Katholische Filialkirche Sankt Donatus Bad Münstereifel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Münstereifel
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Baugeschichte
Die heutige Filialkirche Sankt Donatus entstand in den Jahren 1659 bis 1668 als Klosterkirche der Jesuiten im Zusammenhang eines größeren Bauprojektes, das bereits 1652 mit der Errichtung eines Klostergebäudes begonnen hatte und erst 1683 abgeschlossen war. Der Jesuitenorden hatte 1625 eine Niederlassung und ein Gymnasium in Bad Münstereifel gegründet, doch aufgrund der Verhältnisse im Dreißigjährigen Krieges erst nach dem Westfälischen Frieden mit dem Bau des Klosters beginnen können.

Beschreibung
Das Vorbild für Sankt Donatus bildet die Kölner Jesuitenkirche Sankt Mariä Himmelfahrt, mit deren Errichtung bereits 1618 begonnen worden war. Ähnlich wie dort ist der Innenraum von einer gotischen Formensprache geprägt, die vor allem in der Jesuitenarchitektur der Rheinlande und Westfalens im 17. Jahrhundert als sogenannte Postgotik eine Wiederbelebung erfuhr. Dabei war es die Absicht der Bauherren, architektonisch an die vorreformatorische Zeit anzuknüpfen und so dem Anliegen des Ordens, der römischen Kirche ihre vorreformatorische Universalstellung wiederzugewinnen, auch gestalterisch Ausdruck zu verleihen. Gleichwohl ist Sankt Donatus ebenso wenig wie Sankt Mariä Himmelfahrt in Köln ein gotischer, im Zeitalter des Barocks anachronistisch-rückständiger Bau. Vielmehr entspricht die Kirche in Grundrisslösung, Belichtungsverhältnissen und Inventar den liturgischen Erfordernissen und dem Zeitgeschmack des 17. Jahrhunderts. Die Verwendung gotischer Formen hat vielmehr eine zeichenhaft-ikonologische Bedeutung.

Der unbekannte Architekt, wahrscheinlich ein Mitarbeiter oder Schüler von Christoph Wamser, nach dessen Plänen die Kölner Jesuitenkirche errichtet wurde, entwarf einen weiten einschiffigen Saal, der durch hohe Fensterflächen belichtet ist. Zur Straße hin wirkt einzig die hohe Westfassade des weitgehend in den Klosterkomplex eingebundenen Baukörpers. Das Portal und der Giebel der Fassade weisen rein barocke Formen auf, nur das große, mittig angeordnete Fassadenfenster zeigt gotisierendes Maßwerk. In der Giebelnische befindet sich eine Statue des heiligen Donatus, dem die Kirche geweiht ist und dessen Reliquien in Bad Münstereifel verehrt werden. Der an sich weite Innenraum wird verengt durch den Einbau einer Westempore für die Orgel und zwei seitliche Emporen. Das den Raum überspannende Holzgewölbe ist nach dem Vorbild spätgotischer Netzrippengewölbe gestaltet.

Ausstattung
Die Ausstattung aus der Erbauungszeit ist mit dem Hauptaltar und den beiden Seitenaltären, den Chorschranken, dem Kirchengestühl und den Beichtstühlen weitgehend erhalten geblieben. Das Hauptaltarretabel zeigt in seinem zentralen Altarblatt die Lanzenstichszene der Kreuzigung nach einem Gemälde von Peter Paul Rubens, während in den beiden Nebenaltären die Fürsprache für die armen Seelen im Fegefeuer und die Verkündigung Mariens dargestellt sind. Weitere Gemälde zeigen den Jesuitenheiligen Franz Xaver bei seiner Missionstätigkeit in Indien sowie den heiligen Johannes Nepomuk, wie er der Gemahlin des Königs Wenzels IV. die Beichte abnimmt. Der Legende nach soll Johannes Nepomuk von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau gestoßen worden sein, weil er dem König gegenüber das Beichtgeheimnis wahrte; tatsächlich erfolgte sein Martyrium jedoch, da er sich als Generalvikar des Erzbistums Prag gegen eine Einflussnahme des Königs in kirchliche Belange stellte. Aufgrund seines Martyrium wird Johannes Nepomuk auf zahlreichen Brücken als Heiliger dargstellt, so in der Eifel in Bad Münstereifel, Blankenheim, Kronenburgerhütte oder Sankt Thomas an der Kyll.

Pilgerspuren
Im Kirchenschatz befinden sich eine Reliquienbüste des heiligen Donatus, eine Silbertreibarbeit von Balthasar Lutz aus dem Jahre 1656, sowie ein Schrein, der weitere Donatusreliquien enthält. Die Reliquien des römischen Märtyrers waren im Jahr der Grundsteinlegung für den Klosterkomplex, 1652, aus Rom überführt worden. Der Translationsweg führte von Köln über Euskirchen nach Bad Münstereifel. Als die Reliquien in der Kirche Sankt Martin in Euskirchen weilten, wurde während einer Eucharistiefeier der Zelebrant vom Blitz getroffen. Dass er fast unverletzt blieb, wurde auf die Gegenwart des heiligen Donatus zurückgeführt. Donatus wird seitdem von der ländlichen Bevölkerung um Bad Münstereifel als Wetterheiliger verehrt. Diese Tradition fand ihren Niederschlag in der Weihe von Wetterglocken an diesen Heiligen sowie in der Aufstellung von Donatusstatuen in den Feldfluren.

(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 2: In 13 Etappen von Köln und Bonn über Trier nach Perl/Schengen am Dreiländereck von Deutschland, Luxemburg und Frankreich (3. Auflage). Köln.

Katholische Filialkirche Sankt Donatus Bad Münstereifel

Schlagwörter
Ort
Bad Münstereifel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1659 bis 1668
Koordinate WGS84
50° 33′ 13,62″ N, 6° 45′ 50,71″ O / 50.55378°, 6.76409°
Koordinate UTM
32U 341614.47 5602592.85
Koordinate Gauss/Krüger
2554193.51 5602286.9

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„Katholische Filialkirche Sankt Donatus Bad Münstereifel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-55083-20121005-2 (Abgerufen: 14. November 2018)
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