Die Schlossanlage in Diez stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und thront auf einem Keratophyrfelsen über der Altstadt. Im Laufe der Zeit erfuhr die Anlage Umbauten und Veränderungen, die eine bewegte Baugeschichte, von einer hochmittelalterlichen Felsenburg über eine Grafenresidenz der Spätgotik und Renaissance bis hin zum Zucht- und Arbeitshaus des 19. Jahrhunderts, widerspiegeln.
Das Grafenschloss Blockhaft und massiv wirkt die Burg. Die weißen Mauern nehmen die gesamte Fläche des Felsens ein, auf dem sie ruhen. Dies verstärkt den monolithischen Eindruck der Anlage. Die einzelnen Gebäudeteile scheinen ineinander überzugehen. Das hochgezogene und geknickte Satteldach reicht bis fast an den Helm des Bergfrieds. Dies verstärkt den massiven und wehrhaften Charakter des Komplexes.
Der Palas ist gegen Süden ausgerichtet, in Richtung der alten Lahnbrücke. Die Vorburg befindet sich in nordöstlicher Richtung. Ein Kupferstich aus der „Topographia Hassiae“ von Matthäus Merian aus dem Jahre 1655 zeigt, dass der Bergfried zur damaligen Zeit höher über dem Palas aufragte. Zudem war an der Südwestfassade des Palas' ein Seitenturm angebracht. Der an den Bergfried angrenzende nordöstlich ausgerichtete Gebäudeteil, der heute den Innenhof rahmt, scheint in diesem Ausmaß im Jahre 1655 noch nicht bestanden zu haben. Vielmehr befanden sich dort die niedrigen Gebäude der Vorburg.
Aus dem 11. Jahrhundert ist die Basis des schief quadratischen Hauptturms überkommen. Er ist damit das älteste Beispiel eines quadratischen Bergfrieds der rheinischen Höhenburgen. Der obere Teil des Turmes ist spätgotisch und wurde unter der Grafschaft Nassau-Diez ausgebaut.
Die Niederlande waren im 15. und 16. Jahrhundert sowohl wirtschaftlich als auch kulturell ein bedeutsames Territorium. Das Grafenschloss von Diez wurde als Verwaltungszentrum für die mittelrheinischen Besitzungen in niederländischer Manier und von niederländischen Handwerkern ausgebaut.
Der ehemalige Palas aus dem angehenden 14. Jahrhundert, wurde um 1485 ergänzt und im 16. Jahrhundert prachtvoll umgebaut. Außerdem sind der Stumpf eines runden Wehrturms sowie die einen Hof bildende Bebauung der Vorburg erhalten. Eine Kapelle mit bemerkenswerten Malereien aus der Zeit des 12. Jahrhunderts sowie ein Torbau von 1581 ergänzen das Ensemble. Das »gotische Haus« am Tor zur Unterburg, wurde um 1456 errichtet. Ursprünglich barg der Bau in beiden Geschossen jeweils einen Saal mit Mittelstütze. Um 1500 wurden erstmals und 1607 abermals im Obergeschoss Fachwerkwände eingezogen. Die Wände zeigen ornamentale Malereien aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und perspektivische Architekturdarstellungen von 1607.
Die Geschichte des Grafenschlosses Die Grafen von Nassau-Diez bauten von der Mitte des 15. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ihre Macht in der Region aus. Federführend hierbei waren die Grafen Johann V. von Nassau-Dillenburg (1455-1516), Wilhelm I. Graf von Nassau-Katzenellenbogen (genannt der Reiche) (1487-1559), Wilhelm I. von Oranien (genannt der Schweiger) (1533-1584) und Johann VI. Graf von Nassau-Katzenelnbogen (1536-1606). Ihre Einflussbereiche verteilten sich auf zwei Zentren: die Besitzungen und politischen Ämter in den Niederlanden sowie die alten nassauischen Liegenschaften an der Lahn.
Mit Teilung des Ottonischen Hauses Nassau im Jahre 1606 wurde das Schloss zum Sitz der Grafen von Nassau-Diez (bzw. Oranien-Nassau). Da sich der Großteil ihres Besitzes aber in den Niederlanden befand, diente die Burg in erster Linie als Witwensitz für Sophie Hedwig von Braunschweig-Lüneburg (1592–1642) und Albertine Agnes von Oranien-Nassau (1634–1696). Wegen der unbefriedigenden Wohnsituation, die nicht mehr den Ansprüchen einer barocken Fürstin genügten, ließ Fürstin Albertine Agnes 1672 das Schloss Oranienstein in der Nähe der Stadt Diez erbauen.
In der folgenden Zeit diente die Burg nur noch als Amtsgebäude. Im Jahr 1778/1779 wurde die Burg nach Plänen des Bauinspektors Johann Friedrich Sckell (1725- um 1800) zu einer Strafanstalt umgebaut und 1806 noch einmal erweitert. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert wurden in der Gefangenenanstalt verschiedene Handwerke ausgeführt. Eine besondere Bedeutung erreichte die Verarbeitung von Lahnmarmor. Ein Beispiel dieser Arbeiten ist die Grenzsäule in Niederlahnstein. Ab 1910 wurde das Gefängnis schrittweise in einen Neubau nach Freiendiez verlegt.
Die Stadt Diez und das Königreich Preußen wollten die Burg dem niederländischen Königshaus übergeben, das jedoch ablehnte. 1953 erhielt die Burg eine neue Funktion, als eine Jugendherberge in der Burg eingerichtet wurde. In den 1960er Jahren folgte die Einrichtung des Nassauischen Heimatmuseums in der Burg. Die völlig neu konzipierte Nachfolgeeinrichtung des alten Nassauischen Heimatmuseums ist nach umfassender Sanierung und Renovierung seit dem 3. Oktober 2007 im Grafenschloss Diez untergebracht und führt seither den Namen Museum im Grafenschloss Diez. Themen der Dauerausstellung sind: Vor- und Frühgeschichte, Geschichte des Grafenschlosses, Stadtgeschichte Diez (vom Mittelalter bis heute), Fürstengalerie. Daneben werden u.a. Sonderausstellungen und museumsdidaktische Aktionen für Kinder angeboten.
Die Höhenburg Grafenschloss Diez wird als Kulturdenkmal in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand 2019) geführt. Der Eintrag lautet: „Grafenschloss Diez Schloßberg Hauptturm: unterer Teil wohl 11. Jh., oberer Teil spätgotisch; ehem. Palas, wohl Anfang 14. Jh.; Stumpf eines Rundturms, 13. Jh., 1784 überbaut; Hof der Vorburg mit Bauten 16.-18. Jh.; ehem. Kapelle mit Ausmalung, Mitte 12. Jh.; Torbau, 1581; Mauerreste der ehem. Vorburg, Anfang 14. Jh., darauf ehem. Rezeptur, 1610.“
Lahn-Marmor-Route Dieses Objekt ist Teil der Lahn-Marmor-Route von Wetzlar nach Balduinstein.
(Alana Dawn Knickmann, Universität Koblenz-Landau 2019 / mit freundlichen Hinweisen von Herrn Alfred Meurer)
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