Kölnisch-Wasser-Unternehmen „Klosterfrau“ am Dom

Firma „Klosterfrau Melissengeist, Auf der Litsch No. 1“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 28,97″ N: 6° 57′ 22,79″ O / 50,94138°N: 6,95633°O
Koordinate UTM 32.356.422,17 m: 5.645.294,83 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.567.259,61 m: 5.645.561,00 m
  • Darstellung der "Klosterfrau" Maria Clementine Martin (Bildhauerin Elisabeth Perger) am Kölner Rathausturm (2012).

    Darstellung der "Klosterfrau" Maria Clementine Martin (Bildhauerin Elisabeth Perger) am Kölner Rathausturm (2012).

    Copyright-Hinweis:
    Spekking, Raimond / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
    Fotograf/Urheber:
    Raimond Spekking
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  • Das Gebäude der Zentrale der "Klosterfrau Healthcare Group" an der Ecke Gereonstraße / Klingelpütz in Köln-Altstadt-Nord (2010).

    Das Gebäude der Zentrale der "Klosterfrau Healthcare Group" an der Ecke Gereonstraße / Klingelpütz in Köln-Altstadt-Nord (2010).

    Copyright-Hinweis:
    Spekking, Raimond / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
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Köln 1826: Im Schatten des noch unvollendeten Doms gründet Maria Clementine Martin (1775-1843) unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihr Unternehmen.

Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi
Eine selbstbewusste Unternehmerin
Wundermittel gegen alle möglichen Beschwerden
Das königliche Wappen als Wettbewerbsvorteil
Unternehmensgeschichte nach Maria Clementine Martin
Zur Lage des ersten Unternehmensstandorts „Auf der Litsch No. 3“
Internet, Literatur

Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi
Consumer Centric, Brand Awareness, Storytelling – alles Begriffe aus dem modernen Marketing. Die selbsternannten Experten wollen uns allen immer das Gefühl geben, sie alleine hätten das Marketing erfunden. Weit gefehlt. Experten für die Vermarktung von Produkten gibt es schon ewig. Und in Köln hat sich eine Marketing-Expertin besonders hervorgetan: Maria Clementin Martin, die „Erfinderin“ von Klosterfrau Melissengeist.
Diese Frau hat bereits vor fast 200 Jahren geschafft, ein Produkt perfekt zu vermarkten, das es noch heute gibt: Klosterfrau Melissengeist. Dabei hat sie alle Register des Marketings gezogen: Klösterliche Herkunft des Rezepts, Verwendung vom königlichen Wappen, Platzierung als medizinisches Produkt und Abmahnungen gegen Wettbewerber, die dies auch behaupteten.
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Eine selbstbewusste Unternehmerin
Köln im Jahr 1826. Im Schatten des noch unvollendeten Doms tut sich was: Maria Clementine Martin (1775-1843) gründet unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihr Unternehmen. Mit einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung bewarb sie ihr selbst destilliertes Kölnisch Wasser:
„Ein sich selbst empfehlend ächtes Kölnische Wasser, ist zu haben auf der Litsch Nro. 1, die große Flasche zu 6 Sgr. 3 Pf.“ (= preußischer Silbergroschen / Pfennig)
Das Gründungskapital stammt aus einer königlichen Rente, welche sich Maria in der Schlacht von Waterloo bei der Pflege von verletzten Soldaten verdient hatte.
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Wundermittel gegen alle möglichen Beschwerden
Die 1775 als Wilhelmine Martin geborene Unternehmerin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich Erfahrungen in verschiedenen Klöstern mit der Krankenpflege und mit Heilpflanzen machen können. Diese Kenntnisse setzte sie jetzt in bare Münze um. Besonders ihr neues Produkt, eine spezieller Melissengeist, wird noch heute bei Beschwerden aller Art empfohlen:

  • bei Erkältung und grippalen Infekt,
  • bei Magen-Darm-Beschwerden,
  • bei Wetterfühligkeit, Spannungs- und Erregungszuständen,
  • bei innerer Unruhe und
  • bei Schlafstörungen.

Kein Wunder, dass bei einem solchen Wundermittel der Markt hart umkämpft war. In der Domstadt buhlten immerhin 64 Hersteller von Heilwassern und Kölnisch Wasser um Kunden. Deshalb strebte Maria bereits im Jahr 1828 eine „Prüfung und Bescheinigung der Qualität des von ihr verfertigten Melissenwassers durch die königliche Medizinal Behörde“ an. Leider vergeblich – die Behörde wies darauf hin, dass die Ähnlichkeit mit bestehenden Produkten zu groß sei und tatsächlich jeder Apotheker ein solches Heilwasser herstellen könne.
Auch ein zweiter Versuch im Jahr 1831, den nur als Parfum zugelassenen Melissengeist als Arznei zuzulassen, scheiterte. Trotzdem positionierte die findige Unternehmerin dieses Produkt durch Hinweise auf die Heilwirkung mehr oder weniger deutlich als Arznei. Und ging gleichzeitig mit Abmahnungen gegen Wettbewerber vor, die dies ebenfalls taten – Marketing mit harten Bandagen.
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Das königliche Wappen als Wettbewerbsvorteil
Ihr größter Marketing-Erfolg war aber die Anfrage bei König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1827: Dieser gestatte Ihr, das preußische Wappen auf dem Etikett ihrer Produkte zu führen. Andere Unternehmer mit vergleichbaren Produkten, wie zum Beispiel Farina, klagten vergeblich darauf, auch dieses Wappen nutzen zu dürfen. Tatsächlich schmückt dieses Wappen noch heute das Etikett jeder Flasche Klosterfrau Melissengeist.
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Unternehmensgeschichte nach Maria Clementine Martin
Maria Clementine Martin starb am 9. August 1843, ihr Grab auf dem Kölner Melatenfriedhof (in der Flur Littera J) steht unter Denkmalschutz.
Als „um die Stadt verdiente Persönlichkeit“ ist Maria Clementine Martin an der Nordseite des Kölner Ratsturmes im zweiten Obergeschoss als eine der insgesamt 124 Kölner Ratsturmfiguren dargestellt. Die von der Vertriebsgesellschaft mbH Maria Clementine Martin Klosterfrau gestiftete Figur Nr. 62 wurde am 24. Oktober 1989 übergeben. Die ausführende Bildhauerin war Elisabeth Perger (*1960).

Ihr Unternehmen hatte Martin an ihren vormaligen Gehilfen Peter Gustav Schaeben (1815-1885) vererbt, auf „dass derselbe die seither bewiesene fromme Gesinnung sein Leben hindurch treu bewahren werde.“ und dieser die Firma „unter Führung und dem Schutze des mir gnädigst verliehenen Königlich Preußischen Wappens mit Beibehaltung aller Gerechtsame fortführe.“ (Hünemeyer / Haus Schaeben 2007, S. 16).
In Familienbesitz blieb das Unternehmen unter dessen Sohn Robert Schaeben (1863-1944) und dem Enkel Wilhelm Schaeben (1888-1972) bis zum Konkurs 1929.
Der im gleichen Jahr als Kommanditist eingetretene Wilhelm Doerenkamp (1882-1972) erwarb die Firma als Hauptgläubiger aus dem Konkurs, führte sie als Alleininhaber weiter und sanierte „Klosterfrau“ erfolgreich. Im Oktober 1962 entstand die Tochtergesellschaft „Klosterfrau Berlin GmbH“ und nach Doerenkamps Tod die im schweizerischem Chur gegründete „Wilhelm Doerenkamp-Stiftung“ als Holding und Aufsichtsorgan der unterschiedlichen Firmengruppen, die wiederum 2006 in „Klosterfrau Healthcare Group“ umbenannt wurde. Heute stellen ca. 1.000 Mitarbeiter 220 unterschiedliche Klosterfrau-Produkte her, davon am heutigen Kölner Stammsitz etwa 530 Mitarbeiter (Gereonsmühlengasse 1 in Altstadt-Nord).
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Zur Lage des ersten Unternehmensstandorts „Auf der Litsch No. 3“
Die erste Adresse des Unternehmens im Jahr 1826 war durchaus prominent: Die urkundlich erstmals 1530 als „Litsche“ erwähnte Gasse führte seit dem Spätmittelalter in Nord-Süd-Richtung an der Westfassade des unfertigen Doms vorbei und verband Trankgasse und Domkloster. In Nr. 1 hatte der Kölner Domstift seinen Sitz, der Dom selbst besaß zunächst die Adresse „Auf der Litsch Nr. 2“.
Bei Nr. 3 handelte es sich um das Haus des Domvikars Hermann Gumpertz (1739-1827), den Maria Clementine Martin wohl im Alter bis zu dessen Tod pflegte. Recht bald dem Tod Gumpertz' mietete sie vom Domkapitel das Haus „Am Domhof Nr. 19“ als neuen Firmensitz, welches sie dann später kaufte.
Sowohl die genannten Häuser als auch die Straßen wurden im Zuge der Arrondierung des Dombereiches nach dessen Vollendung zwischen 1842 und 1880 komplett abgerissen.
Die historischen Karten und ältesten Stadtpläne weisen nur wenige Haupt-Straßennamen und in der Regel keine Einzelgebäude aus (vgl. z.B. www.landkartenarchiv.de oder die historischen Karten in der Kartenansicht), so dass die Lage des Gebäudes über die Objektgeometrie hier nur symbolisch dargestellt werden kann.
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(Uli Kievernagel, Köln, 2018 / kleinere Ergänzungen Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
www.koeln-lotse.de: Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi (Uli, der Köln-Lotse vom 18.11.2018, abgerufen 01.04.2019)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Die Firma Klosterfrau in Köln und die Geschichte ihrer Gründerin Maria Clementine Martin (1775-1843), von Helmut Heckelmann (abgerufen 01.04.2019)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Maria Clementine Martin, von Severine Delhougne (abgerufen 01.04.2019)
www.deutsche-biographie.de: Maria Clementine Martin, von Petra Witting, in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 291 f. (abgerufen 01.04.2019)
www2.klosterfrau.de: Klosterfrau Healthcare Group (abgerufen 01.04.2019)
de.wikipedia.org: Trankgasse (Köln), Auf der Litsch (abgerufen 01.04.2019)
www.landkartenarchiv.de: Landkartenarchiv (abgerufen 01.04.2019)
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Literatur

Hünemeyer, Heiko (Hrsg.) Haus Schaeben GmbH & Co. KG (Hrsg.) (2007)
Schaebens, Familienunternehmen mit Tradition. 75 Jahre Haus Schaeben & 175 Jahre A. Moras & Comp. (1832-2007). Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 255, Köln.

Kölnisch-Wasser-Unternehmen „Klosterfrau“ am Dom

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Trankgasse / Domkloster
Ort
50667 Köln - Altstadt-Nord
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1825 bis 1827, Ende 1842 bis 1880

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„Kölnisch-Wasser-Unternehmen „Klosterfrau“ am Dom”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290441 (Abgerufen: 21. August 2019)
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