Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei Bonn

heute Arbeitsgericht

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 43′ 45,09″ N: 7° 05′ 34,2″ O / 50,72919°N: 7,09283°O
Koordinate UTM 32.365.402,22 m: 5.621.445,29 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.577.202,68 m: 5.622.090,56 m
  • Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013).

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  • Gedenktafel zur Gestapo-Außendienststelle 1938 bis 1945 im heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Gedenktafel zur Gestapo-Außendienststelle 1938 bis 1945 im heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013).

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  • Kreuzbergstraße mit dem Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, dem heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Kreuzbergstraße mit dem Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, dem heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013).

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  • Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013)

    Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013)

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Im Gebäude des heutigen Arbeitsgerichts Bonn, 1875 als Wohnhaus eines Fabrikanten erbaut, befand sich von April 1938 bis März 1945 die Bonner Außendienstelle der nationalsozialistischen Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Im Eingangsbereich erinnert daran heute eine Gedenktafel.

Zum Gebäude
Zur Vorgeschichte der politischen Verfolgung in Bonn im Nationalsozialismus
Die Gestapo-Außendienststelle
Gedenktafel
Baudenkmal
Quellen, Internet und Literatur

Zum Gebäude
Das Gebäude war 1875 als Wohnhaus des Fabrikanten Dr. Hermann Bleibtreu, Gründer der „Bonner Zementwerk AG“ mit 13 kleineren und vier größeren Kellerräumen erbaut worden. 1893 ging es in den Besitz des evangelischen Theologen Prof. Dr. Eduard Grafe über. Nach dem Tod seiner Witwe im Januar 1938 übernahm der Preußische Staat das Gebäude, das im März 1938 für die Gestapo umgebaut wurde. Dabei nahm das Kellergeschoss Einzel- und Gemeinschaftszellen sowie einen Luftschutzkeller auf.
Zu Kriegsende brannte das Gebäude ab und wurde 1949 wiederaufgebaut. Seit 1953 ist es Sitz des Arbeitsgerichts Bonn.
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Zur Vorgeschichte der politischen Verfolgung in Bonn im Nationalsozialismus
Die Gestapo Köln, zunächst in der Krebsgasse, dann im berühmt-berüchtigten EL-DE-Haus untergebracht, hatte stets die Oberaufsicht über die politische Polizei in Bonn. Diese befand sich nach der „Machtergreifung“ zunächst im Polizeipräsidium in der Rathausgasse, von wo auch die großangelegte „Schutzhaft-Aktion“ nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 organisiert wurde. Hunderte von politischen Gegnern wurden damals verhaftet und saßen für kurze oder längere Zeit ihre „Schutzhaft“ in kleineren Arrestzellen, im Bonner Gerichtsgefängnis, im Siegburger Zuchthaus oder in den neu eingerichteten Konzentrationslagern des Emslandes ab.
Ein erstes Opfer dieser Aktion war der vor allem in der Bonner Sozialpolitik engagierte KPD-Stadtverordnete Otto Renois (1892-1933), der schon Anfang April 1933 „auf der Flucht erschossen“ wurde. Andere wurden gefoltert und misshandelt. Öfters holten SS- oder SA-Männer einzelne „Schutzhäftlinge“ zu besonderen „Verhören“ in ihre eigenen „wilden KZs“. Für die SS-Dienststelle in der damaligen Viktoriastraße 27 (heute Heerstraße 205) sind Folterungen mehrfach bezeugt, so von Josef „Jupp“ Messinger (1907-1933), der nach „Verhören“ im Juli 1933 in seiner Zelle im Gerichtsgefängnis tot aufgefunden wurde.

Auch die Verhaftungswelle in Bonn im Jahre 1935 wurde von der Kölner Gestapo initiiert. Über hundert Personen wurden dabei festgenommen und von Kölner-Gestapo-Beamten in Bonn verhört. Anschließend überführte man sie in Untersuchungshaft, zumeist in das Kölner Klingelpütz-Gefängnis.
Die fortschreitende Durchorganisation der deutschen Polizei und die sich perfektionierende politische Überwachung der Bevölkerung zeigte sich nun auch in den einzelnen Verwaltungsbezirken; die Aufgaben vermehrten sich, aus Platzgründen bezog die Gestapo Köln Anfang 1936 den EL-DE-Haus-Komplex am Appellhofplatz.
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Die Gestapo-Außendienststelle
Von April 1938 bis März 1945 befand sich in dem Haus die Bonner Außendienststelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Köln. Die zuständigen Behörden wurden über deren Einrichtung am 29. März 1938 wie folgt unterrichtet (Stadtarchiv Bonn):
„Ab 1.4.1938 wird in Bonn, Kreuzbergweg 5, eine Außenstelle der Staatspolizeistelle Köln eröffnet. Sie bezweckt eine Entlastung der Hauptstelle in Köln und darüber hinaus eine intensivere Bekämpfung der Staatsfeinde durch Spezialbeamte…“

Mit dieser Verfügung der Gestapo Köln bekam nun auch Bonn eine eigene, für den Stadtkreis Bonn und die Landkreise Bonn und Euskirchen zuständige Gestapo-Dienststelle, die bald schon bei bloßer Nennung Angst und Schrecken in die Bonner Bevölkerung trug.
Die Bonner Gestapo ging in den folgenden Jahren den zahlreichen Denunziationen und Hinweisen nach, lud Beschuldigte vor, verhörte sie und leitete Verfahren bei den zuständigen Gerichten (besonders beim Sondergericht Köln) ein. Sie sprach dabei „Verwarnungen“ aus, organisierte die politische Überwachung von „Staatsgegnern“, und verhängte in einigen Fällen auch „erziehungswirksame Maßnahmen“, wie die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager.
Die im Keller des Hauses befindlichen Gefängniszellen dienten der vorübergehenden, oft tage-, aber auch wochenlangen Inhaftierung von Beschuldigten. Dass diese auch gefoltert, geschlagen und misshandelt worden sind, ist mehrfach bezeugt (vgl. Kraus 1999.

Die Gestapo-Außendienststelle Bonn war verwaltungstechnisch in ähnlicher Weise organisiert wie die Zentrale in Köln. Die „Referate“ für Juden, Staatsfeinde und Ausländer waren dabei die wichtigsten Abteilungen. Wichtige Hilfsdienste bei der politischen Überwachung der Bonner Bevölkerung wird auch der gleichfalls im Kreuzbergweg 5 untergebrachte Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, SD-Außenstelle Bonn, geleistet haben.
Das genaue Ende der Außendienststelle Bonn ist nicht bekannt. Vieles spricht dafür, dass erst kurz bevor die Amerikaner in Bonn am 7. März 1945 einmarschierten, die Gestapo die Arbeit im Kreuzbergweg 5 einstellte. Ihre Akten vernichtete sie vollständig.
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Gedenktafel
Im Eingangsbereich des heutigen Arbeitsgerichts Bonn befindet sich eine Gedenktafel mit nachfolgender Inschrift (vgl. Abbildung):
In diesem Hause befand sich
von April 1938 bis März 1945
die Bonner Aussendienstelle
der Geheimen Staatspolizei
(Gestapo) Köln

Baudenkmal
Der Bereich „Kreuzbergweg 2-22, Wohnsiedlung, 1950er Jahre“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Bonn, Stand 13. April 2012, Lfd. Nr. A 3183).
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Aufgrund des laufenden Dienstbetriebes und weil die ehemaligen Zellen im Keller heute als Archiv des Arbeitsgerichts genutzt werden, sind keine Führungen im Gebäude möglich.

(LVR-Redaktion KuLaDig, 2013)

Quellen
  • Benachrichtigung an zuständige Behörden vom 29.3.1938, Stadtarchiv Bonn, D 1517.
  • Flyer „Kreuzbergweg 5, Gestapo-Außendienstelle Bonn 1938 bis 1945“ (Text Horst Bothien und Manfred van Rey), hrsg. vom Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, Kulturamt, Stadtmuseum, Stadtarchiv, Presseamt, April 2013.

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Die Geheime Staatspolizei Köln (abgerufen 19.06.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Hermann Bleibtreu (1821-1881), Begründer der deutschen Zementindustrie (abgerufen 03.07.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Heinrich Müller (1901-1985), Bonner SD-Führer (abgerufen 21.08.2017)
de.wikipedia.org: Otto Renois (abgerufen 11.09.2019)
de.wikipedia.org: Jupp Messinger (abgerufen 11.09.2019)
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Literatur

Bothien, Horst-Pierre (2006)
Kreuzbergweg 5. Zur Bonner Gestapo (1938-1945). In: Schloßmacher, Norbert / Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn (Hrsg.) (2006): „Kurzerhand die Farbe gewechselt“ - die Bonner Polizei im Nationalsozialismus, (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 66.) S. 291-310. Bonn.
Kraus, Stefan (1999)
NS-Unrechtsstätten in Nordrhein-Westfalen: Ein Forschungsbeitrag zum System der Gewaltherrschaft 1933-1945, Lager und Deportationsstätten. (Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 4.) Nr. 63, S. 69, Essen.
Stadt Bonn, Amt 61-02, Untere Denkmalbehörde (Hrsg.) (2012)
Liste der gem. § 3 DSchG NW in die Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler, Bodendenkmäler, beweglichen Denkmäler und Denkmalbereiche der Stadt Bonn (Stand: 01.01.2012). S. 35, Bonn.

Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei Bonn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kreuzbergweg 5
Ort
53115 Bonn - Weststadt
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1875

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-67457-20130612-2 (Abgerufen: 21. Oktober 2019)
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