Eisenbahnstrecke von Baerl nach Geldern

Motocrossbahn Eyller Berg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Duisburg, Geldern, Issum, Kamp-Lintfort, Moers
Kreis(e): Duisburg, Kleve (Nordrhein-Westfalen), Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 29′ 7,63″ N: 6° 31′ 19,98″ O 51,48545°N: 6,52222°O
Koordinate UTM 32.327.967,60 m: 5.706.722,60 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.536.317,74 m: 5.705.783,37 m
  • Bahnhof Baerl in Duisburg (2021)

    Bahnhof Baerl in Duisburg (2021)

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  • Eisenbahnbrücke bei Gerdt in Duisburg, Bahnstrecke Baerl - Geldern, Blick von Süden (2012)

    Eisenbahnbrücke bei Gerdt in Duisburg, Bahnstrecke Baerl - Geldern, Blick von Süden (2012)

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  • Eisenbahnbrücke bei Gerdt in Duisburg, Bahnstrecke Baerl - Geldern, Blick von Süden (2012)

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  • Eisenbahnbrücke bei Gerdt in Duisburg, nördlicher Brückenzug über die Elisenstraße (2012)

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  • Eisenbahnbrücke bei Gerdt in Duisburg, nördlicher Brückenzug über die Elisenstraße, Blick von Norden (2012)

    Eisenbahnbrücke bei Gerdt in Duisburg, nördlicher Brückenzug über die Elisenstraße, Blick von Norden (2012)

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Die Eisenbahnverbindung von Baerl nach Geldern geht auf strategische Planungen im Vorfeld des Ersten Weltkrieges zurück. Sie wurde weitgehend vollendet, jedoch nie befahren. Der Abschnitt von Baerl nach Meerbeck dient heute dem Güterverkehr.

Geplante Bahnlinie Oberhausen - Baerl - Geldern
Bahnlinie Baerl - Utfort - Moers
Die Zeit nach 1945
Motocrossbahn Eyller Berg
Betriebsstellen
Hinweis, Links, Quelle und Literatur

Geplante Bahnlinie Oberhausen - Baerl - Geldern
Planungen der preußischen Staatsbahn sahen im frühen 20. Jahrhundert eine Eisenbahnverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der Strecke in die Niederlande über Kleve vor. Ziel war vorrangig die Umgehung der überlasteten Strecken bei Duisburg, Rheinhausen und Moers. Diese Verbindung sollte von der 1912 eröffneten Güterverkehrsstrecke von Oberhausen nach Hohenbudberg beim Block Baerl abzweigen. Von hier führte die geplante Bahn über Utfort (Kreuzungsbahnhof mit der Strecke von Rheinhausen nach Kleve) und die Bahnhöfe Repelen, Lintfort, Dachsberg, Sevelen und Hartefeld bis nach Geldern. In Lintfort war eine Verbindung zur geplanten Bahnlinie von Wesel über Alpen nach Krefeld/Willich vorgesehen (Teil der Ruhr-Mosel Entlastungslinie). In Geldern bestand Anschluss an die Bahn von Krefeld nach Kleve.
In Vorbereitung auf den Ersten Weltkrieg bekam diese Verbindung auch eine strategische Bedeutung. Vom preußischen Militär war zeitweise geplant, über die Niederlande nach Frankreich einzumarschieren. Wäre es bei diesen Planungen geblieben, hätte der Transport von Mannschaften und Material über die neue Strecke und Geldern bis an die niederländische Grenze erfolgen können. Diese militärstrategischen Planungen wurden jedoch wieder aufgegeben.
Die Errichtung von Bahndämmen und Überführungen waren großteils fertiggestellt, als die Arbeiten durch den Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 unterbrochen wurden.
Nach dem Krieg betrachteten die Siegermächte diese Strecke als strategisch wichtig (als Aufmarschbahn Richtung Westen: Belgien, Frankreich). Sie verboten daher den Weiterbau. Nach der Aufhebung der Restriktionen nach 1922 hatte die Deutsche Reichsbahn kein Interesse mehr am Weiterbau.

Bahnlinie Baerl - Utfort - Moers
1912 wurde eine reine Güterzugstrecke von Duisburg-Meiderich-Nord (heute im Bereich der A 59) über Baerl nach Krefeld-Hohenbudberg eröffnet. Imposantestes Bauwerk dieser Strecke war die Haus-Knipp-Brücke unmittelbar östlich von Baerl.
1929 eröffnete man im Verlauf der geplanten und teilweise fertiggestellten Bahnstrecke nach Geldern eine Zweigstrecke von der bestehenden Bahnlinie nach Hohenbudberg vom Block Baerl nach Westen. Sie führte beim Bahnhof Rheinpreußen bzw. Utfort auf die Niederrheinstrecke nach Moers. In Utfort gab es eine Abzweigung nach Xanten (Anschluss an die Niederrheinstrecke). Das südliche Gleis der Zweigstrecke wurde bei Baerl unter der bestehenden Bahnlinie hindurchgeführt.
Zugleich mit der neuen Verbindung wurde Personenverkehr zwischen Oberhausen bzw. Osterfeld-Süd und Moers eingerichtet, damit wurde der Block Baerl zum Bahnhof.
Die Strecke wurde im Zweiten Weltkrieg nicht größer beschädigt. Eine Unterbrechung gab es durch die Zerstörung der Haus-Knipp-Brücke, die bereits 1946 wieder befahrbar war.
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Die Zeit nach 1945
Die Bahnlinie zwischen Baerl und Hohenbudberg wurde 1969 stillgelegt, so dass die Verbindung über die Zweigbahn von Baerl nach Utfort zur Hauptstrecke wurde. Den Personenverkehr auf dieser Strecke stellte man 1983 ein.
Die Strecke wurde 1970 durchgehend mit Oberleitung ausgestattet. 1998 legte man das nördliche Gleis zwischen dem ehemaligen Haltepunkt Duisburg-Beeckerwerth und dem zur Überleitstelle Duisburg-Baerl zurückgebauten ehemaligen Bahnhof still; das zweite Gleis wurde jedoch wieder aufgebaut und ist seit Dezember 2013 in Benutzung. Auch das zweite Gleis auf der Haus-Knipp-Brücke wurde zeitgleich wieder instandgesetzt.
Der Abschnitt zwischen Baerl und Utfort ist heute Teil der Strecke vom Güterbahnhof Oberhausen West zur Abzweigstelle Meerbeck an der Niederrheinstrecke.

Von der Strecke nach Geldern sind noch große Abschnitte als Bahndamm bzw. als Einschnitte erkennbar. Der Raum des geplanten Bahnhofes Sevelen wird heute als Schleppgelände für Gleitschirme genutzt. Teilweise wurden neue Straßen über den alten Bahndamm geführt. Im Bereich des Turmbahnhofes Utfort und des Streckenkreuzes wurden die bereits fertiggestellten Brücken und Dämme der Verbindungsstrecken in den 1950er und 1960er Jahren weitgehend abgebaut.
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Motocrossbahn Eyller Berg
Im Bereich des geplanten Bahnhofes Lintfort und der Querung der Bahnstrecke von Alpen nach Krefeld wurde in den 1950er Jahren eine Rennstrecke für Moto-Cross-Rennen angelegt. Da es sich um ebenes Gelände handelte, mussten künstliche Hindernisse angelegt und die Strecke teilweise in den Bahndamm hinein verlegt werden. Dadurch erhielt die Strecke von 910 Metern Länge einen stadionartigen Charakter. Das Markenzeichen war die lange Startgerade, über die das geschlossene Fahrerfeld mit Höchstgeschwindigkeit direkt auf den ersten Sprunghügel zufuhr. Die erste Rennveranstaltung gab es 1953. Ende der 1950er Jahre gab es bis zu 30.000 Zuschauer.
In den 1960er Jahren wurden die Strecke und das Umfeld den neuen Anforderungen gemäß immer wieder angepasst. Die Streckenlänge wuchs auf 1650 Meter. In den 1970er Jahren kamen Strecken für Seitenwagenrennen hinzu. Heute wird die Anlage von dem ADAC Motorclub Kamp-Lintfort 1950 e.V. betreut und bewirtschaftet.
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Betriebsstellen
Die Strecke weist eine Länge von rund 27 Kilometern auf. Die Streckenkilometrierung beginnt in Geldern.
(Bf = Bahnhof; jeweils aktuelle bzw. letzte Bezeichnung)
Bahnkilometer
Name
0,0
Bf Geldern (seit 1863; Anschluss an die Strecke von Krefeld nach Kleve)
4,5
Bf Hartefeld
8,3
Bf Sevelen
13,2
Bf Dachsberg
15,4
Bf Lintfort (Kreuzung mit der geplanten Strecke von Krefeld nach Alpen
20,5
Bf Repelen
22,7
Bf Utfort (Turmbahnhof, 1917-1979; Übergang zur Strecke von Rheinhausen nach Kleve)
Bf Baerl (1912-1970; Übergang zur Strecke von Hohenbudberg nach Oberhausen
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(Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017, 2023)

Hinweise
Die Eisenbahnstrecke von Baerl nach Geldern ist wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs „Beeckerwerth” (Regionalplan Ruhr 062).
Der Text wurde im Rahmen des Projektes “Eisenbahnen am Unteren Niederrhein„ 2023 überarbeitet.

Quelle
David Beineke, 60 Jahre Motocross am Eyller Berg. Rheinische Post vom 7.2.2013 Link

Internet
Bahnarchiv NRW von André Joost: NRW Bahnarchiv von André Joost, Strecke Vernum - Abzweig Meerbeck (abgerufen 25.10.2023)
de.wikipedia.org: Bahnstrecke Geldern-Meerbeck (abgerufen 25.10.2023)
de.wikipedia.org: Bahnstrecke Duisburg-Meiderich - Hohenbudberg (abgerufen 15.10.2023)
www.drehscheibe-foren.de: stefan p., Baerl (I): Blockstelle, Abzweigstelle, Haltestelle, Abzweigstelle, Blockstelle, Überleitstelle (abgerufen 25.10.2023)
www.mckali.de: ADAC Motorclub Kamp-Lintfort 1950 e.V. Geschichte der Moto-Cross Bahn, private Seite (abgerufen 25.10.2023)
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Literatur

Barthels, Thomas; Möller, Armin; Barthels, Klaus (2007)
Bahnen am Niederrhein. Eine Bestandsaufnahme der Eisenbahnen am Niederrhein zwischen Arnhem und Rommerskirchen, Venlo und Oberhausen. S. 88-91, Mönchengladbach.
Höpfner, Haus-Paul (1986)
Eisenbahnen. Ihre Geschichte am Niederrhein. S. 91, Duisburg.

Eisenbahnstrecke von Baerl nach Geldern

Schlagwörter
Ort
Duisburg, Geldern, Issum, Kamp-Lintfort, Moers
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn 1907

Empfohlene Zitierweise

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Claus Weber: „Eisenbahnstrecke von Baerl nach Geldern”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CW-20110829-0006 (Abgerufen: 23. Mai 2024)
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