Bahnstrecke von Bergisch Born nach Marienheide

Wippertalbahn

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Hückeswagen, Marienheide, Remscheid, Wipperfürth
Kreis(e): Oberbergischer Kreis, Remscheid
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Schienen der Bahnlinie Wipperfürth - Lennep bei Busenbach (2007)

    Schienen der Bahnlinie Wipperfürth - Lennep bei Busenbach (2007)

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  • Trasse der Wippertalbahn in Börlinghausen (2008).

    Trasse der Wippertalbahn in Börlinghausen (2008).

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Die Nebenbahn von Bergisch Born nach Marienheide über Hückeswagen und Wipperfürth (Wippertalbahn) wurde zwischen 1876 und 1902 eröffnet und zwischen 1985 und 1997 stillgelegt. Hauptsächlich erschloss sie die Industrien im oberen Tal der Wupper.

Bau und Betrieb bis 1945
Die Zeit nach 1945 bis zur Stilllegung
Betriebsstellen
Alleenradweg Wasserquintett

Bau und Betrieb bis 1945
An der Wupper oberhalb von Hückeswagen hatten sich ab dem 17. Jahrhundert zahlreiche Industrien angesiedelt, insbesondere die Tuchindustrien. Es fehlte jedoch an leistungsfähigen Verkehrsmitteln, die hergestellten Waren schnell und sicher abtransportieren zu können. Zum andern war auch die Versorgung mit Kohle und Rohstoffen immer schwieriger geworden. Die wachsenden Industrien forderten daher einen schnellen Ausbau der Eisenbahnverbindungen, die bis dahin lediglich das untere Tal der Wupper erschlossen (Eisenbahnstrecke von Düsseldorf nach Hagen).

Die Nebenbahn von Bergisch Born nach Marienheide zweigte von der Hauptbahn von Wuppertal-Oberbarmen über Lennep und Bergisch Born nach Opladen ab. Der erste Abschnitt der Verbindung zwischen Oberbarmen und Lennep wurde am 1. September 1868 von der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft eröffnet. Die Fortführung von Lennep nach Hückeswagen bzw. nach Wermelskirchen (an der Strecke nach Opladen) folgte im Mai 1876. Nach verschiedenen Angaben in der Literatur wurde der Güterverkehr am 12. Mai, der Personenverkehr am 15. Mai 1876 in Betrieb genommen (nach Bahnarchiv NRW) bzw. am 13. Mai 1876 (nach Wikipedia).

Die Verlängerung nach Wipperfürth konnte bereits am 22. Dezember 1876 für den Güterverkehr und am 1. Januar 1877 für den Personenverkehr eingerichtet werden. 1893 eröffnete man die Haltepunkte in Winterhagen und Hämmern. Die Gesamtstrecke nach Marienheide ging erst 15. Januar 1902 in Betrieb. In Marienheide bestand Anschluss an Volmetalbahn (von Hagen nach Dieringhausen und weiter nach Köln) und die schmalspurige Leppetalbahn (von Marienheide nach Engelskirchen).
Der Personenverkehr war für eine Nebenbahn rege, so gab es 1905 bereits elf Personenzugpaare täglich (zwei davon zwischen Lennep und Wipperfürth). Hauptsächlich fuhren aber Güterzüge für die Versorgung der örtlichen Industrien. Da der Betrieb mit Dampflokomotiven auf der Nebenbahn recht aufwändig war, startete man Versuche mit einem benzolelektrischen Triebwagen, der von 1909 ab Lennep und Wipperfürth fuhr und das Fahrplanangebot auf diesem Teilabschnitt um acht Zugpaare erhöhte.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 machten sich starke Einschränkungen im Verkehr bemerkbar, es entfielen viele Zugleistungen. Nach dem Ende des Krieges besetzten 1923 französische Truppen das Ruhrgebiet. Hückeswagen wurde dabei die Grenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet. In der Folge stellten die Besatzungstruppen den Gesamtverkehr auf der Wippertalbahn ein. Dieser Zustand blieb bis zum Ende der Besatzung am 22. Oktober 1924.

Ab dem 15. Mai 1931 verkehrten auch Eilzüge auf der Strecke. Ein Beispiel dafür war ein Eilzug von Wuppertal aus über die Wippertalbahn auf die Volmetalbahn nach Dieringhausen, und von dort aus weiter über die Aggertalbahn nach Olpe. Wie den anderen Nebenbahnen wie der östlichen Aggertalbahn kam auch der Wippertalbahn im Zweiten Weltkrieg eine Rolle als Umleitungsstrecke zu, um zahlreiche Güterzüge von den bombardierungsgefährdeten Hauptbahnen fernzuhalten. Die Strecke traf es aber auch. Am 22. März 1945 zerstörten alliierte Bomber den Bahnhof Hückeswagen, ungefähr zur gleichen Zeit auch den in Wipperfürth.
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Die Zeit nach 1945 bis zur Stilllegung
Im September 1945 konnte der Zugverkehr behelfsmäßig wieder aufgenommen werden.

Zur Belebung des Zugverkehrs und weil 1952 Schienenbusse neu eingeführt wurden, konnten zwischen 1952 und 1955 neue Haltepunkte in Bevertalsperre, Wipperfürth West, Wipperfürth Ost und Klaswipper geschaffen werden. Durch diese neuen Fahrzeuge stieg auch das Fahrplanangebot an, als Folge davon die Fahrgastzahlen.

Im Sommer 1960 schloss man in Winterhagen und Ohl-Rönsahl die Stückgutabfertigung. Mit dieser Maßnahme senkte sich das Güteraufkommen auf der Strecke erheblich. Am 29. Mai 1965 endete der Güterverkehr zwischen Egerpohl und Marienheide; die durchgehenden Güterzüge von Dieringhausen nach Lennep wurden eingestellt. 1975 gab es eine große Reform des Stückgutverkehrs. Diesem fielen im ganzen Oberbergischen Kreis die Verladestellen zum Opfer fielen, so auch in Marienheide, Wipperfürth und Hückeswagen. Als Folge ging das Güteraufkommen noch weiter zurück. Wagenladungen wurden danach nur noch einmal pro Tag verladen. Hinzu kam eine Wochenendruhe. Weiter stellte man den Güterverkehr ein, zwischen 1980 und 1985 den zwischen Wipperfürth und Egerpohl.

Im Personenverkehr übernahm der Busverkehr immer mehr die Bedienung. Auf der Schiene gab es zwischen Samstagnachmittag und Montagmorgen keine Züge mehr. 1980 wurden die bis dahin dominierenden Schienenbusse durch lokbespannte Züge ersetzt. Zwar hatten diese ein wesentlich größeres Angebot an Sitzplätzen. Aber sie fuhren nur noch zwischen Lennep und Marienheide und nicht darüber hinaus wie vorher. Mit der Umstellung auf lokbespannte Züge wurde der Haltepunkt Klaswipper aufgegeben.
Zur Vereinfachung des Verkehrs und zur Einsparung von Personal führte die Deutsche Bundesbahn 1982 den Zugleitbetrieb zwischen Bergisch-Born und Marienheide ein. Am 23. Mai 1982 wurden die Haltepunkte Gogarten und Egerpohl geschlossen, der Bahnhof Hückeswagen zur Haltestelle herabgestuft. Am 2. Juni 1985 stellte man den Personenverkehr und den Güterverkehr zwischen Wipperfürth Ost und Marienheide ein. Lediglich der Abschnitt von Lennep nach Wipperfürth-Ost musste man für den Schülerverkehr des Gymnasiums beim Haltepunkt Wipperfürth-Ost mangels Omnibusersatz noch bedienen. Dies dauerte jedoch nur ein Jahr, der Verkehr wurde am 31. Mai 1986 endgültig stillgelegt.

Danach gab es nur noch wenige Sonderzüge. Um zu verhindern, dass sich zwischen Marienheide und Wipperfürth eine Museumseisenbahn gründen könnte, baute man im Oktober 1986 hier die Gleise ab. Bis zum 30. Dezember 1995 fand noch karger Güterverkehr zwischen Bergisch Born und Wipperfürth statt. Zum 24. Dezember 1997 erfolgte die offizielle Gesamtstilllegung der Strecke von Bergisch Born nach Wipperfürth.

Im März 2009 wurde nochmals der Abschnitt zwischen Wipperfürth und Hückeswagen freigeschnitten, um die Gleise für gut besuchte Sonderfahrten mit einem Schienenfahrzeug benutzen zu können. Im Anschluss daran wurden die Gleise planmäßig abgebaut: bis Ende 2009 die Gleise im Abschnitt von Hückeswagen nach Wipperfürth West, bis 2010 auch die nach Bergisch Born.
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Betriebsstellen
  • Bf Bergisch Born (Streckenkilometer 17,324)
  • Bf Winterhagen (Streckenkilometer 21,06; ab 1893; ab 1973 Haltepunkt)
  • Höhsieper Tunnel (225 m)
  • Bf Hückeswagen (Streckenkilometer 24,81; ab 1982 Haltepunkt)
  • Anschlussstelle Hückeswagen Bevertalsperre (Streckenkilometer 26,0)
  • Hp Bevertalsperre (Streckenkilometer 26,56; eröffnet 1953)
  • Anschlussstelle Hückeswagen RWE (Streckenkilometer 27,0)
  • Hp Hämmern (Streckenkilometer 28,17; ab 1893)
  • Hp Wipperfürth West (Streckenkilometer 29,28; eröffnet 1955)
  • Bf Wipperfürth (Streckenkilometer 30,475)
  • Hp Wipperfürth Ost (Streckenkilometer 32,0; eröffnet 1953)
  • Anschlussstelle Wipperfürth Kabelwerk (Streckenkilometer 32,1)
  • Hp Egerpohl (Streckenkilometer 34,54; bis 1982)
  • Anschlussstelle Wipperfürth Bisterfeld (Streckenkilometer 34,8)
  • Hp Klaswipper (Streckenkilometer 37,0; eröffnet 1953, bis 1954/57 Claswipper, geschlossen 1980)
  • Bf Ohl-Rönsahl (Streckenkilometer 38,21; ab 1965 Haltepunkt)
  • Hp Gogarten (Streckenkilometer 40,44; bis 1982)
  • Krommenohler Tunnel (90 m)
  • Bf Marienheide (Streckenkilometer 43,58)

Die Kilometrierung der Strecke von Bergisch Born nach Marienheide beginnt mit km 17,324. Die ersten 17 Kilometer liegen in der Strecke von Wuppertal-Oberbarmen, da von hier die Hauptstrecke über Bergisch Born nach Opladen führte.
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Alleenradweg Wasserquintett
In mehreren Etappen richtete man auf dem Bahnkörper Radwege ein: 9. Mai 2001 zwischen Ohl und Marienheide, am 30. Mai 2010 zwischen Hückeswagen und Wipperfürth (vgl. untergeodnetes Objekt „Alleenradweg Wasserquintett“), am 13. Juni 2011 die Fortsetzung des Alleenradweg zwischen Wipperfürth und Marienheide und am 30. Juni 2012 den Rest zwischen Bergisch Born und Hückeswagen.

(Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016)

Internet
NRW Bahnarchiv von André Joost: Bergisch Born – Marienheide (Abgerufen: 2.1.2016)
de.wikipedia.org: Wippertalbahn (Abgerufen: 22.1.2016)
www.achim-bartoschek.de: Bahntrassenradeln: Alleenradweg Wasserquintett: Bergisch Born – Hückeswagen – Marienheide (Abgerufen: 22.1.2016)
www.die-bergischen-drei.de: Durch die Talsperren-Landschaft des Wasserquintetts (Abgerufen: 22.1.2016)
www.bahnen-wuppertal.de: Eisenbahnen in Oberberg, mit zahlreichen Bildern (Abgerufen: 24.1.2016)
eisenbahntunnel-portal.de: Private Seite zu den Tunnelportalen des Höhsieper Tunnels und des Krommenohler Tunnels (Abgerufen: 24.1.2016)
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Literatur

Fiegenbaum, Wolfgang; Klee, Wolfgang (1997)
Abschied von der Schiene 1980-1990. Stuttgart.
Krause, Günter (1986)
Entwicklung des Gleisnetzes der Direktion Elberfeld. Krefeld.
Krumm, Hella (2001)
Bau der Eisenbahnlinie Lennep - Hückeswagen. In: Leiw Heukeshoven. Mitteilungsblatt Nr. 40 des Bergischen Geschichtsvereins - Abteilung Hückeswagen e.V., S. 49-55. Hückeswagen.
Menninghaus, Werner; Krause, Günter; van Kampen, Manfred (1990)
Bergisch-Märkische Eisenbahn (1843-1881). Lübbecke.
Wiehltalbahn e.V. (Hrsg.) (2005)
Eisenbahnen im Oberbergischen. Nümbrecht.

Bahnstrecke von Bergisch Born nach Marienheide

Schlagwörter
Ort
Hückeswagen, Marienheide, Remscheid, Wipperfürth
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1876 bis 1902, Ende 1985 bis 2009
Koordinate WGS84
51° 07′ 6,96″ N, 7° 23′ 22,37″ O / 51.1186°, 7.38955°
Koordinate UTM
32U 387286.72 5664247.03
Koordinate Gauss/Krüger
2597335.37 5665759.61

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„Bahnstrecke von Bergisch Born nach Marienheide”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-247025 (Abgerufen: 17. August 2018)
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