Liblarer Seenplatte

Ville-Seenplatte im Südrevier des Rheinischen Braunkohlenreviers

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bornheim (Nordrhein-Westfalen), Brühl (Nordrhein-Westfalen), Erftstadt, Hürth
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Heider Bergsee in Brühl-Heide (2014). Dieser See hat sich in einem Restloch eines Braunkohlentagebaus gebildet und ist heute ein beliebtes Naherholungsziel.

    Heider Bergsee in Brühl-Heide (2014). Dieser See hat sich in einem Restloch eines Braunkohlentagebaus gebildet und ist heute ein beliebtes Naherholungsziel.

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  • Karte des Rheinischen Braunkohlereviers (2013)

    Karte des Rheinischen Braunkohlereviers (2013)

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  • Die zwischen den wiederaufgeforsteten Bäumen durchschimmernde Wasserfläche des Lucretiasees in der Nähe des Birkhofes (2014).

    Die zwischen den wiederaufgeforsteten Bäumen durchschimmernde Wasserfläche des Lucretiasees in der Nähe des Birkhofes (2014).

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  • Uferbereich des Liblarer See (2010)

    Uferbereich des Liblarer See (2010)

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  • Liblarer See vom südlichen Ufer aus (2010)

    Liblarer See vom südlichen Ufer aus (2010)

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Die Liblarer-Seenplatte befindet sich auf dem Rücken der Ville, einem Höhenzug, der sich von nordwestlicher bis südöstlicher Richtung zwischen den Städten Grevenbroich und Bonn erstreckt.

Naturräumliche Voraussetzungen
Der Villewald
Die Wiege des Braunkohlenbergbaus - das Südrevier
Die Rekultivierung
Kulturhistorische Bedeutung
Hinweise / Internet

Naturräumliche Voraussetzungen
Zu Beginn des Tertiärs war die Ville Bestandteil des Tieflandes der Niederrheinischen Bucht, in der sich durch mehrere Meerestransgressionen Sedimentschichten aus Ton, Kies und Sand im Wechsel mit Braunkohlenflözen ablagerten. Im Quartär schuf der Rhein seine Hauptterrasse und bedeckte die tertiären Sedimente mit Flussschottern. Darauf wiederum lagerte sich Löss ab, der von Nordwestwinden hierhertransportiert wurde. Tektonische Vorgänge zwischen der Haupt- und Mittelterrassenzeit führten zum Absinken der Niederrheinischen Bucht und Zerteilung ihres Untergrundes in einzelne Schollen. Die Ville senkte sich im Vergleich zur Umgebung langsamer und präsentiert sich seitdem als Erhebung, die sich im Süden von 180 Meter über NN bis etwa 110 Meter über NN im Norden abflacht. Diese geologischen Verhältnisse sind die Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung und kulturlandschaftliche Prägung der sogenannten Liblarer Seenplatte.
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Der Villewald
Nach der letzten Eiszeit entwickelte sich auf dem Villerücken ein Laubwaldgebiet, welches mit der Zeit in zunehmenden Ausmaßen genutzt und überformt wurde. Während in römischer Zeit die Nutzung als Waldweide dominierte, wurde das Waldgebiet ab fränkischer Zeit als Reichsgut geführt, dessen Nutzung durch einen Forstmeister geregelt wurde und das die Grundlage für die weitestgehende Erhaltung des Waldes als geschlossenes Gebiet bis ins 16. Jahrhundert bildete (Zenses 2014, S. 17). Während der Kottenforst 1549 in den Besitz des Kölner Erzbischofes gelangte und von der Bevölkerung weitestgehend nicht genutzt werden durfte, wurde der Villewald in ortsnahen Lagen intensivst zur Gewinnung von Brenn- und Bauholz sowie als Waldweide genutzt. In der Franzosenzeit wurde der Villewald französischer Staatsforst; in preußischer Zeit wurde er zur Deckung des steigenden Brenn- und Bauholzbedarfes mit Nadel-und Laubbäumen zur Bestandssicherung aufgeforstet (Zenses 2014, S. 17ff).
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Die Wiege des Braunkohlenbergbaus - das Südrevier
Wegen der zunehmenden Brennholzverknappung und der Tatsache, dass die Braunkohle aufgrund der tektonischen Gegebenheiten hier direkt unter der Erdoberfläche in einfachen Gruben gewonnen werden konnte, nahm im Laufe des 18. Jahrhunderts die Entwicklung des Rheinischen Braunkohlenreviers im sogenannten Südrevier zwischen Walberberg, Brühl und Erftstadt ihren Anfang. Wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch Klütten erzeugt, erfolgte ab 1876/1877 auf der Roddergrube bei Brühl die Produktion von Briketts in einer Brikettfabrik, der bis zum Ersten Weltkrieg weitere Fabriken (Grube Brühl 1881, Ribbert 1886, Türnich 1890, Theresia 1891, Gruhlwerk 1892 und Donatus 1892) und die Erweiterung von Gruben folgten (Buschmann 2008, S. 269 u. 274).

Anfangs wurde die Kohle in vielen kleinen Gruben und von vielen kleinen Gewerkschaften abgebaut, gegen Ende des 19. Jahrhunderts fusionierten diese jedoch und auch im Bereich der Brikettfabriken wurden Erweiterungen und Modernisierungen vorgenommen. Um 1908 hatten sich mit der „Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation“ (RAG) sowie der Roddergrube zwei Großkonzerne herausgebildet (Buschmann 2008, S. 274). Weitere Meilensteine waren die infrastrukturelle Erschließung des Südreviers durch die Eisenbahn sowie die Anfänge der Verstromung von Braunkohle mit dem Kraftwerk Berggeist (1900) (Buschmann 2008. S. 274), ab 1912 verstärkt durch die Inbetriebnahme des Kraftwerkes Goldenbergwerk bei Knapsack. Durch die Eisenbahn, mit der auch kleine Gruben Anschluss fanden und auch der Rheinhafen in Wesseling angebunden wurde, konnte der Brikettabsatz verstärkt und die Versorgung der Kraftwerke mit Braunkohle effizienter gestaltet werden.

In der Nähe einiger Gruben ließen die Bergbaubetreiber Siedlungen für ihre Mitarbeiter errichten. Davon sind im östlichen Bereich der Liblarer Seenplatte einige frühe Beispiele erhalten.
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Die Rekultivierung
Zwischen 1950 und 1980 neigten sich die Braunkohlenvorräte ihrem Ende entgegen, der Abbau lief aus und wurde in den nördlich gelegenen Bereichen der Ville aufgenommen. Sofern die Brikettfabriken nicht im Zuge der Erweiterung von Abbaufeldern abgerissen worden waren, wurden sie nun zurückgebaut. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Schmalspurbahnen. Heute sind keine Betriebsflächen mehr erkennbar, da die Bergbautreibenden zur Wiederinstandsetzung verpflichtet waren. Diese Rekultivierungsmaßnahmen können in Phasen eingeteilt werden, welche sich im heutigen Landschaftsbild widerspiegeln – im Kulturlandschaftsbereich Liblarer Seenplatte dominiert die forstwirtschaftliche Rekultivierung.

Ab 1920 bis zur einschneidenden Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde der südliche Teil des Kulturlandschaftsbereichs zwischen Berggeistweiher und der Linie Ober-Mittel- und Untersee nahezu vollständig forstwirtschaftlich rekultiviert. In diesen ältesten Rekultivierungsstandorten des Rheinischen Reviers erfolgte die Wiederaufforstung experimentell mit verschiedenen Baumarten, wie Kiefern-, Buchen-, Eichen- und Lärchen, da Erfahrungen zu geeigneten Sorten bei den veränderten Standorteigenschaften fehlten („Experimentierphase“). Die aufgeforsteten Baumbestände fanden auf den sich hier entwickelnden Böden aus nicht verdichtetem Abraum (Kies, Sand, Löss und Lösslehm) sehr gute Wachstumsbedingungen (Zenses 2014, S. 24 / forschungsstellerekultivierung.de).

Nördlich der Linie Ober-Mittel- und Untersee befanden sich die Tagebaue der Nachkriegszeit, in denen in größeren Tiefen und mit besseren technischen Hilfsmitteln die tiefliegenden Kohlenflöze abgebaut werden konnten. Entsprechend enthielt der Abraum, der als Ausgangssubstrat im Rahmen der Rekultivierung wieder aufgetragen wurde, zunehmende Anteile Tone und Sande, aus denen sich kleinräumig wechselnd staunasse, nährstoffarme und trockene Böden bildeten. Da durch die Kriegszeit ein Rekultivierungsdefizit aufgetreten war, wurden nun schnell wachsende Erlen- und Pappelbestände als „Vorwald“ gepflanzt, um den Boden für anspruchsvollere Baumarten vorzubereiten. Später wurden die Bestände dieser sogenannten „Pappelphase“ in Laubmischwälder aus Hainbuchen, Linden, Eschen, Stieleichen etc. umgewandelt (Zenses 2014, S. 24).
Neben den Waldbeständen bestimmt das aus dem Abbau in kleinen Gruben resultierende unregelmäßige Kleinrelief den landschaftlichen Charakter. In den flachen Restlöchern der ehemaligen Abbaubereiche entwickelten sich auf den direkt unter den Kohleflözen anstehenden Tonschichten Grundwasserseen. Von diesen stehen heute viele unter Naturschutz.

Insgesamt ist die Liblarer Seenplatte „mit ihren zahlreichen Seen in den Restlöchern der Tagebauanlagen, den Halden und Dämmen und den unterschiedlich alten Waldbeständen (…) heute für die Menschen der Region, und nicht nur für diese, ein hochgeschätztes, landschaftlich abwechslungsreiches Erholungsgebiet im Naturpark Rheinland“ (Zenses 2014, S. 24). Dessen Gründung wurde 1959 notwendig, um den Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Tourismus zu moderieren.
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Kulturhistorische Bedeutung
Als ältester Bereich („Keimzelle“) des Rheinischen Braunkohlenreviers, als sogenanntes „Südrevier“, mit unregelmäßigem Kleinrelief, zahlreichen Restseen und erhaltenen Werkssiedlungen (Ende 19. / Anfang 20. Jahrhundert) stellt die Liblarer Seenplatte ein wichtiges Zeugnis für den vorindustriellen Braunkohlenabbau in kleinen Gruben dar. Zudem ist sie das älteste Rekultivierungsgebiet des Rheinischen Braunkohlenreviers mit überwiegender forstwirtschaftlicher Rekultivierung als Zeugnis der Rekultivierungsmethoden zwischen den Weltkriegen. Heute ist dieser Bereich von hoher naturschutzfachlicher und touristischer Bedeutung als Naherholungsgebiet und hat eine hohe assoziative Bedeutung für die Geschichte der Energiegewinnung in Nordrhein-Westfalen. Wertvolle Restbestände des historischen Villewaldes sind stellenweise erhalten.
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Hinweise
Das Objekt „Liblarer Seenplatte“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Rekultivierung Liblar - Brühl (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 158).
Die Liblarer Seenplatte war KuLaDig-Objekt des Monats im September 2015.

(Nicole Schmitz, LVR-Fachbereich Umwelt, 2014)

Internet
forschungsstellerekultivierung.de: Forschungsstelle Rekultivierung: Südrevier (abgerufen 01.08.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 26.09.2017)
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Literatur

Buschmann, Walter; Gilson, Norbert; Rinn, Barbara / Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2008)
Braunkohlenbergbau im Rheinland. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen 1, Rheinland.) Worms.
Zenses, Elisabeth (2014)
Waldlandschaften des Villerückens. In: Erlebnis Kottenforst und Villewald, S. 9-24. Rheinbach.

Liblarer Seenplatte

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Liblarer See
Ort
50374 Erftstadt - Liblar
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
50° 49′ 45,24″ N, 6° 50′ 49,73″ O / 50.82923°, 6.84715°
Koordinate UTM
32U 348388.44 5633044.1
Koordinate Gauss/Krüger
2559728.91 5632991.81

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Liblarer Seenplatte”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-105209-20141008-6 (Abgerufen: 21. August 2018)
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