Denkmalbereich „Bad Münstereifel - Ortskern“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bad Münstereifel
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Bad Münstereifel liegt im Tal der Erft, dort, wo die Eifelberge allmählich in die Kölner Bucht übergehen.

Ursprung des Ortes ist das Anfang des 9. Jahrhunderts durch die Reichsabtei Prüm gegründete Benediktinerkloster mit der in seinem Umkreis entstehenden Marktsiedlung, geschützt durch eine Wehranlage in der Talsohle, die alte Burg im kleinen Quecken.

Durch die Übertragung der Gebeine der Heiligen Chrysantus und Daria im Jahre 844 wurde Münstereifel zu einer bedeutenden Wallfahrtsstätte. Nachdem die Abtei Prüm schon bald als Schutzvögte die Grafen von Are und Hochstaden mit ihren Besitzungen belehnt hatte, fiel Münstereifel Mitte des 13. Jahrhunderts zunächst an den Erzbischof von Köln, dann an die Herren von Bergheim und schließlich 1312 an die Grafen von Jülich, unter deren Herrschaft der Ort zu einem der vier Hauptorte der Grafschaft wurde. Die Errichtung der Burganlage auf dem Radberg und die aufwendige Ummauerung des Ortes sind bereits 1299 urkundlich belegt. Während der Gegenreformation wurden im späten 16. und bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts verschiedene Klosterniederlassungen gegründet 1618 erfolgte die Gründung eines Kapuzinerklosters, 1652/59 die Grundsteinlegung eines Jesuitenkollegs und der Jesuitenkirche, und 1657 ließen sich die Karmelitessen in Münstereifel nieder. In dieser Zeit erlebte der Ort vor allem durch die Wollweberei eine wirtshaftliche Blüte. Plünderungen, Brandstiftungen und Zerstörungen seit den Kriegszügen unter Ludwig XIV. ab 1689 und im Spanischen Erbfolgekrieg 1701 bis 1714 zogen den Niedergang von Handel und Gewerbe mit sich, wovon sich der Ort im Laufe des 19. Jahrhunderts - nicht zuletzt bedingt durch die Aufhebung der Klöster 1802 - zunächst nicht erholte. Nach kurzer französischer Herrschaft wurde Münstereifel 1814 in den preußischen Staat eingegliedert. Der Ende des 19. Jahrhunderts beginnende Ausflugsverkehr führte zusammen mit dem seit den 1920er Jahren bestehenden Kurbetrieb zu einem erneuten wirtschaftlichen Aufschwung. 1967 erhielt Münstereifel das Recht, sich als Kneipp-Kurort Bad zu nennen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Jesuitenkirche, des Karmelitessenklosters und des Rathauses zerstört; zahlreiche Wohnhäuser wurden beschädigt.

Der heutigen Ortsstruktur liegt der im Mittelalter entstandene Ortsgrundriss zugrunde, der sich aus der Hauptwegeführung entlang des Flusslaufs, der Straßenerweiterung zum Marktplatz im Zentrum, aus den abzweigenden schmalen Gassen, aus der kleinteiligen Parzellierung und aus den zusammenhängenden zum Teil unbebauten Flächen der ehemaligen Klosterbesitzungen zusammensetzt. Das Bild der aufgehenden Substanz wird beherrscht durch die historisch bedeutsamen Solitärbauten, zu denen die aus der Klostergründung Anfang des 9. Jahrhunderts hervorgegangene, in wesentlichen Teilen im 11. und 12. Jahrhundert errichtete Stiftskirche zählt, das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, die ehemaligen Bauten der Jesuiten, die ehemalige Karmelitessenkirche mit dem zugehörigen Kloster, die erhaltenen vier Stadttore mit der umlaufenden Mauer und die über dem Ort thronende, in Teilen erhaltene landesherrliche Burganlage. Außerdem ist ein Kanonikergebäude aus der Mitte des 12. Jahrhunderts erhalten. Der Eindruck der Straßenzüge und des Ortes insgesamt wird bestimmt durch zwei- bis viergeschossige trauf- und giebelständige Bürgerhäuser des 15. bis 18. Jahrhunderts aus Bruchstein und Fachwerk und durch Wohnhäuser des späten 18. und des 19. Jahrhunderts aus verputztem Fachwerk.

Die historisch vielschichtige Bedeutung und der dichte Bestand erhaltener Substanz führten 1982 zum Erlass der ersten Denkmalbereichssatzung für einen gesamten Ortskern.

(Elke Janßen-Schnabel, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Ennen, Edith / Fehn, Klaus / Flink, Klaus (1974)
Bad Münstereifel. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung II, Nr. 7.) Bonn.
Firmenich, Heinz (1966)
Münstereifel. (Rheinische Kunststätten.) o. O.
Franz Pesch; et al. / Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr (Hrsg.) (1994)
Historische Stadt- und Ortskerne in Nordrhein-Westfalen. Duisburg.
Hürten, Toni (1969)
Chronik Münstereifel in Daten, Band 1: von 760-1860. Euskirchen.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 172-173, Köln.
Polaczek, Ernst (1898)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Rheinbach. In: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz IV.2 (hrsg. von Paul Clemen), Düsseldorf.
Schmitz-Ehmke, Ruth (1985)
Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Euskirchen. Stadt Bad Münstereifel. (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Landes Nordrhein-Westfalen I, Rheinland 9.1.) Berlin.

Denkmalbereich „Bad Münstereifel - Ortskern“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Klosterplatz
Ort
53902 Bad Münstereifel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 830 bis 844
Koordinate WGS84
50° 33′ 18,48″ N, 6° 45′ 46,99″ O / 50.55513°, 6.76305°
Koordinate UTM
32U 341545.78 5602745.22
Koordinate Gauss/Krüger
2554118.71 5602436.39

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„Denkmalbereich „Bad Münstereifel - Ortskern“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-66529-20130604-4 (Abgerufen: 23. Februar 2018)
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