Die Objektgruppe Tagebau Frimmersdorf ist hier beschrieben als Kulturlandschaftselementeverbund ‚Braunkohle im Rheinland' (KLV-BK Rheinland) zugehörig zum bundesweiten Erfassungsprojekt Industriekultur (BKM). Die funktional zugehörigen Objekte der historischen Kulturlandschaft werden für die Maßstabsebene der Flächennutzungsplanung kurz zusammengefasst und charakterisiert.
Die ersten größeren Gruben im Bereich des KLV-BK Tagebau Frimmersdorf entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Grube Walter (um 1917 westlich von Frimmersdorf) und der Grube Neurath (um 1907 nördlich und überwiegend südlich von Neurath). Auf historischen Karten wird die Grube Walter bereits ab 1938 als Grube Heck bezeichnet. Die Gürather Höhe entstand als Außenhalde der Grube Neurath bereits vor 1940. Mit der Zusammenlegung der Gruben um 1960 wurden diese als Frimmersdorf Süd bezeichnet und ab 1983 mit dem Tagebau Frimmersdorf-West zum Tagebau Garzweiler I.
Für den Tagebau mussten die Siedlungen Epprath-Tollhaus (1968), Morken-Harff (1976), Königshoven(1983), Geddenberg (1969), Oberschlag (1969) und Muchhaus (1969) umgesiedelt werden. Die Umsiedlungen fanden in den an Bedburg und Kaster angrenzenden Raum statt. Nördlich der Umsiedlung Königshoven, am Rande des Rekultivierungsgebietes, liegt der Weiler Hohenholz. Hier wurden landwirtschaftliche Betriebe aus den Umsiedlungen angesiedelt, die aus immissionsrechtlichen Gründen nicht mehr innerhalb der Ortschaften angesiedelt werden konnten.
Von Bedburg bis Frimmersdorf erstreckt sich auch die rekultivierte Erftaue. Ihren heutigen Verlauf hat sie seit 1976, denn die Erft wurde seit 1942 wegen des Tagebaus Frimmersdorf fünfmal verlegt. Die rekultivierte Aue bildet heute ein grünes Band aus Wäldern und Wiesen. In diesem liegt im Süden, nahe der Bebauung von Alt-Kaster, der Kasterer See, ein Naherholungsgebiet mit zahlreichen Biotopen, eingebettet in eine 8 Hektar große Waldfläche. Dieser erstreckt sich bis zu den Hängen der circa 100 Meter hohen Kasterer Höhe, die überwiegend landwirtschaftlich rekultiviert wurde. Die Kasterer Höhe entstand in den 1970er Jahren als Innenkippe des Tagebaus Frimmersdorf Süd. Sie ist damit die jüngste Kippe in diesem Bereich. Nördlich der Kasterer Höhe liegt inmitten landwirtschaftlicher Rekultivierungsflächen die Kraftwerksrückstandsdeponie Garzweiler.
Zwischen der Erft und der Gürather Höhe befindet sich die Neurather Höhe, die zunächst eine Innenkippe der Grube Neurath war und später auch zur Ablage von Abraum aus Frimmersdorf Süd genutzt wurde. Diese Kippe wurde 1960 landwirtschaftlich rekultiviert und dient heute als Standort für das Windtestfeld Grevenbroich. Ein letztes markantes Relikt der Grube Neurath ist der Neurather See nördlich der namensgebenden Ortschaft. Die Grube Neurath wurde auch Grube Prinzessin Viktoria genannt.
Buschmann, Walter; Gilson, Norbert; Rinn, Barbara / Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2008)
Braunkohlenbergbau im Rheinland. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen 1, Rheinland.) Worms.
Rekultivierung im Rheinischen Braunkohlenrevier. Exkursionsführer Teil II. Die Tagebaubereiche: Historie und Rekultivierung. Jüchen. Online verfügbar: forschungsstellerekultivierung.de, Exkursionsführer, abgerufen am 22.07.2020
Rekultivierung im Rheinischen Braunkohlenrevier Exkursionsführer Teil I. (Geologie, Geographie, Bodenkunde, forst- und landwirtschaftliche Rekultivierung, Bergbau- und Rekultivierungsgeschichte, Archäologie und Paläontologie). Jüchen.
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