Industrieller Siedlungskern Kupferdreh

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Damian-Apotheke in der Kupferdreher Straße 173 in Essen-Kupferdreh (2010)

    Damian-Apotheke in der Kupferdreher Straße 173 in Essen-Kupferdreh (2010)

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    Lipfert, Kathrin / LVR-Fachbereich Umwelt
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Entwicklung des industriellen Siedlungskerns
Im Zuge der Industrialisierung entstand etwa zwischen 1880 und 1925 der Kupferdreher Ortskern, bestehend aus Wohn- und Geschäftshäusern. Er bildete zugleich das Zentrum der seit dem Jahr 1896 eigenständigen Bürgermeisterei Kupferdreh. Bei Wehling (1987, S. 47) heißt es dazu: „In Kupferdreh wurde die bergbauliche Orientierung (des Ruhrtales) ergänzt durch eine klein- und mittelbetriebliche Gewerbe- und Industriestruktur, die ihre Wurzeln in der vorindustriellen Kleineisenindustrie des bergisch-märkischen Raumes hat. Diese Struktur blieb nicht zuletzt deshalb lebensfähig und führte zu einer industriellen Ortskernbildung, weil Kupferdreh als Knotenpunkt der Eisenbahnstrecken von Steele nach Werden und von Kupferdreh nach Vohwinkel gute Verbindungen zum Hinterland hatte.“Die räumliche Abgrenzung erfolgte in Anlehnung an Wehling (Kartenbeilage in Wehling 1987, Historische Siedlungsbereiche der Stadt Essen, Maßstab 1:20 000).

Das Jahrhunderte lang vornehmlich landwirtschaftlich geprägte Gebiet der früheren Honnschaft Hinsbeck verwandelte sich grundlegend. Die alten Höfe verschwanden und die Industrialisierung brachte neue, städtische Formen des Lebens und Arbeitens hervor. „Als Hinsbeck noch ein Bauerndorf war, gab es dort wohl kaum irgendwelche Geschäfte oder Handwerksbetriebe. Die Bauern versorgten sich selbst. Notwendige Werkzeuge stellte der Schmied her. Lediglich einige herumreisende Händler kamen hin und wieder vorbei und brachten Waren, die man nicht selbst erzeugen konnte. Auch die ersten Gastwirtschaften und damit verbundenen Brauereien stammten von den Bauernhöfen ab. Als mit der Industrialisierung viele fremde Arbeiter mit ihren Familien ins Dorf kamen, erwuchs auch die Notwendigkeit der Versorgung. Die ersten Geschäfte siedelten sich an. Es dürften als Handwerksbetriebe wie Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Schneider usw. gewesen sein. Aus den ehemaligen bäuerlichen Schmieden entwickelten sich teilweise Betriebe zur Herstellung von Haushaltsgeräten. Wir können die ersten uns bekannten Geschäftsbetriebe bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen.“ (Busch 2008, S. 168)

Die Straßen
Im 19. Jahrhundert waren die Straßen noch nicht befestigt bzw. noch gar nicht vorhanden. Es handelte sich um Fahrwege, die die Bauernhöfe miteinander verbanden. Die Strasse Dixbäume („an den dixen Bäumen“), zum Beispiel, führte von den auf einem Hügel gelegenen Höfen Grotehof, Provesthof und Bovermannshof zur Mühle Grotkamp bis nach Dilldorf. Die Bebauung entlang der Straßen erfolgte sukzessive. In einer Beschreibung Kupferdrehs von 1925 heißt es: „Die Hauptstraße weist große Baulücken auf. Bürgersteige befinden sich nur vor den Häusern, in den Zwischenräumen treten die Böschungen der Felder und Wiesen bis dicht an die Straße heran, teils springen alte Mauern, zerbrochene Zäune und ungepflegte Hecken weit in das Straßenbild hinein. Dasselbe gilt in verstärktem Maße für die übrigen Straßen.“ (Busch 2008, S. 145)

Der Verlauf der Straßen wurde entsprechend den Bedürfnissen der Stadt- und Verkehrsplanung angepasst. So wurde, einem Antrag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins aus dem Jahr 1897 folgend, eine Straßenverbreiterung und –begradigung der Kupferdreher Strasse (früher Hauptstraße) südlich der evangelischen Kirche vorgenommen. Dazu wurde ein Bergrücken teilweise abgetragen. In diesem Bereich befindet sich seitdem eine Mauer aus Ruhrsandstein.

Die Häuser
Das Rückgrat des Ortszentrums bildete die Provinzialstraße, heute Kupferdreher Strasse genannt. Bei Busch (2008, S. 141) findet sich dazu folgende Beschreibung: „Der südliche Teil der heutigen Kupferdreher Straße bildete schon früher einen kleinen Ortskern. Hier hatten sich die Brauereien und Wirtschaften angesiedelt. Die ev. Kirche wurde hier gebaut und auch die (von Dilldorf kommende) Kirmes etablierte sich hier. In der nördlichen Hälfte standen allenfalls auf der linken Seite die Villen der Fabrikanten Bender und Narjes, die Hinsbeckschule und die Doktorenvilla der Phönixhütte. Auf der rechten Seite stand die Wirtschaft Dorenbeck und der alte Krampenhof. Die eigentliche Bebauung des Marktbereichs, der Bahnstraße und der Kupferdreher Straße setzte um 1880 ein. Die Wohn- und Kaufhäuser der Kupferdreher Geschäftsleute und die Villen der Großbürger, sowie die Schulen waren im Allgemeinen aus Ruhrsandstein erbaut. Die Arbeiterhäuser und Wohnungen der einfachen Leute wurden fast ausnahmslos aus den Ziegelsteinen der örtlichen Ziegeleien erbaut. Es waren einfache und schmucklose Häuser, die einen düsteren Eindruck vermittelten. die Häuser der vermögenden Bürger, welche gegen Ende des Jahrhunderts ebenfalls aus Ziegelsteinen gebaut wurden, erhielten reich verzierte Außenfassaden mit Fenstereinrahmungen aus Sandstein oder aufgesetztem Stuck. Die Häuser der Jahrhundertwende wurden besonders prächtig ausgestattet und nicht selten mit Türmchen oder Dachkronen verschönt.“

Eine Kupferdreher Persönlichkeit ist besonders eng mit der Entwicklung des Ortskerns verknüpft: Wilhelm Kappert. Er hatte eine eigene Zieglerkolonne, die alljährlich die für seine Neubauten erforderlichen Ziegelsteine herstellte. Seine Feldbrandöfen standen rechts vom heutigen Sportplatz und links der Sandstraße. Er baute am Markt, im Löh, in der Möllney und auf dem Gelände der ersoffenen Zeche „Kaiserin Augusta“, heute noch nach ihm „Kappertsloch“ genannt. … Man sagte damals, dass halb Kupferdreh von Kappert erbaut worden sei.„ (Busch 2008, S. 143)

(Kathrin Lipfert, LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Literatur

Busch, Johann Rainer (2008)
Kupferdreh und seine Geschichte als Teil der Ruhr.2010 Kulturhauptstadt Europas (hrsg. von der Bürgerschaft Kupferdreh). S. 141-145, 168, Essen.
Wehling, Hans-Werner (1987)
Die Siedlungsentwicklung der Stadt Essen. S. 47, Essen.

Industrieller Siedlungskern Kupferdreh

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1850 bis 1900
Koordinate WGS84
51° 23′ 21,89″ N, 7° 05′ 4,86″ O / 51.38941°, 7.08468°
Koordinate UTM
32U 366736.61 5694871.28
Koordinate Gauss/Krüger
2575545.22 5695527.96

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„Industrieller Siedlungskern Kupferdreh”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KL-20091113-0001 (Abgerufen: 24. August 2017)
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