Kirche Sankt Johann Baptist

zeitweise „schiefer Turm von Köln“, heute CRUX-Kirche des Jugendpastoralen Zentrums

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Der abgestützte Kirchturm von Sankt Johann Baptist in Köln-Altstadt-Süd (2004). Im Hintergrund das 2009 eingestürzte Historische Archiv.

    Der abgestützte Kirchturm von Sankt Johann Baptist in Köln-Altstadt-Süd (2004). Im Hintergrund das 2009 eingestürzte Historische Archiv.

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  • Aquarell von Carl Rüdell (1910): Die Spielmannsgasse mit Küsterhaus, Kreuzigungsgruppe und der Kirche Sankt Johann Baptist in Köln.

    Aquarell von Carl Rüdell (1910): Die Spielmannsgasse mit Küsterhaus, Kreuzigungsgruppe und der Kirche Sankt Johann Baptist in Köln.

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  • Luftaufnahme der katholischen Kirche St. Johann Baptist in Köln-Altstadt Süd von schräg oben (2017).

    Luftaufnahme der katholischen Kirche St. Johann Baptist in Köln-Altstadt Süd von schräg oben (2017).

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Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gehen heute nur noch Teile des Mittel- und Seitenschiffs auf den ursprünglichen Kirchenbau von St. Johann Baptist zurück, der zu den ältesten in Köln gehört. Der Kirchturm von 1960/62 machte 2004 als „schiefer Turm von Köln“ Schlagzeilen.

St. Johann Baptist in Köln wird erstmals im Jahr 948 erwähnt und ist ab 1080 als Pfarrkirche bezeugt. Heute gehört die Pfarrei zur katholischen Kirchengemeinde von Sankt Severin. Die Erhaltung der Kirche von St. Johann Baptist wird vom Verein „Romanische Kirchen Köln“ gefördert (romanische-kirchen-koeln.de).
In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich seit 1219 die Kirche St. Katharina, die zur Kölner Niederlassung der Ballei Koblenz des Deutschen Ordens gehörte und 1802 aufgehoben wurde (Ballei = Verwaltungsbezirk bzw. Provinz eines Ritterordens). An die zwischen 1807/08 und 1912 vollständig niedergelegte Katharinenkirche erinnern heute noch die Straßennamen An Sankt Katharinen und Katharinenhof in der Nachbarschaft von St. Johann Baptist.

Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Johann Baptist zwischen 1943 und 1945 fast vollständig zerstört: Der Turm fiel komplett und der Chor wurde bis auf den Sockel vernichtet. Lediglich Teile der Seitenschiffe (darunter die Außenwand des nördlichen Seitenschiffs von 1346) und des Mittelschiffs von 1210 blieben stehen. Im Zuge des Kirchenneubaus von 1961 bis 1963 wurde ein 44 Meter hoher Westturm aus Backstein ergänzt, der das alte Mittelschiff umfasst und den Bau als Ganzes im Stil einer Basilika darstellt (Verbeek 1969, S. 53-54). Mit dem Neubau betraut war der Kölner Architekt Karl Friedrich Heinrich Band (1900-1995), der auch von 1960 bis 1972 den Wiederaufbau des Kölner Rathauses leitete.

Zur sakralen Ausstattung der Kirche St. Johann Baptist gehören eine Sitzmadonna (um 1320), ein Reliquienschrein der in Köln zusammen mit der legendären Märtyrerin Ursula verehrten heiligen Antonia (auch Antonina) aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sowie ein Antonia-Reliquiar vom um 1500, ein Taufbecken aus Messing (1566), bronzene Adlerpulte (1629/1723) sowie ein neuer Altar und moderne ornamentale Farbverglasungen von 1963, die auf die letzten Renovierungen zurückgehen.
Seit 2009/10 beherbergt das zu diesem Zweck nochmals renovierte und umgebaute Gotteshaus das jugendpastorale Zentrum des Erzbistums Köln Crux mit einem am 12. April 2010 eröffneten Kirchencafé CRUX-Café. Die ehemalige Pfarrkirche wurde dazu von der Kirchengemeinde St. Severin „an die Jugendlichen der Stadt Köln“ übergeben und trägt seit der feierlichen Einweihung am 28. Juni 2009 die offizielle Bezeichnung CRUX-Kirche St. Johann Baptist.

Der „schiefe Turm von Köln“ 2004/2005
Am 5. Juni 2004 begann offiziell der Bau der Nord-Süd-Stadtbahn – eine weitestgehend unterirdische Erweiterung der Kölner Stadtbahn zwischen Dom/Hauptbahnhof und dem südlichen Stadtteil Meschenich. Der Verlauf der Strecke folgt im Bereich der südlichen Altstadt weitgehend der hier zentralen Severinstraße.
Bereits wenige Wochen nach Baubeginn führten die U-Bahn-Bauarbeiten zu einer gefährlichen Schieflage des Kirchturms von St. Johann Baptist: Nachdem am Vortag in 14 Meter Tiefe unter der Kirche ein Versorgungsschacht für die Bahn vorgetrieben wurde, begann der Kirchturm am 29. September 2004 in westliche Richtung zu kippen. Erst als sich das 44 Meter hohe Bauwerk bereits 77 Zentimeter aus dem Lot geneigt hatte, konnte der drohende Einsturz durch sechs massive Stahlprofile verhindert werden, die den Turm zur Severinstraße hin provisorisch abstützten.
Aus Sicherheitsgründen musste sogar die nahegelegene Severinsbrücke für den Verkehr gesperrt werden. Die die Altstadt mit Deutz verbindende Brücke konnte erst zum 4. Oktober wieder freigegeben werden, nachdem man die Hohlräume unter dem Kirchturm mit Beton verfüllt hatte.
„Einem Gutachten zufolge hätte der Turm ohne die angebrachten Stützen zwar ungefährdet so stehen bleiben können; der Kirchenvorstand der Gemeinde stimmte jedoch der Wiederaufrichtung des Turmes zu. Dies sollte ursprünglich bis zum Weltjugendtag 2005 (mit Papstbesuch) geschehen; verwirklicht wurden die Pläne jedoch erst am 26. Oktober 2005, als der Turm mithilfe von Hydraulikpressen wieder geradegerichtet wurde. Die Westseite des Turms wurde dazu in kontrollierten 10-mm-Schritten um 13,5 cm angehoben. Die Reparaturarbeiten kosteten etwa eine Million Euro, wofür die Versicherung der Kölner Verkehrs-Betriebe aufkommen musste.“ (de.wikipedia.org)

Durch den „schiefen Turm von Köln“ kam glücklicherweise niemand zu Schaden. Es wurde auch niemand verletzt, als sich – ebenfalls infolge des Stadtbahn-Ausbaus – im November 2004 Teile der Gewölbedecke der Abteikirche Sankt Maria im Kapitol lösten oder als sich im August 2007 der Rathausturm um knapp einen Zentimeter gesenkt hatte, so dass ein Keller unter dem Turm gesperrt werden musste (koeln-lotse.de).
Aufgebraucht war dieses Glück dann wohl erst mit dem Einsturz des von St. Johann Baptist nur etwa 200 Meter entfernten Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009, der zwei Todesopfer forderte.

Baudenkmal
Die Kirche St. Johann Baptist in Altstadt-Süd ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Köln, lfd. Nr. 1009, Eintragung 19. Mai 1982 / LVR-ADR-Datenbank-Nummer 73654), ebenso die benachbarten Pfarrbauten (Denkmalliste Köln, lfd. Nr. 6825, Eintragung 04. Mai 1993 / LVR-ADR-Datenbank-Nummer 73655).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.sankt-severin.de: Katholische Kirchengemeinde St. Severin Köln (abgerufen 05.06.2018)
www.crux-koeln.de: CRUX - Jugendpastorales Zentrum der Stadt Köln (abgerufen 05.06.2018)
www.romanische-kirchen-koeln.de: Förderverein „Romanische Kirchen Köln“ – Ziele (abgerufen 06.06.2018)
www.stadt-koeln.de: Suche in der Denkmalliste (abgerufen 05.06.2018)
www.nord-sued-stadtbahn.de: Kölner Verkehrs-Betriebe AG, Nord-Süd Stadtbahn (abgerufen 05.06.2018)
www.heiligenlexikon.de: Antonia (abgerufen 06.06.2018)
deu.archinform.net: Internationale Architektur-Datenbank, Karl (Friedrich) (Heinrich) Band (abgerufen 06.06.2018)
de.wikipedia.org: St. Johann Baptist Köln (abgerufen 06.06.2018)
de.wikipedia.org: Crux, Jugendpastorales Zentrum (abgerufen 05.06.2018)
koeln-lotse.de: Uli, der Köln-Lotse - „Baubeginn Nord-Süd U-Bahn vor 14 Jahren – Ende offen“ (abgerufen 04.06.2018)

Literatur

Verbeek, Albert (1969)
Kölner Kirchen. Die kirchliche Baukunst in Köln von den Anfängen bis zur Gegenwart (2. erweiterte Auflage). Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 402, Köln.

Kirche Sankt Johann Baptist

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
An Zint Jan / Severinstraße 189
Ort
50678 Köln - Altstadt-Süd
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 948
Koordinate WGS84
50° 55′ 44,31″ N, 6° 57′ 28,45″ O / 50.92897°, 6.9579°
Koordinate UTM
32U 356494.49 5643912.49
Koordinate Gauss/Krüger
2567388.08 5644182.48

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„Kirche Sankt Johann Baptist”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-280074 (Abgerufen: 13. Dezember 2018)
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