Holländische Bruchkolonisation und Entwässerung Uedemerbruch

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Kevelaer, Sonsbeck, Uedem
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen), Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Entwässerungsgraben "Mittelley" im Uedemerbruch (2011)

    Entwässerungsgraben "Mittelley" im Uedemerbruch (2011)

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  • Grünland im zentralen Bereich des Uedemerbruchs (2011)

    Grünland im zentralen Bereich des Uedemerbruchs (2011)

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  • Nicht mehr gepflegter Entwässerungsgraben im zentralen Teil des Uedemerbruchs (2011)

    Nicht mehr gepflegter Entwässerungsgraben im zentralen Teil des Uedemerbruchs (2011)

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  • Blick aus dem westlichen Teil des Uedemerbruchs nach Westen auf Uedemerfeld (2011)

    Blick aus dem westlichen Teil des Uedemerbruchs nach Westen auf Uedemerfeld (2011)

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  • Baumreihen gliedern die landwirtschaftlichen Nutzflächen im Uedemerbruch (2011)

    Baumreihen gliedern die landwirtschaftlichen Nutzflächen im Uedemerbruch (2011)

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  • Entwässerungsgraben in Uedemerbruch mit einem einzelnen Baum, der von einer ehemaligen Baumreihe übrig geblieben ist (2011)

    Entwässerungsgraben in Uedemerbruch mit einem einzelnen Baum, der von einer ehemaligen Baumreihe übrig geblieben ist (2011)

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  • Baumreihe und Grünlandflächen in Uedemerbruch (2011)

    Baumreihe und Grünlandflächen in Uedemerbruch (2011)

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  • Entwässerungsgraben im Uedemerbruch (2012)

    Entwässerungsgraben im Uedemerbruch (2012)

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  • Entwässerungsgraben im Uedemerbruch (2011)

    Entwässerungsgraben im Uedemerbruch (2011)

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  • Von Wald umgebene Grünlandfläche an der Holländischen Straße in Uedem-Uedemerbruch (2012)

    Von Wald umgebene Grünlandfläche an der Holländischen Straße in Uedem-Uedemerbruch (2012)

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Die Gemarkung Uedemerbruch ist größer als das ursprüngliche Bruchgebiet, das sich zwischen der Sanderfläche von Uedemerfeld und dem allmählich ansteigenden östlichen Sanderfläche des Hochwaldes befand. Das Feuchtgebiet hat eine durchschnittliche Höhe von ca. 20-22,5 Meter über NN. Der westliche Randstreifen des Bruches westlich der Grenzley gehörte bereits als historische Allmende mit Viehweide zu der Waldhufensiedlung Uedemerfeld von 1236.

Die nach holländisch-utrechtischen Kenntnissen durchgeführte Entwässerung und Kultivierung beschränkt sich auf die Flächen zwischen der Grenzley und Holländischen Straße.

Laut Herlig Zschocke (1967) wurde das Bruch nach einer Urkunde von 1295 unter der Leitung von holländischen Lokatoren (broeker) kultiviert und entwässert. In dieser Urkunde vergab Graf Dietrich VIII. von Kleve das Uedemerbruch gegen Erbpacht und Zehnt für die Nutzung frei. Er ließ das Gebiet durch holländische Spezialisten, „broeker“ genannt, trockenlegen. Es betraf das Bruchgebiet östlich der Hufen der Uedemerfelder Höfe, das gegen Erbpacht und Zehnt vergeben wurde (Zschocke 1963, S. 44). In diesem Jahr erhielt die Siedlung ein eigenes Schöffengericht. Bei Herlig Zschocke wird die Kultivierungsachse nicht erwähnt. Hier können nur die Grenzley bzw. die holländische Straße in Betracht kommen. Durch die Nähe zum höher gelegenen Land könnte die Holländische Straße als Kultivierungsachse fungiert haben. Aber diese Annahme ist spekulativ.

Die Länge der Hufen war aufgrund der naturräumlichen Beschaffenheit unterschiedlich und erreichte bei Haus Kolk die größte Länge. Die Breite der Hufen war einheitlich.

Nach Heinrich Tillmann scheint die Siedlung Uedemerbruch älter zu sein und gilt das Jahr 1295 als Geburtsstunde des Ortes, da ab diesem Zeitpunkt ein eigenes Schöffengericht bis Mitte des 18. Jahrhunderts für Uedemerbruch zuständig war. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Gebiet (Tillmann 1964, S. 6) entwässert und als Bruchkolonie angelegt.

Die Entwässerung und Kultivierung des Uedemer Bruchs durch holländisch-utrechtische „broeker“ als Lokatoren oder Unternehmer ist als Fortsetzung der planmäßigen Binnenkolonisation im norddeutschen Elbe- und Weserraum des 12. und 13. Jahrhunderts im Rahmen der größten Binnenkolonisation des deutschen Rheingebietes zwischen der Mitte des 13. und 14. Jahrhunderts zu sehen. Auf Initiative der damaligen weltlichen und geistlichen Grundherren wurden die versumpften Talauen zwischen Zyfflich und Xanten einerseits und von Elten bis zur Lippemündung andererseits entwässert und kultiviert. Dabei bediente man sich der bewährten Fachkenntnisse von holländischen Fachleuten.

Die „Holländische Straße“ erinnert noch heute an diese Phase. Es handelt sich hier aber nicht um eine „Massenansiedlung“ von Holländern, sondern lediglich von Entwässerungsexperten. Die meisten Kolonisten stammten aus der Umgebung. Die Kolonisten, die das Gebiet unter der Leitung der holländischen „broeker“ entwässerten und anschließend kultivierten, gründeten schließlich die Siedlung Uedemerbruch. Die Siedler erhielten vom Grafen Dietrich VIII. von Kleve das privilegierte Recht, Heimräte und einen Richter zu wählen, die Entscheidungsvollmacht in allen Entwässerungsfragen hatten. Die Bruchkolonisation umfasste nach dem Klevischen Urbar von 1319 des Grafen Dietrich IX. von Kleve „44 hoeven 1 margen end 1 hunt“ und war auf 76 Besitzer verteilt (Oediger 1982, I., S. 128).

Die Siedlungsgefüge mit den locker gereihten Höfen entlang der holländischen Straße und der Grenzley, das System mit den Gräben und Hauptgräben, sowie die streifenförmige Parzellierungsstruktur im ehemaligen Bruch sind heute im Gelände noch gut erhalten. Seit der Kultivierung und Entwässerung 1295 ist das Gebiet im Laufe der Jahrhunderte allmählich vernässt, so dass das kultivierte Bruch 1734 wenig Ackerflächen aufwies und das meiste Land nach dem Register des klevischen Katasters von 1734 als Bruch und Bruchland, mit oder ohne Strauch, sowie Busch genutzt wurde. Bemerkenswert ist, dass diese als Allmende genutzten Flächen alle parzelliert und in „Privateigentum“ waren. Auch heute weist das ehemalige Bruchgebiet einen hohen Waldanteil auf.

Der Pflegezustand der Gräben ist unterschiedlich. Neben gut unterhaltenen und wasserführenden Hauptgräben finden sich viele nicht mehr wasserführende Nebengräben.

Der überwiegende Teil der Hof- und Katstandorte ist bereits im klevischen Kataster von 1734 eingetragen und kartographisch erfasst.

Das kultivierte Bruchgebiet ist heute strukturell sehr gut erhalten und wird lediglich vom Bahndamm der ehemaligen Boxteler Bahn (1869-1873) durchschnitten.

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2012)

Das Objekt 'Holländische Bruchkolonisation und Entwässerung Uedemerbruch' war KuLaDig-Objekt des Monats im November 2014.

Quelle
Hauptstaatsarchiv Düsseldorf. Klevische Katasterkarten: Nr. 11. Uedem, du Moulin und Enbers, 1732-1734.

Literatur

Oediger, Friedrich Wilhelm (1982)
Quellen zur inneren Geschichte der rheinischen Territorien. Grafschaft Kleve, II. Das Einkünfteverzeichnis des Grafen Dietrich IX: von 1319 und drei kleinere Verzeichnisse des rechtsrheinischen Bereichs (Erster Teil: Text, Zweiter Teil: Erläuterungen). (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde XXXVIII.) Düsseldorf.
Tillmann, Heinrich (1964)
Geschichte des Amtes Uedem. Uedem.
Zschocke, Herlig (1963)
Die Waldhufensiedlungen am linken deutschen Niederrhein. (Kölner Geographische Arbeiten 16.) Wiesbaden.

Holländische Bruchkolonisation und Entwässerung Uedemerbruch

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1295
Koordinate WGS84
51° 39′ 33,5″ N, 6° 18′ 38,68″ O / 51.6593°, 6.31074°
Koordinate UTM
32U 313998.61 5726571.04
Koordinate Gauss/Krüger
2521546.08 5725042.12

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„Holländische Bruchkolonisation und Entwässerung Uedemerbruch”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-60268-20130201-2 (Abgerufen: 14. November 2018)
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