Penaten-Werk in Rhöndorf

ehemaliges Gelände „Penaten Pharmazeutische Fabrik Dr. med. Riese & Co. GmbH“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bad Honnef
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Die heute zu dem US-amerikanischen Konzern Johnson & Johnson gehörende (Baby-)Pflegemarke „Penaten“ hat ihren Ursprung im Hinterzimmer einer Rhöndorfer Drogerie. Ende des Jahres 2000 wurde der traditionsreiche Standort in Rhöndorf geschlossen.

Dr. med. Max Riese und die Erfindung der Penaten-Creme
Die Gründung der Rhöndorfer Fabrik 1908
Die weitere Entwicklung nach 1945 bis zur Werksschließung 2000
Die aktuelle Entwicklung
Internet

Dr. med. Max Riese und die Erfindung der Penaten-Creme
Der in Mönchengladbach geborene Max Riese (1868-1943) wollte ursprünglich Apotheker werden – dieser Wunsch erfüllte sich allerdings nicht, so dass er Drogist wurde. Seine erste Drogerie eröffnete Riese in Düsseldorf, bevor er nach Köln umzog. In dem zwischen Friesen- und Rudolfplatz gelegenen Haus „Ehrenstraße 79“ führte Rieses Frau Elisabeth Riese (geborene Knapp) gleichzeitig eine Papier- und Schreibwarenhandlung.
In Köln tat sich Max Riese mit Otto Schmithausen zusammen, dem Inhaber der „Drogerie zum Bürgerhospital“ (dem Namen nach vermutlich in der Nähe des 1965 abgerissenen kriegszerstörten schlossartigen Krankenhauses am Neumarkt gelegen). Unter dem Namen „Palliativ – Fabrik hygienischer Produkte Schmithausen & Riese“ vertrieben die beiden Partner Salben und Heilmittel.

Im Jahr 1898 zog die Familie Riese in die kurz zuvor neu erbaute Villa „Landhaus Feuser“ unter der damaligen Anschrift „Am Sperrbaum Nr. 5“ nach Rhöndorf um, wo die Drogerie weitergeführt wurde und Riese in einem Hinterzimmer seines Hauses – wie offenbar Zeit seines Lebens – über die Entwicklung einer Schutzcreme für die empfindliche und zarte Haut von Babys tüftelte. Mit einem aus Schafswolle gewonnenen Fett fand er schließlich eine Lösung und gründete die Firma „Penaten“:
„Wollfett und Zinkoxid bildeten die Grundlage für die Creme. Im Grunde ist sie damit eine Form der Zinksalbe, die mit leichtem Zitronenaroma parfümiert wird.“ (de.wikipedia.org, Penaten-Creme)
„Seine neuartige Creme haftet lange und weist Feuchtigkeit ab, so dass sie die zarte Babyhaut zuverlässig vor dem Wundwerden schützt.“ (penaten.de)
Der Name des am 17. September 1904 beim Reichspatentamt in Berlin angemeldeten „Hautkonservierungsmittels Penaten Crème“ geht auf Elisabeth Riese zurück, die sich mit der Geschichte des Altertums beschäftigt und die Hautcreme nach den römischen Schutzgöttern des Haushalts und der Familie benannte.
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Die Gründung der Rhöndorfer Fabrik 1908
Bedingt durch die steigende Nachfrage gründete Max Riese 1908 nur etwa 800 Meter von seinem Wohnhaus entfernt an der Rhöndorfer Straße die Firma „Penaten, Fabrik Pharm. Spezialitäten“. Wurden die Creme-Dosen bis dahin noch mit Spachtel per Hand befüllt, so plante Riese nun eine automatisierte Produktion von 10.000 Dosen im Monat.
„1928 lieferte die Firma jedoch bereits 30.000 Stück im Monat, 1939 sogar 6.019.000 Dosen (etwa 500.000 pro Monat) aus.“ (penaten.de)
Max Riese verstarb 1943 im Alter von 75 Jahren in Rhöndorf und wurde auf dem dortigen Waldfriedhof beerdigt. Neben seiner Ehefrau hinterließ der Firmengründer drei Söhne: Alfred und Max Jr. – die beide den Betrieb fortführten – und Erich, der im Zweiten Weltkriegs ums Leben kam.
„Der promovierte Arzt Max Riese stellte seinen Namenszug “Dr. med. Max Riese„ als Teil des Markenzeichens zur Verfügung, verlor jedoch wegen der nichtärztlichen Tätigkeit im Entwicklungslabor der Firma seine Approbation.“ (de.wikipedia.org, Max Riese)
Das Unternehmen firmierte von nun an als „Penaten Pharmazeutische Fabrik Dr. med. Riese & Co. GmbH“.
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Die weitere Entwicklung nach 1945 bis zur Werksschließung 2000
Nur zwei Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk im Mai 1945 schwer beschädigt, die Produktion konnte jedoch bereits im August des Jahres an vier improvisieren Rhöndorfer Standorten wieder aufgenommen werden: in der Rommersdorfer Straße, der Kirchstraße, der Bahnhofstraße und im ehemaligen Rhöndorfer Hof.
Bereits zu Anfang der 1950er Jahre entstanden drei große Produktionshallen an der Rhöndorfer Straße, in denen die stetig um weitere Reinigungs- und Pflegeprodukte erweiterte Babypflege-Serie hergestellt wurde. Viele Rhöndorfer fanden Arbeit in der „Dose“, wie das Penaten-Werk vor Ort genannt wurde.
In den 1970er Jahren entstand schließlich ein Verwaltungsbau, dessen Fassade in der für die Marke typischen Farbe „Penatentürkis“ gehalten wurde. Seit der Renovierung des Gebäudes zum Seniorenzentrum ist die Farbe nicht mehr zu sehen (heutige Rhöndorfer Straße 80, vgl. Abbildungen in der Mediengalerie).

1986 wurde das Unternehmen mit seinerzeit 316 Mitarbeitern für 220 Millionen DM vom US-amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (Hauptsitz in New Brunswick, US-Bundesstaat New Jersey) übernommen. Bereits 1989 wird bekannt, dass der Konzern mangels Expansionsmöglichkeiten in Rhöndorf auf der Suche nach anderen Standorten sei. Zu Weihnachten 1998 werden dann große Teile der Produktion „aus global wirtschaftlichen Erwägungen“ nach Italien und Frankreich verlagert und 225 Mitarbeiter verlieren ihre Stellen (diebadhonnefer.de, Teil 4).
„Ende des Jahres 2000 (wurde) die Produktion der Penaten-Creme nach Italien und Frankreich verlagert und der Standort Rhöndorf geschlossen.“ (de.wikipedia.org, Max Riese), Teile der Räumlichkeiten wurden zunächst weiterhin als Büros von Johnson & Johnson genutzt.
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Die aktuelle Entwicklung
Eine in Rhöndorf ansässige Wohnbau-Firma erhielt um 2013/14 die Genehmigung zum Bau von Penthouse-Eigenheimen und Geschäftsgebäuden auf dem frei gewordenen Penaten-Gelände sowie einer vollstationären Pflegestation im ehemaligen Verwaltungsgebäude (rundschau-online.de). Im Oktober 2014 begannen vor Ort die Abriss- und Umbauarbeiten. Im früheren „penatentürkisen“ Verwaltungsbau befindet sich inzwischen ein Sentivo-Seniorenzentrum „Am Drachenfels“ innerhalb eines Honnefer-Business-Parks, in dem weitere Wohn- und Gewerbeobjekte zur Vermietung angeboten werden (Oktober 2016, vgl. Fotos in der Mediengalerie).

In der „Rhöndorfer Heimatstube“, dem seit 2012 im Besitz des Bürger- und Ortsvereins befindlichen und im Juli 2014 eingeweihten Heimatmuseum, erinnert heute eine Sammlung an die Geschichte der über rund 100 Jahre in Rhöndorf ansässigen Traditionsfirma Penaten.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2015)
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Internet
www.penaten.de: 110 Jahre Erfahrung – Wie alles begann (abgerufen 10.10.2016)
jnjgermany.de: Johnson & Johnson Deutschland (abgerufen 10.10.2016)
www.rhoendorf.de: Bürger-u. Ortsverein Rhöndorf e.V. (abgerufen 12.10.2016)
de.wikipedia.org: Penaten-Creme (abgerufen 11.10.2016)
de.wikipedia.org: Max Riese (abgerufen 11.10.2016)
www.diebadhonnefer.de: Teil 1, „Der größte Erfinder der Stadt. Penaten: Max Riese erfand 1904 eine Creme, die die Welt glücklich machte.“ (Die Bad Honnefer Wochenzeitung vom 10.12.2012, abgerufen 11.10.2016)
www.diebadhonnefer.de: Teil 2, „Riese: Die zweite Generation. Penaten: Von einer Kölner Drogerie zum Weltkonzern. Made in Rhöndorf“(Die Bad Honnefer Wochenzeitung vom 17.12.2012, abgerufen 11.10.2016)
www.diebadhonnefer.de: Teil 3, „An nur einem Tag änderte sich die Welt. Penaten: 1974 kommt Penaten-Chef Helmut Frankenberg bei einem Flugzeugabsturz ums Leben“ (Die Bad Honnefer Wochenzeitung vom 24.12.2012, abgerufen 11.10.2016)
www.diebadhonnefer.de: Teil 4, „Das Ende der Rhöndorfer Penatenwelt Geschichte: 1986 wird Penaten an Johnson & Johnson verkauft“ (Die Bad Honnefer Wochenzeitung vom 07.01.2013, abgerufen 11.10.2016)
www.general-anzeiger-bonn.de: „Beim Traditionsbetrieb Penaten gingen die Lichter aus“ (General-Anzeiger vom 03.01.2001 abgerufen 10.10.2016)
de.wikipedia.org: Penaten-Creme (abgerufen 11.10.2016)
www.rundschau-online.de: „Bebauungspläne – Penatengebäude weicht Seniorenheim“ (Bonner Rundschau vom 05.04.2013, abgerufen 12.10.2016)
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Literatur

Bernert, Holger (2017)
Aus ungenutzt wird umgenutzt. Neuer Zweck für alte Bonner Bauten. In: meinRHEINLAND 01/2017, S. 54-59. S. 59, o. O.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 54-56, Stuttgart.

Penaten-Werk in Rhöndorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rhöndorfer Straße / Auf Penaten
Ort
53604 Bad Honnef - Rhöndorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1908, Ende nach 2000
Koordinate WGS84
50° 39′ 16,04″ N, 7° 12′ 58,65″ O / 50.65446°, 7.21629°
Koordinate UTM
32U 373914.47 5612918.3
Koordinate Gauss/Krüger
2586055.78 5613913.26

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Empfohlene Zitierweise
„Penaten-Werk in Rhöndorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-255218 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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