Der 1845 eröffnete Deutzer Bahnhofs diente hauptsächlich für die Ost-West-Bahnverbindung über den Rhein zu dem nur wenig später neu errichteten „Cölner Central-Personenbahnhof“, dem heutigen Hauptbahnhof. Unterhalb der hierfür dienenden Bahnsteige wurde gleichzeitig mit den „Deutz-Tief“ benannten Gleisen der Nord-Süd-Verkehr angebunden, womit Köln rechtrheinisch quasi einen zweiten Hauptbahnhof hatte.
(Der nachfolgend einzig im historischen Kontext verwendete Begriff „Zigeuner“ ist eine Fremdbezeichnung, die als diskriminierend abgelehnt wird. Üblicherweise wird heute das Wortpaar „Sinti und Roma“ verwendet, dessen Verwendung allgemein als respektvoll und angemessen angesehen wird; vgl. dazu ausführlicher hier.)
Ausgangspunkt von Deportationen in NS-Konzentrationslager
Die Bahnsteige von „Deutz-Tief“ dienten während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland in den Jahren zwischen 1940 und 1944 als Startpunkt für den Transport von über 11.000 Juden, Roma, Sinti, Jenischen, Homosexuellen, „Asozialen“ und anderen Inhaftierten aus dem sogenannten „Zigeunerlager“ am Schwarz-Weiß-Platz in Bickendorf oder von dem unmittelbar benachbarten Kölner NS-Messelager in das Konzentrationslager Buchenwald nahe der Stadt Weimar in Thüringen.
Die deutschsprachige Wikipedia führt abweichend dazu an, dass von hier im Oktober 1941 der erste Transport abfuhr und der letzte bekannte am 1. Oktober 1944 in das KZ Theresienstadt im heutigen Tschechien geschickt wurde. Im Kontext des Müngersdorfer NS-Sammel- und Deportationslagers werden als weitere Zielorte von Deportationen aus Köln daneben noch das Vernichtungslager Maly Trostenez bei Minsk (Belarus) und die im damals deutsch besetzten Polen liegenden NS-Konzentrationslager Belzec, Sobibor, Treblinka und Auschwitz-Birkenau genannt (www.buergerverein-koeln-muengersdorf.de).
Zum Kölner Deutzer Bahnhof berichtet das Projekt „Deutz-Tief - Gleis ins Vergessen“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ, hier und nachfolgend zitiert nach www.stiftung-evz.de):
„Der Ort, heute ein alltäglicher Verkehrsknotenpunkt, war 1940 Schauplatz einer der frühesten Deportationen aus dem Rheinland. Viele der damals Verschleppten kehrten nie zurück, ihre Namen und Geschichten blieben lange unsichtbar - mit Folgen für ihre Familien bis in die Gegenwart.“
Als zentrale und wichtigste Behörde der Verfolgungsmaßnahmen in Köln wird die städtische Kriminalpolizei benannt. Diese legte in enger Zusammenarbeit mit dem pseudowissenschaftlichen NS-Institut der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ (RHF) Karteien über Sinti-, Roma- und Jenische Familien an und war verantwortlich für Schikanen wie zumeist willkürliche Vernehmungen und Inhaftierungen sowie der Vorbereitung für die Deportationen in den Tod:
„Gemeinsam mit dem Wohlfahrtsamt wies die Kripo Sinti, Roma und Jenische aus Köln und dem Rheinland in das Lager am Schwarz-Weiß-Platz ein und überwachte dessen Belegung. … Im Mai 1940 brachte die Kripo erstmals betroffene Familien zum Sammellager auf dem Kölner Messegelände und organisierte den Transport zum Bahnhof Köln-Deutz. Von dort wurden sie in das besetzte Polen deportiert.“
Gedenken und Erinnerung
Ein auf Initiative der Stadt Köln errichtetes Mahnmal an der Unterführung Auenweg erinnert an diese Transporte. Die in Versalien gehaltene Inschrift auf der am 9. März 1990 eingeweihten roten Sandsteintafel lautet:
An / dieser Stelle
war der Aufgang / zum Bahnhof Deutz-Tief. Von hier aus
wurden 1940/41 mehr als 1500 Sinti / und Roma und seit 1941 über 11000 Juden
in Konzentrationslager deportiert.
Zudem wurden die Häftlinge des Messelagers / Deutz hier an- und abtransportiert.
Über diese Treppe gingen viele Menschen / in den Tod
war der Aufgang / zum Bahnhof Deutz-Tief. Von hier aus
wurden 1940/41 mehr als 1500 Sinti / und Roma und seit 1941 über 11000 Juden
in Konzentrationslager deportiert.
Zudem wurden die Häftlinge des Messelagers / Deutz hier an- und abtransportiert.
Über diese Treppe gingen viele Menschen / in den Tod
Der durch seine „Stolpersteine“ für Opfer des Nationalsozialismus bekannte Künstler Gunter Demnig (*1947) hat 1990 vom Deutzer Bahnhof ausgehend eine Farbspur mit den Worten „Mai 1940 - 1.000 Roma und Sinti“ über eine Länge von 10 Kilometern quer durch die Kölner Innenstadt gelegt. Anlass war der 50. Jahrestag der Deportation der Kölner „Zigeunerinnen und Zigeuner“ zwischen dem 16. und 21. Mai 1940. Die Spur führt zum früheren „Zigeunerlager Schwarz-Weiß“ ins linksrheinische Bickendorf.
Das vorab bereits genannte erinnerungskulturelle Projekt „Deutz-Tief - Gleis ins Vergessen“ der Stiftung EVZ macht die weitgehend unbekannte Geschichte der Verfolgung und Deportation von Sinti und Roma, Jenischen und weiteren marginalisierten Gruppen sichtbar (www.stiftung-evz.de).
Eine 2026 auf Initiative der Sinti Allianz NRW e.V. angebrachte Erinnerungsplakette am Bahnhof Deutz führt mittels eines QR-Codes zur digitalen Plattform der Stiftung EVZ, wo sich neben Biografien und Geschichten der verfolgten und von hier deportierten Menschen eine Podcast-Reihe findet, die sich mit den nationalsozialistischen Verbrechen in Köln und deren historischer Einordnung beschäftigt.
(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026 / Vorarbeiten von Fabian Lagodny, Universität Bonn, 2013 und Karl-Heinz Buchholz, LVR-Redaktion KuLaDig, 2011)
Internet
www.stiftung-evz.de: Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Deutz-Tief - Gleis ins Vergessen (abgerufen 11.09.2026)
sintiallianzdeutschland.de: Sinti Allianz Deutschland e. V. (abgerufen 11.09.2026)
gedenkorte.sintiundroma.de: Köln, Auenweg: Erinnerung an die Deportationen, die vom Bahnhof Köln-Deutz ausgingen (abgerufen 11.09.2026)
gedenkorte.sintiundroma.de: Köln, Kennedy Ufer: Mahnmal, das an die Massendeportation von über 1.500 Sinti und Roma aus Köln erinnert (abgerufen 11.09.2026)
www.buergerverein-koeln-muengersdorf.de: Gedenkort Deportationslager Köln-Müngersdorf 1941-1945 (abgerufen 11.09.2026)
de.wikipedia.org: Bahnhof Köln Messe/Deutz (abgerufen 11.09.2026)
de.wikipedia.org: Rassenhygienische Forschungsstelle (abgerufen 11.09.2026)