Wahner Heide im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Militär und Flughafen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Naturschutz
Gemeinde(n): Köln, Lohmar, Rösrath, Siegburg, Troisdorf
Kreis(e): Köln, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 51′ 16,99″ N: 7° 08′ 39,66″ O 50,85472°N: 7,14435°O
Koordinate UTM 32.369.388,11 m: 5.635.310,01 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.580.623,64 m: 5.636.109,14 m
  • Video über die Wahner Heide (2022)

    Video über die Wahner Heide (2022)

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  • Rehe in der Wahner Heide (2021)

    Rehe in der Wahner Heide (2021)

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  • Naturschutzgebiet Wahner Heide (2021)

    Naturschutzgebiet Wahner Heide (2021)

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    Naturschutzgebiet Wahner Heide (2021)

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    Naturschutzgebiet Wahner Heide (2021)

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    Naturschutzgebiet Wahner Heide (2021)

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    Rehe in der Wahner Heide (2021)

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  • Weg mit einer Informationstafel in der Wahner Heide (2021)

    Weg mit einer Informationstafel in der Wahner Heide (2021)

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  • Heidelandschaft in der Wahner Heide (2021)

    Heidelandschaft in der Wahner Heide (2021)

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  • Überreste der militärischen Nutzung der Wahner Heide (2021)

    Überreste der militärischen Nutzung der Wahner Heide (2021)

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  • Weg in der Wahner Heide (2021)

    Weg in der Wahner Heide (2021)

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  • Heidelandschaft in der Wahner Heide (2021)

    Heidelandschaft in der Wahner Heide (2021)

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Die Wahner Heide liegt süd-östlich von Köln am Übergang des rheinischen Schiefergebirges zur niederrheinischen Bucht und ist Teil der Bergischen Heideterrasse. Damit stellt sie die rechtsrheinische Mittelterassenlandschaft des Rheins dar und wird südlich von dem Mündungslauf der Sieg und nördlich von der Dhünn begrenzt. Naturräumlich grenzt sie außerdem Richtung Norden an den Königsforst und südlich an das Siebengebirge an.
Das gesamte Gebiet der Wahner Heide umfasst eine Fläche von circa 47 Quadratkilometern. Einen Großteil dieser Fläche nimmt das Naturschutzgebiet Wahner Heide ein, damit ist es das zweitgrößte und artenreichste Natur- und Vogelschutzgebiet Nordrhein-Westfalens. Der Rest der Fläche entfällt heute hauptsächlich auf angrenzende Siedlungsflächen, einen Militärübungsplatz und den Flughafen Köln/Bonn. In der Vergangenheit und heute ist die Wahner Heide durch die vielen verschiedenen Nutzungen immer wieder Teil verschiedener Konflikte zwischen den Akteuren Naturschutz, Militär, Flughafen und Zivilgesellschaft.

Naturschutz
Die Wahner Heide erhielt bereits 1931 den Status eines Naturschutzgebiets und bietet heute einer außergewöhnlich hohen Anzahl von Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Die Ursachen des einzigartigen Artenreichtums liegen einerseits in den naturräumlichen Voraussetzungen der Wahner Heide. So findet sich ein sehr kleinräumiger Wechsel von sehr trockenen und sehr feuchten Bereichen, der zu einer Vielzahl an kleinteiligen Lebensräumen führt. Andererseits führte die jahrhundertelange intensive menschliche Nutzung der Fläche aber auch zur Unterdrückung der natürlichen Sukzession, also einer Offenhaltung der Landschaft und Erhaltung der Heidevegetation. Die naturschutzfachlich hochwertigen Flächen der Wahner Heide stellen heute also eine über Jahrhunderte entwickelte Kulturlandschaft dar. Die Erhaltung der außergewöhnlichen Biodiversität erfordert allerdings auch heute noch Eingriffe und Erhaltungsmaßnahmen im Naturschutzgebiet. Seit 2013 mit Besitzerwechsel zur DBU Naturerbe GmbH ist das Ziel, das Naturschutzgebiet Wahner Heide dauerhaft zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar zu machen. So finden regelmäßig Wanderungen und Führungen durch die Wahner Heide statt und es wurden einige Informationspunkte eingerichtet.

Militär
Militärisch durchlebte die Wahner Heide viele Besitzerwechsel - 1918 die kanadischen Truppen, 1919 die Briten, 1920 die Franzosen, die Amerikaner und schließlich die Belgier. Dessen militärische Nutzung der Landschaft hat andere Verwendungen weitgehend ausgeschlossen, weshalb es auch zum Aussetzen von Entwässerungsmaßnahmen und Aufforstung kam, was zu einer Erholung der Feuchtbiotope führte. Gleichzeitig erhielten regelmäßige Brände, hervorgerufen durch Infanterie- und Artillerieübungen der Besatzungsmächte, die nun vorherrschende offene Heidelandschaft.

Dieser Zustand änderte sich mit der Durchsetzung des Versailler Vertrags. Die Wahner Heide wandelte sich 1926 zu einer neutralen Zone ohne Truppenstationierung. Von da an kam der Gedanke zur Umgestaltung der Landschaft als Kultur- und Naturpark mit Festspielen, Sportwettkämpfen und Farmen oder der Wiederherstellung der ehemaligen Wacholderheide auf. Dieses Unterfangen wurde jedoch durch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933 zerschlagen, da er zur ursprünglichen Millitärnutzung zurückkehrte. Die intensive Schießtätigkeit ließ keine andere Nutzung mehr zu, wodurch anderweitiger Gebrauch der Fläche größtenteils eingestellt wurde und das Betreten nur noch am Wochenende genehmigt war. Das Besatzungsrecht durch das Pariser Protokoll wurde von den belgischen Truppen ausgenutzt, um durch illegalen kommerziellen Tonabbau weiter Profit aus der Fläche zu schlagen. Erst 1955 war die Heide wieder für jeden zugänglich und wird seitdem als Erholungsgebiet geschätzt und gefördert.

Mithilfe der Beweidung durch Schafe werden heutzutage Abtragungen des Bodens durch frühere Panzerbefahrung simuliert. Dadurch bleibt die Heidelandschaft nährstoffarm und lückenhaft und auf diesen Standort spezialisierte Arten bleiben erhalten. In der Roten Zone, dem militärischen Sicherheitsbereich der Wahner Heide rund um den Moltekberg, ist bis heute noch die deutsche Bundeswehr aktiv.

Flughafen Köln/Bonn
Ab 1959 wurde mitten in das bestehende Naturschutzgebiet der Wahner Heide der Flughafen Köln/Bonn gebaut. Gründe für den Bau waren die günstige Lage zwischen Köln und der damaligen Bundeshauptstadt Bonn und der Bedarf eines zivilen Flughafens. Seit der Fertigstellung 1961 umfasst der Flughafen ein gesichertes Areal von 10 Quadratkilometern und ist mit über 3.000 Arbeitsplätzen in verschiedenen Tätigkeitsfeldern, wie den Luftverkehrsgesellschaften und Nebenbetrieben, ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die Metropolregion Köln Bonn. Während die bebauten Flächen durch Start-und Landebahnen sowie die Gebäude etwa 280 Hektar entsprechen, dient das übrige Flughafengebiet als Sicherheitsfläche. Eine weitere Bebauung der Wahner Heide durch Erweiterungspläne des Flughafens wurde bis heute durch Proteste und Bürgerbegehren verhindert, da diese Pläne eine Umsiedlung von Altenrath vorsahen. Durch die Lage des Flughafens gibt es seit dem Bau einen Grundkonflikt, der bis heute nicht gelöst ist. Dieser Grundkonflikt beruht vor allem auf dem Verlust von Lebensräumen von Flora und Fauna durch Maßnahmen wie Einebnung, Trockenlegung, Verlegung von Bachläufen und der Versiegelung von Flächen. Für die Artenvielfalt hat der Flughafen schwere Auswirkungen durch massive Lichtemissionen, Schadstoffemissionen und Lärmemissionen. Um den durch bauliche Maßnahmen entstandenen Schaden an den Lebensräumen auszugleichen, wurden von der Seite des Flughafens Kompensationsmaßnahmen ergriffen. So betreibt der Flughafen beispielsweise seit 1997 eine Kompensationsmaßnahme durch den Glanhof, bei welchem durch extensive Beweidung von unterschiedlichen Nutztieren der zunehmenden Waldentwicklung entgegengewirkt wird und die Hauptaufgabe des Naturschutzes, die Offenlandschaften freizuhalten, unterstützt wird.

Durch die Nähe des Flughafens zum Naturschutzgebiet gibt es auch Auswirkungen, bei denen es auf der Seite der Flughafenbetreiber zu Problemen kommt, wie zum Beispiel Vogelschläge. Da Zusammenstöße mit Vögeln keine Seltenheit sind und Schäden in Millionenhöhe entstehen können oder im Falle von Flugzeugen mit einem Triebwerk in der Vergangenheit auch zu Totalverlusten mit Toten endete, mussten Maßnahmen eingeführt werden, um das Risiko durch Vogelschläge zu minimieren. Viele Maßnahmen, wie durch elektroakustische Signale kritische Vogelarten dem Flughafen fernzuhalten, brachten bis heute keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Dem folgten im 1974 festgehaltenen Gutachten von Herrn J. Hild „Die ökologischen Verhältnisse auf dem Flughafen Köln/Bonn sowie die Möglichkeiten zur Verhütung von Vogelschäden im Luftverkehr“ Maßnahmen, welche durch Umgestaltung der Lebensräume sorgen soll, dass kritische Vogelarten dem Flughafengebiet fernbleiben. Zu diesen Maßnahmen gehörten unter anderem die Aufforstung der Gebiete mit dichten Gehölzen, die Einstellung des Schafweidegangs, der Einstellung der landwirtschaftlichen Nutzung und die Einstellung jeglicher Grasdüngung. Außerdem zählen die Bestellung eines Vogelbeauftragten, aber auch die Einrichtung einer „Bird-Control“-Einheit, welche im Notfall durch pyroakustische Mittel oder Einsatz von scharfen Schüssen Vögel vertreiben, zu den Maßnahmen.

(Simon Anthofer, Jasmin Tannhäuser, Rahel Paasch, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2022)

Quellen
Interviews mit Holger Sticht (Landesvorsitzender des BUND NRW e.V.) und Beate von Berg (Portalleiterin Burg Wissem Wahner Heide), 2022.

Internet
dbu.de: DBU-Naturerbefläche Wahner Heide (abgerufen 04.04.2022)

Wahner Heide im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Militär und Flughafen

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1931

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Simon Anthofer (2022), Jasmin Tannhäuser (2022), Rahel Paasch (2022): „Wahner Heide im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Militär und Flughafen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343563 (Abgerufen: 4. Juli 2022)
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