Alter Friedhof Weilburg

Heiliggrabkapelle, Kalvarienberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Weilburg
Kreis(e): Limburg-Weilburg
Bundesland: Hessen
Koordinate WGS84 50° 28′ 58,23″ N: 8° 15′ 56,32″ O 50,48284°N: 8,26565°O
Koordinate UTM 32.447.900,19 m: 5.592.575,11 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.447.954,05 m: 5.594.372,73 m
Der Alte Friedhof von Weilburg wurde im 16. Jahrhundert außerhalb der damaligen Stadtmauer und der Weilburger Altstadt angelegt. Zuvor bestand ein Friedhof innerhalb der Stadtmauer unweit des Vorgängerbaus der Schlosskirche, wo sich heute die obere Terasse des Schlossgartens befindet. Im Zuge des Ausbaus des Weilburger Schlosses und des Schlossgartens wurde der Friedhof ab 1545 an seine heutige Stelle verlegt.

Heiliggrabkapelle und Kalvarienberg
Als Standort für die Verlegung des Friedhofes wurde das Gelände der beiden Passionsstätten, der Heiliggrabkapelle und des sogenannten Kalvarienbergs gewählt, die beide heute zu den ältesten Bauwerken Weilburgs zählen.

Bei Kalvarienbergen, auch Stationsberge genannt, handelt es sich um Andachts- oder Wallfahrtsstätten, die sich an einem erhöhten Ort befinden. Dabei wird in ungefährer Lebensgröße die Passion Christi als plastisches oder bildliches Werk dargestellt. Es kann sich dabei nur um eine Kreuzigungsgruppe oder aber um einen gesamten Kreuzweg mit verschiedenen Stationen handeln. Kalvarienberge wurden an verschiedenen Orten errichtet, besonders in der Zeit des Barocks (Ende des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts).

Unter dem Eindruck seiner Wallfahrt nach Jerusalem ließ Graf Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken (1472-1554, Graf von Nassau-Saarbrücken 1490-1545) im Jahr 1505 durch den Baumeister Brungen von Bingenheim die Heiliggrabkapelle und den Kalvarienberg mit der Kreuzigungsgruppe anlegen. Die Anlagen dienten unter anderem den österlichen Stadtprozessionen. Durch die Verlegung des Friedhofes wurde die Heiliggrabkapelle umgebaut und ab 1574 für die Leichenpredigten verwendet.

Bei der Heiliggrabkapelle handelt es sich um einen „Zentralbau aus einer höheren Rotunde, die von einem zweistöckigen und achteckigen Bau umschlossen wird“ (Kulturdenkmäler in Hessen, „Heiliggrabkapelle und Kalvarienberg“). Im Osten befindet sich eine halbrunde Apsis.

Der Kalvarienberg besteht aus einer Kreuzigungsgruppe „unter einem baldachinähnlichen Zeltdachbau“ (Kulturdenkmäler in Hessen, „Heiliggrabkapelle und Kalvarienberg“). Die lebensgroße Kreuzigungsgruppe mit Jesus Christus, den beiden Schächern sowie Maria und Johannes, wurde nach 1510 aus Sandstein gefertigt. Die Figuren stammen entweder aus der Werkstatt oder dem Umkreis des Bildhauers Hans Backoffen (1470-1519), seinerzeit Bildhauer, unter anderem für die Mainzer Erzbischöfe.

Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert
Mit dem Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Besiedlung der heutigen Frankfurter Straße im frühen 19. Jahrhundert erfolgte auch die Einbindung des Alten Friedhofes als Parkfriedhof, in Anlehnung an das Konzept des englischen Landschaftsgartens. Hierfür wurden in dem geneigten Terrain verschiedenen Terrassen mit entsprechenden Stützmauern, Baumbepflanzungen und Wegen angelegt, um dementsprechend eine natürliche Landschaft darzustellen.
Bestattungen wurden bis zum Herbst 1900 auf dem Alten Friedhof vorgenommen. Die Ausnahme bildet, aufgrund seiner Verdienste zur Erforschung der Passionsstätten, der 1953 verstorbene und hier beigesetzte Hans-Georg Böhme. 1910 wurde ein neuer Friedhof in Weilburg eröffnet, wodurch der Alte Friedhof an Bedeutung verlor.

Durch das Anwachsen der katholischen Bevölkerung in Weilburg nach dem Zweiten Weltkrieg, unter anderem aufgrund der Zuwanderung von Heimatvertriebenen aus ehemaligen Gebieten des Deutschen Reiches im heutigen Westpolen, stellte die evangelische Gemeinde östliche Teilflächen des Alten Friedhofes zur Verfügung. Auf diesen Flächen wurde in den Jahren 1958 und 1959 die katholische Heilig-Kreuz-Kirche errichtet. Dortige, sich noch im Erdreich befindliche, sterbliche Überreste wurden in ein Sammelgrab auf den verbliebenen Teil des alten Friedhofes umgebettet und einzelne Grabdenkmäler dorthin umgesetzt.

Auf dem Friedhofsgelände befinden sich zahlreiche Grabstellen von „künstlerische[r], stadt- und landesgeschichtliche[r] Bedeutung. Vertreten sind verschiedene Formtypen des Grabmals und Grabdenkmals hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert, wie Säulentorsi, Obelisken, Stelen und Kreuzstelen“ (Kulturdenkmäler in Hessen, „Alter Friedhof“). In den Stützmauern wurde eine Vielzahl an barocken Grabplatten eingelassen.

Zahlreiche verzierte Grabmäler und Grabdenkmäler wurden aus Lahnmarmor geschaffen. So unter anderem verschiedene Grabplatten aus dem 17. bis 18. Jahrhundert und eine im neugotischen Stil gearbeitete schlanke Stele aus hellgrauem Lahnmarmor nahe der Heiliggrabkapelle.

Weilburger Tunnelensemble
Unter dem Alten Friedhof liegen, in geringer Entfernung voneinander, drei Tunnel. 1847 erfolgte die Eröffnung des Weilburger Schifffahrtstunnel. Dem folgte 1862 im Zuge des Baus der Lahntalbahn von Lahnstein nach Wetzlar der Eisenbahntunnel. Schließlich wurde für die Teilortsumgehung Weilburg 2004 der Mühlbergtunnel für den Straßenverkehr freigegeben. Die drei Tunnel werden zusammen auch als Weilburger Tunnelensemble bezeichnet.

Lahn-Marmor-Route
Dieses Objekt ist Teil der Lahn-Marmor-Route von Wetzlar nach Balduinstein.

Denkmalschutz
Das Objekt „Alter Friedhof“ ist ein Kulturdenkmal gemäß § 9 DSchG Hessen (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Objektnummer 52452). Heiliggrabkapelle und Kalvarienberg sind gemeinsam als eigenes Kulturdenkmal § 9 DSchG Hessen eingetragen (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Objektnummer 52451).

(Sibylle Kahnt, Verein Lahn-Marmor-Museum e.V. / Robert Gansen, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2020)

Internet
www.denkxweb.denkmalpflege-hessen.de: Kulturdenkmäler in Hessen, „Alter Friedhof“ (abgerufen 11.11.2020)
www.denkxweb.denkmalpflege-hessen.de: Kulturdenkmäler in Hessen, „Heiliggrabkapelle und Kalvarienberg“ (abgerufen 11.11.2020)
www.weilburg.de: Alter Friedhof (abgerufen 11.11.2020)

Literatur

Dehio, Georg (1982)
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen. München, Berlin.
Reucker, Helga / Verein Lahn-Marmor-Museum e. V. (Hrsg.) (2002)
Lahnmarmor in Weilburg an der Lahn. In: Lahn-Marmor-Nachrichten (LMN 05), S. 6-11. Villmar. Online verfügbar: www.lahn-marmor-museum.de, Lahn-Marmor-Nachrichten 5, PDF, abgerufen am 23.09.2020
Wabel, Willi / Historische Kommission für Nassau (Hrsg.) (2015)
Form, Farbe, Glanz. Lahnmarmor im Barock. Eine umfassende Darstellung der Erschließung und Verbreitung des Lahnmarmors sowie seiner Verwendung für sakrale, memoriale und profane Kunstwerke des 17. und 18. Jahrhunderts. (Beiträge zur Geschichte Nassaus und des Landes Hessens Band 8.) Wiesbaden.

Alter Friedhof Weilburg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Frankfurter Straße 8 a
Ort
35781 Weilburg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 2 DSchG Hessen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1505 bis 1545

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Sibylle Kahnt, Robert Gansen: „Alter Friedhof Weilburg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-326180 (Abgerufen: 5. Oktober 2022)
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