Weidenpescher Park mit Galopprennbahn Köln

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 59′ 2,54″ N: 6° 57′ 9″ O 50,98404°N: 6,9525°O
Koordinate UTM 32.356.284,79 m: 5.650.045,38 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.929,06 m: 5.650.302,96 m
  • Luftbildaufnahme von Köln-Weidenpesch in westliche Richtung (2021), zentral im Bild die Pferderennbahn Weidenpescher Park, rechts die Kleingartenanlage nördlich der Scheibenstraße.

    Luftbildaufnahme von Köln-Weidenpesch in westliche Richtung (2021), zentral im Bild die Pferderennbahn Weidenpescher Park, rechts die Kleingartenanlage nördlich der Scheibenstraße.

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  • Eingang zur Pferderennbahn Weidenpesch in Köln, hinter dem sich die Tribüne des alten Stadions Weidenpesch befindet (2013)

    Eingang zur Pferderennbahn Weidenpesch in Köln, hinter dem sich die Tribüne des alten Stadions Weidenpesch befindet (2013)

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  • Blick über die Galopprennbahn Weidenpescher Park in Köln-Weidenpesch (2021).

    Blick über die Galopprennbahn Weidenpescher Park in Köln-Weidenpesch (2021).

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  • Die denkmalgeschützte Tribüne der Pferderennbahn Weidenpescher Park in Köln (2012)

    Die denkmalgeschützte Tribüne der Pferderennbahn Weidenpescher Park in Köln (2012)

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  • Blick auf die Tribüne II der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch (2021).

    Blick auf die Tribüne II der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch (2021).

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  • Blick auf die Haupttribüne der Galopprennbahn Weidenpescher Park in Köln-Weidenpesch während der Oldtimer-Veranstaltung "Classic-Koeln" (2021).

    Blick auf die Haupttribüne der Galopprennbahn Weidenpescher Park in Köln-Weidenpesch während der Oldtimer-Veranstaltung "Classic-Koeln" (2021).

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  • Blick auf die Haupttribüne der Galopprennbahn Weidenpescher Park in Köln-Weidenpesch während der Oldtimer-Veranstaltung "Classic-Koeln" (2021).

    Blick auf die Haupttribüne der Galopprennbahn Weidenpescher Park in Köln-Weidenpesch während der Oldtimer-Veranstaltung "Classic-Koeln" (2021).

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Der Weidenpescher Park mit der Galopprennbahn Köln-Weidenpesch geht auf den „Kölner Renn-Verein 1897 e.V.“ zurück und wurde zudem maßgeblich von dem Kölner Bürgermeister Wilhelm von Becker gefördert, der sich vom Galopprennsport einen Aufschwung des Tourismus in Köln versprach. Im September 1969 wurde hier einmalig ein Kamelrennen durchgeführt. Die Sportanlage, in der sich auch das Fußballstadion Weidenpesch befindet, ist als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen.

Gründungsgeschichte und Ausstattung
Kamelrennen in Köln 1969
Fußballstadion im Weidenpescher Park
Baudenkmal
Internet, Literatur

Gründungsgeschichte und Ausstattung
Der Weidenpescher Park mit der Galopprennbahn Köln-Weidenpesch geht auf den eigens für den Zweck der Errichtung der Pferderennbahn gegründeten Kölner Renn-Verein 1897 e.V. zurück: „Die kölnische Hautevolee hob einst den Renn-Verein aus der Taufe. Insbesondere waren es Bankiers, frühe Industrielle und wohlhabende Kaufleute.“ (HbHistSt NRW 2006 und Zitat nach www.koeln-galopp.de). Das Vorhaben wurde zudem maßgeblich von dem zwischen 1886 und 1907 als Kölner Bürgermeister amtierenden Friedrich Wilhelm Bernard Becker (1835-1924, ab 1911 geadelt zu 'von Becker') gefördert, der sich von Veranstaltungen des seinerzeit sehr populären Galopprennsports einen deutlichen Aufschwung des Tourismus in der Rheinmetropole versprach.
Zum 29. April 1897 wurde Renn-Verein gegründet und nur wenig später erfolgte der erste Spatenstich zur Errichtung einer modernen Pferderennbahn. Seit ihrer Eröffnung zum 3. September 1898 finden hier Galopprennen statt. Aufgrund ihres Baujahres gilt die Pferderennbahn als die älteste Sportstätte in Köln. Das Sportzentrum des Weidenpescher Parks war seinerzeit das größte seiner Art in Deutschland (Bauer 2021) und bis zur Errichtung des Sportparks Müngersdorf 1921/23 Kölns wichtigstes Sportgelände.

Die vom Berliner Architekten und Rennbahnexperten Otto March (1845-1913) entworfene Anlage mit der seit 1983 unter Denkmalschutz stehenden zweigeschossigen Zuschauertribüne ist „auch heute noch stark geprägt von der fast schon pittoresk zu nennenden Bausubstanz ihrer Gründerjahre. Wer abseits eines Renntages einmal durchs Rennbahngelände streift, kann sich dem Charme der alten Tribünen und der betagten Gebäude kaum entziehen. An ihnen orientieren sich zudem fast alle im Laufe der Jahre hinzugekommen Neubauten. Alt und neu zusammen bilden einen schönen architektonischen Einklang. Vor dieser altehrwürdigen Kulisse finden nunmehr schon seit weit über hundert Jahren die Kölner Galopprennen statt.“ (www.koeln-galopp.de)
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Seit den 1950er-Jahren fanden viele der großen Gestütsrennställe in der Domstadt ihr Domizil, darunter so bekannte Vollblüter-Zuchten wie Schlenderhan, Waldfried oder Zoppenbroich, für die sich der Weidenpescher Park zu einem wichtigen Trainingsstandort entwickelte (ebd.). Seit März 2003 besteht auf dem Rennbahngelände mit der 'German Jockey School' die einzige Jockeyschule Deutschlands, an der Nachwuchsreiter mit dem Schwerpunkt Rennreiten im Beruf Pferdewirt unterrichtet und ausgebildet werden.

Auf der Tribüne und im Freien finden bei Pferderennen etwa 20.000 Zuschauer Platz. Die Galopprennbahn hat aufgrund einiger bedeutsamer nationaler und internationaler Rennen weltweite Bedeutung im Pferdesport. Die Kölner Saison erstreckt sich in der Regel von April bis Oktober mit 12 bis 13 Renntagen.
Als wichtigstes Rennen gilt der seit 1963 alljährlich im September über eine Distanz von 2.400 Metern ausgetragene 'Preis von Europa', der ein vorheriges 'Gladiatorenrennen' über 2.800 Meter ablöste. Der als vierbeinige Legende geltende russische Hengst Anilin gewann diesen Saisonhöhepunkt in den Jahren 1965-1967 gleich dreimal in Folge, was seitdem unerreicht geblieben ist. Ferner findet in Weidenpesch seit 1947 mit dem 1834 begründeten 'Oppenheim-Union-Rennen' Deutschlands ältestes Rennen statt, seit 1934 der 'Gerling-Preis' im Frühjahr über 2.400 Meter (1921 als 'Preis von Birlinghoven' gegründet), das 'Mehl-Mülhens-Rennen' im Mai über 1.600 Meter (bis 1985 'Henckel-Rennen') und von 2001 bis 2011 der 'Rheinland-Pokal' über 2.400 Meter (seit 2012 in München als 'Großer Preis von Bayern' ausgetragen).
Als prägend für die erfolgreichen Jahrzehnte des Kölner Pferdesports gilt insbesondere Egbert von Schmidt-Pauli (1917-2000), der zwischen 1946 und 1983 als Manager und Geschäftsführer die Geschicke des Kölner Rennvereins maßgeblich leitete (www.welt.de).

Neben der Rennbahn befinden sich u.a. sechs Außen-Tennisplätze sowie eine im Dezember 1990 eingeweihte Tennishalle mit weiteren drei Plätzen.
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Kamelrennen in Köln 1969
Auf der Pferderennbahn kam es am 21. September 1969 zu einem ganz besonderen Rennen: Zu einer Zeit „als die normalen Galopprennen in Weidenpesch kaum noch Zuschauer anlockten und das Wettgeschehen vor sich hin dümpelte“, wurde hier von dem klammen Kölner Rennverein ein Kamelrennen durchgeführt, zu dem sich stolze 18.000 Besucher einfanden (www.koeln-lotse.de). Statt Pferden gingen an diesem Tag eigens eingeflogene Kamele aus dem Besitz des Königs von Marokko Hassan II. (1929-1999, König seit 1961) an den Start:
„König Hassan II. stellte zwei Offiziere sowie je zehn Reiter und Dromedare des Grenzkommandos Zagora im Atlasgebirge zur Wacht am Rhein ab. Dafür verlangte er neben einer stattlichen Leihgebühr auch die Übernahme aller Unkosten.“
Mit deutscher Gründlichkeit hatte das Landwirtschafts-Ministerium Nordrhein-Westfalens zuvor natürlich Gesundheits-Atteste für die importierten Tiere verlangt (www.spiegel.de).

Mit eingefädelt wurde die am Rosenmontag geborene „Schnapsidee“ eines Kamelrennens in der Domstadt vom damaligen Oberbürgermeister Theodor „Döres“ Burauen (1906-1987, amtierte 1956-1973). Maßgeblich unterstützt wurde die Realisierung des als „Camel-Cup“ deklarierten Rennens von der US-Firma R. J. Reynolds Tobacco Company, der es als Werbung für ihre ein Jahr zuvor diesseits des Atlantiks einführte Zigarettenmarke „Camel“ diente. In Deutschland und Europa wurde die Marke von der in der Altstadt ansässigen Kölner Zigarettenfabrik Neuerburg angeboten, die Reynolds 1960/63 übernommen hatte.
„Dabei wäre der Transport fast gescheitert: Die Piloten der eigens gecharterten Frachtmaschinen weigerten sich zunächst, die nicht an Flüge gewohnten Tiere an Bord zu nehmen. Erst als die Tiere gefesselt waren und an Bord zusätzlich Pistolen verstaut wurden, um eventuell wild gewordene Kamele während des Flugs erschießen zu können, hoben die Transportflieger Richtung Köln-Wahn ab.“ (www.koeln-lotse.de)

Zu dem Rennen wird berichtet, dass zuvor über die Streckenlautsprecher ein Danktelegramm des damaligen Bundesaußenministers Willy Brandt (1913-1992) an König Hassan verlesen wurde. In dem Lauf selbst waren es die acht eingesetzten Renndromedare, die auf Geraden Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen können, dann allerdings „nicht gewohnt ..., Kurven im Höchsttempo zu laufen, da die Beduinen lediglich auf schnurgraden Wüstenpisten Kamelrennen abhalten. So lief bei dem Rennen der Favorit ‚Tuareg' auf dem Grasboden der Galopprennbahn in der letzten Kurve in eine Begrenzungshecke. Der Reiter drehte daraufhin sein Dromedar in Richtung Ziel, überholte das Feld in einem rasanten Endspurt und siegte“ (Bauer 2021, S. 49). Das Rennen ging über eine Strecke von 6 Kilometer und der Sieger erreichte nach 6 Minuten 21 Sekunden das Ziel (www.filmothek.bundesarchiv.de), was einem Schnitt von über 55 km/h entsprechen würde.
Da das Spektakel bei den Besuchern gut ankam und auch beachtliche 35.000 Mark verwettet wurden, beabsichtigte man, weitere Kamelrennen in Köln zu veranstalten. Letztlich blieb es aber bei dieser einmaligen Episode der Stadtgeschichte.

Fußballstadion im Weidenpescher Park
Bereits im Jahr 1903 hatte der älteste Fußballverein Kölns, der VfL Köln 99, vom Kölner Renn-Verein 1897 e.V. einen Teil der Sportanlage auf dem Gelände des Weidenpescher Parks gemietet und dort sein erstes Stadion errichtet, das zu seiner Zeit eines der bedeutendsten Fußballstadien Deutschlands war. 1905 und 1910 fanden hier sogar die Meisterschafts-Endspiele statt (Skrentny 2015).
Die noch existierende Holz-Stahl-Stadionkonstruktion des 1920 erbauten neuen Stadions ist eine der ältesten Stadiontribünen Deutschlands. Seit dem letzten Spiel des VfL am 2. Mai 2002 im Stadion an der Rennbahnstraße wird das ehemalige Spielfeld als Veranstaltungsgelände für z.B. Flohmärkte oder als Parkplatz genutzt.
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Baudenkmal
Der Bereich „Galopprennbahn Köln-Weidenpesch - Hofanlage (Rest), Kleindenkmal, Reitsportanlage/ Rennbahn“, Rennbahnstraße 56, wurde zum 12. April 1983 unter der Nr. 1437 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen. Die „Fußballtribüne“ wurde zum 3. März 1989 unter der Nr. 4856 eingetragen (www.stadt-koeln.de).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2021/2022)

Quelle
Freundlicher Hinweis zu dem Filmbericht zum Kamelrennen von Frau Heide John, Stadt Köln / KölnerLeben, 2022.

Internet
www.stadt-koeln.de: Stadt Köln, Suche in der Denkmalliste (abgerufen 04.11.2021)
www.koeln-galopp.de: Historie (abgerufen 04.11.2021)
de.wikipedia.org: Weidenpescher Park (abgerufen 04.11.2021)
www.koeln-lotse.de: Wüstenschiffe in Weidenpesch: Europas erstes Kamelrennen (Uli, der Köln-Lotse vom 04.04.2020, abgerufen 04.11.2021)
www.filmothek.bundesarchiv.de: Filmbericht zum Dromedar-Rennen (Sendung Deutschlandspiegel 181/1969 vom 30.10.1969, abgerufen 01.08.2022)
www.spiegel.de: Kamelrennen / Werbung: Schaum vorm Maul (Der Spiegel 40/1969 vom 28.09.1969, abgerufen 11.07.2022)
www.welt.de: Ideengeber für die Zukunft des Turfs, Zum Tode von Egbert von Schmidt-Pauli, Erfinder des Preises von Europa (Text Klaus Göntzsche, Die Welt vom 19.10.2000, abgerufen 11.07.2022)
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Literatur

Bauer, Heinz-Georg (2021)
Der Weidenpescher Park. In: Kölsch-Diplom-Arbeit an der Akademie för uns kölsche Sproch (Mentor: Dr. Norbert Faßbender), o. O.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 603f., Stuttgart.
Skrentny, Werner (2015)
Es war einmal ein Stadion. Verschwundene Kultstätten des Fußballs. S. 82-83, Göttingen.

Weidenpescher Park mit Galopprennbahn Köln

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rennbahnstraße 152
Ort
50737 Köln - Weidenpesch
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1896 bis 1898

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„Weidenpescher Park mit Galopprennbahn Köln”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343151 (Abgerufen: 4. Dezember 2022)
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