Klosterbezirk Eberbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Eltville am Rhein
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
  • Blick aus der Vogelperspektive auf das Kloster Eberbach (2009).

    Blick aus der Vogelperspektive auf das Kloster Eberbach (2009).

    Copyright-Hinweis:
    Garth, Astrid / Sbrisny, Joachim / Landesamt für Denkmalpflege Hessen
    Fotograf/Urheber:
    Garth, Astrid; Sbrisny, Joachim
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Bernharduskapelle, Eberbach

    Bernharduskapelle, Eberbach

    Copyright-Hinweis:
    Büttner, Thomas / Landesamt für Denkmalpflege Hessen
    Fotograf/Urheber:
    Büttner, Thomas
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grabstein auf dem Klosterfriedhof Eberbach

    Grabstein auf dem Klosterfriedhof Eberbach

    Copyright-Hinweis:
    © Thomas Büttner / Landesamt für Denkmalpflege Hessen
    Fotograf/Urheber:
    Büttner, Thomas
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Klosterbezirk Eberbach - der Klosterbezirk umfasst die ummauerte Klosteranlage Eberbach (engere Klosterbezirk mit Klausurbauten) sowie den umgebenden, äußeren Klosterbezirk mit Wiesen, offenen Flächen und Wald. Letzterer diente der unmittelbaren Versorgung der Bewohner des Klosters.

Der Klosterbezirk außerhalb der Klostermauer setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen: abgesteinter Klosterbezirk (nach Plan und Beschreibung von 1753) einschließlich: Hof Geisgarten, Bernhardus-Kapelle, Großer und Kleiner Schuberg, Vor dem Kloster/Hintere Bursenwiese mit Teich (Flurstücke Klosterwiese, Schafswiese), Kisselbach und weitere Wasserläufe, Gräben, Stauwehr, Steinbruch, Friedhof, alte Wegeführungen (Grenzwege, Hohlwege).
Näherte man sich dem Kloster von Süden her, auf dem alten Hauptweg von Erbach aus, so hatte man, über Jahrhunderte nur wenig verändert, den Anblick eines offenen Wiesentals zwischen bewaldeten Höhen, in dem von rechts der Weg aus Kiedrich über eine kleine Steinbrücke hin zur Klosterpforte zieht. Abbildungen und Beschreibungen des 17. bis 19. Jahrhunderts geben die malerische Ansicht weitgehend unverändert wieder.
Auf drei Seiten von Bergen umschlossen, winkt uns aus tiefer Waldeinsamkeit die ehemalige Abtei Eberbach entgegen, ein buntwechselndes Bild der Geschichte, ein unverändert malerisches der Natur (Henninger 1862).

Erst in der jüngeren Zeit hat sich die Situation stark verändert: Das offene Bachtal wurde durch beidseitige moderne Fahrstraßen schluchtartig eingeengt und von Vegetation überwuchert, sodass der Blick auf das idyllische Tal dem heutigen Ankommenden versperrt ist. Die aus Bruchsteinen gewölbte Brücke und ein Rest des alten Wegs sind noch tief unten im Grund vorhanden, jedoch völlig überwuchert und praktisch unzugänglich.
Wie der Bereich innerhalb der Klostermauer diente auch der weitere Klosterbezirk mit Wiesen, offenen Flächen und Wald der unmittelbaren Versorgung der Bewohner. Genauen Aufschluss darüber geben diverse historische Pläne.  Im Plan des Amtsgeometers Hock von 1804 sind neben den Gebäuden die verschiedenen Grünflächen und ihre Nutzung festgehalten: Gras- und Obstgarten, Baumgarten, Schmittgarten, Küchen- und Kräutergarten, Pomarium, Treibhaus, Oekonomiegarten, Mistbetter, aber auch Praelat-Garten, Convent-Garten und im Kreuzgang ein Blumengarten.

Ein mit Größenangaben versehener Plan, gezeichnet von Andreas Trauttner 1753, zeigt den weiteren Klosterbezirk in der Gesamtausdehnung mit Grenze, Grenzsteinen, Wegen, Bächen und Agrarflächen.

Über die Entstehung dieses Klosterbezirks wird von Pater Bär eingehend berichtet. So störte ein häufig genutzter öffentlicher Weg, der direkt am Kloster entlangführte, die klösterliche Ruhe. Daher erbot sich Abt Gerhard, einen weiter entfernten Weg anzulegen, woraufhin die Erbacher Bürger 1173 ein Wäldchen am Kloster abtraten, an dessen Außengrenze nun der neue Weg angelegt wurde.
Von den im Plan eingezeichneten Grenzsteinen ist eine Reihe im Osten des Klosterbezirks erhalten, ebenso der Weg von 1173, der teilweise noch benutzt wird. Laub und Altholz bedecken bzw. füllen zunehmend dessen unbegehbare Abschnitte und einige Gräben in der näheren Umgebung. Markante alte Bäume wurden gefällt und auch der Bereich Klosterwäldchen eingeschlagen, sodass sich die Sichtbarkeit dieser Strukturen zusehends verliert. Die ehemaligen Nutzungen gehen jedoch noch aus den Flurbezeichnungen hervor.

Noch innerhalb der abgesteinten Grenzen liegt der Hof Geisgarten, ursprünglich im 12. Jahrhundert als „Weberhaus für das Hausbedürfnis“ errichtet, dessen Name auf die dortige Ziegenhaltung zurückgeht. Im dahinter liegenden Bachtal, Standort zweier Mühlen, sorgen stattdessen heute Lamas und Alpakas für die Offenhaltung der Wiesen.
Weiter nördlich, wo der Weg nach Hof Mappen den Kisselbach überquert, findet man einen aus Bruchsteinen gewölbten Durchlass, der vielleicht auch zur Wasserregulierung genutzt werden konnte. Im weiteren Walddistrikt liegt die Quelle Mönchbrunnen, deren Wasser dem Kloster künstlich zugeleitet wurde.
Nach Bär begann Gerhard „im Jahr 1174 zum Besten der Hauswirthschaft ein sehr mühsames und kostspieliges Werk einer Wasserleitung, die aus einer beträchtlichen Ferne ins Kloster geführt ward.“ Diese Leitung wurde wohl verschiedentlich erneuert. Westlich des Klosters findet man heute im Wald einen Graben mit Stauwehr, außerdem den Durchlass in der Klostermauer, durch den das Wasser von oben zur Klostermühle innerhalb der Mauer zugeführt wurde. Das Stauwehr selbst besteht aus Kalksteinquadern mit Ornamentik aus einer frühen Bauphase des Klosters.

Als der Frankfurter Maler Carl Theodor Reiffenstein 1862 dieses Relikt in einer Skizze festhielt, führte der Graben noch Wasser. Das zuletzt in einem Denkmalinventar von 1921 ausführlich beschriebene Wehr drohte wie der zwischenzeitlich ausgetrocknete Graben unter Altholz und Bewuchs zu verschwinden und wurde erst kürzlich teilweise wieder freigelegt. Eine genauere Erforschung des gesamten großräumigen Be- und Entwässerungssystems steht noch aus.

(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2010)

Literatur

Söder, Dagmar (2007)
Klosterlandschaft Eberbach – Das Kloster Eberbach als Wirtschaftsbetrieb und seine Spuren in der Rheingauer Landschaft. In: Denkmalpflege & Kulturgeschichte 3/2007, S. 34-41. o. O.
Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Klosterbezirk Eberbach

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1136
Koordinate WGS84
50° 02′ 36,49″ N, 8° 02′ 51″ O / 50.04347°, 8.0475°
Koordinate UTM
32U 431799.18 5543898.44
Koordinate Gauss/Krüger
3431846.97 5545676.62

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Klosterbezirk Eberbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-TB-20100825-0016 (Abgerufen: 21. Oktober 2017)
Seitenanfang