Stadion Weidenpesch

Stadion an der Rennbahn Weidenpescher Park

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Fußballspiel im Kölner Stadion Weidenpesch, Sicht von der Tribüne aus (1940).

    Fußballspiel im Kölner Stadion Weidenpesch, Sicht von der Tribüne aus (1940).

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  • Rückansicht der Tribüne des alten Stadions Weidenpesch in Köln, vom Eingang zur Pferderennbahn Weidenpesch aus gesehen (2013)

    Rückansicht der Tribüne des alten Stadions Weidenpesch in Köln, vom Eingang zur Pferderennbahn Weidenpesch aus gesehen (2013)

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  • Szene in einem Fußballspiel im Stadion Weidenpescher Park in Köln (undatiert, angeblich 1941).

    Szene in einem Fußballspiel im Stadion Weidenpescher Park in Köln (undatiert, angeblich 1941).

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  • Eingang zur Pferderennbahn Weidenpesch in Köln, hinter dem sich die Tribüne des alten Stadions Weidenpesch befindet (2013)

    Eingang zur Pferderennbahn Weidenpesch in Köln, hinter dem sich die Tribüne des alten Stadions Weidenpesch befindet (2013)

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  • Blick über den Fußballplatz auf die Tribüne des Stadions Köln-Weidenpesch bei einem Spiel Köln gegen Essen in den 1950er Jahren.

    Blick über den Fußballplatz auf die Tribüne des Stadions Köln-Weidenpesch bei einem Spiel Köln gegen Essen in den 1950er Jahren.

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Der älteste Fußballverein Kölns, der VfL Köln 99, pachtete 1903 vom Kölner Renn-Verein eine Sportanlage, auf der 1905 und 1910 sogar Meisterschafts-Endspiele stattfanden. Der sehr schlechte Zustand lässt erkennen, dass dem bedeutenden Baudenkmal heute offenbar keine Pflege mehr zuteil wird.

Vereins- und Stadiongeschichte
„Endspielstadion“ 1905 und 1910
„Neues Stadion“
„Das Wunder von Bern“ und die aktuelle Situation
Zustand und Pflege des Baudenkmals
Internet

Vereins- und Stadiongeschichte
Im Jahr 2002 verließ der VfL Köln 99 nach 99 Jahren den Weidenpescher Park. Der 1899 gegründete Fußballverein – und damit der älteste Kölns – pachtete 1903 vom Kölner Renn-Verein 1897 e.V. eine Sportanlage auf dem Gebiet des Weidenpescher Parks, auf dem bereits 1898 eine Pferderennbahn errichtetet wurde (HbHistSt NRW 2006). Dieser Park war bis zur Errichtung des Sportparks Müngersdorf Kölns wichtigstes Sportgelände. Das alte Stadion soll die älteste noch existierende Holz-Stahl-Stadionkonstruktion Deutschlands sein.

(Anmerkung: Der Verein hieß bei seiner Gründung 1899 Internationaler Fußball-Club Köln, wurde aber schnell in Cölner Fußball-Club 1899 umbenannt. Nach der Orthographischen Konferenz von 1901 hieß er bis 1916 Kölner Fußball-Club 1899 und von 1916-1937 Kölner Sport-Club 1899. Im Jahr 1937 fusionierte er mit dem Kölner Club für Rasenspiele zum Verein für Leibesübungen Köln 99. Im folgenden Text wird der Verein durchgehend VfL Köln 99 genannt.)
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„Endspielstadion“ 1905 und 1910
Das auf dem gepachteten Gelände erbaute erste Stadion des VfL Köln 99 war zu seiner Zeit eines der bedeutendsten Fußballstadien Deutschlands. Auch der heimische Verein konnte 1903 und 1906 die Westdeutsche Meisterschaft feiern (allerdings nicht im Stadion Weidenpesch). In diesen Jahren gehörte der Nationalspieler Peter Joseph „Peco“ Bauwens (1886-1963) zum Kader des VfL Köln 99. Bauwens wurde später als internationaler Schiedsrichter bekannt und fungierte – wegen seiner kritiklosen Nähe zum Nationalsozialismus nicht unumstritten – von 1950-1962 als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Den ersten Höhepunkt in dem Stadion stellte am 21. Mai 1905 die erste von zwei Austragungen des Endspiels um die deutsche Meisterschaft dar. Vor insgesamt 3.500 Zuschauern besiegte Union Berlin den Karlsruher FV mit 2:0. Für dieses Spiel wurde extra ein Geländer um den Sportplatz errichtet. Kurz darauf, am 1. Mai 1906, fand zum ersten Mal eines der Internationalen Karfreitagsspiele (dieses gegen Richmond Association, Endstand: 3:5) statt, welche bis in die 1930er Jahre eine Attraktion blieben.
Am 15. Mai 1910 kam es zum zweiten Mal zur Austragung des Endspiels um die deutsche Fußballmeisterschaft. Der erneut vertretene Karlsruher FV konnte sich dieses Mal vor 5.000 Zuschauern mit 1:0 gegen Holstein Kiel durchsetzen. Bereits ein Jahr zuvor war die neue Holztribüne mit einem Spiel gegen Vitesse Arnheim eröffnet worden.
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„Neues Stadion“
Im Jahre 1920 erwarb der VfL Köln 99 weiteres Gelände vom anliegenden Kölner Renn-Verein 1897 e.V. und legte dort ein neues Stadion mit einer Betontribüne für anfangs 1.200 und später 1.600 Personen an. Zum Eröffnungsspiel wurde am 12. August 1920 Sparta Prag empfangen. Im Jahre 1937 wurde das Stadion auf insgesamt 16.000 Plätze erweitert. Durch die Übernahme des B- und C-Platzes durch den Kölner Renn-Verein 1897 e.V. verschwand 1939 das alte „Endspielstadion“. 1958 wurde der Rasenplatz in einen Ascheplatz umgewandelt, auf dem der VfL Köln 99 noch bis zum Jahre 2002 spielte. In der Zeit des „neuen Stadions“ konnte der VfL Köln 1899 1941, 1942 und 1944 (in einer Kriegssportgemeinschaft mit der SpVgg Sülz 07) die Gauliga Mittelrhein gewinnen.
Der größte Erfolg in dieser Zeit war 1941 der Einzug ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Dort unterlag der Verein aber mit 4:1 dem FC Schalke 04, der seinerzeit aufgrund seines „Schalker Kreisels“ – ein präzises und schnelles Kurzpassspiel rund um die Spieler Fritz Szepan (1907-1974) und Ernst Kuzorra (1905-1990) – den deutschen Fußball beherrschte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Verein in den 1950er Jahren noch in der zweiten Liga West (zweithöchste Spielklasse, Saison 1950/51) und in der dritten Liga. Bis zur Saison 1957/58 gehörte unter anderem der spätere Nationalspieler des 1. FC Köln Leo Wilden (*1936) dem VfL Köln 99 an (seinerzeit Verbandsliga Mittelrhein). In den darauffolgenden Jahrzehnten begann der stetige sportliche Absturz, der letztlich bis hinunter in die Kreisliga C führte (Saison 2012/2013).
Am 02. Mai 2002 fand mit der Begenung VfL Köln 99 - DJK Südwest Köln (Kreisliga A Köln) das letzte Spiel im Stadion Rennbahnstraße statt. Danach zog der VfL Köln 99 in die Betriebssportanlage Weidenpesch um, wo der Verein bessere Bedingungen vorfand: einen Rasenplatz, moderne Kabinen, Sanitäranlagen und ein Vereinsheim direkt am Platz (Stadionwelt, 04/2005). Seitdem benutzt der Besitzer der Anlage, der Kölner Renn-Verein, das ehemalige Spielfeld als Teilzeitparkplatz und für Flohmärkte.
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„Das Wunder von Bern“ und die aktuelle Situation
Im Jahr 2002 wurde die mittlerweile älteste erhaltene Stadiontribüne Deutschlands für Filmaufnahmen des Spielfilms „Das Wunder von Bern“ (2003, Regie Sönke Wortmann) genutzt. So wurden etwa die Szenen, in denen der Sportreporter Herbert Zimmermann (1917-1966) das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 im Berner Wankdorfstadion kommentiert, in Weidenpesch gedreht (www.express.de, 2011). Seitdem wurde die Tribüne nicht mehr genutzt und verfällt zusehends.
2005 regte die Stadt Köln an, dass Architektur-Studenten der Fachhochschule Köln Konzepte für die Zukunft der Tribüne erstellen. Benedikt Fassbender vom Kölner Renn-Verein 1897 e.V. merkte zum Vorschlag der Stadt an: „Es ist natürlich fraglich, ob sich dann überhaupt die nötigen Investoren für die Umsetzung dieser Konzepte finden (…) Mit dem Zustand des Geländes sind wir natürlich keinesfalls zufrieden, es ist aber noch nicht entschieden, was damit in Zukunft geschehen wird“ (Stadionwelt 04/2005).
Neben der Anregung der studentischen Konzepte beauftrage das Stadtteilparlament die Verwaltung damit, den Eigentümer an die Instandhaltung des Denkmals zu erinnern. Zu dieser Zeit nutzte der Kölner Renn-Verein 1897 e.V. die Tribüne für seine Zwecke, indem er die alten Kabinen unter der Tribüne in Ställe umgewandelt hatte.
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Zustand und Pflege des Baudenkmals
Das Fußballmagazin 11 Freunde nennt die „Tribünenruine, Köln-Weidenpesch“ noch im Jahr 2012 unter den „99 Orten, die Fußballfans gesehen haben müssen“, beschreibt deren Zustand allerdings kritisch: „Inzwischen ist die 1920 erbaute Konstruktion in einem so erbärmlichen Zustand, dass man um ihren Erhalt ernsthaft fürchten muss. Die Ränge sind morsch, das Dach löcherig und auch der Vandalismus hat seine Spuren hinterlassen. Seit der traditionsreiche VfL Köln 99 (…) umgezogen ist, verfällt die Tribüne im Weidenpescher Park. Der Ort (…) ist in höchster Gefahr.“ (11 Freunde, 2012)
Die ehemalige Sportanlage ist nicht öffentlich zugänglich. Einzig die Nordseite der historischen Tribüne ist über einen Eingang zur Pferderennbahn in der Nähe der Einmündung der Sportstraße in die Rennbahnstraße mit etwas Mühe durch den offenbar als Sichtschutz fungierenden Bewuchs von hinten einsehbar. Der vorab geschilderte schlechte Zustand ist offensichtlich; hoher Bewuchs auf dem Dach lässt erkennen, dass dem Baudenkmal offenbar keinerlei Pflege zukommt (Begehung am 26.07.2013, siehe auch Bilder in der Mediengalerie).

Das Objekt „Fußballtribüne Weidenpescher Park“, Köln-Weidenpesch, Rennbahnstraße 56, ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste der Stadt Köln, Stand: 16. August 2012, laufende Nr. 4856).

Das Stadion Weidenpesch an der Rennbahn Weidenpescher Park in Köln war KuLaDig-Objekt des Monats im Juni 2016.

(Tim Klein, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2013 und LVR-Redaktion KulaDig, 2017 / freundliche Hinweise von Herrn Werner Lauktien, Kürten, 2013)
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Internet
brucki.blogspot.de: Groundhopper Bericht „Stadion Weidenpescher Park, Köln“ (abgerufen 28.03.2013)
www.stadionwelt.de: „Hoffnung für Deutschlands älteste Fußballtribüne“ (11.05.2011, abgerufen 28.03.2013)
de.wikipedia.org: Weidenpescher Park (abgerufen 28.03.2013)
www.express.de: „Das Wunder von Weidenpesch“ (Kölner Express vom 17.05.2011, abgerufen 28.03.2013)
www.express.de: „Wer rettet den Stadionschatz? Alte VfL-99-Tribüne rottet in Weidenpesch vor sich hin“ (Kölner Express vom 25.07.2017, abgerufen 22.08.2017)

Literatur

11 Freunde (Hrsg.) (2012)
99 Orte, die Fußballfans gesehen haben müssen. In: 11 Freunde, Nr. 126 vom Mai 2012, S. 35, Nr. 34, o. O.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 603f., Stuttgart.
Schulte, Andreas (2005)
Zum Wiehern: Deutschlands älteste Fußballtribüne. In: Stadionwelt 4, S. 61. o. O.
Skrentny, Werner (2001)
Das große Buch der deutschen Fussballstadien. Göttingen.

Stadion Weidenpesch

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rennbahnstraße
Ort
50737 Köln - Weidenpesch
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1903 bis 1937
Koordinate WGS84
50° 58′ 54,13″ N, 6° 57′ 6,88″ O / 50.9817°, 6.95191°
Koordinate UTM
32U 356236.28 5649787.04
Koordinate Gauss/Krüger
2566891.1 5650042.8

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Empfohlene Zitierweise
„Stadion Weidenpesch”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-63281-20130328-2 (Abgerufen: 16. August 2018)
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