Kürassier-Denkmal am Kennedyufer in Deutz

Denkmal des Kürassier Regiments Nr. 8, „Lanzenreiter“ südlich der Hohenzollernbrücke

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Das auch als „Lanzenreiter“ bezeichnete Kürassier-Denkmal von 1928/30 am Kennedyufer entstand erst deutlich nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs. Es ist dennoch ein typisches Beispiel des preußischen Denkmalkults seit 1871, der über das Ende der Preußenherrschaft 1918 hinauswirkte.

Nach dem Ende der preußischen Herrschaft 1918 wurde die im Rahmen des Ausbaus Kölns zur Garnisonsstadt 1820 fertig gestellte ehemalige Kaserne des Kürassieregiment Graf Geßler (Rheinisches) Nr. 8 am Deutzer Rheinufer 1927/28 zum Rheinischen Museum umgebaut. Dieses wurde später im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die nach ihrem Brustpanzer, dem Kürass, benannten Kürassiere – eine Truppe der schweren Reiterei – unterstand der 15. Division des VIII. preußischen Armee-Korps. In Köln wurden die Kürassiere wegen ihrer weißen Uniformen auch despektierlich „Mählsäck“ („Mehlsäcke“) genannt.

Aus Sorge um die Erinnerung an ihr zwischen 1815 und 1819 aufgestelltes und traditionsreiches Regiment konnten ehemalige Mitglieder des Regiments durch Sammlungen die erforderliche Summe aufbringen, um ab 1928 das Reiterstandbild eines Kürassiers als monumentales Denkmal errichten zu lassen. Mit der Gestaltung des 6½ Meter hohen Sockels wurde der Architekt und Kölner Stadtbaudirektor von 1925-1930 Adolf Abel (1882-1968) beauftragt. Als ausführender Bildhauer der bis zur Lanzenspitze etwa 6 Meter hohen Bronzeskulptur wirkte Paul Wynand (1879-1956), der durch seine Arbeiten als maßgeblicher Repräsentant der heroisch-monumentalen Stilrichtung der Zeit des Nationalsozialismus gilt.

Obgleich hier im Gegensatz zu den etwa 20 Jahre früher entstandenen, nur wenige hundert Meter weiter nördlich stehenden Reiterstandbildern an der Hohenzollernbrücke „kein Herrscher oder Feldherr, sondern ein unbekannter Soldat“ als überlebensgroßes Standbild installiert wurde, schloss das Kürassier-Denkmal dennoch deutlich „an die Pathosformeln des kaiserzeitlichen Denkmalkults“ der insbesondere in militärischen Kreisen häufig ungeliebten Weimarer Republik an.
Bei der Enthüllungsfeier 1930, die in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Konrad Adenauer (1876-1967, Kölner Oberbürgermeister 1917-1933, Bundeskanzler 1949-1963) stattfand, wurde das Ziel propagiert, die „ganze Kraft in den Dienst des Vaterlandes zu stellen, damit es aus Schmach und Unfreiheit wieder erstehe zu Ehre, Macht und Herrlichkeit“ (Zitate nach Benner 2004).

Die Inschrift auf dem Sockel des Kürassier-Denkmals lautet:
DEN GEFALLENEN / KÜRASSIER-REGIMENT / GRAF GESSLER / RHEINISCHES NR. 8 / UND KRIEGSFORMATION / TRADITIONSTRUPPENTEILE / 2. ESK. 7 (PREUSS. REITER RGT) / PANZER ABTEILUNG 65 / PANZER-REGIMENT 11

Sanierung seit 2015
Im Zuge der Neugestaltung des Deutzer Rheinufers als „Rheinboulevard“ im Rahmen der regionalen Strukturfördermaßnahme Regionale 2010 wurden Schäden am Denkmal festgestellt. Aufgrund der umfassenden Bauarbeiten am Rheinufer zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke wurde die Gelegenheit genutzt, das Reiterdenkmal zu sanieren. Zu diesem Zweck wurde es im November 2015 vorübergehend abgebaut.
„Bei der Abtragung des Mauerwerks und der Freilegung des unteren Teils des Denkmalsockels offenbarten sich an dessen inneren Betonkern starke Schäden und Risse, die in dieser massiven Form nicht vorhersehbar waren und die Standsicherheit gefährden.“ (koeln-deutz.de)

Baudenkmal
Das „Kürassier-Denkmal“ in Köln-Deutz wurde zum 1. Juli 1980 unter der Bezeichnung „Kleindenkmal (Kriegerdenkmal)“ mit der laufenden Nr. 74 in die Kölner Denkmalliste eingetragen (vgl. stadt-koeln.de).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2012/2018)

Internet
www.stadt-koeln.de: Suche in der Denkmalliste (abgerufen 31.01.2018)
www.koeln-deutz.de: Preußisches Kürassier-Denkmal in Deutz wird saniert (03.11.2015, abgerufen 05.02.2018)
de.wikipedia.org: Kürassier-Regiment „Graf Gessler“ (Rheinisches) Nr. 8 (abgerufen 25.04.2012)
de.wikipedia.org: Adolf Abel (abgerufen 25.04.2012)
de.wikipedia.org: Paul Wynand (abgerufen 25.04.2012)

Literatur

Benner, Iris (2004)
Denkmäler der Preußenzeit: Ein Stadtrundgang in Köln. (Rheinische Kunststätten, Heft 480.) S. 2-5, Köln.

Kürassier-Denkmal am Kennedyufer in Deutz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kennedyufer
Ort
50679 Köln - Deutz
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1928 bis 1930
Koordinate WGS84
50° 56′ 17,73″ N, 6° 58′ 6,97″ O / 50.93826°, 6.9686°
Koordinate UTM
32U 357274.7 5644923.95
Koordinate Gauss/Krüger
2568126.68 5645225.02

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„Kürassier-Denkmal am Kennedyufer in Deutz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-47041-20120425-2 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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