Ortsgemeinde Laubenheim

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Laubenheim
Kreis(e): Bad Kreuznach
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 55′ 9,84″ N: 7° 53′ 16,61″ O 49,9194°N: 7,88795°O
Koordinate UTM 32.420.170,12 m: 5.530.262,08 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.420.213,37 m: 5.532.034,85 m
  • Die Ortsgemeinde Laubenheim von der anderen Naheseite aus (2021)

    Die Ortsgemeinde Laubenheim von der anderen Naheseite aus (2021)

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  • Das Wappen der Ortsgemeinde Laubenheim

    Das Wappen der Ortsgemeinde Laubenheim

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  • Historische Fotografie des Gasthauses "Gasthaus zum Nahetal", später "Gasthaus Best" in der Rathausstraße in Laubenheim a. d. Nahe (um 1910)

    Historische Fotografie des Gasthauses "Gasthaus zum Nahetal", später "Gasthaus Best" in der Rathausstraße in Laubenheim a. d. Nahe (um 1910)

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  • Historische Fotografie des Kolonialwarenladens von Eva Schmidt in der Rathausstraße in Laubenheim a. d. Nahe (1938)

    Historische Fotografie des Kolonialwarenladens von Eva Schmidt in der Rathausstraße in Laubenheim a. d. Nahe (1938)

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  • Blick in die Gewölbe des Biermannkellers in Laubenheim a. d. Nahe (1990er Jahre)

    Blick in die Gewölbe des Biermannkellers in Laubenheim a. d. Nahe (1990er Jahre)

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  • Evangelische Kirche (links) und katholische Kirche (rechts) in der Ortsgemeinde Laubenheim a. d. Nahe (2021)

    Evangelische Kirche (links) und katholische Kirche (rechts) in der Ortsgemeinde Laubenheim a. d. Nahe (2021)

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  • Die Hauptstraße der Ortsgemeinde Laubenheim a. d. Nahe (2021)

    Die Hauptstraße der Ortsgemeinde Laubenheim a. d. Nahe (2021)

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  • Historische Fotografie der alten Spritzanlage in Laubenheim a. d. Nahe (1930er Jahre)

    Historische Fotografie der alten Spritzanlage in Laubenheim a. d. Nahe (1930er Jahre)

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  • Historische Fotografie der alten Fähre über die Nahe mit dem Fährmann der Ortsgemeinde Laubenheim a. d. Nahe (um 1910)

    Historische Fotografie der alten Fähre über die Nahe mit dem Fährmann der Ortsgemeinde Laubenheim a. d. Nahe (um 1910)

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  • Konstruktionszeichnung der alten Spritzanlage in Laubenheim a. d. Nahe (1930er Jahre)

    Konstruktionszeichnung der alten Spritzanlage in Laubenheim a. d. Nahe (1930er Jahre)

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Windgeschützt im Schatten des Hunsrücks liegt die Ortsgemeinde Laubenheim (Nahe). Das kleine Weindorf schmiegt sich zwischen Weinberge und die mäandernde Nahe. In dieser naturnahen und ruhigen Gegend leben Menschen seit über 1100 Jahren. Die spannende Geschichte Laubenheims zeugt von verschiedenen Klosteranlagen aus dem Hoch- und Spätmittelalter, spiegelt das „Wirrwarr“ des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wider und reicht bis ins 20. Jahrhundert. Schon die Kelten und Römer wussten die strategisch günstige Lage Laubenheims zu schätzen.

Kleine Gassen und winklige Sträßchen zeugen von der mittelalterlichen Geschichte des Örtchens. Umgeben wird der Ortskern von der halbringförmigen Grabenstraße. Die Neubaugebiete aus den vergangenen 60 Jahren befinden sich in Hanglage. Von dieser bietet sich eine Aussicht bis in die rheinhessische Ebene.

Die Bekanntheit des Dorfes ist sicherlich auch dem Laubenheimer Wein zu verdanken. In hervorragenden Weinlagen gedeihen Gewächse, die zu den Spitzenerzeugnissen deutscher Weine zählen. Nicht ohne Stolz verweisen die Laubenheimer Winzer darauf, dass ihre Weine auf vielen Weinkarten im In- und Ausland zu finden sind (Hofmeister 2020, S.4).
Laubenheim ist Teil der Verbandsgemeinde Langenlonsheim-Stromberg und gehört zum Kreis Bad Kreuznach. Es liegt am Westhang der Nahe zwischen Bingen und Bad Kreuznach. Die Naheweinstraße führt direkt durch den Ort. Das Wappen von Laubenheim zeigt einen Löwen (erinnert an die frühere Zugehörigkeit zur Kurpfalz) sowie Weintrauben als Symbol des seit jeher wichtigen Weinbaus.

Einwohnerzahlen und Flächennutzung von Laubenheim
Vor- und Frühgeschichte, Antike und Frühes Mittelalter
Hochmittelalter, Klosteranlagen in Laubenheim
Spätmittelalter
Frühe Neuzeit und Reformation
Absolutismus und Aufklärung
Nationalismus und Industrialisierung
Neueste Geschichte
Landwirtschaft und Weinabu
Quellen / Internet


Einwohnerzahlen und Flächennutzung von Laubenheim
Die Gemarkung Laubenheim gehört geographisch zum östlichen Ausläufer des Hunsrücks. Geologisch gehört sie zum Rotliegenden des Saar-Nahe-Selkegrabens. Die Gemarkung fällt vom Westen in östlicher Richtung zum Nahetal ab und ist von einigen recht tiefen Mulden und eiszeitlichen Erosionstälern durchzogen. Diese schneiden in das Gelände ein und lassen die einzelnen Erhebungen, wie den Affenberg (214 m) und den Sponsheimer Berg (207 m), hervortreten. Die höchste Erhebung mit 247 m ist der Rote Berg im Westen der Gemarkung. Das Dorf selbst liegt 84 m hoch und stellt den tiefsten Geländepunkt in der Gemarkung dar.

Das mittelalterliche Laubenheim war durch die äußere Begrenzung der Grabenstraße nicht besonders groß. Der älteste Nachweis zur Ortsentwicklung stammt aus dem Jahr 1599 und listet 68 Haushalte auf. Im Jahr 1784 werden 64 Familien mit 293 Personen in 52 Wohnhäusern genannt. Zwischen den Jahren 1816 und 1885 wächst Laubenheim von 336 Einwohnern auf 527 Einwohner in 116 Haushaltungen an. Im Jahr 1950 hat Laubenheim 531 Einwohner. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen wuchs die Zahl bis zum Jahr 1955 auf 633 an. Heute hat Laubenheim um die 800 Einwohner (Stand 31.12.2020, nach Statistisches Landesamt RLP sowie Hofmeister 2020, S. 118ff.).
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Vor- und Frühgeschichte, Antike und Frühes Mittelalter
Die malerische und klimatisch sehr günstige Lage zwischen Nahe und Südosthang des Hunsrücks hat schon in frühgeschichtlicher Zeit Menschen zum Siedeln veranlasst. Funde aus der Steinzeit 5000 v. Chr., der Bronzezeit (etwa 1000 v. Chr.), der Hallstattzeit (800 - 500 v. Chr.) und der Latene-Zeit (500 - 100 v.Chr.) geben davon Zeugnis. Allerdings sind viele dieser Funde heute nicht mehr erhalten und die Quellenlage ist bis ins 15. Jahrhundert sehr spärlich.

Mit dem Weinbau brachten die Römer die erste nachhaltige Veränderung nach Laubenheim. Aus dieser Zeit stammen Funde wie beispielsweise eine römische Wasserleitung in der „Sandgrube“ auf dem Hörnchen oder römische Heizkacheln, die beim Bau des neuen Pfarrhauses entdeckt wurden. Auch gab es Funde von Münzen, Gefäßen und Steinsärgen in der Nordhälfte der Laubenheimer Gemarkung.

In den Jahren 450-500 n. Chr. eroberten die Franken die Region. Der Ortsname Laubenheim dürfte auf sie zurückgehen. Als um das Jahr 500 die Franken in den Naheraum ka-men, tauchten zum ersten Mal Ortsnamen mit der Endsilbe „-heim“ auf. Es war fränkischer Brauch, einen Ort nach dem ersten oder dem vornehmsten Siedler zu nennen. Man geht davon aus, dass der Ortsname Laubenheim auf das Heim des Liubo: mundartlich Lûbo zurückgeht. Erst auf dem Gerichtssiegel des Jahres 1602 ist der heutige Name des Ortes als Laubenheim an der Nahe zu finden. Als Zeugnis der fränkischen Zeit wurde ein römisch-fränkisches Gräberfeld im Karthäuser Flur entdeckt (Hofmeister 2020, S. 4ff).
Vom alten Laubenheim wird in Urkunden und Chroniken äußerst selten gesprochen. Eine der möglichen, ältesten Erwähnungen beschreibt Grässe in seinem Sagenbuch des Preußischen Staates. In diesem Buch wird eine Bertha erwähnt, die sich auf eine Burg Laubenheim zurückgezogen hat. So könnte also um den Zeitraum 700-800 n. Chr. bereits ein Rittergeschlecht in Laubenheim existiert haben. Auch soll es eine Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahre 829 geben, die von Laubenheim berichtet. Diese aber konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden (Hofmeister 2020, S. 4ff.; Dotzauer 2001, S. 23ff.; Palm 1966, 44.; Kaufmann 1979.).
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Hochmittelalter, Klosteranlagen in Laubenheim
Nach Peter Adam (Fährmann ab 1904 und Heimatforscher von Laubenheim) war das frühgeschichtliche Laubenheim recht klein. Seine damals bebaute Bodenfläche wies die Form eines Kreisabschnittes auf. Dessen Kreisbogen war dem Berg zugewandt und wurde von dem 450 Schritte (ca. 360 m) langen und 20 m breiten Dorfgraben (heutige Grabenstraße) gebildet. Auf diese Weise schloss das alte Laubenheim gegen das „Hangeloch“ und das südlich davon gelegene Berggelände ab. Die Sehne des Kreisabschnittes bildete einst, der Nahe zugewandt, eine lange, recht starke Mauer. Diese soll sich noch heute tief in der Erde versteckt zwischen Naheweinstrasse und der Nahe befinden. Auf diese Weise wurde ein zwar kleiner, aber fest umschlossener Platz gegründet. Ein Nord- und ein Südtor gewährten den Einlass. Der Dorfgraben lag in damaliger Zeit deutlich tiefer als das heutige Niveau der Grabenstraße. Ein schweres Unwetter im 15. oder 16. Jahrhundert schwemmte so viel Boden in den Dorfgraben, dass die Laubenheimer darauf verzichteten, diesen Boden wieder auszugraben. Auf der eingeschwemmten Erde bildeten sich ab dieser Zeit ein Weg, der befahren wurde (Hofmeister 2020, S.7f).

Eines der vermutlich ältesten, noch erhaltenen Objekte im Ort sind die Fundamente des Turms der Burg der Herren von Bolanden. Diese wurde vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert erbaut. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Leben der Laubenheimer durch die Burg und die Klosteranlagen bestimmt. Ein Turm existierte noch bis zum Jahr 1840. Weit mehr als die Hälfte des gekennzeichneten Dorfplanes, vom Eingang zum Hangelochtälchen bis zur evangelischen Pfarrkirche, war einst mit Klostergebäuden bestanden. Ansehnliche Reste dieser Gebäude sind erhalten geblieben und liegen zwischen der Pfarrkirche und der oben beschriebenen Burg der Grafen von Bolanden. Vermutlich im Jahre 1132 wurde das Templerkloster errichtet. Einer Überlieferung nach soll die Klosteranlage von einer Gräfin von Bolanden den Tempelherren gestiftet worden sein. Um das Jahr 1200 soll an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche bereits eine Mauritiuskapelle erbaut worden sein. Aus dem Jahr 1147 existiert eine Eintragung zu Laubenheim im Güterverzeichnis von Hildegart von Bingen (Hofmeister 2020, S.10ff.; Bericht einer Begehung von Frau Dr. Beate Schmid/Mainz-Gonsenheim Juni/Juli 1992 im Gebäude Naheweinstrasse 38 in Laubenheim).
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Spätmittelalter
Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 ging das Kloster an den Karthäuser-Orden über. Als die Karthäuser das Kloster in Besitz nahmen, rodeten sie den alten römisch-fränkischen Friedhof zwischen Rumpfmühle und dem Dorf und legten einen Kirchhof an der Kirche an. Der heutige Friedhof wurde erst im 19. Jahrhundert angelegt. Auf den Karthäuser-Orden als Laubenheimer Klosterherren deutet auch die Flurbezeichnung „Im Karthäuser“ hin (Hofmeister 2020, S.13f).
Im Jahre 1382 verkaufte Konrad II. von Hohenfels (Lebensdaten unbekannt) Laubenheim an den Pfalzgrafen Ruprecht II. von Simmern (1325-1398). Im Jahre 1410 überschrieb Pfalzgraf Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken (gestorben 1459) Laubenheim an seine Gemahlin Anna von Veldenz (gest. 1439) „zur rechten Morgengabe“ (Hofmeister 2020, S.31).
Im Jahre 1430 gab es vermutlich einen Klosterhof des Remigiusklosters in Laubenheim und ein Jahr später fand erstmals das Glockenamt zu Laubenheim Erwähnung in den Veldenzer Kopialbüchern (Staatsarchiv Speyer). Im Jahre 1491 wurde die heutige evangelische Kirche im spätgotischen Stil erweitert (Hofmeister 2020, S. 32., S.57 sowie S.108; Wagner 1909, S. 62; Lehmann, 1857).
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Frühe Neuzeit und Reformation
Der Wandel im 15. und 16. Jahrhundert stand ganz unter dem Einfluss der Kirche und der Reformation. Nach der Erweiterung der Kirche wurde um das Jahr 1500 die heute noch erhaltene, große Glocke gegossen. Die ehemals katholische Kirche fiel im Jahre 1557 bei der Einführung der lutherischen Kirchenordnung den Lutheranern zu. Die Katholiken mussten fortan ihren Gottesdienst im Rathaus abhalten. Mit Einführung des reformierten Bekenntnisses im Jahre 1598 teilten sich die Protestanten in Lutherische und Reformierte auf. Aus dem Jahr 1541 stammt das älteste bekannte Siegel von Laubenheim (Hofmeister 2020, S.95, S.99f, S.103, S.34).
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Absolutismus und Aufklärung
Das 17. Jahrhundert begann zunächst mit der Gründung der reformierten Schule in Laubenheim. Der älteste noch heute namentlich bekannte Lehrer ist im Jahr 1615 ein „Schulmeister Balthasar“. Im Jahr 1618 begannen der Dreißigjährige Krieg und somit schlechte Zeiten für Laubenheim. Einen groben Eindruck, wie Laubenheim damals ausgesehen hat, vermittelt ein Kupferstich. Dieser soll von den spanischen Besatzern unter General Spinola im Jahre 1620 angefertigt worden sein. Er zeigt, wie sich oberhalb der Häuser auf der linken Bildseite die Pfarrkirche und die Klosterhofanlage, und auf der rechten Bildseite ganz prominent die Burg der Herren von Bolanden mit dem ansehnlichen Turm erheben. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde vermutlich die Burg der Herren zu Bolanden bis auf den Turm zerstört (Hofmeister 2020, S.100, S.43, S.17).

Nach dem Krieg ging auch die Klosteranlage in Privatbesitz über. Im Jahre 1674 stürzte der Kirchturm der evangelischen Kirche vermutlich aufgrund fehlender Wartung ein. Fast 200 Jahre lang sollte er eine Ruine bleiben. Im Jahr 1692 musste die dritte Glocke der Kirche aus Geldmangel verkauft werden (Hofmeister 2020, S.14, S.97, S.109).

Anfang des 18. Jahrhunderts ging es für Laubenheim dann wieder aufwärts. Im Jahr 1730 kaufte die Ortsgemeinde das Schulgebäude, das im Jahr 2021 erneut von der Ortsgemeinde erworben wurde (Hofmeister 2020, S.101).
Noch bevor im Jahr 1781 die katholische Kapelle an ihrem heutigen Standort erbaut wurde, errichteten die Lutheraner 1770 einen eigenen Kirchensaal. Dieser wurde aber einige Jahre nach der Kirchenunion zwischen Reformierten und Lutheranern im Jahr 1825 an einen Einwohner versteigert. Als Privatgebäude wurde der Bau fortan zunächst als Scheune, später als Wohnhaus genutzt (heutiges Anwesen Naheweinstraße 21) (Hofmeister 2020, S.112, S.115f).
Nach den Römern, Franken und Spaniern kamen im Jahr 1795 die Franzosen erneut als Besatzer nach Laubenheim. Die Gebiete links des Rheins wurden Teil der Französischen Republik. Am 25.10.1796 kam es zu einem Gefecht zwischen den Franzosen, die sich am Naheblick verschanzt hatten, und den kaiserlich-deutschen Truppen auf der anderen Naheseite. Zu Ehren des siegreichen französischen Generals wurde ein Steinkreuz errichtet. Auf dieses Kreuz geht die Straßenbezeichnung „Am Steinkreuz“ zurück. Trotz des dadurch bedingten Wandels für Laubenheim genossen die Franzosen als neue Herren vor allem im gehobenen Bürgertum einige Sympathien. Als Ergebnisse der Revolution und der napoleonischen Verwaltungsreform des Jahres 1798 kam es zu verschiedenen Reformen, so unter anderem zur Aufhebung des Zunftzwangs, zur Einführung der Gewerbefreiheit, zur Abschaffung der Leibeigenheit, zur Aufhebung der Feudalabgaben („Zehnten“), sowie zur Aufhebung von Kirchenbesitz und Adelsgütern. Damit brachen für Laubenheim „moderne“ Zeiten an. Napoleon ließ auch an der Straße nach Münster-Sarmsheim eine Allee zur Beschattung seiner Soldaten anlegen. Angeblich hat Napoleon im Jahr 1804 einmal im Haus Naheweinstraße 46 übernachtet. Dies ist zwar nicht genau belegt, würde aber zur Reise Napoleons in dieser Zeit nach Bad Kreuznach passen (Hofmeister 2020, S. 53ff.; Schaab 1992, S. 149ff.). Im aktuellen Denkmalverzeichnis ist das Gebäude als eingeschossiges Unterstallhaus aus dem 18. bzw. Anfang 19. Jahrhundert datiert.
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Nationalismus und Industrialisierung
Seit dem Jahr 1816 gehörte Laubenheim wieder zu Preußen. Im Rahmen der Industriali-sierung wurde der Laubenheimer Mühle zunehmend Bedeutung zuteil. Des Weiteren wurde die Infrastruktur ausgebaut. Zwischen den Jahren 1842 und 1844 stellte die Ortsgemeinde dem Pächter der Fähre eine Wohnung zur Verfügung. Mit seinem Nachen (flacher Kahn) konnte der Fährmann Personen und Tiere über die Nahe transportieren. Auf diese Weise waren auch Gebiete jenseits der Nahe nutzbar. Im Jahr 1846 wurde die neue Rumpf-Mühle in Laubenheim gebaut (Hofmeister 2020, S.57, S.66, S.64, S.67).
Eine noch größere Infrastrukturmaßnahme stellte der Bau der Eisenbahn-Linie von Bingen nach Bad Kreuznach dar. Die Teilstrecke wurde im Jahr 1857-1858 erbaut. Jetzt konnten Personen, landwirtschaftliche Produkte aber auch die Waren der Laubenheimer Mühle in größerem Maßstab transportiert werden. Im Jahr 1897 wurde die Eisenbahn auch um eine Fußgängerbrücke über die Gleise ergänzt. Dem wachsenden Laubenheim war es zu diesem Zeitpunkt möglich den eingestürzten Kirchturm in den Jahren 1864-1866 wiederaufzubauen. Dieser hatte 200 Jahre lang als Ruine gestanden. Auch eine Postagentur wurde im Jahr 1890 in Laubenheim eingerichtet. Eine offizielle Postkutschenstation existierte im Ort seit dem 5.1.1851 (Hofmeister 2020, S.61, S.111, S. 64).
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Neueste Geschichte
Ein großer Fortschritt für die Laubenheimer war die Einrichtung einer zentralen Wasserversorgung mit eigenem Schachtbrunnen 1901. Ende der 1920er Jahre fuhren bereits erste Elektroautos in Laubenheim, die von der Rumpf-Mühle zur Auslieferung ihrer Waren verwendet wurden. Aufgrund des zunehmenden Verkehrs wurde im Jahr 1936 die katholische Kapelle etwas zurückgebaut. Im gleichen Jahr wurde allerdings der Holzsteg über die Nahe zerstört. Die Gebiete jenseits der Nahe waren fortan schwieriger zu erreichen. Kurz darauf wurde der Nahedamm zum Schutz vor Hochwasser errichtet (Hofmeister 2020, S.60ff.).

Der Zweite Weltkrieg brachte auch für die Menschen in Laubenheim viel Leid mit sich. 41 Soldaten und 3 weitere Einwohner kamen aufgrund des Krieges ums Leben. Zahlreiche weitere gerieten in Kriegsgefangenschaft. Im Laufe des Krieges wurden viele militärische Einheiten über längere Zeit in Laubenheim einquartiert. Trotz häufiger Luftangriffe auf den Verschiebebahnhof in Bingen und das Rhein-Main-Gebiet blieb Laubenheim weitestgehend unzerstört. Das Gasthaus der Familie Best wurde allerdings bei einem Bombenangriff auf einen Zug im Laubenheimer Bahnhof zerstört und eine Scheune durch Beschuss in Brand gesetzt (Hofmeister 2020, S. 78ff).

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde Laubenheim Teil des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Das im Jahr 1730 erworbene Schulhaus wurde den aktuellen Anforderungen nicht mehr gerecht. Im Jahr 1954 wurde die neue Schule eingeweiht, die aber bereits Ende der 1960er Jahre geschlossen und zur Gemeindehalle umgebaut wurde. Diese wird heute überwiegend als Kindergarten genutzt (Hofmeister 2020, S.59, S. 102f).
In den 1950er Jahren blühte das Leben in Laubenheim. Zahlreiche Geschäfte, Hand-werksbetriebe und Gaststätten waren im Ort ansässig. Die zentrale Straße stellte die ca. 250 m lange Rathausstraße dar. Hier waren zwischen landwirtschaftlichen Betrieben eine Kohlehandlung, eine Gärtnerei, zwei Schreinereien, ein Stellmacher (Wagnerei), eine Metzgerei und ein Kolonialwarengeschäft zu finden. Gegenüber dem Ende der Straße stand das Gasthaus „Stadt Frankfurt“ (Hofmeister 2020, S.80).
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Landwirtschaft und Weinbau
Das frühe Wirtschaftsleben prägten die Burgherren zu Bolanden und die Betreiber der Klosteranlagen. Neben der Selbstversorgung der Einwohner standen Landwirtschaft und insbesondere der Weinbau im Fokus. Zahlreiche alte Weinkeller zeugen noch heute von dieser Tradition. Neben dem Keller unter der Klosteranlage (vermutlich um das Jahr 1560) sind unter anderem ein mehrstöckiger Keller bei der Naheweinstraße 30 (sogenannter Keller der Firma Biermann) sowie ein Keller in der Rathausstraße 1 erhalten. Über dem Biermann-Keller sind noch Überreste eines Renaissance-Treppenturms aus dem 16. oder 17. Jahrhundert zu sehen. Der Keller in der Rathausstraße 1 wurde von 1908 bis nach dem Krieg von der Hotelkette Kempinski aus Berlin genutzt (Hofmeister 2020, S.15, S.121, S. 140ff.).

Ein interessantes Objekt im Zusammenhang mit dem Weinbau ist die Laubenheimer Spritzanlage, die ca. Mitte der 1930er Jahre als eine der ersten in Deutschland errichtet wurde. Markant ist heute auch noch „Renners Häuschen“. Heute als Ort für Veranstaltungen und Weinproben genutzt, war es ursprünglich als Unterstand in den Weinbergen durch die Familie Renner errichtet worden. Ende der 1990er Jahre wurde das ursprüngliche, leider baufällige Haus abgetragen und durch einen Neubau ersetzt (Hofmeister 2020, S.81, S. 92ff.).

Heute tritt die landwirtschaftliche Nutzung gegenüber der weinbaulichen stark zurück. Die ehemals kleineren (z.T. nebenberuflichen) Weingüter wurden in den letzten Jahrzenten auf wenige, größere Betriebe konsolidiert. Zum Teil erfolgt die Bewirtschaftung auch aus Nachbargemeinden heraus. Das untere Nahetal ist mit das sonnigste und trockenste Gebiet Deutschlands. Durch viele fruchtbare und windgeschützte Talhänge ist es ideal insbe-sondere für den Weinanbau. Die Weinberge in Laubenheim verteilen sich heute auf eine Fläche von 114 ha, auf der 75% weiße und 25% rote Rebsorten angebaut werden. Der Riesling ist mit 40 ha weitaus am stärksten vertreten, gefolgt von Silvaner mit rund 10 ha. Die Rebfläche wird heute in sieben Weinbergslagen eingeteilt. Die flächenmäßig kleinste Lage ist Sankt Remigiusberg mit nur 2,6 ha, die größte Lage Krone mit 28,2 ha, dazwischen liegen die Weinbergslagen Junker mit 10,2 ha, Fuchsen mit 14,0 ha und in etwa flächenmäßig gleich groß Karthäuser mit 18,4 ha, Hörnchen 20,1 ha und Vogelsang 20,6 ha. Im Jahr 1955 waren noch 53 Lagen klassifiziert, die auch umgangssprachlich noch zur Bezeichnung bestimmter Gemarkungsteile verwendet werden (z.B. „Im Stemel“, „Auf dem Dachsen“, „Auf der Heide“) (Hofmeister 2020, S.122, S. 125ff.).

Neben dem Weinbau existieren in Laubenheim heute nur noch einige Dienstleistungs- und Handelsunternehmen. Laubenheim ist inzwischen überwiegend eine Auspendlergemeinde und die Nahversorgung erfolgt über die umliegenden Gemeinden.
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(Jochen Mohr; Günter Hofmeister, Ortsgemeinde Laubenheim, 2021)


Quellen
Dieser Beitrag basiert auch auf der Arbeit der Heimatforscher Peter Adam und Albert Reißner sowie vieler weiterer Forscher und Unterstützer.
Staatsarchiv Speyer: „Veldenzer Kopialbücher XIV im Staatsarchiv Speyer Nr. 15 und 168“

Internet
www.laubenheim.de: Laubenheim auf einen Blick (abgerufen 16.03.2022)
infothek.statistik.rlp.de: Mein Dorf, meine Stadt: Laubenheim (abgerufen 16.03.2022)
germania-sacra.de: Personenregister - „Anna Gräfin von Veldenz“ (GSN: 005-00387-001) (ab-gerufen 16.03.2022)
germania-sacra-datenbank.uni-goettingen.de: Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken (abgerufen 16.03.2022)
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Literatur

Dotzauer, Winfried (2001)
Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Stuttgart.
Hofmeister, Günter (2020)
Zur Geschichte von Laubenheim. Laubenheim.
Kaufmann, Henning (1979)
Die Ortsnamen des Kreises Bad Kreuznach. München.
Lehmann, Johann Georg (1857)
Urkundliche Geschichte der Burgen und Bergschlösser in den ehemaligen Gauen, Grafschaften und Herrschaften der bayrischen Pfalz. Ein Beitrag zur gründlichen Vaterlands-Kunde. Meuth.
Palm, Valentin (1966)
Die Siedlungen des Kreises Kreuznach in historischer Zeit. In: Heimatchronik des kreises Kreuznach, Köln.
Schaab, Meinrad (1992)
Geschichte der Kurpfalz. Bd. 2: Neuzeit. o. O.
Wagner, Johann Jakob (1909)
Urkundliche Geschichte der Ortschaften, Klöster und Burgen des Kreises Kreuznach bis zum Jahre 1300. Kreuznach.

Ortsgemeinde Laubenheim

Schlagwörter
Ort
55452 Laubenheim
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
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„Ortsgemeinde Laubenheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343532 (Abgerufen: 30. September 2022)
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