreppenhaus. Hinter dem Treppenhaus befindet sich der repräsentativ ausgestaltete Empfangssaal, der die Besucher auf die Gesellschaftsräume einstimmen soll. Dazu zählt neben dem Speisezimmer das Nibelungenzimmer, Kneipzimmer (ein Trinkstübchen) und Billardzimmer, die als Herrenzimmer konzipiert sind. Die Kunsthalle ist ein langgestreckter Raum mit hohen gewölbten Decken, einem oktogonalen Kuppeldach und ehemals bunt verglasten Fenstern zu beiden Seiten.
Auf dem zweiten Geschoss befinden sich mit Ausnahme des Musiksaals die Privaträume. Der Musiksaal dient mit seinen gewölbten Decken nicht nur zu Repräsentationszwecken, sondern war Schauplatz festlicher Soireen und Konzerte. Zu den Privaträumen zählen zwei in sich geschlossene Appartements. Das Privatappartement des Erbauers beinhaltet ein Arbeits-, Schlaf- und Frühstückszimmer sowie eine Toilette. Zudem verfügt das Schloss über ein sogenanntes Ehrenfremdenappartement, in dem ein Wohn-, ein Bade- und zwei Schlafzimmer für Gäste des Hauses zur Verfügung standen.
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Der Bau von Schloss Drachenburg
Die Grundsteinlegung von Schloss Drachenburg erfolgte 1882 durch seinen Erbauer Stephan von Sarter, dem das Schloss als repräsentativer Wohnsitz dienen sollte. Stephan Sarter (1833-1889) war der Sohn eines Bonner Gastwirts, der es als Spekulant an der Pariser Börse zu Geld gebracht hatte. Wie viele Menschen des Bürgertums war es auch sein Ziel, in den Adel aufzusteigen. Gegen eine Spende von 40.000 Mark wurde Sarter am 22. Mai 1881 durch Herzog Georg von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen in den Freiherrenstand erhoben.
Seinem neuen Stand angemessen wollte er ein Schloss als Wohnbau errichten und hatte zu diesem Zweck bereits 1879 ein Grundstück in der Größe von 800 Morgen (den „neuenMorgen“ im Königreich Preußen mit 2552 m² gerechnet also mehr als 2 Millionen Quadratmeter) am Drachenfels westlich von Königswinter gekauft. Zu diesem Zeitpunkt hatte es dort nur einen Aussichtspavillon und einen mittelalterlichen Burghof gegeben. Das Schloss wurde in relativ kurzer Zeit, von 1882 bis 1884 erbaut und soll insgesamt 1,7 Millionen Mark gekostet haben. Das Baumaterial, vorwiegend Trachyt, roter Sandstein und Tuffstein, wurde aus Steinbrüchen des Siebengebirges, aus dem Spessart und der Eifel geliefert. Geplant wurde es von dem Düsseldorfer Architekturduo Leo von Abbema und Bernhard Tüshaus, überarbeitet schließlich von Wilhelm Hoffmann.
Der Stil des Schlosses ist vom Mittelalter geprägt, für die innere Ausstattung ließ von Sarter dagegen aufwendige Gemälde und Glasmalereien von zeitgenössischen Künstlern erstellen. Viele der Wandmalereien, Statuen, Reliefs und Verglasungen nehmen Bezug auf die Sagenwelt des Siebengebirges und des Drachenfelses. So wird dem Nibelungenepos, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt worden ist, ein ganzes Zimmer gewidmet. Der Bezug zwischen Drachenfels und Nibelungensage ist zwar nicht nachgewiesen, jedoch galt der Drachenfels im Volksmund als Schauplatz des Kampfes zwischen Siegfried und dem Drachen. Neben heimischen Sagen zeigen viele der Statuen und Wandmalereien deutsche Herrscher, wie Barbarossa oder Kaiser Wilhelm I. und Szenen aus der lokalen Geschichte. Von Sarter selbst soll das Schloss nie bewohnt, sondern nur sporadisch genutzt haben. Während seiner Abwesenheit setzte er ab 1884 einen Förster als Verwalter der Burg und des Grundstücks ein. Dieser bewohnte bis zu seinem Tod 1902 die Vorburg mit seiner Familie. Im März 1902 verstarb von Sarter in Paris. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Königswinter.
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Nutzungswandel 1902-1970
Nach dem Tod von Sarters erstand dessen Neffe, Jakob Biesenbach, die Drachenburg. Er öffnete das Anwesen für Besucher und ließ daher im Schlosspark 13 Blockhäuser mit nordischen Namen wie Tristan, Isolde oder Wotan als exklusive Ferienunterkünfte errichten. Den mittelalterlichen Burghof, der sich ebenfalls auf dem Grundstück befand, ließ er abreißen und unter gleichem Namen als Hotel im Schweizer Stil wieder aufbauen. Der Burghof steht bis heute, allerdings inzwischen ungenutzt, zwischen Drachenburg und Drachenfelsruine.
1910 verkaufte Biesenbach das Schlossensemble an den Rittmeister a.D. Egbert von Simon, der das Gelände gerne in einen Freizeitpark mitsamt Festspielhalle und Luftschifffahrten umgewandelt hätte. Seine ambitionierten Pläne konnte er jedoch nicht finanzieren und so veranstaltete er Gartenbau- und Kunstausstellungen und unterhielt ein Naturtheater, um das Schloss weiter betreiben zu können. 1915 fiel Egbert von Simon im Ersten Weltkrieg und die Drachenburg stand vorerst leer.
Nachdem er sich bereits für mehrere Jahre in das Anwesen eingemietet hatte, ersteigerte Hermann Flohr, ein Kölner Fabrikant und Kaufmann, 1921 den ehemaligen Burghof und 1923 Schloss Drachenburg als Wochenendresidenz. Die Blockhäuser im Park des Schlosses stellte er dem Frauenverein des Deutschen Roten Kreuzes kostenlos als Genesungsheim zur Verfügung. 1930 übergab er das Anwesen dem Orden der „Brüder der christlichen Schulen“.
1931 bezogen die christlichen Schulbrüder aus Wadersloh in Westfalen das Schloss und nutzten es fortan als Jugendinternat. Während die Schüler in den Blockhäusern untergebracht waren, wurde der Unterricht der „Heimschule St. Michael“ in den Schlossräumen durchgeführt. Das Trinkstübchen wurde zur Sakristei und die Kunsthalle zur Kapelle umfunktioniert. Der Einzug der Internatsschule wirkte sich auch nachteilig auf die Innenausstattung des Schlosses aus. Anzügliche Gemälde oder Statuen wie die Venus, ließ man verhüllen oder entfernen und einen Großteil der Inneneinrichtung wie Möbel, Ölgemälde, Gobelins und Perserteppiche, versteigern. 1938 musste die Heimschule jedoch unter dem Druck der Nationalsozialisten schließen.
Seit 1940 in Besitz der Deutschen Arbeitsfront, wurde Schloss Drachenburg 1942 als Adolf-Hitler-Schule wiedereröffnet. Die Nationalsozialisten ließen den kleinen Vorbau vor dem Haupteingang des Schlosses abreißen und die zierliche doppelläufige Treppenanlage wurde durch eine breite Freitreppe ersetzt, auf der die Schüler zum Appell antreten mussten. Mit dem Beginn des Krieges stand das Schloss unter intensivem Beschuss, wobei vor allem die Kunsthalle und die Dachkuppel stark beschädigt und ein Großteil der Glasmalereien zerstört wurden. Zum Ende des Krieges besetzten amerikanische Truppen die Burg und nutzen sie als Flüchtlingsquartier. Nach 1945 ging Schloss Drachenburg in Besitz des Staates über.
1947 mietete die Reichsbahndirektion Wuppertal Schloss Drachenburg an und wandelte es in ein Schulungszentrum um. Für den Wiederaufbau, bei dem unter anderem das Dach erneuert und das Kuppeldach der Kunsthalle abgetragen wurde, holte man sich junge Eisenbahner zur Hilfe. 1960 wurde die Schule schließlich verlegt.
Von 1960 bis 1970 stand das Schloss leer und verfiel zusehends. Besonders die Wandgemälde und Holzvertäfelungen wurden durch Souvenirjäger und Vandalismus in Mitleidenschaft gezogen. Das Land Nordrhein-Westfalen, das nun Eigentümer von Schloss Drachenburg war, erwägte 1963 sogar einen Abriss des Bauwerks. Der Gründerzeitstil war aus der Mode gekommen und die Ausstattung galt als künstlerisch wertlos. Die Erhaltung von Schloss Drachenburg konnte schließlich von der am 15. Mai 1963 gegründeten „Interessensgemeinschaft Schloss Drachenburg“ abgewendet werden.
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Die Ära Spinat 1971-1986/89
1971 schließlich fand sich mit dem Textilkaufmann Paul Spinat (1904-1989) ein Interessent für das Anwesen. Er erstand es für den Kaufpreis von 500.000 DM mit der Auflage, das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Spinat ließ das Schloss wieder möblieren und die in Mitleidenschaft gezogenen Gemälde wiederherstellen. Die von ihm engagierten jungen Künstler gingen bei der Rekonstruktion jedoch recht frei und künstlerisch nicht immer sorgfältig vor, vermutlich aus Kostengründen.
Spinats Geschmack galt dabei als sehr exzentrisch und kitschig und hatte nur noch wenig mit dem Stil des 19. Jahrhunderts gemeinsam. So hatte er den Fassadenschmuck und die Herrscherstatuen der Südfassade großzügig mit Bronzegold dekoriert, um das Schloss noch prächtiger und barocker erscheinen zu lassen. Die Ausstattung bestand zu einem großen Teil aus dem Mobiliar der Godesberger Redoute, das er 1973 bei einer Versteigerung erworben hatte. Zudem ließ er in der Burg Ritterrüstungen aufstellen, um das „mittelalterliche“ Flair von Schloss Drachenburg zu unterstreichen.
Spinat ließ einige Räume von Schloss Drachenburg nach seinem persönlichen Geschmack umbauen. In das Musikzimmer ließ er eine Empore und eine Orgelattrappe einbauen, auf der er manchmal sogar selbst Konzerte „spielte“ (wobei die Musik lediglich vom Band kam). Der Charakter der Kunsthalle hatte sich nicht nur durch die im Krieg zerstörten und nun fehlenden Glasmalereien verändert, Spinat ließ eine hölzerne Zwischendecke einziehen und zusätzlich eine Freitreppe mitten in der Halle einbauen, die zwar ins Nichts führte, aber von der aus er seine Gäste begrüßen konnte.
1973 wurde das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und soll 200.000 Besucher pro Jahr angezogen haben. Die Kosten für das enorme Anwesen waren jedoch trotz alledem nur schwer zu stemmen, sodass Spinat zusätzlich Kunstausstellungen und Konzerte im Schloss veranstaltete. Am 13. Januar 1986 wurde Schloss Drachenburg schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Der in den 1960er und 1970er Jahren noch so verpönte Gründerzeitstil wurde inzwischen als künstlerisch eigenständig und erhaltenswert angesehen. Im selben Jahr wurde Spinat für die Rettung von Schloss Drachenburg mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Aller Bemühungen zum Trotz musste Spinat sich von Schloss Drachenburg sowie von Schloss Marienfels in Remagen, das ebenfalls in seinem Besitz war, trennen. Das Land Nordrhein-Westfalen machte schließlich von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch und erwarb die Immobilie im Januar 1989 für acht Millionen DM. Bis zu seinem Tod im Februar 1989 residierte Spinat auf der Drachenburg, bzw. im Burghof. Sein Grab liegt auf dem Friedhof Königwinter neben dem von Stephan von Sarter, dem Erbauer von Schloss Drachenburg.
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Sanierung und Schäden
1989 wurde die Restaurierung des Anwesens durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege eingeleitet, bei der das Bauwerk in seinen weitgehend originalen Zustand versetzt werden sollte. Die Sanierungsarbeiten begannen 1995 in Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Königswinter. Die Sanierung von Schloss Drachenburg, der Vorburg und der Außenanlagen dauerte über 15 Jahre und kostete knapp 27 Millionen Euro. Die architektonische Substanz des Schlosses war im Wesentlichen erhalten geblieben, doch die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands gestaltete sich aufgrund der baulichen Veränderungen und vorangegangener Restaurierungsversuche als schwierig.
Die Wandgemälde und ornamentale Wanddekoration, die in der Vergangenheit unsachgemäß restauriert worden waren, wurden wieder freigelegt und anhand von originalen Bildquellen wiederhergestellt. Die Ausstattung und das Gemäldeprogramm sind aufgrund von Kriegszerstörung und Souvenirjägern nach wie vor lückenhaft. Einzelne Stücke konnten jedoch bereits zurückgekauft werden. Auch die Buntverglasung, die in vielen Räumen des Schlosses vorzufinden war, ist nur noch in wenigen Bruchstücken erhalten und bisher nicht rekonstruiert worden.
Bei der Sanierung galt es stets abzuwägen zwischen der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands und der Erhaltung von baulichen Veränderungen, die als Zeitdokument der fast 130-jährigen Geschichte des Bauwerks gelten. Die Kunsthalle etwa wurde wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Das Kuppelgewölbe, das während des Kriegs zerbombt und schließlich abgetragen wurde, ist während der Sanierung ersetzt worden. Holzdecke und Freitreppe, die Spinat in die Kunsthalle hatte einziehen lassen, wurden dagegen entfernt. Das Eingangsportal, das bereits in den 1940er Jahren von den Nationalsozialisten durch eine einfache Glastür ersetzt worden war, ist wieder in seinen Originalzustand zurück versetzt worden. Als Zeugnis der Ära Spinat blieb jedoch die Orgelempore im Musiksaal des Schlosses erhalten.
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Heutige Nutzung
Seit Frühjahr 2010 sind alle restaurierten Räume wieder für Besucher zugänglich, der dazugehörige Landschaftspark ist seit 2011 wieder eröffnet. Schloss Drachenburg verfügt über eine eigene Gastronomie und es finden regelmäßig Veranstaltungen wie Konzerte und Vorträge auf dem Anwesen statt. Ausgewählte Räume des Schlosses können für Trauungen und private Feiern angemietet werden.
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Hinweise
Schloss Drachenburg und die Vorburg von Schloss Drachenburg sind eingetragene Denkmäler der Stadt Königswinter (Denkmalliste Königswinter, Stand September 2013, Nr. A 51 und Nr. A 3).
Das Objekt „Schloss Drachenburg“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches „Siebengebirge“ (Regionalplan Köln 446).

(Alexandra Schultz, Bonn, 2013)
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Internet
www.schloss-drachenburg.de: Geschichte von Schloss Drachenburg (abgerufen 07.09.2013)
www.naturschutzgeschichte.de: Schloss Drachenburg (abgerufen 07.09.2013)
www.naturschutzgeschichte.de: Vorburg (abgerufen 07.09.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Stephan von Sarter (1833-1902), Erbauer von Schloss Drachenburg (abgerufen 07.09.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Paul Spinat (1904-1989), Unternehmer und Schlossherr (abgerufen 07.09.2013)
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Literatur

Bermbach, Gerd (2010)
Der Landschaftspark. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 49-57. Berlin.
Distelrath, Albert; Ellermann, Christoph; Kaldewey, Thomas; Strack, Ägidius (2010)
Die Restaurierung des Ensembles Schloss Drachenburg. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 193-253. Berlin.
Distelrath, Albert; Lindlar, Gereon (2010)
Die Restaurierung der Räume in Schloss Drachenburg. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 254-265. Berlin.
Leyendecker, Angelika (1979)
Schloss Drachenburg. (Arbeitshefte des Landeskonservators Rheinland 36.) Köln.
Rommerskirchen, Sabine (2010)
Schloss Drachenburg. Das Schloss der 1001 Geschichten. In: Die NRW-Stiftung. Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, S. 26-29. Berlin.
Rommerskirchen, Sabine; Schulte Wien, Walburga (2009)
Stephan Sarter und Schloss Drachenburg. Das Vermächtnis des Börsenbarons. In: Die NRW-Stiftung. Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, S. 24-25. Berlin.
Schyma, Angelika (2010)
Die Skulpturen am Außenbau – Kaisertreue, Drachentöter und Heroen der Kunst. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 84-110. Berlin.
Stoverock, Helga (2010)
Neue Wertschätzung – die Ära Spinat. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 149-172. Berlin.
Wagner, Tanja (2010)
“Ein Hochsitz deutscher Kunst” – Gemäldeprogramm und Ausstattung von Schloss Drachenburg. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 84-110. Berlin.
Weiss, Stefan (2010)
Ein Mann will nach oben – Stephan von Sarter. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, S. 35-48. Berlin.

Schloss Drachenburg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Drachenfelsstraße 118
Ort
53639 Königswinter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1882 bis 1884
Koordinate WGS84
50° 40′ 7,66″ N, 7° 12′ 23,12″ O / 50.66879°, 7.20642°
Koordinate UTM
32U 373255.6 5614529.31
Koordinate Gauss/Krüger
2585332.01 5615496.72

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„Schloss Drachenburg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-73665-20130909-2 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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