Mittelalterliche Stadtbefestigung Andernach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Andernach
Kreis(e): Mayen-Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Der Umstand, dass Andernach der Sitz einer fränkischen Königspfalz wurde, hat veranlasst, dass man hier die römische Ummauerung nicht verfallen ließ. Im Jahr 859 n. Chr. wird in den „Annales Fuldenses“ ausdrücklich das „Castellum Anternacum“ erwähnt. 876 n. Chr. Zog sich der ostfränkische König Ludwig im Kampf mit dem Westfranken Karl in das wiederum als Kastell bezeichnete Andernach zurück. Dieser Umstand zeigt eindeutig, dass die alte Befestigung von Andernach damals noch eine Bedeutung gehabt haben muss. Die römischen Mauern sind stellenweise bis heute erhalten. Man geht daher davon aus, dass Andernach seit den Römern ein geschlossener Ort war.

Der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg (nach 1070-1131, Erzbischof von Köln 1100-1131) nahm nach dem Zeugnis der Kölner Chronik eine Neubefestigung von Andernach vor. Diese wurde im Jahr 1109 umgesetzt. Die Baumaßnahme bestand in der Erneuerung der römischen Mauer im Norden, Westen und Südwesten der Stadt sowie in der Errichtung einer neuen Mauer im Osten. Die neue Ostmauer sicherte den Teil der Stadt, welcher schon über den römischen Mauerring hinausgewachsen war. Diese Mauer wird erstmals 1129 genannt.
Im Jahr 1198 hat die Stadtbefestigung bei der Verwüstung von Andernach stark gelitten. Wahrscheinlich sind schon kurze Zeit später Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen worden. Im Jahr 1249 erweiterte Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238-1261) das östliche Stadttor mit einem Turm und ließ die Gemäuer erhöhen.

1228 und 1236 wird die „Cornporthe“, 1249 die „Collenportz“ und 1296 die Schafpforte genannt. 1300 lässt Erzbischof Wigbold von Holte († 1304, 1297-1304 Erzbischof von Köln) einen Graben anlegen. Des Weiteren geht man davon aus, dass im Zuge der Herstellung des Grabens auch andere Teile der Befestigung saniert wurden. 1340 wird wurde einem Pfarrer Gerhard auf Lebenszeit ein Turm (vermutlich der „Weiße Turm“) nahe der Stadtmauer bei der Pfarrkirche zu Wohnzwecken übergeben. Im Jahr 1448 wird der Bau des sogenannten „Runden Turms“ begonnen. Dieser wird identisch dem „neuen Turm“ gebaut. 1515 gestattete der Kölner Erzbischof der Stadt zur Herstellung ihrer Mauern und Türme die Erhebung eines Turnosen (Münze) von dem erzbischöflichen Zoll in Andernach. Für das Interesse des Landsherren an der Befestigung der Stadt spricht, wenn Erzbischof Adolf von Köln im Jahr 1554 eine jährliche Rente von 100 Goldgulden zur Reparierung und Unterhaltung der Stadtmauern und Tore versprach. Nach einem Angriff auf die „Zollporz“ im Jahr 1591 beschloss der Rat einen neuen Graben vom Runden Turm bis zum alten Zollhaus ziehen zu lassen.

1633 beschossen kaiserliche Truppen das von den Schweden besetzte Andernach. Unter diesem Beschuss litt die Befestigung. Vor ihrem Abzug setzten die Schweden alle Tore in Brand. Ein Jahr danach begann die Wiederherstellung der Befestigungsanlage. 1646 ließ der französische Marschall Turenne die Stadt beschießen. Er konnte jedoch die Befestigung nicht einnehmen. Die Mauern wurden direkt danach wieder saniert. In den Jahren 1659 bis 1661 erfolgte der Bau des Bollwerks. Mit der Burg wurden im Jahr 1689 auch die Mauern der Stadtbefestigung von den Franzosen beschädigt. Im Jahr 1819 schenkte der König von Preußen die im Norden und Osten gelegenen Mauern der Stadt. 1820 wurde die Nordmauer größtenteils und 1850 die Westmauer nebst den Toren der Südfront niedergelegt.

Die gut erhaltende Stadtbefestigung gehört zu den bedeutendsten Denkmälern mittelalterlicher Befestigungskunst am Rhein. Sowohl in ihrer Ausdehnung als auch durch den Umstand, dass ihr in Verbindung mit der kurkölnischen Burg an der Südseite von vornherein eine besondere strategische Aufgabe für die große Handelsstraße am Rhein zukam.
Im nördlichen Verlauf ist die Befestigung unter der Verwendung der ursprünglich römischen Mauer entstanden. Große Teile am nordwestlichen, westlichen Teil und kleinere an der südwestlichen Mauer zeigen noch im aufgehenden Mauerwerk die Reste der römischen Anlage. Im Mittelalter erweiterte man die Stadt nach Süden hin und legte den überflüssig gewordenen östlichen Teil des römischen Mauerzuges nieder. Die durchschnittlich 12 m hohen Türme, welche in bestimmten Abschnitten die Mauer unterbrechen sind innen mit hohen Rundbögen stadtseits geöffnet.

(Simon Künzel, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Literatur

Busley, Josef (1941)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. Düsseldorf.
Heyen, Franz-Josef (1988)
Andernach. Andernach.
Schäfer, Klaus (o.J.)
Andernach am Rhein. o. O.
Schindler, O. H. / Huiskes, Manfred (1979)
Andernach (Innenstadt) (2. neu bearb. Auflage). (Rheinische Kunststätten, Heft 8.) Neuss.

Mittelalterliche Stadtbefestigung Andernach

Schlagwörter
Ort
Andernach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1109 bis 1129
Koordinate WGS84
50° 26′ 22,96″ N, 7° 24′ 2,48″ O / 50.43971°, 7.40069°
Koordinate UTM
32U 386433.58 5588743.66
Koordinate Gauss/Krüger
2599546.43 5590256.87

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„Mittelalterliche Stadtbefestigung Andernach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-102947-20140910-2 (Abgerufen: 25. Mai 2018)
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