Lahntal

Historische Kulturlandschaft (7.1)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Raumplanung
Gemeinde(n): Altendiez , Attenhausen , Aull , Bad Ems , Balduinstein , Biebrich , Birlenbach , Bremberg , Charlottenberg , Cramberg , Dausenau , Dienethal , Diez , Dörnberg , Eitelborn , Fachbach , Frücht , Geilnau , Gückingen , Gutenacker , Hambach , Heistenbach , Hömberg , Holzappel , Kemmenau , Koblenz , Lahnstein , Langenscheid , Laurenburg , Limburg a.d. Lahn , Miellen , Misselberg , Nassau , Nievern , Obernhof , Scheidt , Schönborn (Rhein-Lahn-Kreis), Seelbach (Rheinland-Pfalz), Singhofen , Steinsberg , Sulzbach (Rhein-Lahn-Kreis), Wasenbach , Weinähr , Winden (Rhein-Lahn-Kreis)
Kreis(e): Koblenz , Limburg-Weilburg , Rhein-Lahn-Kreis , Westerwaldkreis
Bundesland: Hessen , Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 18′ 51,01″ N: 7° 51′ 11,74″ O / 50,31417°N: 7,85326°O
Koordinate UTM 32.418.354,34 m: 5.574.191,29 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.418.396,72 m: 5.575.981,42 m
  • Alte Lahnbrücke in Diez (2017)

    Alte Lahnbrücke in Diez (2017)

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Die Kulturlandschaft Lahntal ist eine von insgesamt 17 landesweit bedeutsamen historischen Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz. Die Ausweisung erfolgte erstmals im Landesentwicklungsprogramm (LEP) IV von 2008.

Die Kulturlandschaft umfasst einen durchschnittlich 3 km bis 5 km breiten Streifen beiderseits der Lahn. Sie reicht von der hessischen/rheinland-pfälzischen Landesgrenze bei Gückingen und Diez bis Friedrichssegen. Die Kulturlandschaft grenzt im Westen an das UNESCO-Welterbegebiet „Oberes Mittelrheintal“ an.

Landschaftscharakter
Die Landschaft ist vor allem durch den stark gewundenen Flusslauf der Lahn geprägt, die sich auf rund 25 km bis zu 180 m tief in das Östliche Schiefergebirge eingeschnitten hat. Meist naturnahe Nebenbäche fließen der Lahn in steilen Kerbtälern zu.
Die schmale Talsohle wird landwirtschaftlich vorwiegend als Grünland genutzt. Die Hänge sind in der Regel bewaldet, wobei häufig Niederwälder, verzahnt mit Trockenwäldern, anzutreffen sind. Auf den Hochflächen wird dagegen größtenteils Ackerbau betrieben. Von den einst zwischen Bad Ems und Nassau gelegenen Weinbergen werden nur noch kleine Bereiche östlich von Nassau (bei Weinähr/Obernhof) bewirtschaftet. Die aufgelassenen Weinberge haben sich inzwischen teilweise zu Halbtrockenrasen entwickelt.

Zu den landschaftswirksamen Bauwerken zählen insbesondere die restaurierten Schlösser Diez (11. Jahrhundert) und Oranienstein (17. Jahrhundert) in der Talweitung bei Diez. Sie sind heute Sitz einer Jugendherberge und eines Heimatmuseums bzw. des Kommandos „Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung“. Ferner thronen das Schloss Schaumburg und das Kloster Arnstein über dem Lahntal. Das Schloss, ursprünglich als Burg gebaut, wurde 1197 erstmals urkundlich erwähnt und zwischen 1850 und 1855 zum heutigen Schloss umgebaut. Das Kloster geht ebenfalls auf eine Burg aus dem 11. Jh. zurück, die 1139 in ein Kloster umgewandelt wurde. Daneben bilden die teilweise restaurierte Burg Nassau aus dem 11.Jh., in der heute ein Restaurant und ein Trauzimmer der Stadt untergebracht sind und Schloss Langenau aus dem 13. Jh. weitere markante Punkte.

Anthropogene Prägung
Im Schutze der Burgen haben sich im engen Talboden mehrere kleine Siedlungen entwickelt, z.B. Balduinstein und Gailnau. Die übrigen dörflich geprägten Ortschaften befinden sich dagegen auf den Hochflurterrassen des Tals.

Bad Ems wurde vermutlich im 6. Jh. an der Stelle eines früheren römischen Kastells gegründet. Aus dem Dorf entwickelte sich im Laufe des Mittelalters eine ländliche Siedlung, die 1324 das Stadtrecht erhielt. Entscheidend geprägt wurde die Stadt durch ihre Thermalquellen, deren Nutzung bereits seit dem 14. Jh. belegt ist. Vor allem im 17. und 18. Jh. entstanden die Bauwerke (u.a. Badehaus mit Brunnenhalle, kath. Kapelle, Mainzer Haus, Haus der Vier Türme), die noch heute das Ortsbild und die umgebende Landschaft maßgeblich mitbestimmen.

Auch der Blei- und Silbererzabbau, der im Lahntal bereits seit römischer Zeit belegt ist, hat seine Spuren hinterlassen. Vor allem die Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. führte zu einem Ausbau der Förderung und Verarbeitung von Erzen, insbesondere von Blei und Zink. Sowohl der Betrieb der Gruben als auch die Aufbereitung der Erze wurden jedoch in den 50ziger und 60ziger Jahren des letzten Jahrhunderts beendet. Heute sind die sichtbaren Zeichen des Bergbaus bis auf wenige Relikte weitgehend verschwunden. In Bad Ems wurden jedoch das ehemalige Gebäude des Steigerhauses der Emser Blei- und Silberhütte in ein Bergbaumuseum umgebaut sowie das ehemalige Werks-Kraftwerk restauriert.

Daneben hat auch der Ausbau der Lahn zur Schifffahrtsstraße zu einer Veränderung der Kulturlandschaft beigetragen. Bereits im 16. Jh. fand eine erste Schiffbarmachung statt, indem von der Mündung bis Diez ein Leinpfad errichtet und Sandbänke entfernt wurden. Bis Mitte des 19. Jh. waren schließlich an allen Wehren Schleusen errichtet worden, Stromschnellen wurden mit neuen Wehren gezähmt und der Fluss reguliert. Anfang des 20. Jh. wurden die Schleusen aus- und teilweise neu gebaut, um eine Tiefe von 1,80 m und eine Breite mindestens 14 m zu erreichen. Darüber hinaus wurden einige Wasserkraftwerke errichtet. 1981 wurde die Transportschifffahrt auf der Lahn eingestellt. Der Fluss wird seitdem allein von der Sportschifffahrt genutzt.

Die Wasserkraft der Nebenbäche wurde ebenfalls schon seit Jahrhunderten für Mühlen genutzt. An den Gewässern reihen sich teilweise heute noch mehrere Mühlen hintereinander.

Werteinstufung als historisch bedeutsame Kulturlandschaft
Das Lahntal besitzt kulturhistorisch eine herausragende Bedeutung:
Das Engtal zeugt von einer Vielzahl an landschaftswirksamen historischen Bauwerken, historisch geprägten Siedlungen und vielfältigen tradierten Nutzungen mit insgesamt mäßigem Landschaftswandel.

(Sylvia Götz, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2019)

Internet
www.obernhof.net: Heimatgeschichte Obernhof (abgrufen03.01.2019)
www.emser-bergbaumuseum.de: Bergbaumuseum (abgerufen 03.01.2019)
www.bad-ems.info: Bad Ems (abgerufen 12.12.2018)

Literatur

Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2008)
Landesentwicklungsprogramm (LEP IV). S. 114 ff. und 182, Mainz.

Lahntal

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„Lahntal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290173 (Abgerufen: 14. Juli 2020)
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