Bahnhof Aachen-Rothe Erde

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Aachen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 46′ 18,91″ N: 6° 07′ 15,08″ O 50,77192°N: 6,12086°O
Koordinate UTM 32.296.999,84 m: 5.628.414,47 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.508.569,45 m: 5.626.280,49 m
  • Bahnsteig und Gleiskörper am Bahnhof Rothe Erde in Aachen (2014)

    Bahnsteig und Gleiskörper am Bahnhof Rothe Erde in Aachen (2014)

    Copyright-Hinweis:
    Leblebici, Suzan / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.
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  • Empfangsgebäude des Bahnhofs Rothe Erde in Aachen (2014), Zugang Beverstraße

    Empfangsgebäude des Bahnhofs Rothe Erde in Aachen (2014), Zugang Beverstraße

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Der Bahnhof Rothe Erde wurde 1875 von der Aachener Industriebahn in Betrieb genommen, zunächst nur für den Güterverkehr. Von hier konnten die Kohlenzüge auf die Strecke der Rheinischen Eisenbahn von Köln nach Aachen übergehen, die 1843 eröffnet worden war.
Wohl erst mit der Vennbahn, die 1885 in Rothe Erde begann, wurde eine Haltestelle für Reisende eingerichtet.

Geschichte bis 1875
Geschichte bis 1945
Der Bahnhof nach 1945
Bahnbetriebswerk – BW
Stellwerke
Internet, Literatur

Geschichte bis 1875
Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft hatte bis 1843 die Strecke von Köln nach Aachen errichtet und in Betrieb genommen. Zwischen den Bahnhöfen Eilendorf und Aachen war kein zusätzlicher Halt vorgesehen.
Das Wurmrevier, der ältere Teil des Aachener Steinkohlenreviers, war trotz einiger Bahnstrecken von Privatgesellschaften nur unzureichend angeschlossen. Die Kohlen mussten durch Pferdefuhrwerke oder Pferdebahnen transportiert werden, um an die Bahnhöfe der Eisenbahngesellschaften zu gelangen. Erst 1870 baute die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft die Verbindung von Stolberg nach Alsdorf, um die dortigen Gruben Anna und Maria anschließen zu können.
Damit waren zahlreiche weitere Gruben und Hütten immer noch nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Daher gründeten deren Besitzer den Verein für die berg- und hüttenmännischen Interessen im Aachener Bezirk. Dieser beantragte 1872 die Konzession für ein Güterbahnnetz im Aachener Steinkohlenrevier. Nach dessen Erteilung wurde am 6. April 1872 die Aachener Industriebahn AG (AI) gegründet. Erste Strecken wurden 1875 eröffnet, die Verbindung von Aachen Nord über Haaren nach Aachen-Rothe Erde kam zum 31. Dezember 1875 hinzu.
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Geschichte bis 1945
Der Anschluss in Rothe Erde diente zunächst vor allem dem Übergang von Kohlenwagen von der Aachener Industriebahn auf die Rheinische Eisenbahn. Es wurde in einfaches Empfangsgebäude direkt an der Trierer Straße errichtet (heute Aachen Arkaden). Spätestens 1880 erfolgte auch Personenverkehr auf der Aachener Industriebahn nach Rothe Erde.
Im September 1881 wurde mit dem Bau der Vennbahn Richtung Luxemburg von Rothe Erde aus begonnen. Mitte 1885 war die 17,3 Kilometer lange Teilstrecke nach Walheim in Betrieb genommen; die gesamte Strecke im November 1889.

Die Aachener Industriebahn änderte zum 1. Oktober 1882 ihren Namen in Aachen-Jülicher Eisenbahn (A.I. | A.I.E.). Im Zuge der Verstaatlichung der großen Privatbahngesellschaften ab Ende der 1870er Jahre übernahmen die Preußischen Staatsbahnen zum 1. Januar 1887 die Betriebsführung der A.I. Die Gesellschaft löste sich am 1. Mai dieses Jahres auf.
Die Trasse der Rheinischen Eisenbahn (RhE) lag zunächst südöstlich der heutigen, im Verlauf der Straßen Krautmühlenweg und Eisenbahnweg. Das bedeutete zum einen, dass die verkehrsreiche Trierer Straße ebenerdig gequert werden musste. Zum anderen mussten auch die Züge von Aachen-Nord und Haaren die Gleise der RhE auf gleicher Höhe queren. Bis 1892 wurde daher die Trasse in die heutige Lage verlegt und ein Damm errichtet.
Das alte Empfangsgebäude der Aachener Industriebahn wurde 1891 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der in den Bahndamm integriert war. Die Trierer Straße unterfuhr die Eisenbahn auf einer nur 12 Meter breiten Brücke, die später durch einen breiteren Neubau ersetzt wurde.

Vor 1914 nannte man den Bahnhof Rothe Erde in Aachen-Rothe Erde um. Gegen die Benennung „Rothe Erde“ hatte sich ursprünglich die lokale Bevölkerung gewehrt, da man nicht sofort mit den großen Industriebetrieben in Verbindung gebracht werden wollte. Sie bevorzugte die Benennung „Aachen-Ost“.
Die Aachener Straßenbahn, die auf der Trierer Straße Richtung Brand fuhr, hatte eine Gleisverbindung zum Güterbahnhof und zur Güterhalle. Mit speziellen Güterwagen, die von Straßenbahntriebwagen gezogen wurden, beförderte man vor allem Kohlen, Schüttgüter, Baumaterial und Industrieprodukte zu den jeweiligen Anschließern.

Wegen der wichtigen Verbindungen zum Aachener Steinkohlenrevier hatte der Bahnhof vor und während sowohl des Ersten als auch des Zweiten Weltkrieges umfangreiche Dienste zu leisten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 25. Mai 1944, wurde das Bahnhofsareal durch alliierte Luftangriffe weitgehend zerstört, die Brücke über die Trierer Straße gesprengt, der Betrieb eingestellt.
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Der Bahnhof nach 1945
Nach Beseitigung aller Schäden nicht nur im Bahnhof Rothe Erde, sondern auch der übrigen Bahnhöfe entlang der Strecke von Aachen nach Köln, konnte im Jahr 1946 der reguläre Eisenbahnverkehr wieder aufgenommen werden.
Zum Ende des Jahrhunderts verlor der Güterverkehr im Bahnhof Rothe Erde immer mehr an Bedeutung. Die Stahlindustrie wurde stillgelegt, die Kohlenförderung eingestellt. Damit entfielen die Transporte von Massengütern wie Kohle, Kalk und Erze. Im Güterverkehr ist nur noch die Verbindung über die alte Industriebahn Richtung Aachen-Nord erhalten geblieben mit einigen wenigen Anschlüssen an Industriebetriebe.
Im Bereich der früheren Güterhalle, die an der Stelle des Bahnhofes der Aachener Industriebahn lag, entstand ein neues Einkaufszentrum, die sogenannten Aachen-Arkaden. Im April 2004 wurde begonnen, die nicht mehr benötigten Teile des alten Güterbereiches zu beseitigen. Damit sollte Platz für die folgenden Bauarbeiten geschaffen werden. Am 7. April 2004 riss man das stillgelegte Stellwerk Rr ein. Am folgenden Tag begannen die Abrissarbeiten am alten Güterschuppen.

Im Personenverkehr fahren die RegionalExpresslinien RE 1 und RE 9 sowie die RB 20, die Regionalbahn der Euregiobahn, den Bahnhof an. Für diesen Verkehr ist im Personenbahnhof ein Mittelbahnsteig mit Treppenaufgang von der Trierer Straße vorhanden, der 2007 und 2008 saniert wurde.
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Bahnbetriebswerk – BW
Der Bahnhof Rothe Erde war der Ausgangspunkt der Vennbahn Richtung Eifel und Luxemburg. Hier wurde ein Bahnbetriebswerk für die Güterzuglokomotiven angelegt und am 6. Juni 1885 in Betrieb genommen. Des Weiteren wurden hier Güterzuglokomotiven für die Strecken gewartet, die von Rothe Erde aus bedient wurden.
Im Bereich am Vennbahnweg und Eisenbahnweg (nördlich der Trasse der Vennbahn) lagen die Anlagen des Betriebswerkes. Es gab neben den üblichen Betriebsgebäuden wie Werkstatt, Ölkeller, Wagenausbesserungshalle, Kohlenbansen, Wagenreinigung usw. einen Ringlokschuppen mit vorgelagerter Drehscheibe und einen Wasserturm zur Versorgung der Dampflokomotiven (abgerissen September 1967).
Noch 1925 waren hier 18 Dampflokomotiven aus fünf Baureihen stationiert. Dennoch wurde das Werk zum 1. April 1932 geschlossen; es wurde Außenstelle des Bw Aachen Hbf. Für das Abschiedsphoto vom 20. März 1932 stellten sich immerhin 122 Personen auf (siehe Guido Rademacher, Bahnbetriebswerk Rothe Erde).
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Stellwerke
Bedingt durch die umfangreichen Rangierbewegungen waren im Bahnhof Rothe Erde sieben Stellwerke erforderlich, die für die jeweiligen Rangierbezirke zuständig waren.
Mit der Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerkes im Aachener Hauptbahnhof im November 2007 wurden die noch vorhandenen Stellwerke in Rothe Erde außer Dienst gestellt. Die Gebäude der Stellwerke Rpf und Rgf sind noch vorhanden, werden jedoch nicht mehr genutzt. Das Stellwerk Rr wurde 2004 abgerissen.
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(Natalja Holland, Fachhochschule Köln, 2014 / Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2022)

Internet
nrwbahnarchiv.bplaced.net: NRW Bahnarchiv von André Joost - Bahnhof Aachen-Rothe Erde (Abgerufen: 8.11.2022)
de.wikipedia.org: Bahnhof Aachen-Rothe Erde (Abgerufen: 8.11.2022)
www.gessen.de: Reinhard Gessen, Bergbau und Eisenbahnen in der Region Aachen-Düren-Heinsberg. Bahnhof Rothe Erde (Abgerufen: 8.11.2022)
www.aachenbahn.de: Stefan von der Ruhren, Eisenbahnen in Aachen und der Euregio Maas-Rhein. Bahnhof Rothe Erde (Abgerufen: 8.11.2022)
www.guidorademacher.de: Guido Rademacher, Bahnbetriebswerk Rothe Erde (Abgerufen: 8.11.2022)
www.wisoveg.de: Historische Bahnhofsansichten von Gustav Zahn Serie 1990/91 (Abgerufen: 8.11.2022)
de.wikipedia.org: Aachener Industriebahn (Abgerufen: 8.11.2022)

Literatur

Barthels, Thomas (2008)
Bahnhöfe im Rheinland zur Reichsbahnzeit. Plan S. 14, Mönchengladbach.
Höltge, Dieter; Reuther, Axel (2001)
Köln, Düren, Aachen. (Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 7.) S. 35-38, Freiburg.

Bahnhof Aachen-Rothe Erde

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Beverstraße 48
Ort
52066 Aachen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1875 bis 0, Ende 0 bis 0

Empfohlene Zitierweise

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Natalja Holland (2014), Claus Weber (2022): „Bahnhof Aachen-Rothe Erde”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-113233-20150121-2 (Abgerufen: 15. April 2024)
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