Skisprungschanze des Wintersportvereins Köln in Hollerath

während der NS-Zeit „Adolf-Hitler-Schanze“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde
Gemeinde(n): Hellenthal
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 27′ 50,38″ N: 6° 23′ 55,9″ O 50,464°N: 6,39886°O
Koordinate UTM 32.315.396,13 m: 5.593.454,64 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.528.364,50 m: 5.592.096,19 m
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    Skisprungschanze (Adolf-Hitler-Schanze)

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    Skisprungschanze Hollerath (Adolf-Hitler-Schanze)

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    Skisprungschanze Hollerath (Adolf-Hitler-Schanze)

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Etwa einen Kilometer nordwestlich vom Ortszentrum Hollerath liegt am Hang des Thiessiefen unmittelbar an einem Waldweg der Rest einer ehemaligen Skisprungschanze. Die Sportanlage wurde 1932 bis 1934 vom Wintersport-Verein Köln (WSV) gebaut und am 15. September 1934 als „Adolf-Hitler-Schanze“ eingeweiht. Aufgrund ausbleibender Schneemengen fand die sportliche Eröffnung, das Einspringen, erst 1936 statt.

Sie bestand aus einem, auf 32 Betonfundamenten gelagerten, hölzernen Anlaufturm aus Fichtenstämmen von 18 bis 20 Meter Höhe, dem gemauerten Sprungtisch sowie dem im unteren Bereich auf 40 Meter verbreiterten Lande- und Auslaufhang. Der K-Punkt, d. h. die maximale Weite in der eine sichere Landung möglich war („kritischer Punkt“), lag bei 50 Meter von der Absprungkante aus gemessen. Die gesamte Anlage war zwischen 200 und 230 Meter lang, maximal 40 Meter breit und zwischen oberster Anlaufkanzel und niedrigstem Punkt des Auslaufes bestand ein Höhenunterschied von mindestens 80 Metern.

Mit den Wintersportgebieten im Bergischen Land (vgl. dort etwa die Engelnberg-Schanze) und besonders im Hochsauerland konnte die Anlage aufgrund der unsteten winterlichen Witterungsverhältnisse auch in den 1930er Jahren nicht konkurrieren. Die Schanze war nie Austragungsort größerer Wettkämpfe und dementsprechend nur von überregionaler Bedeutung.
In den Kämpfen zwischen deutschen und amerikanischen Truppen wurde die Anlage im Winter 1944/45 schließlich zerstört. Eine wesentlich kleinere Anlage wurde 1953 Jahren unmittelbar neben dem gemauerten Schanzentisch errichtet, doch aufgrund der unsteten Schneeverhältnisse auch nur unregelmäßig genutzt. Wie auf einem Foto des Kreismedienzentrums Euskirchen aus dem Jahr 1972 zu erkennen ist, stand zu dieser Zeit noch ein hölzerner Anlaufturm. Die Schanze ist scheinbar bis in die 1970er-Jahre genutzt worden, was auch von Seiten des Kölner Wintersportvereins bestätigt wurde.

Bodendenkmal
Die „Skisprungschanze Hollerath“ ist mit Eintragung vom 23.11.2023 ein eingetragenes Bodendenkmal (Gemeinde Hellenthal, UDB-Nr. Bo/0019 / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Nr. EU 358).
Der Schutzbereich umfasst die im Digitalen Geländemodell sichtbaren Überreste der Anlage sowie das Areal des Anlaufturmes mit im Boden erhaltenen Betonfundamenten sowie den Auslaufhang. Zudem wurde ein Puffer von bis zu 10 Metern veranschlagt, da die genauen Abgrenzungen der Sportanlage aus den verfügbaren Quellen nicht eindeutig zu definieren sind, aber über die heute im Gelände sichtbaren Befunde hinausgingen.

Denkmalrechtliche Begründung (Auszug)
Das Bodendenkmal „Skisprungschanze Hollerath“ erfüllt die Voraussetzungen nach § 2 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 DSchG NRW zur Aufnahme als ortsfestes Bodendenkmal in die Liste der Bodendenkmäler. An der Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse, weil das Bodendenkmal bedeutend ist für die Geschichte des Menschen. ...
Als einzige Skisprungschanze im linksrheinischen Nordrhein-Westfalen ist die Schanze ein einzigartiges Zeugnis der Sportgeschichte des Landes. In der Eifel existierte mit der 1938 eröffneten Schanze an der „Hohen Acht“ in Rheinland-Pfalz lediglich eine einzige weitere Anlage.
Neben dem sportlichen Alleinstellungsmerkmal zeigt die Anlage aufgrund ihrer Historie auch die politischen Dimensionen des Sports und seine Vereinnahmung und Gleichschaltung durch bzw. seine proaktive Eingliederung in die NS-Ideologie. ...
Die Presseberichte anlässlich der Eröffnung der Sportanlage sind in ihrem Duktus jedenfalls eindeutig und messen der Sportanlage in der „Grenzlandregion“ Eifel nicht etwa eine grenzübergreifende und das verbindende Element des Sports betonende, sondern eine abgrenzende und das eigene „Volk“ gegenüber Bedrohungen stärkende Bedeutung zu.
Als besonderes Merkmal für die Geschichte des Ortes Hollerath ist der erhoffte Aufschwung durch den Wintersporttourismus anzuführen.

An der Erhaltung und Nutzung besteht wegen seiner wissenschaftlichen Bedeutung, insbesondere aus historischen und sporthistorischen Gründen ein Interesse der Allgemeinheit. ...
Nicht überprägte, aufgelassene Sportanlagen wie die Skisprungschanze in Hollerath mit ihrer guten Erhaltung bilden eine seltene Ausnahme und den physischen Überresten verleiht diese Tatsache einen besonderen Denkmalwert als eigenständige archäologische Quelle. Archäologische Untersuchungen können dazu beitragen, die Geschichte der Anlage besser zu verstehen und neue bislang unbekannte Quellen zu erschließen. Datierende Funde und Befunde aus der Zeit der Errichtung, Nutzung, Aufgabe sowie aus der Nachnutzungszeit enthalten wertvolle Informationen, die nur mithilfe archäologischer Methoden gewonnen werden können. ... Durch Kleinfunde können Hinweise auf die Erbauer, die Sportler und die Zuschauer gewonnen werden.


Lage, Objektgeometrie
Auf den historischen topographischen Karten TK 1936-1945 findet sich das Areal mit „Sprungschanze“ angeführt (vgl. Kartenansicht, technisch bedingt etwas verschoben zur eigentlichen Lage). In gleicher Weise ist die Wintersportanlage in den Messtischblättern 1939 und 1955 verzeichnet (vgl. landkartenarchiv.de).

(Jost Mergen, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2024 / Ergänzungen von Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2024)

Quellen
Historische Zeitungen im Zeitungsportal zeit.punktNRW, online unter zeitpunkt.nrw (abgerufen 2023, Suchbegriffe „Skisprungschanze Hollerath“, „Adolf-Hitler-Sprungschanze Hollerath“ in den entsprechenden Jahrgängen).

Internet
www.skisprungschanzen.com: Skisprungschanzenarchiv, Datenbank zu Skisprungschanzen weltweit, Hollerath (abgerufen 12.01.2024)
wsv-koeln.de: Wintersportverein WSV Köln (mit einem Kurzfilm und einigen Sequenzen zum Bau und Betrieb der Hollerather Sprungschanze, abgerufen 12.01.2024)
landkartenarchiv.de: Topographische Karte 1:25.000 (5504) Hellenthal, Meßtischblatt 1939 und Meßtischblatt 1955 (abgerufen 12.01.2024)
de.wikipedia.org: Adolf-Hitler-Schanze (abgerufen 12.01.2024)
de.wikipedia.org: Liste der Bodendenkmäler in Hellenthal (noch ohne die Skisprungschanze Hollerath, abgerufen 12.01.2024)
www.volksfreund.de: Als Kölner zum Skispringen in die Eifel kamen (Text Stephan Everling, Volksfreund vom 20.01.2016, abgerufen 12.01.2024)

Skisprungschanze des Wintersportvereins Köln in Hollerath

Schlagwörter
Ort
53940 Hellenthal - Hollerath
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1932 bis 1934, Ende 1970 bis 1980

Empfohlene Zitierweise

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Jost Mergen (2024): „Skisprungschanze des Wintersportvereins Köln in Hollerath”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-346097 (Abgerufen: 20. April 2024)
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