Bronzebüste des schwedischen Chemikers Alfred Bernhard Nobel (1833-1896) auf dem Vorplatz des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Dynamit AG in Leverkusen-Manfort (2021). Nobel entdeckte den Sprengstoff Dynamit, begründete als Industrieller das Unternehmen "Alfred Nobel & Co." (die spätere "Dynamit AG") und stiftete die Nobelpreise.
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Willy Borgfeldt
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Bronzebüste des schwedischen Chemikers Alfred Bernhard Nobel (1833-1896) auf dem Vorplatz des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Dynamit AG in Leverkusen-Manfort (2021). Nobel entdeckte den Sprengstoff Dynamit, begründete als Industrieller das Unternehmen "Alfred Nobel & Co." (die spätere "Dynamit AG") und stiftete die Nobelpreise.
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Die Fabrik im Thurner Wald bei Dellbrück wurde 1889 für die Herstellung von Spengkapseln für Munition errichtet. Später wuchs das Werk zur zeitweise größten Sprengkapselfabrik in Deutschland an.
Lage, Objektgeometrie Im historischen Kartenwerk der zwischen 1891 und 1912 erarbeiteten Preußischen Neuaufnahme findet sich auf dem auf 1893 datierten Kartenblatt nördlich von Dellbrück das Areal einer „Sprengkapsel-Fbr.“ eingezeichnet. Das auf 1844 datierte Blatt der älteren Preußischen Uraufnahme (1836-1850) zeigt das spätere Fabrikgelände noch völlig unbebaut, während die topographischen Karten der TK 1936-1945 die rund 4,3 Hektar Fläche umfassende Betriebsfläche - nun allerdings ohne Benennung - lediglich erahnen lassen. Die hier eingezeichnete Objektgeometrie orientiert sich am Bild der Preußischen Neuaufnahme (vgl. Kartenansichten). Das einstige Betriebsgelände befindet sich im Thurner Wald, dem südlichen Ausläufer des knapp 950 Hektar Fläche einnehmenden Dünnwalder Walds sowie nahe des nach Osten hin angrenzenden heutigen Naturschutzgebiets „Thielenbruch und Thurner Wald“. Das Areal liegt gleich gegenüber des heutigen Gewerbe- und Industriegebiets Leskan-Park, das wiederum in Kern auf eine Kesselfabrik Walther & Cie zurückgeht.
Ausgelöst durch die Entdeckung des revolutionären Explosivstoffs Dynamit durch Alfred Nobel im Jahr 1866, setzte ein regelrechter Dynamit-Boom ein. Der neue Sprengstoff veränderte in der Zeit der Industrialisierung weltweit ganze Industrie- und Wirtschaftsbereiche nachhaltig, darunter auch die Montanindustrie im Bergischen Land und im Ruhrgebiet. In den Jahrzehnten vor der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden (und verschwanden teils auch rasch wieder) zahlreiche Sprengstoff-Fabriken in dem als „explosiv“ geltenden Areal zwischen Opladen/Leverkusen, Schlebusch und den östlichen Regionen Kölns.
Deutsche Sprengkapselfabrik Dellbrück Die Konzession zur Errichtung der Dellbrücker Sprengkapselfabrik wurde zum 23. Oktober 1888 einem Kölner Ingenieur namens Barca erteilt, der die ersten Anlagen zu beiden Seiten des Dellbrücker Steinwegs 1889 errichten ließ. Noch während des Baus wurde das Areal beträchtlich erweitert und das Unternehmen in Deutsche Sprengkapselfabrik AG (ab 1903 GmbH) umfirmiert - nun auf Konzession von Dr. Max Bielefeld, der Geschäftsführer der zur Deutsche Sprengstoff AG (DSAG) gehörenden Dynamitfabrik Wahn war (Trimborn 2002). 1890 konnte der Betrieb auf dem 5 Hektar großen Gelände in etwa 20 Gebäuden aufgenommen werden. Von den Bauten diente die Hälfte der Herstellung von Spengkapseln für Munition (zu historischen Entwicklung der so genannten „Anzündhütchen“, „Zündhütchen“ oder „Zündkapseln“ vgl. hier). Im Jahr 1900 waren hier 30 Arbeiter beschäftigt. Mehrfache Erweiterungen des Werks erfolgten trotz vorgebrachter Bedenken zu Umweltschäden wie einem befürchteten Waldsterben, die durch Gutachten zerstreut werden konnten. Die für die Fertigung der Sprengkapseln benötigte Pikrinsäure bezog man von einer Pikrinsäurefabrik C. vom Bauer aus Gruiten (heute Kreis Mettmann), ab 1906 wurde auch TNT zur Kapselaufladung verwendet. Durch Geländezukäufe ab 1915 wuchs das Werk zur größten Sprengkapselfabrik in Deutschland mit rund 60 Hektar Fläche und 65 Gebäuden an. Ab 1917 wurden in einen eigenen Spritzgußwerk die Hülsen für Zündsätze selbst produziert.
Ob hier während des Ersten Weltkriegs Munition entwickelt wurde, erscheint zweifelhaft - ebenso, ob ein 1921 erbautes Versuchslabor auf eine bereits vorherige Einrichtung zurückgeht. Nach dem Krieg wurden die „Kriegsgenehmigungen“ 1922 in „normale“ Konzessionen umgeschrieben. Nach Trimborn (2002) war die Sprengstoffproduktion bereits 1923 zum Erliegen gekommen und die Maschinen zur Sprengkapselfertigung an ein Spritzgußwerk verpachtet worden. Dem widersprechende Angaben, wonach hier zwischen 1890 und 1944 „ohne Unterbrechung“ die Produktion von Sprengkapseln erfolgte, fußen wahrscheinlich einzig auf seinerzeit fortbestehenden Konzessionen.
1924 erwarb die Rheinisch Westfälische Sprengstoff AG (RWS) das Werk, die zuvor bereits über einen Kartellverband unter Führung der Dynamit AG (DAG) Anteile an der GmbH gehalten hatte (zu diesem „Pulverkartell“ vgl. hier). Zusammen mit der RWS ging das Dellbrücker Werk 1931 über eine Fusion in die DAG über. „Als 1935 die wieder in eine AG umfirmierte Deutsche Sprengkapselfabrik AG liquidiert wurde, erzeugte die DAG in Dellbrück Sprengkapseln in 'Sonderfertigung'“, die bis 1944 von der ebenfalls zur DAG gehörenden Troisdorfer Zündhütchenfabrik „Züfa“ betreut wurde (Trimborn 2002). Über die DAG erfolgten ab 1936 militärische Forschungen zu spreng- und schießtechnischen Entwicklungen, darunter auf einem 1942 angeschlossenen „Sprengstoff-Versuchsstand“. Während des Zweiten Weltkriegs zogen mehrere militärische Behörden auf dem Gelände ein, Beschlagnahmungen führten schließlich 1944 zur Einstellung der Produktion. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden viele Gebäude gesprengt und das 3 Hektar Betriebsfläche und 54 Hektar Wald umfassende Werksgelände aufgeteilt. Ein Teil wurde vom englischen Militär als Lager genutzt und das „Herrenhaus“ (vermutlich eine Direktionsvilla) von einem Edmund Ritter von Herz als Wohnhaus gepachtet. Ferner siedelte sich hier eine Molkerei an und ein Unternehmen, das Patronen zur Schädlingsbekämpfung herstellte.
Die den Krieg überdauernde Dynamit AG begann auf dem Gelände 1955/56 mit der Produktion von pyrotechnischen Artikeln unter Leitung des vorab genannten Ritters von Herz, der nun DAG-Mitarbeiter war. Ab 1957 erfolgten wieder Forschungen und Entwicklungen zu Treibmitteln für Flugkörper, Raketen und panzerbrechenden Waffen. Dellbrück war zeitweise Sitz der Hauptabteilung Forschung und Entwicklung der DAG. Die Belegschaft wuchs auf fast 100 im Jahr 1980 an und für 1988 werden über 40 Gebäude genannt (ebd.). Zum Jahresende 1994 wurde der Standort der Dynamit AG in Dellbrück geschlossen, die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der DAG wechselten nach Burbach-Würgendorf im Siegerland.
Internet stadtgeschichte-lev.de: „Leverkusen explosiv. Geschichte der Sprengstoffproduktion“, Gemeinschaftsausstellung des Bergischen Geschichtsvereins und der Stadtgeschichtlichen Vereinigung, 16. Juni bis 25. August 2024 (abgerufen 20.02.2026) nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Naturschutzgebiet „Thielenbruch und Thurner Wald“ (K-002) (abgerufen 20.02.2026)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 136-137, Köln.
Deutsche Sprengkapselfabrik im Thurner Wald bei Dellbrück
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