Priamus-Automobilwerke GmbH in Sülz

später ‚Delta Fahrzeug- und Fahrzeugsbedarf GmbH‘ bzw. ‚Priamus-Werke AG für Fahrzeugbau‘, zuvor ‚Kölner Motorwagen-Fabrik GmbH (vormals Heinr. Brunthaler)‘ und ‚Motorfahrzeugfabrik Köln, Uren, Kotthaus & Co.‘

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 7,88″ N: 6° 55′ 27,41″ O / 50,91886°N: 6,92428°O
Koordinate UTM 32.354.100,16 m: 5.642.853,45 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.565.038,33 m: 5.643.026,76 m
  • Ein 1901 gefertigtes Automobil der Kölner Motorwagenfabrik GmbH (vorm. Heinrich Brunthaler), der späteren Priamus-Automobilwerke (2011)

    Ein 1901 gefertigtes Automobil der Kölner Motorwagenfabrik GmbH (vorm. Heinrich Brunthaler), der späteren Priamus-Automobilwerke (2011)

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  • Typenschild an einem 1901 gefertigten Fahrzeug der Köln-Sülzer Motorwagenfabrik, der späteren Priamus-Automobilwerke (2011)

    Typenschild an einem 1901 gefertigten Fahrzeug der Köln-Sülzer Motorwagenfabrik, der späteren Priamus-Automobilwerke (2011)

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  • Als Werbeannonce gestalteter Eintrag der Köln-Sülzer "Motorfahrzeug=Fabrik Köln, Uren, Kotthaus & Cie." in von Greven's Kölner Adressbuch von 1906

    Als Werbeannonce gestalteter Eintrag der Köln-Sülzer "Motorfahrzeug=Fabrik Köln, Uren, Kotthaus & Cie." in von Greven's Kölner Adressbuch von 1906

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Unternehmensgeschichte
Die Priamus-Automobilwerke wurden 1897 von dem Ingenieur Wilhelm Uren und einem nicht weiter benannten Herrn Molineus mit Sitz in Sülz gegründet. Die Werke firmierten zunächst zwischen 1901 und 1903 als Kölner Motorwagenfabrik GmbH (vorm. Heinrich Brunthaler), bevor sie 1903 in Motorfahrzeugfabrik Köln, Uren, Kotthaus & Co. unbenannt wurden. Inwieweit der genannte Heinrich Brunthaler Mitbegründer und/oder vormaliger Inhaber der Firma war, wird nicht eindeutig ersichtlich.
Der Eintrag in Greven's Kölner Adressbuch von 1906 (S. 476) führt die Firma wie folgt:

Motorfahrzeug=Fabrik Köln
Uren, Kotthaus & Cie.

(Inh. Bernhard Bölefahr.)
Sülz, Marsiliusstraße 20.
[Fernsprech-Nr.] 4519.
Fabrikation von Kraftfahrzeugen, Automobil=
und Fahrrad=Bestandteilen.
Garage, Lager u. Kontor: Aachenerstr. 37
[Fernsprech-Nr.] 511.

Der private Adresseintrag Brunthalers weist aus, dass dieser seinerzeit in Ehrenfeld lebte (ebd., S. 88):

Brunthaler, Heinrich, Ingenieur, Ehrenf., Leostr. 64.I

Nach einem Konkurs infolge der einbrechenden Autokonjunktur durch eine spürbare Marktsättigung um 1907/08 (Mikloweit 2002, S. 67) erfolgte die durch ein Kölner Bankenkonsortium betriebene Neugründung um 1909/1910 unter dem wiederum neuem Namen Priamus Automobilwerk GmbH (PAG) im Stadtteil Zollstock (so de.wikipedia.org und www.wikiwand.com, nach www.gtue-classic.de befand sich das Werk hingegen nach wie vor in Sülz). 1908 soll sich ein Verkaufsalon am Kölner Hohenzollernring, Haus Nr. 50, befunden haben (Mikloweit 2002, S. 67).
„1910 übernahm eine neue Kölner Finanzgruppe, bestehend aus den Kölner Kaufleuten Dr. Emil Rehe und Bernhard Bölefahr (…) Ab 1918 war der Ingenieur Gustav Röhr bei Priamus tätig und brachte den jungen Konstrukteur Josef Dauben mit. (…)
Ein durch die schwierige Nachkriegslage bedingter Zwangsvergleich wendete einen neuen Konkurs ab. 1921 ging es mit dem neuen Namen ‚Delta Fahrzeug- und Fahrzeugsbedarf GmbH‘ weiter. (…) Doch als sich im Verlaufe des Jahres 1921 erneute Zahlungsschwierigkeiten einstellten, wurde der Fahrzeugbau an die Karosseriefabrik C. W. Möllenkamp abgegeben.“
(ebd., S. 67 u. 69)
Nach anderer Quelle erfolgte 1921 die Umwandlung in die Aktiengesellschaft Priamus-Werke AG für Fahrzeugbau, welche dann zwei Jahre später – demnach erst 1923 – von der erst im gleichen Jahr gegründeten Düsseldorfer Möllenkamp-Werke AG für Fahrzeugbau übernommen wurde, in der sie aufging (www.gtue-classic.de, ohne Hinweis auf eine Delta GmbH).
Die Möllenkamp AG wiederum musste im Februar 1926 Konkurs anmelden und wurde wenig später infolge Insolvenz aufgelöst.

Die Fahrzeuge
In den ersten Jahren wurden in Sülz motorgetriebene Dreiradfahrzeuge in Lizenz für den zwischen 1883 und 1968 bestehenden und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltgrößten Automobilhersteller De Dion-Bouton mit Sitz im französischen Städtchen Puteaux (unmittelbar westlich von Paris) gefertigt (Mikloweit 2002).
Ab 1900 wurden dann – ebenfalls noch für De Dion-Bouton, nun aber bereits unter dem eigenem Markennamen Kölner Motorwagen – vierrädrige Kleinwagen (Voiturettes) des Typs Vis-à-vis mit einem 6 bis 8 PS (4,4 bis 5,9 Kilowatt / kW) starken Viertakt-Einzylindermotor produziert. Wie seinerzeit häufig noch üblich, saßen sich die Passagiere in den offenen Vis-à-vis-Wagen auf zwei Sitzbänken gegenüber (vgl. Abbildung). Konstruiert wurden die Eigenentwicklungen von Brunthaler und Uren (ebd.).
„Das Zweiganggetriebe wurde mit einem Hebel am Lenkstock geschaltet und die Motorkraft vom Getriebe an die Hinterräder über einen Riemen geleitet.“ (de.wikipedia.org)

Ein selbst entwickelter Kleinwagen erschien schließlich 1903 erstmals unter dem Namen Priamus. Dieser wurde bis 1904/1905 als Zweizylinder in den Versionen 6/10 PS bzw. 8/10 PS bis 16/18 PS bzw. 15/28 PS mit Hubräumen zwischen 1.525 und 2.700 Kubikzentimetern (ccm) angeboten. Die Wagen erreichten Geschwindigkeiten zwischen 45 und 70 km/h (Zusammenstellung nach de.wikipedia.org und Mikloweit 2002 mit teils voneinander abweichenden Angaben).
Für das Jahr 1905 ist ferner ein recht imposanter und 90 km/h schneller Typ 24/40 PS mit offenliegendem Kettenantrieb belegt (Abb. bei Mikloweit 2002, S. 65).
Die jeweils zweite Zahl der damals üblichen Modellbezeichnungen weist in der Regel die eigentliche Motorleistung aus (hier also 10 bis 18 PS, d.h. 7,4 bis 13,2 kW), während die erste Ziffer die Hubraum-PS für die Steuereinstufung ausweist.

Mit kriegsbedingter Unterbrechung von 1914-1918 wurden zwischen 1903 und 1923 aber vor allem Wagen vertrieben, die mit von Heinrich Bruthaler konstruierten Vierzylindermotoren ausgestattet waren. Diese Automobile verfügten über 16 bis 32 PS Motorleistung (11,8 bis 23,5 kW) und Hubräume zwischen 1.592 und 5.900 ccm.
Ein bis 1908 angebotenes Vierzylinder-Luxusmodell hatte einen Hubraum von sage und schreibe 7.400 ccm, was knapp 1,9 Liter pro Brennraum des Hubkolbenmotors entspricht!
„Ein Sechszylindermodell mit 10/50 PS wurde entwickelt, dann aber vor der Übernahme durch Möllenkamp 1923 nicht mehr herausgebracht“ (de.wikipedia.org, Abb. bei Mikloweit 2002, S. 66). Der Motor des Wagens besaß einen aufwendigen Königswellen-Antrieb zur Steuerung der Nockenwelle und der Ventile. Der 10/50 PS wurde schließlich in Düsseldorf gefertigt und zwischen 1923 und 1926 als erster Mölkamp vertrieben, während die Modelle 8/24 PS und 9/30 PS weiter unter dem Namen Priamus und zeitweise auch PAG produziert und vertrieben wurden.

Lage / Objektgeometrie
Weder die historischen Karten der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912), noch die aus der Zeit nach dem Priamus-Ende stammenden topographischen Karten TK 1936-1945 weisen die Werkstätten in Sülz bzw. Zollstock aus (vgl. Kartenansicht).
Das Werk ist daher hier mit einer Geometrie unter der heutigen Anschrift Marsiliusstraße 20 in Sülz verzeichnet – Hinweise zur damaligen Lage der Priamus-Betriebe sind willkommen!

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
www.gtue-classic.de: GTÜ Classic, Fahrzeugarchiv, PRIAMUS (abgerufen 17.09.2019)
de.wikipedia.org: Priamus-Automobilwerke (abgerufen 17.09.2019)
de.wikipedia.org: De Dion-Bouton (abgerufen 18.09.2019)
de.wikipedia.org: Möllenkamp-Werke AG für Fahrzeugbau (abgerufen 18.09.2019)
www.wikiwand.de: Priamus-Automobilwerke (abgerufen 17.09.2019)

Literatur

Mikloweit, Immo (2002)
125 Jahre Automobiles aus Köln. Autos, Motorräder & Flugzeuge (1. Auflage). S. 62-69, Köln.
von Greven's Kölner Adressbuch-Verlag (Hrsg.) (1906)
Adreßbuch von Köln und Umgebung 1906 insbesondere auch Mülheim am Rhein und Kalk. S. 88, Köln. Online verfügbar: wiki-de.genealogy.net, Koeln-AB-1906, abgerufen am 14.08.2019
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 41-43, Köln.

Priamus-Automobilwerke GmbH in Sülz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Marsiliusstraße 20
Ort
50935 Köln - Sülz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1897 bis 1910, Ende 1923

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Priamus-Automobilwerke GmbH in Sülz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-298057 (Abgerufen: 13. November 2019)
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