Preußische Befestigung von Köln-Deutz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Fort X des äußeren preußischen Festungsringes von Köln zwischen Köln-Höhenberg und Merheim (2013)

    Fort X des äußeren preußischen Festungsringes von Köln zwischen Köln-Höhenberg und Merheim (2013)

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  • Fort X des äußeren preußischen Festungsringes von Köln zwischen Köln-Höhenberg und Merheim (2013)

    Fort X des äußeren preußischen Festungsringes von Köln zwischen Köln-Höhenberg und Merheim (2013)

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  • Ausschnitt aus dem Meßtischblatt 5007 der Topographischen Karte 1:25.000 mit dem Kölner Stadtteil Deutz (1927).

    Ausschnitt aus dem Meßtischblatt 5007 der Topographischen Karte 1:25.000 mit dem Kölner Stadtteil Deutz (1927).

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  • Standorte von militärischen Bauten und Anlagen in Köln in den Jahren 1815-1918 (2010)

    Standorte von militärischen Bauten und Anlagen in Köln in den Jahren 1815-1918 (2010)

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  • Römische, mittelalterliche und preußische Festungswerke Kölns übertragen auf eine aktuelle Karte (2014). Darüber hinaus sind die schussfreien Zonen (Rayons) eingetragen.

    Römische, mittelalterliche und preußische Festungswerke Kölns übertragen auf eine aktuelle Karte (2014). Darüber hinaus sind die schussfreien Zonen (Rayons) eingetragen.

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  • Ausschnitt aus der Karte "Rheinland und Westfalen" (1834-1855) im Maßstab 1:80.000 mit der Region zwischen Deutz,  Kalk und Vingst vor der Industrialisierung.

    Ausschnitt aus der Karte "Rheinland und Westfalen" (1834-1855) im Maßstab 1:80.000 mit der Region zwischen Deutz, Kalk und Vingst vor der Industrialisierung.

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  • Bestandteile der preußischen Umwallung von Deutz

    Bestandteile der preußischen Umwallung von Deutz

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  • Kehlmauer am Deutzer Rheinufer

    Kehlmauer am Deutzer Rheinufer

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  • Kartenausschnitt von Köln und Deutz aus dem Jahre 1850

    Kartenausschnitt von Köln und Deutz aus dem Jahre 1850

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  • Die Karte aus dem Jahre 1870 zeigt die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn in Kalk und Deutz, beide Städte gehören heute zu Köln. Gut zu erkennen sind ferner die Ausmaße der Festungswerke mitsamt der Grabenanlage. Im rechten unteren Teil ist neben dem Fort XIV der Deutzer "Juden Kirchhof" eingezeichnet.

    Die Karte aus dem Jahre 1870 zeigt die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn in Kalk und Deutz, beide Städte gehören heute zu Köln. Gut zu erkennen sind ferner die Ausmaße der Festungswerke mitsamt der Grabenanlage. Im rechten unteren Teil ist neben dem Fort XIV der Deutzer "Juden Kirchhof" eingezeichnet.

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Die Stadt Köln war fast zweitausend Jahre lang befestigt. Der Ausbau der Befestigung erreichte im 19. Jahrhundert unter den Preußen seinen Höhepunkt. Die Preußen begannen ab 1815 mit der Verstärkung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Festungsanlagen auf der linken Rheinseite. Die Befestigung des rechtsrheinischen Deutz, das erst 1888 zu Köln eingemeindet wurde, begann ab 1818.
Weitere Informationen zur Festungsstadt Köln im Allgemeinen und zu der preußischen inneren Umwallung auf der linksrheinischen Seite im Speziellen sind bei dem verwandten Objekt „Innere preußische Wallanlage mit mittelalterlicher Stadtmauer der Festungsstadt Köln“ zu finden.

Die Deutzer Befestigung als Teil der Festungsstadt Köln
Die Stadt Köln hatte im preußischen Staat aufgrund ihrer exponierten Lage gegenüber Frankreich und als bedeutender Verkehrsknotenpunkt eine herausragende Stellung. Da die Bedrohung im Westen, also in Frankreich, gesehen wurde, und der Rhein ein natürliches Hindernis darstellt, wurden potenzielle Angreifer auf der linken Rheinseite erwartet. Dem rechtsrheinischen Deutz kam damit eine untergeordnete Rolle zu, wohl auch zusätzlich bedingt durch den knappen preußischen Staatshaushalt. Dennoch wollten die Preußen die Einnahme von Deutz durch einen „Handstreich“ verhindern, so dass Befestigungsanlagen nötig waren, wenn auch nicht in dem Umfang wie auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Die Einbeziehung der Stadt Deutz als Brückenkopf in die Festung Köln wurde daher bereits im März des Jahres 1815, also kurz nach dem Einmarsch der Preußen, beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt besaß Deutz keine Umwallung. Vorher existierte unter anderem während des Dreißigjährigen Krieges eine bastionäre Erdumwallung. Somit musste - anders als in Köln - eine komplett neue Befestigung geplant werden (von der Felsen, 2012).

Die Wallanlage
Voraussetzung für die Errichtung der Wallanlage waren zunächst entsprechende Flächen am Rande der städtischen Bebauung. Da nicht – so wie in Köln – bereits bestehende Anlagen in den Bau mit einbezogen werden konnten, wurden hierfür zahlreiche Enteignungsverfahren notwendig. Die Errichtung der Befestigung in Deutz dauerte von 1818 bis 1824, ein relativ kurzer Zeitraum für den Aufbau einer komplett neuen Anlage, zumal die Arbeiten durch die niedrige Lage von Deutz und der daraus resultierenden Gefahr von Überschwemmungen erschwert wurden.
Unter Einbeziehung der Rheinuferbefestigung wurde eine fast geschlossene Verteidigungslinie sichergestellt. Im Norden befand sich das Feldtor, im Osten das Mülheimer Tor und im Süden das Siegburger Tor. Diese drei Tore sowie vier Bastionen vervollständigten die Umwallung. Die Ausmaße des Festungsteils Deutz betrugen in ihrer längsten Ausdehnung von Nord nach Süd ungefähr 1.550 Meter und in ihrer breitesten Ausdehnung von West nach Ost ungefähr 900 Meter erreichte. Dadurch wurden noch genügend freie Flächen mit umschlossen, die für die Anlage weiterer militärischer Bauten oder für eine Ausdehnung der städtischen Bebauung bei steigender Bevölkerungszahl zur Verfügung standen (vergleiche die historischen Karten in der Mediengalerie).
Ergänzt wurden die Verteidigungsanlagen durch einen breiten Graben. Trotz der Nähe zum Rhein wurde dieser nicht mit Wasser gefüllt, da die Gefahr einer Überflutung bei Hochwasser bestanden hätte.
Ein Armierungsplan aus dem Jahr 1845 nennt in der Summe 25 Geschütze, darunter 6-zöllige Mörser, 12-Pfünder und 4-Pfünder (Pfünder waren leichte bis mittlere, von hinten zu ladende Kanonen und Haubitzen; das Gewicht der Kugel determinierte die Bezeichnung), zur Bestückung der Deutzer Festungsbauten. Im Bedarfsfall boten Verteidigungsanlagen Platz für weitere Waffen aus der Reserve oder von nicht angegriffenen Sektionen.
Ergänzt wurde der Festungsteil Deutz durch einen Ring vorgeschobener Werke, die in den Folgejahren errichtet wurden. (von der Felsen, 2012)

Bestandteile der Umwallung
Die Umwallung von Köln-Deutz setzte sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:
  • Glacis (eine Erdanschüttung vor dem Graben, der zum Feind hin abfällt)
  • Graben
  • Tore
  • ehemalige Redans (V-förmige Ausbuchtung), später ersetzt durch die Saillants
  • Saillants (ausspringender Winkel)
  • Bastionen und Waffenplätze im gedeckten Weg
  • Eskarpe und Kontereskarpe (Mauern innerhalb des Grabens)
  • Traverse (erhöhter Querwall auf der Wallkrone)
  • Kehlmauer (rückseitige Mauer zum Rhein)
Zur Illustration dient die schematische Darstellung „Bestandteile der preußischen Umwallung von Deutz“ in der Mediengalerie.

Schleifung der Deutzer Umwallung und heutige Situation
Wie bei allen Festungsanlagen der preußischen Zeit, so führten auch bei der Deutzer Umwallung zwei Sachverhalte zu deren letztendlicher Schleifung: Einerseits wurden die Reichweite und die Sprengkraft neuer Waffentechnologien so groß, dass ein Wall keinen sinnvollen Schutz mehr bieten konnte. Andererseits wuchs die Bevölkerung in den Städten immer mehr an. Zwar waren noch, wie bereits erwähnt, einige Flächen innerhalb der Umwallung zum Zeitpunkt der Errichtung frei geblieben, doch reichte auch dieser Raum ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aus. Bereits vor dem Entschluss zur Schleifung der Anlagen, der von den Deutzer Bürgern ausdrücklich gewünscht wurde, bereitete die Wallanlage städtebauliche Probleme, insbesondere aufgrund der wachsenden Bedeutung der Eisenbahn. Diese bot zwar eine schnelle und sichere Versorgungslinie, die selbstverständlich auch militärisch genutzt werden konnte, erforderte aber Öffnungen in der Umschließung der Stadt. Außerdem wurden hierfür kostspielige Umbaumaßnahmen nötig, die allerdings nicht vom preußischen Staat, sondern von den damals noch privaten Eisenbahngesellschaften finanziert wurden.
Am 14. Dezember des Jahres 1907 erfolgte die erste Sprengung eines Tores. Der Tag und das Ereignis wurden gefeiert als Symbol für eine neue Zukunft von Deutz, welches 1888 mit über 16.000 Einwohnern zu Köln eingemeindet worden war. Bürgermeister Max Wallraf (1859-1941, Kölner Oberbürgermeister 1907-1917) hielt an diesem Tag eine Festrede.
Heute finden sich nur noch wenige Reste der alten Befestigung. Straßennamen wie Helenenwallstraße und Kasemattenstraße erinnern zwar noch an sie, bauliche Überbleibsel sind aber an der Oberfläche kaum noch vorhanden. Am Rheinufer befindet sich noch ein Reststück der alten Kehlmauer (also der rückseitigen Mauer). Bei den sehr aktiven Baumaßnahmen zu Beginn des neuen Jahrtausends im Bereich von Ottoplatz, Deutzer Bahnhof und Stadthaus, aber auch an anderen Standorten, fanden sich im Boden allerdings noch zahlreiche Relikte der alten Festungswerke.

(Christoph Boddenberg, LVR-Fachbereich Umwelt, 2013, mit freundlicher Unterstützung von Fortis Colonia e.V.)

Bedeutung der Befestigung von Deutz für die Region
Die Deutzer Befestigungsanlagen haben in der Geschichte des Ortes eine wechselvolle Rolle eingenommen. Als Schutzbauten angelegt, wurden sie zur einschnürenden Grenze für die Entwicklung des Ortes. Der Befestigungsgürtel wirkte sich sehr hemmend auf die bauliche Entwicklung der Gemeinde Deutz aus. Der Rayongürtel, der nach preußischem Gesetz von Bauten freizuhalten war, wirkte zudem als zweiter Hemmfaktor für die strukturelle Entwicklung. Die Bauverbotszone um die Festungsanlagen führte jedoch als Nebeneffekt zum Wachstum der Nachbargemeinde Kalk, die direkt an der Grenze zur Bauverbotszone lag und durch die wachsende Industrie im 19. Jahrhundert an Bedeutung gewann. Eine zweite Wachstumszone ist das Gebiet entlang der Deutz-Mülheimer Straße zwischen den gleichnamigen Orten. Ohne die Baubeschränkungen hätten sich diese Standorte nicht etabliert. Selbst nach der Schleifung der Festungsanlage und dem Bau des Gotenrings mit den östlich daran gelegenen Vierteln ist die räumliche Distanz zum alten Deutzer Kern auszumachen. Die Stadtentwicklungspläne der 1990er Jahre, die den Bau der Lanxess Arena sowie das Stadthaus der Stadt Köln und andere Bauwerke hervorbrachten, schlossen die baulichen Lücken des ehemaligen Rayongürtels. Diese Großbauten waren in einer solch innenstadtnahen Lage nur durch die historischen Beschränkungen und die dadurch nur in geringem Maße vorhandene Bebauung möglich. Somit wirkt der ehemalige Befestigungsring auch in der heutigen Struktur nach.
Als direkte bauliche Struktur sind einige der Forts und Zwischenwerke des äußeren Ringes erhalten geblieben, die sich jedoch in unterschiedlich gutem Zustand befinden. Diese entlang des rechtsrheinischen Militärringes verlaufenden Baudenkmäler sind heute, sofern sie nicht abgerissen worden sind, in kleinere Grünanlagen integriert. Als Beispiel ist hier das Fort X in Höhenberg an der Olpenerstraße Ecke Frankfurter Straße zu nennen oder das Fort XI in Mülheim mit dem zugehörigen Zwischenwerk XIb. Genutzt werden die meist etwas abseits liegenden Anlagen von Vereinen sowie von der Stadtverwaltung. Der Militärring, der die äußeren Befestigungsanlagen verband, ist heute deutlich fragmentierter als noch zur preußischen Zeit, aber dennoch im Straßenverlauf als Porzer Ringstraße, Gremberger Ring, Vingster Ring, Höhenberger Ring, Buchheimer Ring, Herler Ring, Mülheimer Ring, Neurather Ring, Höhenhauser Ring und Stammheimer Ring auszumachen.

(Fabian Lagodny, Universität Bonn, 2013)

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Festungen im Rheinland (abgerufen 02.01.2017)

Literatur

Felsen, Bernd von der / Fortis Colonia (Hrsg.) (2010)
Der Brückenkopf - Deutzer Umwallung. (Festungsstadt Köln - Das Bollwerk im Westen.) S. 52-81. Köln.
Meynen, Henriette / Fortis Colonia e.V. (Hrsg.) (2010)
Festungsstadt Köln. Das Bollwerk im Westen. Erster Band der Schriftenreihe von Fortis Colonia e.V.. Köln.

Preußische Befestigung von Köln-Deutz

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Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1818 bis 1824, Ende 1907 bis 1915
Koordinate WGS84
50° 56′ 8,78″ N, 6° 58′ 41,03″ O / 50.93577°, 6.97806°
Koordinate UTM
32U 357931.77 5644629.28
Koordinate Gauss/Krüger
2568795.32 5644957.25

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„Preußische Befestigung von Köln-Deutz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-63688-20130403-3 (Abgerufen: 20. November 2017)
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