Niederungsburg „Alte Burg“ Hemmersbach in Horrem

erhalten als Mottenhügel im Stadtpark Horrem

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Archäologie
Gemeinde(n): Kerpen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 27,91″ N: 6° 42′ 13,9″ O 50,90775°N: 6,70386°O
Koordinate UTM 32.338.570,44 m: 5.642.077,99 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.549.550,76 m: 5.641.620,57 m
  • Geländespuren in Form von Wällen im Bereich der "Alten Burg" im Stadtpark Kerpen-Horrem, vermutlich Überreste des einstigen Mottenhügels (2022).

    Geländespuren in Form von Wällen im Bereich der "Alten Burg" im Stadtpark Kerpen-Horrem, vermutlich Überreste des einstigen Mottenhügels (2022).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
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  • Geländespuren in Form von Wällen im Bereich der "Alten Burg" im Stadtpark Kerpen-Horrem, vermutlich Überreste des einstigen Mottenhügels (2022).

    Geländespuren in Form von Wällen im Bereich der "Alten Burg" im Stadtpark Kerpen-Horrem, vermutlich Überreste des einstigen Mottenhügels (2022).

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  • Geländespuren in Form von Wällen und eines Wassergrabens im Bereich der "Alten Burg" im Stadtpark Kerpen-Horrem, vermutlich Überreste der einstigen Motte (2022).

    Geländespuren in Form von Wällen und eines Wassergrabens im Bereich der "Alten Burg" im Stadtpark Kerpen-Horrem, vermutlich Überreste der einstigen Motte (2022).

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  • Blick auf das Spielfeld des "Graf-Berghe-von-Trips-Stadions" am Stadtpark Kerpen-Horrem nahe der "Alten Burg" (2022).

    Blick auf das Spielfeld des "Graf-Berghe-von-Trips-Stadions" am Stadtpark Kerpen-Horrem nahe der "Alten Burg" (2022).

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Namensgebend für die zumeist „Alte Burg“ genannte Burganlage Hemmersbach im Stadtwald Horrem soll ein um das Jahr 980 auftretender Edelmann Wigmannus von Heymenbach sein (de.wikipedia.org). Erstmals urkundlich erwähnt wird im Jahr 1077 ein edelfreier Ritter Wicmanus de Hemersbach (www.ebidat.de). Aus den Namen Heymenbach bzw. Hemersbach wurde im Laufe der Jahre die heutige Schreibung Hemmersbach.
Über den offenbar früh verfallenen Vorgängerbau der hier behandelten „Alten Burg“ im heutigen Stadtwald in der Erftniederung ist kaum etwas bekannt. Dieser lag wohl auf einem Hügel, nahe des wahrscheinlich um 1100 erbauten Nachfolgebaus, über dessen bauliche Entwicklung bis 1366 jedoch ebenfalls keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen.

In der Burgendatenbank ebidat legt der Kunsthistoriker und Burgenforscher Hans-Jürgen Greggersen dar, dass im Jahr 1176 ein Wilhelm von Hemmersbach sein Allod (d.h. sein freies Eigentum) dem Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg übertrug und es von diesem als Lehen zurück übernahm (d.h. mit erblichem Nutzungsrecht). Da im Verzeichnis der erzbischöflichen Gütererwerbungen offenbar der ursprüngliche Stammsitz der Herren von Hemmersbach gemeint ist und dieser dort ausdrücklich als castrum (Burg) bezeichnet wird, nimmt Greggersen an, dass es sich bei der genannten Anlage „wahrscheinlich ... um die Anlage auf dem so genannten Knöffelsberg handelte.“ Die spätestens im 14. Jahrhundert verlassene und heute noch als Burghügel erhaltene Hochmotte Knöffelsberg wäre demnach der eigentliche „erste“ Sitz derer von Hemmersbach.
Nach dem Aussterben der Linie der Hemmersbacher gelangte die „Alte Burg“ um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert durch Heirat in den Besitz eines Zweiges des hochadligen Uradelsgeschlechts von Merode. Die Familie von Merode wiederum geht (wie auch einige andere Geschlechter) auf die ursprünglich edelfreie Familie der Herren von Kerpen zurück, die zwischen 1065 und 1071 über den Reichsministerialen Werner von Kerpen (Warnerus de Kerpene) erste Erwähnung fand.
Hans-Jürgen Greggersen berichtet weiterhin zum Ende der Burg: „Da Johann Scheiffart von Merode die auf der nahe vorbeiführenden Köln-Aachener Straße verkehrenden Kaufleute immer wieder überfiel, wurde die Burg in der Hemmersbacher Fehde 1366 nach langer Belagerung durch Stadtkölner und Brabanter Truppen eingenommen und zerstört. Anderen Interpretationen nach wurde die Burg aus ungeklärten Gründen aufgegeben.“

Auch im Geschichtlichen Atlas der Rheinlande (GARh) wird die Besonderheit der Anlagen in der Gemarkung von Kerpen-Horrem angeführt, wo eine zweimalige Verlagerung der herrschaftlichen Burg festzustellen ist:
„Die Edelherren von Hemmersbach gaben ihre im 11. Jahrhundert auf einem Villeausläufer angelegte Hochmotte Hemmersbach-Knöffelsberg wahrscheinlich im 13. Jahrhundert zugunsten der Großmotte Hemmersbach-Alte Burg mit aufwendigen Graben- und Wallanlagen in der Erftniederung auf, um schließlich im 14. Jahrhundert erftabwärts für ihre steinerne Wasserburg Hemmersbach einen neuen Standort zu finden.“ (Friedrich / Päffgen 2007, S. 23).
Im GARh führt Wilhelm Janssen (2008, S. 25) „Hemmersbach“ und „Horrem“ undatiert als dem Erzstift Köln lehensabhängige Burgen an, die beide außerhalb des Territoriums Kurköln liegen.

Im GARh wird weiterhin dargestellt, dass die Burg auf dem Mottenhügel von einem Graben-Wall-System umgeben war und Hauptburg und Vorburg durch eine Brücke verbunden wurden. Im Katalog wird die Anlage Hemmersbach-Alte Burg wie folgt beschrieben (Friedrich / Päffgen 2007, S. 19 u. 66):
Anlage (Beschreibung, Datierung): Motte „Alte Burg Hemmersbach“, wohl hochmittelalterlich in Nachfolge der Hochmotte Knöffelsberg (arch. Funde).
Bausubstanz: Burghügel, unregelmäßige Vorburg, weitere Wälle.
Historische Überlieferung: Bei Caesarius von Heisterbach im Dialogus miraculorum XI, c. 7 erwähnt; Anlage 1366 zerstört; Nachfolgeanlage dann wohl die Wasserburg Hemmersbach etwas weiter erftabwärts.
Archäologische Untersuchung: Beobachtungen durch B. Päffgen; Funde von Pingsdorfer und Siegburger Ware.

Ebenfalls im GARh führt Frankewitz (2007, S. 51) ein Festes Haus in Horrem über Urkundenbelege für die Jahre vor der Niederlegung der „Alten Burg“ an: Für das Jahr 1363 eine „Belehnung mit Festem Haus (fortalicio)“ und dann für 1366 mit einer Nennung von „Johann van Efferen syn huss zu Horrem zu huden“. Der Autor schränkt aber zugleich ein, dass dessen Lage unsicher sei, da „von mir ohne Grund mit der Motte lokalisert“.

Reste der Burg sind heute noch als Mottenhügel erhalten. Die zweiteilige Grabenanlage hat eine Größe von rund 170 mal 150 Metern. Haupt- und Vorburg umschließt ein doppeltes Grabensystem, das sich deutlich im Gelände abzeichnet. Der Hügel der Hauptburg hat einen Durchmesser von etwa 40 Metern und eine Höhe von noch 3,5 Metern. In westlicher Richtung schließen sich an: ein 15 Meter breiter Graben, ein innerer Damm von elf Metern Breite und 2 Metern Höhe, der zweite Graben mit einer Breite von elf Metern und der äußere Damm von acht Metern Breite und eine Höhe von über einem Meter. Südöstlich der Hauptburg liegt der Vorburgbereich, im Grundriss etwa rechteckig.
Nach Westen hin wird das frühere Burgareal vom erhaltenen Damm der einstigen Bergheimer Kreisbahn begrenzt, die zugleich ein Abschnitt der nie vollendeten Strategischen Bahnlinie war. Südöstlich grenzt eine Sportanlage an das Areal von früherer Burg und heutigem Park, das „Graf-Berghe-von-Trips-Stadion“. Nordlich von diesem (am zum Park gehörenden Parkplatz) steht ein dem Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips (1928-1961) gewidmetes Denkmal.

Als Nachfolgebauwerk der „Alten Burg“ gilt die Burg Hemmersbach, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts etwa einen Kilometer nördlich unter Heinrich Scheiffart von Merode errichtet wurde. Diese Burg kam Mitte des 18. Jahrhunderts an die adlige Familie Berghe von Trips, in deren Besitz sie bis 1984 blieb.

Bodendenkmal, Hinweis
Das Objekt „Alte Burg Hemmersbach, Horrem“ ist mit Eintragung vom 19. Juni 2002 unter der laufenden Nr. BM 145 (Untere Denkmalbehörde Stadt Kerpen / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland) als Bodendenkmal geschützt.
Die Alte Burg Hemmersbach ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereichs Erftniederung bei Horrem (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 081).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2022)

Quelle
Hinweise und Ergänzungen zu den archäologischen Befunden von Herrn Dr. Claus Weber, Stade, 2022.

Internet
www.ebidat.de: Hemmersbach, Motte (Text Hans-Jürgen Greggersen, abgerufen 30.05.2022)
www.ebidat.de: Knöffelsberg (Text Hans-Jürgen Greggersen, abgerufen 12.07.2022)
www.stadt-kerpen.de: Bodendenkmäler im Stadtgebiet Kerpen (PDF-Datei, 42 kB, Stand 30.03.2017, abgerufen 12.07.2022)
www.stadt-kerpen.de: Baudenkmäler im Stadtgebiet Kerpen (PDF-Datei, 32 kB, Stand Oktober 2020, abgerufen 12.07.2022)
de.wikipedia.org: Burg Hemmersbach (abgerufen 12.07.2022)

Literatur

Frankewitz, Stefan (2007)
Landesburgen, Burgen, Schlösser und Feste Häuser bis 1500 im Spiegel der Schriftzeugnisse. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IV.12.) Bonn.
Friedrich, Reinhard; Päffgen, Bernd (2007)
Mittelalterliche Burganlagen in Kölner Bucht und Nordeifel bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IV.11.) Bonn.
Hinz, Hermann (1969)
Kreis Bergheim. In: Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes, Band 2, S. 254-255, Düsseldorf.
Janssen, Wilhelm (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Kurköln. Rheinisches Erzstift. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V. 14-15.) Köln.
Müller-Wille, Michael (1966)
Mittelalterliche Burghügel im nördlichen Rheinland. (Beihefte der Bonner Jahrbücher, 16.) S. 66 Nr. 75, Köln u. Graz.
Ohm, Annaliese; Verbeek, Albert (1971)
Kreis Bergheim: Heppendorf-Kerpen. In: Die Denkmäler des Rheinlandes 16, S. 42, Düsseldorf.

Niederungsburg „Alte Burg“ Hemmersbach in Horrem

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Merodestraße
Ort
50169 Kerpen - Horrem
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1080 bis 1120, Ende nach 1366

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Empfohlene Zitierweise
„Niederungsburg „Alte Burg“ Hemmersbach in Horrem”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343905 (Abgerufen: 21. Juni 2024)
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